Das Fach Sozialwissenschaften darf nicht abgeschafft werden!

Das Problem

Ich bin Studentin der Sozialwissenschaften. Wenn dieser Studiengang jetzt abgeschafft wird, dann bange ich um meine Zukunft. Politische Bildung und Teilhabe sind heute wichtiger denn je. Es ist mir unerklärlich wie in der heutigen Zeit, wo politische Bewegungen und politische Stimmen – wie Black Lives Matter oder Fridays for Future – immer lauter werden, die Bildungspolitik auf eine Einschränkung der politischen Bildung abziehen kann.

Mit einem neuen Entwurf der Landesregierung (CDU und FDP) wurde die Abschaffung des Studiengangs Sozialwissenschaften ins Rollen gebracht. Die Auswirkungen wären enorm. Bereits ausgebildete Lehrer:innen und Studierende würden unter diesem Beschluss leiden. In dem Entwurf wird angedeutet, dass trotz einer 6,5 Jahre andauernden Lehramtsausbildung Kompetenzen fehlen würden, um das neue Schulfach Wirtschaft-Politik zu unterrichten. Dabei sind alle Kompetenzen in den derzeitigen Prüfungsordnungen abgedeckt.
SoWi-Absolventi*innen werden durch die Studiengangsänderung Kompetenzen abgesprochen und stehen in Konkurrenz mit den neuen Wirtschaft-Politk-Absolvent*innen.
Die Änderung des Studiengangs grenzt die Studenten*innen in ihren Weiterbildungsmöglichkeiten ein. Insbesondere andere oder erweiternde Studiengänge außerhalb des Lehramts zu studieren.

Die Sozialwissenschaften beschäftigen sich mit den Strukturen, Bedingungen und Formen des menschlichen Zusammenlebens. Die Disziplinen Wirtschaft, Politik und Soziologie zu trennen mindert die Chance auf Verständnis ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Strukturen, da sie eng miteinander verknüpft sind. In der universitären Ausbildung erhalten wir dank diesem integrativen Modell die Kompetenzen, eben jenes zu vermitteln. Alle drei sozialwissenschaftlichen Disziplinen müssen gleichgestellt sein, weshalb der Studiengang Sozialwissenschaften nicht geändert bzw. ersetzt werden darf.

Sowohl das Schulfach, als auch der Studiengang vermitteln Normen und Werte und bereiten jede:n Einzelne:n auf das gesellschaftliche Leben nach der Schule vor. Des Weiteren ist es wichtig, dass das Ziel, Schüler:innen zu ermöglichen, zu mündigen Bürger:innen heranzuwachsen, nicht außer Acht gelassen wird. Eine primär wirtschaftliche Betrachtung von Strukturen und Problemen bietet nur eine einfältige Sicht auf diese, wodurch den Schüler:innen die Entwicklung eigener Gedanken, Bewertungen sowie Lösungsvorschlägen verwehrt wird.



Bitte unterstützt und teilt diese Petition: Change.org/SOWI-bleibt. Bitte unterstützt und teilt den Hashtag #SOWIbleibt

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Stand: 22. Januar 2021: Ich habe den Petitionstext leicht angepasst und die Entscheidungsträger geändert.

 

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Kalle HunerPetitionsstarter*in
Diese Petition hat 41.032 Unterschriften erreicht

Das Problem

Ich bin Studentin der Sozialwissenschaften. Wenn dieser Studiengang jetzt abgeschafft wird, dann bange ich um meine Zukunft. Politische Bildung und Teilhabe sind heute wichtiger denn je. Es ist mir unerklärlich wie in der heutigen Zeit, wo politische Bewegungen und politische Stimmen – wie Black Lives Matter oder Fridays for Future – immer lauter werden, die Bildungspolitik auf eine Einschränkung der politischen Bildung abziehen kann.

Mit einem neuen Entwurf der Landesregierung (CDU und FDP) wurde die Abschaffung des Studiengangs Sozialwissenschaften ins Rollen gebracht. Die Auswirkungen wären enorm. Bereits ausgebildete Lehrer:innen und Studierende würden unter diesem Beschluss leiden. In dem Entwurf wird angedeutet, dass trotz einer 6,5 Jahre andauernden Lehramtsausbildung Kompetenzen fehlen würden, um das neue Schulfach Wirtschaft-Politik zu unterrichten. Dabei sind alle Kompetenzen in den derzeitigen Prüfungsordnungen abgedeckt.
SoWi-Absolventi*innen werden durch die Studiengangsänderung Kompetenzen abgesprochen und stehen in Konkurrenz mit den neuen Wirtschaft-Politk-Absolvent*innen.
Die Änderung des Studiengangs grenzt die Studenten*innen in ihren Weiterbildungsmöglichkeiten ein. Insbesondere andere oder erweiternde Studiengänge außerhalb des Lehramts zu studieren.

Die Sozialwissenschaften beschäftigen sich mit den Strukturen, Bedingungen und Formen des menschlichen Zusammenlebens. Die Disziplinen Wirtschaft, Politik und Soziologie zu trennen mindert die Chance auf Verständnis ökonomischer, politischer und gesellschaftlicher Strukturen, da sie eng miteinander verknüpft sind. In der universitären Ausbildung erhalten wir dank diesem integrativen Modell die Kompetenzen, eben jenes zu vermitteln. Alle drei sozialwissenschaftlichen Disziplinen müssen gleichgestellt sein, weshalb der Studiengang Sozialwissenschaften nicht geändert bzw. ersetzt werden darf.

Sowohl das Schulfach, als auch der Studiengang vermitteln Normen und Werte und bereiten jede:n Einzelne:n auf das gesellschaftliche Leben nach der Schule vor. Des Weiteren ist es wichtig, dass das Ziel, Schüler:innen zu ermöglichen, zu mündigen Bürger:innen heranzuwachsen, nicht außer Acht gelassen wird. Eine primär wirtschaftliche Betrachtung von Strukturen und Problemen bietet nur eine einfältige Sicht auf diese, wodurch den Schüler:innen die Entwicklung eigener Gedanken, Bewertungen sowie Lösungsvorschlägen verwehrt wird.



Bitte unterstützt und teilt diese Petition: Change.org/SOWI-bleibt. Bitte unterstützt und teilt den Hashtag #SOWIbleibt

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Stand: 22. Januar 2021: Ich habe den Petitionstext leicht angepasst und die Entscheidungsträger geändert.

 

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Kalle HunerPetitionsstarter*in

Die Entscheidungsträger*innen

Sigrid Beer
Abgeordnete des Landtags NRW und bildungspolitische Sprecherin (Bündnis 90/Die Grünen)
Beantwortet
Das Vorhaben der Landesregierung in die sozialwissenschaftlichen Studiengänge einzugreifen ist ein fatales, ideologisch motiviertes Manöver. Gegen die Wissenschaft soll das Primat der Wirtschaft festgeschrieben werden. Schon die in der Anhörung zum Schulfach formulierten Bedenken aus Schulverbänden und Wissenschaft wurden beiseite gewischt. Zu dem nun geplanten Übergriff werden wir auf eine Anhörung dringen. Den Widerstand aus den Hochschulen und Fachverbänden werden wir unterstützen. Der Versuch der Umformung muss abgewehrt werden. Foto: Sigrid Beer
Yvonne Gebauer
Ministerin für Schule und Bildung, Nordrhein-Westfalen
Beantwortet
Mit der Einführung des Faches Wirtschaft bzw. Wirtschaft-Politik, das an Gymnasien bereits im Schuljahr 2019/20 und in diesem Schuljahr auch an allen anderen weiterführenden Schulen gestartet ist, verfolgt die Landesregierung das Ziel, die ökonomische Bildung in den Schulen als Bestandteil der Allgemeinbildung gezielt zu stärken. Diese Kompetenzen, die neben Kenntnissen der Wirtschaftsordnung auch Aspekte der Verbraucherbildung umfassen, dienen der Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf eine selbstbestimmte Lebensgestaltung und einen erfolgreichen Berufseinstieg. Ich möchte jedoch deutlich klarstellen: Neben der ökonomischen Grundbildung hat selbstverständlich und ohne Wenn und Aber die politische Bildung weiterhin in den Schulen und im Unterricht ihren festen Platz. Dies spiegelt sich auch in den entsprechenden Kernlehrplänen wieder. Bereits bei der Konzeption und Erarbeitung des Fachs wurde von Seiten des Ministeriums für Schule und Bildung größter Wert darauf gelegt, dass die Einführung bzw. Neukonzeption des Schulfachs Wirtschaft nicht zu Lasten anderer Lernbereiche oder Fächer erfolgt. Auch das jetzt vorgesehene neue Lehramtsfach „Wirtschaft-Politik“ wird ein integratives Fach sein, das nicht auf den Bereich Wirtschaft beschränkt ist. Sorgen in Bezug auf die Zukunft der wichtigen politischen Bildung im Bereich Schule sind somit unbegründet. Lehramtszugangsverordnung: Die Einführung des Faches „Wirtschaft-Politik“ an den Schulen hat Anpassungen bei den jeweiligen Studiengängen für die Qualifizierung künftiger Lehrkräfte notwendig gemacht. Diese Anpassungen müssen in die Lehrerausbildung (Lehramtszugangsverordnung, LZV) übertragen werden. Dazu soll das bisherige Fach „Sozialwissenschaften“ als Lehramtsfach „Wirtschaft-Politik“ neu profiliert werden. Ein Studiengang muss auf die jeweiligen Schulformen und schulischen Jahrgangsstufen und die schulischen Inhalte ausgerichtet sein. Damit wird sichergestellt, dass künftige Lehrkräfte entsprechend den schulischen Anforderungen ausgebildet werden. Die geplante Ausbildung für das neu profilierte Lehramtsfach „Wirtschaft-Politik“ könnte für Studienanfänger beginnend ab Herbst 2021 möglich werden, demnach wären ab dem Jahr 2026 die ersten Studienabsolventinnen und Studienabsolventen zu erwarten. Die Studierenden des Faches Sozialwissenschaften müssen sich um ihre Lehramtsbefähigung jedoch nicht sorgen. Studiengänge, die im Rahmen der bisherigen Ausbildung bereits akkreditiert sind, können bis auf Weiteres weiter angeboten werden. Die in den nächsten Jahren noch zu erwerbenden Abschlüsse behalten dabei natürlich ihre Gültigkeit. Alle Berechtigungen, die in der Vergangenheit mit dem Fach „Sozialwissenschaften“ erworben wurden und in den kommenden Jahren von heutigen Studierenden noch erworben werden, bleiben bestehen. Bereits ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer mit dem Studienfach Sozialwissenschaften und einer entsprechenden Lehrbefähigung haben alle nötigen Voraussetzungen, das neue schulische Fach „Wirtschaft-Politik“ fachgerecht zu unterrichten. Eine weitere Qualifizierung ist nicht notwendig. Unabhängig davon steht allen Lehrkräften die Möglichkeit zur Fortbildung offen. Foto: ©MSB/ Susanne Klömpges
Thomas Kutschaty
MdL und Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion NRW
Beantwortet
Wir alle kennen doch den Spruch: „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben lernen wir”. Aber schon gar nicht lernen wir für eine Landesregierung. Deswegen ist es umso schlimmer, dass die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen das Fach Sozialwissenschaften einfach streichen möchte und durch reine Wirtschaftspolitik ersetzen möchte. Ich halte das für falsch. Ich selbst bin auf der Schule gewesen und habe Sozialwissenschaften sehr gerne im Unterricht gehabt. Ich hatte sogar einen Leistungskurs, und es war Abiturprüfungsfach bei mir. Und da habe ich festgestellt, wie wichtig dieses Fach ist. Es kommt nicht nur auf Wirtschaft an im Leben. Es kommt auf Politik an. Es kommt auf Soziologie an. Wir müssen den Kindern auch beibringen, wie gesellschaftliches Leben funktioniert. Das ist gerade in den heutigen Tagen viel viel wichtiger als das vielleicht noch zu meiner Schulzeit der Fall gewesen ist. Gerade jetzt ist dieses Fach besonders wichtig. Extremisten bedrohen unsere Gesellschaft von links und rechts, und es ist wichtig standhaft zu bleiben. Wir müssen die Schülerinnen und Schüler zur wehrhaften Demokratinnen und Demokraten ausbilden. Deswegen brauchen wir auch unbedingt weiter das Fach Sozialwissenschaften. #SOWIBLEIBT Video: SPD-Landtagsfraktion NRW
Jochen Ott
Abgeordneter des Landtags NRW und Schulpolitischer Sprecher (SPD)
Beantwortet
Das Fach Sozialwissenschaften liegt vielen Schülerinnen und Schülern in Nordrhein-Westfalen am Herzen. Warum? Weil in diesem Fach ein integrierter Ansatz gefahren wird. Politik, Wirtschaft und Soziologie werden miteinander verbunden. Identitäten, wo komme ich her? Die Frage nach Arm und Reich. Die Frage, wie ist unsere Gesellschaft aufgebaut? All diese Fragen werden im Fach Sozialwissenschaften besprochen. Ich bin selbst Sowi-Lehrer aus ganzem Herzen gewesen und deshalb weiß ich, wie wichtig das Fach Sozialwissenschaften ist. Die permanenten Angriffe von CDU und FDP auf den Politik- und Sozialwissenschaftlichen Unterricht gehen so nicht weiter und deshalb werden wir dafür werben, und auch bei den nächsten Wahlen dafür kämpfen, dass Demokratie und das Fach Sozialwissenschaften weiter eine hohe Priorität in unseren Schulen haben. Video: Jochen Ott
Franziska Müller-Rech
Abgeordnete des Landtags NRW und schulpolitische Sprecherin (FDP)
Beantwortet
Die wichtigste Botschaft zu Beginn: Das Fach Sozialwissenschaften wird nicht abgeschafft – es bleibt! Zum Schuljahr 2019/20 bzw. 2020/21 haben wir die Kernlehrpläne für die Sek. I verändert. Wir haben die Stundenanzahl im Bereich der Gesellschaftswissenschaften in der neuen Stundentafel für G9 am Gymnasium erhöht. Stundenanzahlen anderer Fächer wurden nicht gekürzt, sondern wir haben auch die wichtige politische Bildung nachhaltig gestärkt. Trotz der Umbenennung des Sek-I-Fachs von „Politik-Wirtschaft“ in „Wirtschaft-Politik“ erhalten wir natürlich den so wichtigen Dreiklang aus politischer, soziologischer und ökonomischer Bildung. Das Fach „Sozialwissenschaften“ in der Sek II blieb und bleibt unverändert. Konsequenterweise zieht die neue Ausrichtung des Schulfachs in der Sek I auch eine Anpassung des zugehörigen Lehramtsstudiums mit sich. Denn schließlich ist es doch nur logisch, die Lehramtsstudierenden auf die neuen Inhalte und Lehrpläne vorzubereiten. Wir profilieren den Studiengang „Sozialwissenschaften“ daher neu und benennen ihn in „Wirtschaft-Politik“ um. Genau wie im Schulfach bleibt auch der Studiengang interdisziplinär und vereint politische, soziologische und ökonomische Bildung. Wer heute Sozialwissenschaften auf Lehramt studiert oder studiert hat, erfüllt alle Voraussetzungen, um auch das neue Schulfach „Wirtschaft-Politik“ zu unterrichten – verpflichtende Fortbildungen wird es nicht geben. Die Klarstellung des Schulministeriums wurde auch von der Lehrergewerkschaft GEW gelobt. Es gibt keinen Grund, dass sich Lehrkräfte und Lehramtsstudierende der Sozialwissenschaften um ihre Zukunft sorgen müssen. Die rein ideologisch motivierte Kampagne von SPD und Grünen schürt unbegründete Angst. Den politischen Mitbewerbern rufe ich zu: Lassen Sie uns zur Sachdebatte zurückkehren und um die besten Lösungen ringen, wie wir gemeinsam dafür sorgen, unseren Schülerinnen und Schülern die besten Bildungschancen zu ermöglichen – ohne dass wir einzelne Fächer gegeneinander ausspielen. Die Lehramtsstudierenden und Schülerinnen und Schüler haben es nicht verdient, dass sie zwischen die Räder einer politisch-ideologischen Debatte geraten. Abschließend möchte ich die Gelegenheit nutzen und mich bei allen bedanken, mit denen ich in den letzten Tagen einen intensiven Austausch führen durfte. Und sollten Sie noch weitere Fragen haben, können Sie mich selbstverständlich jederzeit kontaktieren, zum Beispiel auf meinem Instagram-Kanal. Bleiben Sie gesund und alles Gute! Mit freundlichen Grüßen Franziska Müller-Rech Foto: Franziska Müller-Rech
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Petition am 21. Januar 2021 erstellt