Gegen die Säureattacken in Iran und für mehr Sicherheit für iranische Frauen


Gegen die Säureattacken in Iran und für mehr Sicherheit für iranische Frauen
Das Problem
In den ersten Herbstwochen wurden mehrere Frauen in der iranischen Stadt Isfahan Opfer von Säureattacken. Der Polizeichef der Islamischen Republik Iran sprach von 8 Frauen, die von Unbekannten mit einer hochgefährlichen Säure attackiert und schwer verletzt wurden. Eine der Frauen erlag ihren Verletzungen, die anderen erlitten schlimme Verätzungen, verloren teilweise oder ganz ihr Augenlicht, bei manchen wurden die Gesichter bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Bisher wurden die Täter nicht ausfindig gemacht, manche Hardliner versuchen sogar die Aufklärung der Fälle zu erschweren.
Wir fordern den iranischen Präsidenten und die iranische Justiz auf, diese Anschläge unverzüglich aufzuklären, die Ergebnisse ihrer Ermittlungen offenzulegen und die Drahtzieher zur Rechenschaft zu ziehen. Wir verlangen außerdem von der iranischen Regierung, für die Sicherheit der Frauen im öffentlichen Raum zu sorgen. Uns ist bewusst, dass die gesamte Staatsführung des Landes die Verantwortung für diese Fälle trägt
Wir bitten auch die europäischen Staatschefs, den Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muižnieks, und den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Zeid Ra’ad Al Hussein, die iranische Regierung und Justiz für eine schnelle Aufklärung der Säureattacken in Isfahan aufzufordern und von ihnen die Gewährleistung von Sicherheit der Frauen in den öffentlichen Räumen zu verlangen.
Erstunterzeichner_innen
Leonie Baumann Weißensee Kunsthochschule Berlin Rektorin | President, Prof. Dr. Ulrike Bergermann Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Franziska Brantner, MdB & Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis, Katja Dörner Bündnis90/ Die Grünen, Stellvertretende Vorsitzende der Grünen Bundestagfraktion, Parastou Forouhar Künstlerin, Bernhard Karl Around the World in 14 Films Festivaldirektor. Tom Koenigs Deutscher Bundestag Bündnis 90/Die Grünen MdB, Prof. Dr. Hanne Loreck HFBK Hamburg SSP Theorie & Geschichte Vizepräsidentin, Prof. Nanne Meyer Weißensee Kunsthochschule Berlin, Prof. Dr. Claus Melter Hochschule Esslingen, Prof. f. Soziale Arbeit, Omid Nouripour MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Prof. Dr. Michaela Ott HFBK, Prof. f. Ästhetische Theorien, Mechthild Rawert SPD MdB AG Gesundheit, Claudia Roth Deutscher Bundestag Vizepräsidentin, Ali Samadi- Ahadi Regisseur u. Drehbuchautor, Ulle Schauws Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen MdB & Sprecherin für Frauenpolitik, Prof. Dr. Jilla Siassi Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Jasmin Tabatabai Schauspielerin, Dr. Nasrin Bassiri Frauenbeauftragte an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, Shirin Famili Journalistin, Kyanoush Majidi Architektin, Farah Melter Mediengestalterin und Autorin, Akram Mohammadi Autorin, Mahdiye Salehipour OP-Schwester, Vahideh ZiaMahmoodi Informatikerin
<!--EndFragment-->
Wer wir sind:
Der Verein iranischer Frauen in Berlin wurde vor etwa zwanzig Jahren gegründet und setzt sich für die Chancengleichheit der iranischen Frauen ein. Die Mitglieder informieren sich gegenseitig, bilden sich in für die Gleichstellung relevanten Themen weiter, halten Kontakt zu Frauenrechtsaktivistinnen und Feministinnen im Iran und organisieren vielfältige Veranstaltungen.
Verein iranischer Frauen (Berlin) ist eng mit der Internationalen Frauenorganisation S.U.S.I verbunden.
Kontakt:
Nasrin Bassiri Journalistin Mobile 0049 1636363712 nasrinbassiri@aol.com
Kontakt f. persischspachige Medien Shirin Familie Journalistin Mobile 0049 171 4469298 familits@googlemail.com
Die Hintergründe der Säureattacken
Ayatollah Tabatabaienejad, Mitglied des einflussreichen „Expertenrats“, und von dem obersten religiösen Führer zu Imam in Isfahan ernannt, sagte in seiner Rede während eines Freitagsgebetes kurz vor den Säure-Anschlägen: „Nur mündliche Belehrung der Frauen reicht nicht aus, um Verstöße gegen islamische Kleiderordnung zu begegnen, man muss nun den Stock höher heben, und gewaltigere und kraftvollere Instrumente einsetzen, um die Frauen zu bändigen“
„Ansare Hisbollah“, die Schlägertrupps der Fundamentalisten im Iran, hatten durch diverse soziale Netzwerke gedroht: Wenn Frauen sich nicht an islamischen Kleidervorschriften hielten, ihre Gesichter würden mit Säure entstellt werden.
Die Anschläge auf Frauen wurden in den letzten Septembertagen ausgeübt. In der ersten Oktoberwoche wurde zum ersten Mal darüber in den iranischen Medien berichtet. Am 16. Oktober gab Isfahans Polizeichef bekannt, dass dort vier Säure-Anschläge verübt worden waren.
Esmail Ahmadi Moghaddam, Befehlshaber der Ordnungskräfte der Islamischen Republik, sprach gegenüber der Presse sogar von sieben oder acht Säureattacken.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte jedoch höher sein. In Menschenrechtskreisen wird vermutet, dass 15 Frauen seit Ende September durch Säure verletzt worden sind. Die meisten Anschläge geschahen in Isfahan.
Der Vater von Soheila Jorkesh – eines der Opfer - berichtete von zwei Tätern, die nach der Tat auf einem Motorrad geflüchtet sind. Sie sind nach Aussagen des Vaters von einem PKW Marke „Peykan“ begleitet worden. Peykan gilt als typischer Geheimdienstwagen. Der Vater sagte weiter: „Die Polizei hat uns nahegelegt, den Fall nicht den Medien zu melden.“ Auch die Angehörigen anderer Opfer sollen von den Ordnungskräften gewarnt und sogar bedroht worden sein, die Medien nicht einzuschalten.
Am 18. Oktober berichtete der Stellvertreter des Justizchefs, Mohseni Ejeie, vor der Presse: „Bisher konnten die Täter der Säureattacken nicht ermittelt werden“.
Am 20. Oktober wurde offiziell bekannt gegeben, dass vier Personen im Zusammenhang mit den Säureanschlägen in Isfahan fest genommen worden sind. Es handele sich um „vier Einzeltäter, die Unabhängig voneinander zufällig dieselbe Straftat begangen haben“, wurde erklärt.
Von Seiten der Hardliner hieß es weiterhin: Die Drahtzieher seien Feinde der Islamischen Republik, ausländische Geheimdienste und „Zionisten“, und es gäbe eine Verschwörung seitens der Presse, die Säureattacken den gläubigen Muslimen in die Schuhe zu schieben.
Mizan News Agency berichtete: „Die Medien haben zu Unrecht die Berichte aus dem Westen widergespiegelt“; und: „ Es wird zu Unrecht vermutet, dass die Säureanschläge mit dem neulich verabschiedeten Gesetz ‚Amr be Marouf, Nahi az monker‘ (Förderung der Tugend und Verhinderung der Laster) im Zusammenhang stehen“.
General Firoozabadi, Chef der iranischen Streitkräfte, behauptete, dass einige Medien „ihren Leitartikel (über die Säureattacken) in der Schublade hatten, bevor die Fälle bekannt wurden“. Er führte weiterhin aus: „Gift zu streuen durch die Medien ist gefährlicher als Säure zu spritzen“.
Am 3. November sagte Ahmad-Reza Radan, Chef des Zentrums für strategische Studien der Polizei: „Das Ereignis wurde überbewertet, das Hochschaukeln der Nachricht wurde von den Feinden des Landes ausgenutzt“.
Abbas-Ali Mansouri Arani, Mitglied der Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, erklärte der Tageszeitung „Ebtekar“: „Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Täter mit Unterstützung der fremden Geheimdienste und Zionisten gehandelt haben“.
Proteste gegen Anschläge und Verhaftungen
Gegen die Säure-Anschlägen fanden in Teheran und Isfahan zahlreiche Demonstrationen statt. In anderen iranischen Städten wie Mashhad, Sanandaj, Rasht, Abadan, Ahwaz, Tabriz, Kermanshah, Karaj, Shiraz, gab es vereinzelte Proteste.
Die Demonstranten riefen Parolen wie: „Sicherheit und Freiheit gehören zu den elementaren Rechten der iranischen Frau“, „Ordnungskräfte, wo ist das Augenlicht meiner Schwester?“
Dabei wurden nicht nur Protestierende verhaftet, sondern auch JournalistInnen, die die Proteste dokumentierten. Am 27. Oktober wurden zwei Mitarbeiterinnen der Nachrichtenagentur ISNA verhaftet: Zahra Mohammadi, Chefredakteurin der ISNA in Isfahan und Sanam Farsi, Redakteurin für Soziales. Zuvor war der Leiter der Fotoabteilung der Agentur, Aria Jafari, verhaftet worden - weil er die Protestaktionen fotografiert hatte.
Auch Mahdieh Golroo, eine Frauenrechtsaktivistin war unter den Verhafteten in Teheran.
Prominente KünstlerInnen zeigen Empörung
Der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Asghar Farhadi bezeichnete das Geschehen als „unglaublich und entsetzlich“. Die international renommierte Regisseurin Tahmineh Milani und der Filmemacher Rambod Javan, aber auch einige nationale Kinostars wie Mahnas Afshar haben die Säureattacken scharf verurteilt und Verlangten eine schnelle Aufklärung.
Kianoosh Ayyari, dessen Kinofilm „Das väterliche Haus“ verboten worden ist, zeigte sich empört, weil - so der Filmemacher - sein Film angeblich wegen Gewaltszenen gegen Frauen verboten worden sei und nun sähen die Politiker zu, wie tatsächlich Frauen auf offener Straße mit Säure attackiert und lebensgefährlich verletzt werden.
In „Das väterliche Haus“ wird männliches Dominanzverhalten und häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert.
Historische Hintergründe
Die Zwangsverschleierung wurde nach der Revolution von 1979 schrittweise eingeführt. Erst mussten sich nur die weiblichen Angestellten in den Schulen, Ministerien und staatlichen Institutionen verhüllen. Sie durften nur Ihr Gesicht und ihre Hände zeigen. Knapp zwei Jahre nach der Revolution wurde dann vom Revolutionsführer Ruhollah Chomeini der allgemeine Schleierzwang für Frauen in der Öffentlichkeit angeordnet.
Seit 33 Jahren kontrollieren Spezialeinheiten der Ordnungskräfte, „Sittenwächter“ genannt, den öffentlichen Raum und achten auf die Einhaltung der islamischen Kleiderordnung bei Frauen. Nicht-vollständige Kopfbedeckung, farbige Kleidung und Make-up werden verwarnt und teilweise bestraft.
In den ersten Jahren nach der Einführung des Schleierzwangs wurden Frauen, die gegen den Kleiderordnung verstießen, verhaftet und zum Teil hart bestraft. Bei der Festnahme mussten sie unterschreiben, dass sie sich „prostituiert“ haben. Später wurden die „Widerspenstigen“ zu Geldstrafen verurteilt. Es gab Bußgelder für Nagellack, Lippenstift und für locker sitzende Kopfbedeckung.
In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Fotos von Frauen präsentiert, die von den Sittenwächtern und Ordnungskräften blutig zusammenschlagen wurden.
Die Streitkräfte und die Justiz sind direkt dem obersten religiösen Führer unterstellt. Der Justizchef wird von ihm ernannt, deshalb handeln die Sittenwächter und die Justiz relativ unabhängig von den jeweiligen Regierungen.
Am 7. Juli 2014 wurde das Gesetz „Amre be Maruf und Nahi az monker“ vom Parlament verabschiedet. Das ermächtigt gläubige Muslime, Frauen in der Öffentlichkeit zu „belehren“ und sie „an der Überschreitung der religiösen Gebote“ zu hindern.
Das Gesetz kann von den radikalen Kräften als „grünes Licht“ verstanden werden, gegen Frauen, die sich nicht streng islamisch kleiden, verschärft vor zugehen.
Verein iranischer Frauen (Berlin)
Die Hintergründe der Säureattacken
Ayatollah Tabatabaienejad, Mitglied des einflussreichen „Expertenrats“, und von dem obersten religiösen Führer zu Imam in Isfahan ernannt, sagte in seiner Rede während eines Freitagsgebetes kurz vor den Säure-Anschlägen: „Nur mündliche Belehrung der Frauen reicht nicht aus, um Verstöße gegen islamische Kleiderordnung zu begegnen, man muss nun den Stock höher heben, und gewaltigere und kraftvollere Instrumente einsetzen, um die Frauen zu bändigen“
„Ansare Hisbollah“, die Schlägertrupps der Fundamentalisten im Iran, hatten durch diverse soziale Netzwerke gedroht: Wenn Frauen sich nicht an islamischen Kleidervorschriften hielten, ihre Gesichter würden mit Säure entstellt werden.
Die Anschläge auf Frauen wurden in den letzten Septembertagen ausgeübt. In der ersten Oktoberwoche wurde zum ersten Mal darüber in den iranischen Medien berichtet. Am 16. Oktober gab Isfahans Polizeichef bekannt, dass dort vier Säure-Anschläge verübt worden waren.
Esmail Ahmadi Moghaddam, Befehlshaber der Ordnungskräfte der Islamischen Republik, sprach gegenüber der Presse sogar von sieben oder acht Säureattacken.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte jedoch höher sein. In Menschenrechtskreisen wird vermutet, dass 15 Frauen seit Ende September durch Säure verletzt worden sind. Die meisten Anschläge geschahen in Isfahan.
Der Vater von Soheila Jorkesh – eines der Opfer - berichtete von zwei Tätern, die nach der Tat auf einem Motorrad geflüchtet sind. Sie sind nach Aussagen des Vaters von einem PKW Marke „Peykan“ begleitet worden. Peykan gilt als typischer Geheimdienstwagen. Der Vater sagte weiter: „Die Polizei hat uns nahegelegt, den Fall nicht den Medien zu melden.“ Auch die Angehörigen anderer Opfer sollen von den Ordnungskräften gewarnt und sogar bedroht worden sein, die Medien nicht einzuschalten.
Am 18. Oktober berichtete der Stellvertreter des Justizchefs, Mohseni Ejeie, vor der Presse: „Bisher konnten die Täter der Säureattacken nicht ermittelt werden“.
Am 20. Oktober wurde offiziell bekannt gegeben, dass vier Personen im Zusammenhang mit den Säureanschlägen in Isfahan fest genommen worden sind. Es handele sich um „vier Einzeltäter, die Unabhängig voneinander zufällig dieselbe Straftat begangen haben“, wurde erklärt.
Von Seiten der Hardliner hieß es weiterhin: Die Drahtzieher seien Feinde der Islamischen Republik, ausländische Geheimdienste und „Zionisten“, und es gäbe eine Verschwörung seitens der Presse, die Säureattacken den gläubigen Muslimen in die Schuhe zu schieben.
Mizan News Agency berichtete: „Die Medien haben zu Unrecht die Berichte aus dem Westen widergespiegelt“; und: „ Es wird zu Unrecht vermutet, dass die Säureanschläge mit dem neulich verabschiedeten Gesetz ‚Amr be Marouf, Nahi az monker‘ (Förderung der Tugend und Verhinderung der Laster) im Zusammenhang stehen“.
General Firoozabadi, Chef der iranischen Streitkräfte, behauptete, dass einige Medien „ihren Leitartikel (über die Säureattacken) in der Schublade hatten, bevor die Fälle bekannt wurden“. Er führte weiterhin aus: „Gift zu streuen durch die Medien ist gefährlicher als Säure zu spritzen“.
Am 3. November sagte Ahmad-Reza Radan, Chef des Zentrums für strategische Studien der Polizei: „Das Ereignis wurde überbewertet, das Hochschaukeln der Nachricht wurde von den Feinden des Landes ausgenutzt“.
Abbas-Ali Mansouri Arani, Mitglied der Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, erklärte der Tageszeitung „Ebtekar“: „Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Täter mit Unterstützung der fremden Geheimdienste und Zionisten gehandelt haben“.
Proteste gegen Anschläge und Verhaftungen
Gegen die Säure-Anschlägen fanden in Teheran und Isfahan zahlreiche Demonstrationen statt. In anderen iranischen Städten wie Mashhad, Sanandaj, Rasht, Abadan, Ahwaz, Tabriz, Kermanshah, Karaj, Shiraz, gab es vereinzelte Proteste.
Die Demonstranten riefen Parolen wie: „Sicherheit und Freiheit gehören zu den elementaren Rechten der iranischen Frau“, „Ordnungskräfte, wo ist das Augenlicht meiner Schwester?“
Dabei wurden nicht nur Protestierende verhaftet, sondern auch JournalistInnen, die die Proteste dokumentierten. Am 27. Oktober wurden zwei Mitarbeiterinnen der Nachrichtenagentur ISNA verhaftet: Zahra Mohammadi, Chefredakteurin der ISNA in Isfahan und Sanam Farsi, Redakteurin für Soziales. Zuvor war der Leiter der Fotoabteilung der Agentur, Aria Jafari, verhaftet worden - weil er die Protestaktionen fotografiert hatte.
Auch Mahdieh Golroo, eine Frauenrechtsaktivistin war unter den Verhafteten in Teheran.
Prominente KünstlerInnen zeigen Empörung
Der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Asghar Farhadi bezeichnete das Geschehen als „unglaublich und entsetzlich“. Die international renommierte Regisseurin Tahmineh Milani und der Filmemacher Rambod Javan, aber auch einige nationale Kinostars wie Mahnas Afshar haben die Säureattacken scharf verurteilt und Verlangten eine schnelle Aufklärung.
Kianoosh Ayyari, dessen Kinofilm „Das väterliche Haus“ verboten worden ist, zeigte sich empört, weil - so der Filmemacher - sein Film angeblich wegen Gewaltszenen gegen Frauen verboten worden sei und nun sähen die Politiker zu, wie tatsächlich Frauen auf offener Straße mit Säure attackiert und lebensgefährlich verletzt werden.
In „Das väterliche Haus“ wird männliches Dominanzverhalten und häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert.
Historische Hintergründe
Die Zwangsverschleierung wurde nach der Revolution von 1979 schrittweise eingeführt. Erst mussten sich nur die weiblichen Angestellten in den Schulen, Ministerien und staatlichen Institutionen verhüllen. Sie durften nur Ihr Gesicht und ihre Hände zeigen. Knapp zwei Jahre nach der Revolution wurde dann vom Revolutionsführer Ruhollah Chomeini der allgemeine Schleierzwang für Frauen in der Öffentlichkeit angeordnet.
Seit 33 Jahren kontrollieren Spezialeinheiten der Ordnungskräfte, „Sittenwächter“ genannt, den öffentlichen Raum und achten auf die Einhaltung der islamischen Kleiderordnung bei Frauen. Nicht-vollständige Kopfbedeckung, farbige Kleidung und Make-up werden verwarnt und teilweise bestraft.
In den ersten Jahren nach der Einführung des Schleierzwangs wurden Frauen, die gegen den Kleiderordnung verstießen, verhaftet und zum Teil hart bestraft. Bei der Festnahme mussten sie unterschreiben, dass sie sich „prostituiert“ haben. Später wurden die „Widerspenstigen“ zu Geldstrafen verurteilt. Es gab Bußgelder für Nagellack, Lippenstift und für locker sitzende Kopfbedeckung.
In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Fotos von Frauen präsentiert, die von den Sittenwächtern und Ordnungskräften blutig zusammenschlagen wurden.
Die Streitkräfte und die Justiz sind direkt dem obersten religiösen Führer unterstellt. Der Justizchef wird von ihm ernannt, deshalb handeln die Sittenwächter und die Justiz relativ unabhängig von den jeweiligen Regierungen.
Am 7. Juli 2014 wurde das Gesetz „Amre be Maruf und Nahi az monker“ vom Parlament verabschiedet. Das ermächtigt gläubige Muslime, Frauen in der Öffentlichkeit zu „belehren“ und sie „an der Überschreitung der religiösen Gebote“ zu hindern.
Das Gesetz kann von den radikalen Kräften als „grünes Licht“ verstanden werden, gegen Frauen, die sich nicht streng islamisch kleiden, verschärft vor zugehen.
Verein iranischer Frauen (Berlin)
Das Problem
In den ersten Herbstwochen wurden mehrere Frauen in der iranischen Stadt Isfahan Opfer von Säureattacken. Der Polizeichef der Islamischen Republik Iran sprach von 8 Frauen, die von Unbekannten mit einer hochgefährlichen Säure attackiert und schwer verletzt wurden. Eine der Frauen erlag ihren Verletzungen, die anderen erlitten schlimme Verätzungen, verloren teilweise oder ganz ihr Augenlicht, bei manchen wurden die Gesichter bis zur Unkenntlichkeit entstellt.
Bisher wurden die Täter nicht ausfindig gemacht, manche Hardliner versuchen sogar die Aufklärung der Fälle zu erschweren.
Wir fordern den iranischen Präsidenten und die iranische Justiz auf, diese Anschläge unverzüglich aufzuklären, die Ergebnisse ihrer Ermittlungen offenzulegen und die Drahtzieher zur Rechenschaft zu ziehen. Wir verlangen außerdem von der iranischen Regierung, für die Sicherheit der Frauen im öffentlichen Raum zu sorgen. Uns ist bewusst, dass die gesamte Staatsführung des Landes die Verantwortung für diese Fälle trägt
Wir bitten auch die europäischen Staatschefs, den Menschenrechtskommissar des Europarates, Nils Muižnieks, und den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Zeid Ra’ad Al Hussein, die iranische Regierung und Justiz für eine schnelle Aufklärung der Säureattacken in Isfahan aufzufordern und von ihnen die Gewährleistung von Sicherheit der Frauen in den öffentlichen Räumen zu verlangen.
Erstunterzeichner_innen
Leonie Baumann Weißensee Kunsthochschule Berlin Rektorin | President, Prof. Dr. Ulrike Bergermann Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Prof. Dr. Franziska Brantner, MdB & Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis, Katja Dörner Bündnis90/ Die Grünen, Stellvertretende Vorsitzende der Grünen Bundestagfraktion, Parastou Forouhar Künstlerin, Bernhard Karl Around the World in 14 Films Festivaldirektor. Tom Koenigs Deutscher Bundestag Bündnis 90/Die Grünen MdB, Prof. Dr. Hanne Loreck HFBK Hamburg SSP Theorie & Geschichte Vizepräsidentin, Prof. Nanne Meyer Weißensee Kunsthochschule Berlin, Prof. Dr. Claus Melter Hochschule Esslingen, Prof. f. Soziale Arbeit, Omid Nouripour MdB, Bündnis 90/Die Grünen, Prof. Dr. Michaela Ott HFBK, Prof. f. Ästhetische Theorien, Mechthild Rawert SPD MdB AG Gesundheit, Claudia Roth Deutscher Bundestag Vizepräsidentin, Ali Samadi- Ahadi Regisseur u. Drehbuchautor, Ulle Schauws Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen MdB & Sprecherin für Frauenpolitik, Prof. Dr. Jilla Siassi Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Jasmin Tabatabai Schauspielerin, Dr. Nasrin Bassiri Frauenbeauftragte an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, Shirin Famili Journalistin, Kyanoush Majidi Architektin, Farah Melter Mediengestalterin und Autorin, Akram Mohammadi Autorin, Mahdiye Salehipour OP-Schwester, Vahideh ZiaMahmoodi Informatikerin
<!--EndFragment-->
Wer wir sind:
Der Verein iranischer Frauen in Berlin wurde vor etwa zwanzig Jahren gegründet und setzt sich für die Chancengleichheit der iranischen Frauen ein. Die Mitglieder informieren sich gegenseitig, bilden sich in für die Gleichstellung relevanten Themen weiter, halten Kontakt zu Frauenrechtsaktivistinnen und Feministinnen im Iran und organisieren vielfältige Veranstaltungen.
Verein iranischer Frauen (Berlin) ist eng mit der Internationalen Frauenorganisation S.U.S.I verbunden.
Kontakt:
Nasrin Bassiri Journalistin Mobile 0049 1636363712 nasrinbassiri@aol.com
Kontakt f. persischspachige Medien Shirin Familie Journalistin Mobile 0049 171 4469298 familits@googlemail.com
Die Hintergründe der Säureattacken
Ayatollah Tabatabaienejad, Mitglied des einflussreichen „Expertenrats“, und von dem obersten religiösen Führer zu Imam in Isfahan ernannt, sagte in seiner Rede während eines Freitagsgebetes kurz vor den Säure-Anschlägen: „Nur mündliche Belehrung der Frauen reicht nicht aus, um Verstöße gegen islamische Kleiderordnung zu begegnen, man muss nun den Stock höher heben, und gewaltigere und kraftvollere Instrumente einsetzen, um die Frauen zu bändigen“
„Ansare Hisbollah“, die Schlägertrupps der Fundamentalisten im Iran, hatten durch diverse soziale Netzwerke gedroht: Wenn Frauen sich nicht an islamischen Kleidervorschriften hielten, ihre Gesichter würden mit Säure entstellt werden.
Die Anschläge auf Frauen wurden in den letzten Septembertagen ausgeübt. In der ersten Oktoberwoche wurde zum ersten Mal darüber in den iranischen Medien berichtet. Am 16. Oktober gab Isfahans Polizeichef bekannt, dass dort vier Säure-Anschläge verübt worden waren.
Esmail Ahmadi Moghaddam, Befehlshaber der Ordnungskräfte der Islamischen Republik, sprach gegenüber der Presse sogar von sieben oder acht Säureattacken.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte jedoch höher sein. In Menschenrechtskreisen wird vermutet, dass 15 Frauen seit Ende September durch Säure verletzt worden sind. Die meisten Anschläge geschahen in Isfahan.
Der Vater von Soheila Jorkesh – eines der Opfer - berichtete von zwei Tätern, die nach der Tat auf einem Motorrad geflüchtet sind. Sie sind nach Aussagen des Vaters von einem PKW Marke „Peykan“ begleitet worden. Peykan gilt als typischer Geheimdienstwagen. Der Vater sagte weiter: „Die Polizei hat uns nahegelegt, den Fall nicht den Medien zu melden.“ Auch die Angehörigen anderer Opfer sollen von den Ordnungskräften gewarnt und sogar bedroht worden sein, die Medien nicht einzuschalten.
Am 18. Oktober berichtete der Stellvertreter des Justizchefs, Mohseni Ejeie, vor der Presse: „Bisher konnten die Täter der Säureattacken nicht ermittelt werden“.
Am 20. Oktober wurde offiziell bekannt gegeben, dass vier Personen im Zusammenhang mit den Säureanschlägen in Isfahan fest genommen worden sind. Es handele sich um „vier Einzeltäter, die Unabhängig voneinander zufällig dieselbe Straftat begangen haben“, wurde erklärt.
Von Seiten der Hardliner hieß es weiterhin: Die Drahtzieher seien Feinde der Islamischen Republik, ausländische Geheimdienste und „Zionisten“, und es gäbe eine Verschwörung seitens der Presse, die Säureattacken den gläubigen Muslimen in die Schuhe zu schieben.
Mizan News Agency berichtete: „Die Medien haben zu Unrecht die Berichte aus dem Westen widergespiegelt“; und: „ Es wird zu Unrecht vermutet, dass die Säureanschläge mit dem neulich verabschiedeten Gesetz ‚Amr be Marouf, Nahi az monker‘ (Förderung der Tugend und Verhinderung der Laster) im Zusammenhang stehen“.
General Firoozabadi, Chef der iranischen Streitkräfte, behauptete, dass einige Medien „ihren Leitartikel (über die Säureattacken) in der Schublade hatten, bevor die Fälle bekannt wurden“. Er führte weiterhin aus: „Gift zu streuen durch die Medien ist gefährlicher als Säure zu spritzen“.
Am 3. November sagte Ahmad-Reza Radan, Chef des Zentrums für strategische Studien der Polizei: „Das Ereignis wurde überbewertet, das Hochschaukeln der Nachricht wurde von den Feinden des Landes ausgenutzt“.
Abbas-Ali Mansouri Arani, Mitglied der Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, erklärte der Tageszeitung „Ebtekar“: „Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Täter mit Unterstützung der fremden Geheimdienste und Zionisten gehandelt haben“.
Proteste gegen Anschläge und Verhaftungen
Gegen die Säure-Anschlägen fanden in Teheran und Isfahan zahlreiche Demonstrationen statt. In anderen iranischen Städten wie Mashhad, Sanandaj, Rasht, Abadan, Ahwaz, Tabriz, Kermanshah, Karaj, Shiraz, gab es vereinzelte Proteste.
Die Demonstranten riefen Parolen wie: „Sicherheit und Freiheit gehören zu den elementaren Rechten der iranischen Frau“, „Ordnungskräfte, wo ist das Augenlicht meiner Schwester?“
Dabei wurden nicht nur Protestierende verhaftet, sondern auch JournalistInnen, die die Proteste dokumentierten. Am 27. Oktober wurden zwei Mitarbeiterinnen der Nachrichtenagentur ISNA verhaftet: Zahra Mohammadi, Chefredakteurin der ISNA in Isfahan und Sanam Farsi, Redakteurin für Soziales. Zuvor war der Leiter der Fotoabteilung der Agentur, Aria Jafari, verhaftet worden - weil er die Protestaktionen fotografiert hatte.
Auch Mahdieh Golroo, eine Frauenrechtsaktivistin war unter den Verhafteten in Teheran.
Prominente KünstlerInnen zeigen Empörung
Der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Asghar Farhadi bezeichnete das Geschehen als „unglaublich und entsetzlich“. Die international renommierte Regisseurin Tahmineh Milani und der Filmemacher Rambod Javan, aber auch einige nationale Kinostars wie Mahnas Afshar haben die Säureattacken scharf verurteilt und Verlangten eine schnelle Aufklärung.
Kianoosh Ayyari, dessen Kinofilm „Das väterliche Haus“ verboten worden ist, zeigte sich empört, weil - so der Filmemacher - sein Film angeblich wegen Gewaltszenen gegen Frauen verboten worden sei und nun sähen die Politiker zu, wie tatsächlich Frauen auf offener Straße mit Säure attackiert und lebensgefährlich verletzt werden.
In „Das väterliche Haus“ wird männliches Dominanzverhalten und häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert.
Historische Hintergründe
Die Zwangsverschleierung wurde nach der Revolution von 1979 schrittweise eingeführt. Erst mussten sich nur die weiblichen Angestellten in den Schulen, Ministerien und staatlichen Institutionen verhüllen. Sie durften nur Ihr Gesicht und ihre Hände zeigen. Knapp zwei Jahre nach der Revolution wurde dann vom Revolutionsführer Ruhollah Chomeini der allgemeine Schleierzwang für Frauen in der Öffentlichkeit angeordnet.
Seit 33 Jahren kontrollieren Spezialeinheiten der Ordnungskräfte, „Sittenwächter“ genannt, den öffentlichen Raum und achten auf die Einhaltung der islamischen Kleiderordnung bei Frauen. Nicht-vollständige Kopfbedeckung, farbige Kleidung und Make-up werden verwarnt und teilweise bestraft.
In den ersten Jahren nach der Einführung des Schleierzwangs wurden Frauen, die gegen den Kleiderordnung verstießen, verhaftet und zum Teil hart bestraft. Bei der Festnahme mussten sie unterschreiben, dass sie sich „prostituiert“ haben. Später wurden die „Widerspenstigen“ zu Geldstrafen verurteilt. Es gab Bußgelder für Nagellack, Lippenstift und für locker sitzende Kopfbedeckung.
In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Fotos von Frauen präsentiert, die von den Sittenwächtern und Ordnungskräften blutig zusammenschlagen wurden.
Die Streitkräfte und die Justiz sind direkt dem obersten religiösen Führer unterstellt. Der Justizchef wird von ihm ernannt, deshalb handeln die Sittenwächter und die Justiz relativ unabhängig von den jeweiligen Regierungen.
Am 7. Juli 2014 wurde das Gesetz „Amre be Maruf und Nahi az monker“ vom Parlament verabschiedet. Das ermächtigt gläubige Muslime, Frauen in der Öffentlichkeit zu „belehren“ und sie „an der Überschreitung der religiösen Gebote“ zu hindern.
Das Gesetz kann von den radikalen Kräften als „grünes Licht“ verstanden werden, gegen Frauen, die sich nicht streng islamisch kleiden, verschärft vor zugehen.
Verein iranischer Frauen (Berlin)
Die Hintergründe der Säureattacken
Ayatollah Tabatabaienejad, Mitglied des einflussreichen „Expertenrats“, und von dem obersten religiösen Führer zu Imam in Isfahan ernannt, sagte in seiner Rede während eines Freitagsgebetes kurz vor den Säure-Anschlägen: „Nur mündliche Belehrung der Frauen reicht nicht aus, um Verstöße gegen islamische Kleiderordnung zu begegnen, man muss nun den Stock höher heben, und gewaltigere und kraftvollere Instrumente einsetzen, um die Frauen zu bändigen“
„Ansare Hisbollah“, die Schlägertrupps der Fundamentalisten im Iran, hatten durch diverse soziale Netzwerke gedroht: Wenn Frauen sich nicht an islamischen Kleidervorschriften hielten, ihre Gesichter würden mit Säure entstellt werden.
Die Anschläge auf Frauen wurden in den letzten Septembertagen ausgeübt. In der ersten Oktoberwoche wurde zum ersten Mal darüber in den iranischen Medien berichtet. Am 16. Oktober gab Isfahans Polizeichef bekannt, dass dort vier Säure-Anschläge verübt worden waren.
Esmail Ahmadi Moghaddam, Befehlshaber der Ordnungskräfte der Islamischen Republik, sprach gegenüber der Presse sogar von sieben oder acht Säureattacken.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte jedoch höher sein. In Menschenrechtskreisen wird vermutet, dass 15 Frauen seit Ende September durch Säure verletzt worden sind. Die meisten Anschläge geschahen in Isfahan.
Der Vater von Soheila Jorkesh – eines der Opfer - berichtete von zwei Tätern, die nach der Tat auf einem Motorrad geflüchtet sind. Sie sind nach Aussagen des Vaters von einem PKW Marke „Peykan“ begleitet worden. Peykan gilt als typischer Geheimdienstwagen. Der Vater sagte weiter: „Die Polizei hat uns nahegelegt, den Fall nicht den Medien zu melden.“ Auch die Angehörigen anderer Opfer sollen von den Ordnungskräften gewarnt und sogar bedroht worden sein, die Medien nicht einzuschalten.
Am 18. Oktober berichtete der Stellvertreter des Justizchefs, Mohseni Ejeie, vor der Presse: „Bisher konnten die Täter der Säureattacken nicht ermittelt werden“.
Am 20. Oktober wurde offiziell bekannt gegeben, dass vier Personen im Zusammenhang mit den Säureanschlägen in Isfahan fest genommen worden sind. Es handele sich um „vier Einzeltäter, die Unabhängig voneinander zufällig dieselbe Straftat begangen haben“, wurde erklärt.
Von Seiten der Hardliner hieß es weiterhin: Die Drahtzieher seien Feinde der Islamischen Republik, ausländische Geheimdienste und „Zionisten“, und es gäbe eine Verschwörung seitens der Presse, die Säureattacken den gläubigen Muslimen in die Schuhe zu schieben.
Mizan News Agency berichtete: „Die Medien haben zu Unrecht die Berichte aus dem Westen widergespiegelt“; und: „ Es wird zu Unrecht vermutet, dass die Säureanschläge mit dem neulich verabschiedeten Gesetz ‚Amr be Marouf, Nahi az monker‘ (Förderung der Tugend und Verhinderung der Laster) im Zusammenhang stehen“.
General Firoozabadi, Chef der iranischen Streitkräfte, behauptete, dass einige Medien „ihren Leitartikel (über die Säureattacken) in der Schublade hatten, bevor die Fälle bekannt wurden“. Er führte weiterhin aus: „Gift zu streuen durch die Medien ist gefährlicher als Säure zu spritzen“.
Am 3. November sagte Ahmad-Reza Radan, Chef des Zentrums für strategische Studien der Polizei: „Das Ereignis wurde überbewertet, das Hochschaukeln der Nachricht wurde von den Feinden des Landes ausgenutzt“.
Abbas-Ali Mansouri Arani, Mitglied der Sicherheitskommission des iranischen Parlaments, erklärte der Tageszeitung „Ebtekar“: „Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass die Täter mit Unterstützung der fremden Geheimdienste und Zionisten gehandelt haben“.
Proteste gegen Anschläge und Verhaftungen
Gegen die Säure-Anschlägen fanden in Teheran und Isfahan zahlreiche Demonstrationen statt. In anderen iranischen Städten wie Mashhad, Sanandaj, Rasht, Abadan, Ahwaz, Tabriz, Kermanshah, Karaj, Shiraz, gab es vereinzelte Proteste.
Die Demonstranten riefen Parolen wie: „Sicherheit und Freiheit gehören zu den elementaren Rechten der iranischen Frau“, „Ordnungskräfte, wo ist das Augenlicht meiner Schwester?“
Dabei wurden nicht nur Protestierende verhaftet, sondern auch JournalistInnen, die die Proteste dokumentierten. Am 27. Oktober wurden zwei Mitarbeiterinnen der Nachrichtenagentur ISNA verhaftet: Zahra Mohammadi, Chefredakteurin der ISNA in Isfahan und Sanam Farsi, Redakteurin für Soziales. Zuvor war der Leiter der Fotoabteilung der Agentur, Aria Jafari, verhaftet worden - weil er die Protestaktionen fotografiert hatte.
Auch Mahdieh Golroo, eine Frauenrechtsaktivistin war unter den Verhafteten in Teheran.
Prominente KünstlerInnen zeigen Empörung
Der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Asghar Farhadi bezeichnete das Geschehen als „unglaublich und entsetzlich“. Die international renommierte Regisseurin Tahmineh Milani und der Filmemacher Rambod Javan, aber auch einige nationale Kinostars wie Mahnas Afshar haben die Säureattacken scharf verurteilt und Verlangten eine schnelle Aufklärung.
Kianoosh Ayyari, dessen Kinofilm „Das väterliche Haus“ verboten worden ist, zeigte sich empört, weil - so der Filmemacher - sein Film angeblich wegen Gewaltszenen gegen Frauen verboten worden sei und nun sähen die Politiker zu, wie tatsächlich Frauen auf offener Straße mit Säure attackiert und lebensgefährlich verletzt werden.
In „Das väterliche Haus“ wird männliches Dominanzverhalten und häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert.
Historische Hintergründe
Die Zwangsverschleierung wurde nach der Revolution von 1979 schrittweise eingeführt. Erst mussten sich nur die weiblichen Angestellten in den Schulen, Ministerien und staatlichen Institutionen verhüllen. Sie durften nur Ihr Gesicht und ihre Hände zeigen. Knapp zwei Jahre nach der Revolution wurde dann vom Revolutionsführer Ruhollah Chomeini der allgemeine Schleierzwang für Frauen in der Öffentlichkeit angeordnet.
Seit 33 Jahren kontrollieren Spezialeinheiten der Ordnungskräfte, „Sittenwächter“ genannt, den öffentlichen Raum und achten auf die Einhaltung der islamischen Kleiderordnung bei Frauen. Nicht-vollständige Kopfbedeckung, farbige Kleidung und Make-up werden verwarnt und teilweise bestraft.
In den ersten Jahren nach der Einführung des Schleierzwangs wurden Frauen, die gegen den Kleiderordnung verstießen, verhaftet und zum Teil hart bestraft. Bei der Festnahme mussten sie unterschreiben, dass sie sich „prostituiert“ haben. Später wurden die „Widerspenstigen“ zu Geldstrafen verurteilt. Es gab Bußgelder für Nagellack, Lippenstift und für locker sitzende Kopfbedeckung.
In den sozialen Netzwerken werden immer wieder Fotos von Frauen präsentiert, die von den Sittenwächtern und Ordnungskräften blutig zusammenschlagen wurden.
Die Streitkräfte und die Justiz sind direkt dem obersten religiösen Führer unterstellt. Der Justizchef wird von ihm ernannt, deshalb handeln die Sittenwächter und die Justiz relativ unabhängig von den jeweiligen Regierungen.
Am 7. Juli 2014 wurde das Gesetz „Amre be Maruf und Nahi az monker“ vom Parlament verabschiedet. Das ermächtigt gläubige Muslime, Frauen in der Öffentlichkeit zu „belehren“ und sie „an der Überschreitung der religiösen Gebote“ zu hindern.
Das Gesetz kann von den radikalen Kräften als „grünes Licht“ verstanden werden, gegen Frauen, die sich nicht streng islamisch kleiden, verschärft vor zugehen.
Verein iranischer Frauen (Berlin)
Petition geschlossen.
Jetzt die Petition teilen!
Die Entscheidungsträger*innen
Petition am 13. November 2014 erstellt