Unser Klassenkamerad Ali soll bei uns bleiben!

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Bitte helft uns! Unser Klassenkamerad Ali Reza soll bei uns bleiben und auf keinen Fall ins Bürgerkriegsland Afghanistan abgeschoben werden!

Wir, die 10. Klasse der Freien Waldorfschule Augsburg, haben seit Oktober 2016 einen sehr beliebten Mitschüler, der sich super integriert hat und sich bei uns wohl fühlt. Nun hat er vom BAMF den Bescheid bekommen, dass er nach Afghanistan ausreisen muss. Von diesem Bescheid war nicht nur er betroffen, sondern wir alle. Ein wichtiger Teil unserer Klasse würde herausgerissen werden, wenn er gehen muss.

Gerade auf die Flüchtlinge, die völlig mittellos in den improvisierten Lagern und Slums in Kabul ankommen, haben es die Taliban und der IS abgesehen, die auf der Suche nach neuen Kämpfern sind. Wenn unser Klassenkamerad in deren Hände fällt, muss er für sie kämpfen oder es drohen ihm Misshandlung und Folter, wenn nicht sogar der Tod!

Und Ali Reza kennt in Afghanistan niemanden, der ihn schützen kann, denn seine Familie entfloh schon vor langer Zeit dem Krieg in der Heimat in den Iran. Damals war er gerademal vier Jahre alt. Als Hazara gehörten sie zu den von den herrschenden Paschtunen und vor allem den Taliban am meisten bedrohten Volksgruppen. Im Iran waren sie in Sicherheit, besaßen aber als illegale Einwanderer keinerlei Rechte und waren immer wieder Repressalien und Erniedrigungen ausgesetzt.

Die Situation veränderte sich dramatisch, als Ali Reza 16 war. Er und andere junge Afghanen wurden bei einem Treffen in einem Park von der Polizei aufgegriffen und auf die Wache mitgenommen. Dort wurden dann ihre Personalien aufgenommen. Wer keine Papiere hatte, musste dableiben, bis die Eltern sie bringen oder ihre Identität anderweitig bestätigen können. Kurze Zeit danach suchten Zivilpolizisten die Familie auf und stellten die Legalisierung ihres Aufenthaltes in Aussicht, wenn ihr Sohn in Syrien mit für Assad kämpfen würde. Andernfalls könne die Familie nach Afghanistan zurückgeschickt werden. Ali Reza und seine Eltern wussten, dass viele junge Afghanen, die dem massiven Druck von Seiten der iranischen Regierung nicht standgehalten und in den Syrienkrieg gezogen waren, nur als Märtyrer, d.h. tot zurückgekehrt waren. Darum drängten sie ihn aus Angst um sein Leben schweren Herzens zu fliehen.

Auf der monatelangen Flucht ertrug er Regen und Kälte, Hunger und Durst und erlebte traumatisierende Situationen, besonders bei der Überfahrt über das Mittelmeer. Dann kam er schließlich nach Deutschland und hoffte, sich hier ein neues Leben in Sicherheit und mit Respekt aufbauen zu können. Er möchte bei uns den Realschulabschluss absolvieren und dann eine Ausbildung zum Erzieher machen. Das wird ihm jetzt verwehrt. Seine Fluchtgründe werden nicht anerkannt, denn er hätte ja, um der Rekrutierung für den Kampf in Syrien zu entgehen, statt nach Deutschland, nach Afghanistan gehen können. Um sich dort von den Taliban rekrutieren zu lassen? Dorthin, wo seine Familie nicht mehr hatte leben können? Wo der am 14.02.2017 aus Deutschland abgeschobene Flüchtling Farhad Rasuli am 10.05.2017 von den Taliban umgebracht wurde? Wo laut UNO 2016 über 11.00 Zivilisten bei Talibanattacken getötet oder schwer verletzt wurden? Wo im Februar ein abgeschobener Flüchtling bei einem Anschlag verletzt wurde?

Unter den afghanischen Flüchtlingen in Deutschland macht sich Angst breit. Panik breitet sich angesichts der sich häufenden Ablehnungsbescheide aus. Am 25.03. hat sich ein 20jähriger Afghane aus Haar vor den ICE geworfen, nachdem er den Ablehnungsbescheid aus dem Briefkasten gezogen hatte. In die Kliniken werden immer mehr Suizid gefährdete junge Afghanen eingeliefert.

Afghanistan ist nicht sicher. Und das weiß auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, das seit dem Deal zwischen Afghanistan und der EU (Milliarden Dollars gegen die Rücknahme Geflüchteter) und in Zeiten des Wahlkampfs möglichst viele Afghanen ablehnen soll.  Darum rechnet es in seinen Bescheiden vor, wie hoch das Risiko für Abgeschobene im Verhältnis zur Bevölkerungszahl ist, Opfer eines Attentats zu werden: nämlich 0,074% - in Deutschland beträgt sie nach dem Attentat von Berlin 0,00001476%. Das gilt nicht als Abschiebungshindernis. Berücksichtigt wird dabei aber nicht, dass aufgrund der Schwäche des Staates Unzählige Opfer von Selbstjustiz, Entführungen und Gewaltverbrechen werden. Einfach weil der Staat seine Schutzaufgabe längst nicht mehr erfüllen kann. Die Rückkehrer erwarten katastrophale humanitäre Bedingungen in Massencamps, die Versorgung dort ist äußerst angespannt, so schreibt das BAMF in den Bescheiden, aber solange es noch keinen Hungertoten gibt, ist auch dies kein Abschiebungshindernis.

In Deutschland dagegen werden junge Menschen gebraucht, es gibt so viele offene Stellen und Ausbildungsplätze wie schon ewig nicht mehr, und Betriebe und Steuerzahler haben bereits Millionen investiert, um Flüchtlinge in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Keiner von uns würde freiwillig nach Afghanistan gehen. Das Auswärtige Amt gibt für Afghanistan eine Reisewarnung heraus: „Vor Reisen nach Afghanistan wird dringend gewarnt. Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein. Auch bei von professionellen Reiseveranstaltern organisierte Einzel- oder Gruppenreisen besteht unverminderte Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden. (...) In ganz Afghanistan besteht ein hohes Risiko, Opfer einer Entführung oder eines Gewaltverbrechens zu werden. Landesweit kann es zu Attentaten, Überfällen, Entführungen und andere Gewaltverbrechen kommen. (…).“ www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/AfghanistanSicherheit.html?nn=332636?nnm=332636

Es kann nicht sein, dass für uns eine akute offizielle Reisewarnung besteht, dass seitens der NATO sogar erwogen wird, die Einsatzstärke in Afghanistan um mehrere tausend Soldaten aufzustocken (Augsburger Allgemeine vom 11. und 12. Mai), aber unser Mitschüler in dieses absolut unsichere Land abgeschoben werden soll.

Das Grundgesetz besagt eindeutig: (Art. 1 GG): Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Es widerspricht unserem Verständnis von Humanität, einen Menschen, der sich bei uns befindet und sich integriert, bewusst dieser Gefahr auszusetzen. Wir bitten Sie daher um Ihre Hilfe die Abschiebung zu verhindern und Ali einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu erteilen. Wir wünschen uns für Ali Reza eine sichere Zukunft in unserem Land.

Update: Ali Reza hat seinerseits Klage gegen den Bescheid eingereicht. Um die Anwaltskosten zu tragen, haben wir ein Spendenkonto eingerichtet:

Im Namen der Klasse und aller Unterzeichner/innen:

Lucas Hein, Johannes Schmid, Sara Resech

Spendenkonto für die rechtliche Unterstützung Ali Rezas:
Petition 10. K. Waldorf Augsburg
IBAN: DE28 7209 0000 0101 4758 27
BIC: GENODEF1AUB

 

This petition will be delivered to:
  • Bayerischer Innenminister Herrmann
  • Bayrischer Landtag
  • Zentrale Ausländerbehörde Bayern
  • Thomas de Maizière


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