Gemeinderat Stefan Stürzel (B90/Grüne) antwortet...

Guten Tag Herr Fröhlich,
weil ich seit Ihrer E-Mail jeden Abend einen Sitzungstermin hatte, melde ich mich erst jetzt. Vorneweg weise ich darauf hin, dass ich erst seit eineinhalb Jahren im Gemeinderat bin und noch nicht so gut formulieren kann. Wie ich inzwischen erfahren habe, haben sie die rethorisch geschickt formulierte Kampagne (z. B. in der Überschrift Fällung von 164 Bäumen und im Text deutlich geringere und somit eher zutreffende Zahlen) im Internet initiiert. Da kann ich leider nicht mithalten. Ich versuche es trotzdem meine Motivation und Meinung zu schildern:
Populismus mag ich nicht. Das heißt ich glaube nicht an so einfache Lösungen, wie z. B. dass das Abschieben von Ausländern alle Verbrechen verhindert oder dass der Erhalt aller Bäume der Weingartenstraße unter gleichzeitigem Verzicht eines besseren Radwegs dem Klimaschutz dient.
Dagegen ist in meinen Augen der Klimaschutz eines der wichtigsten Anliegen oder vielleicht sogar das wichtigste Anliegen unserer Zeit. Für einen wichtigen Anteil im Klimaschutz halte ich die Verkehrswende weg vom hohen Anteil des Kfz-Verkehrs hin zu Fahrrad, ÖPNV und einem reduzierten Kfz-Anteil. Diese Wende kommt sowohl in der Bundespolitik wie auch in der Offenburger Lokalpolitik leider bisher (fast) nicht voran. Aktuell geht es nicht um einen Baubeschluss für eine konkrete Bauplanung und somit um eine konkrete Anzahl von zu fällenden Bäumen, sondern um einen weiteren Planungsschritt auf dem Weg hin zu deutlich verbesserten Radwegen an der Moltke- und der Weingartenstraße in Offenburg. Damit künftig endlich mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen. Daher will ich hier selbstverständlich der Vorlage der Stadtverwaltung im Gemeinderat zustimmen. Ebenso selbstverständlich setze ich mich auch dafür ein, dass bei den weiteren Planungen möglichst viele der großen Bäume erhalten bleiben. Vorrangig sehe ich aber den Klimaschutz und somit die Verkehrswende. Aus meiner Sicht darf es mit dem Verkehr in Offenburg und auch bundesweit gerade nicht so bleiben wie bisher, da dann die Klimaerwärmung sogar deutlich verstärkt voranschreitet. Bei den dann zu erwartenden deutlich höheren Temperaturen gehe ich nämlich davon aus, dass dann noch mehr Bäume in Offenburg und somit auch in der Weingartenstraße den Hitzetod sterben.
Hinzu kommt, dass von der Stadt Offenburg in den letzten Jahren auf städtischen Grundstücken (vor allem zur Verkehrssicherheit bei Hitzeschäden) immer mehr Bäume gefällt und immer weniger nachgepflanzt werden. So waren es letztes Jahr über 600 (davon über 300 mit einem Stammumfang über 80 cm) gefällte und im Unterschied zu 300 im Vorjahr nur noch 190 nachgepflanzte. Künftig sollen nur noch maximal 110 Bäume pro Jahr nachgepflanzt werden. In der gestrigen Umweltausschusssitzung sprach ich mich im Namen der Grünen Fraktion als einziger Sprecher in der Fraktionsrunde gegen die hohe Anzahl von Fällungen und gegen die beabsichtigte Reduzierung der Nachpflanzungen aus.
Außerdem gehe ich davon aus, dass Ihre Kampagne den Auto-Lobbyisten gefällt. Falls nämlich diese Vorlage auf Grund Ihrer Kampagne im Gemeinderat keine Mehrheit finden sollte und somit die für diese Radwege vorgesehenen 5 Millionen Euro frei werden, dann machen sich die Auto-Lobbyisten wahrscheinlich die Hoffnung, diesen Betrag in noch mehr Straßen für Autos stecken zu können.
Die Mitglieder des Verkehrs- und des Umweltausschusses aus unserer Fraktion erhalten diese E-Mail zur Information. Schließlich spreche ich hier nur für mich und nicht im Namen der Fraktion.
Freundliche Grüße
Stefan