#Platzangst – Mehr Masterplätze für Psychologiestudierende in Deutschland!

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In dem Studienfach Psychologie gibt es seit der Bologna-Reform zu wenig Masterplätze für die Absolvent:innen des Bachelor-Studiums. So können jährlich mehr als 600 Studierende kein konsekutives Masterstudium aufnehmen. Bachelor-Psycholog:innen haben jedoch nur geringe bis gar keine Möglichkeiten des beruflichen Einstiegs und befinden sich deshalb in einem beruflichen Niemandsland. Ein Master ist in der Psychologie nahezu immer die Grundvoraussetzung potenzieller Stellen. Der Druck auf die Bachelor-Absolvent:innen ist sowohl während des Studiums als auch nach dem Abschluss sehr hoch.

Folgen sind bereits im Bachelor große psychische Belastungen, enormer Notendruck, Unsicherheit über die eigene Zukunft und finanzielle Probleme. Die ungewollte Wartezeit zwischen Bachelor und Master kann außerdem zum Rauswurf aus der Familienversicherung der Krankenkassen führen. Staatliche Hilfen wie BAföG fallen ohne den Studierendenstatus weg. Den Studierenden bleibt zwangsläufig nur die Möglichkeit, die Wartezeit durch Nebenjobs oder (unbezahlte) Praktika zu überbrücken. Mit der Reform der Psychotherapeut:innen-Ausbildung erreicht die Problematik nun ein neues Höchstmaß. Alle Studierende, die ihr Studium vor dem 01.09.2020 begonnen haben, haben nur noch bis zum 01.09.2032 Zeit, ihre Psychotherapie-Ausbildung zu beenden (§27(2) PsychThG).

Wir sind Ishita, Paula, Maike und Tim-Can und gemeinsam mit den Studierenden im Berufsverband deutscher Psychologinnen und Psychologen fordern wir mehr Masterplätze im Fach Psychologie. Dabei brauchen wir eure Hilfe!

Um die Masterplatz-Problematik zu beheben, fordern wir von den Wissenschaftsminister:innen und den Universitäten:

1. Erhöhung der Masterplätze:

Derzeit gibt es für nur ca. 85% aller Absolvent:innen auch einen Masterplatz. Dabei reicht nichtmal eine Quote von 100% aus, um einen reibungslosen Übergang zwischen Bachelor und Master zu garantieren. Das liegt daran, dass es im Fach Psychologie ist es nicht unüblich ist, dass der Bachelor entweder an privaten Hochschulen oder im Ausland absolviert wird. Um die Voraussetzungen der Psychotherapie-Ausbildung zu erreichen, ist für viele Studierende jedoch ein Master an einer staatlichen Uni in Deutschland notwendig. Deshalb muss die Anzahl der Masterplätze auf 110% der Anzahl der Bachelor-Absolvent:innen erhöht werden. 

2. Ein zentrales Platzvergabeverfahren für Bachelor und Master:

Für den Bachelor gibt es ein zentrales Vergabeverfahren über Hochschulstart. Wir fordern auch für den Master eine faire und zentral geregelte Platzvergabe mit einheitlichen Fristen! Bei der Masterplatzbewerbung führen die unterschiedlichen Fristen und individuellen Platzvergabeverfahren der einzelnen Universitäten dazu, dass Studierende Plätze blockieren, während sie auf die Zusage von anderen Universitäten oder Hochschulen warten. Das Nachrückverfahren zieht sich oft bis in den November und stellt eine hohe psychische, logistische und finanzielle Belastung für Studierende und Universitäten dar. 

  • Ein zentral organisiertes Platzvergabeverfahren bietet deutliche Vorteile und erleichtert die Situation für Bewerber:innen und Universitäten. 
  • Der Aufwand & die Kosten für die Bewerbungen würden deutlich verringert werden
  • Die Nachrückverfahren würden über eine zentrale Plattform vereinfacht werden

3. Voraussetzungen für den Master deutschlandweit vereinheitlichen:

Die Zulassungsvoraussetzungen für den Master der Psychologie müssen deutschlandweit vereinheitlicht werden. Das bedeutet, dass z.B. spezifische Kurse oder die Dauer eines Praktikums keine Voraussetzung für die Bewerbung zum Psychologie-Master sind. Jeder akkreditierte Bachelor der Psychologie, der an einer europäischen Hochschule erworben wurde, muss für jeden akkreditierten Psychologie-Master-Studiengang qualifizieren.

4. Die psychische Gesundheit der Studierenden muss geschützt werden!

Der Stress durch die „Platzangst“ soll verringert werden.  Auch die absurde Entwertung von Noten im Psychologiestudium, wo Noten über 1,7 als schlecht bewertet werden, muss aufhören.

5. Kinder und Pflegebedürftige als Härtefall-Kriterium, sodass Eltern/Pflegende in der Stadt bleiben können:

Besondere persönliche Umstände, die zu einer Ortsbindung führen, müssen deutschlandweit als Härtefallkriterium gewertet werden. Derzeit erfüllen Pflegende einer angehörigen Person oder alleinerziehende Eltern nur selten ein Härtefallkriterium und haben deshalb oft geringe Chancen, an ihrer Bachelorhochschule einen Masterplatz zu erhalten. Für diese Gruppen ist ein Ortswechsel unzumutbar, weshalb diese flächendeckend in die Härtefallregelungen integriert werden müssen.

Maike (24): „Nach meinem Bachelorabschluss 2019 mit einem Schnitt von 1,9 habe ich trotz vieler Bewerbungen keinen einzigen Masterplatz erhalten und habe zwei Semester  pausiert und mit Praktika überbrückt. Dieses Jahr habe ich  43 Bewerbungen abgeschickt und erhielt nur 3 Zusagen, von denen mich nur eine einzige zur Psychotherapeut:innenausbildung befähigt hätte. Nach der ganzen Zeit und auch dem Aufwand, den ich in die vielen Bewerbungen gesteckt habe, war es sehr frustrierend eine Absage nach der anderen zu erhalten (von einigen Universitäten habe ich gar keine Antwort bekommen). Ich habe zwischendurch stark an mir selber und meinen Kompetenzen gezweifelt und ein Studium im Ausland als einzige Möglichkeit gesehen, meinen Weg weitergehen zu können. Wenn ich anderen Leuten erzählt habe, dass ich mit einer 1 vor dem Komma große Sorgen hatte, überhaupt den notwendigen Masterplatz zu erhalten, konnten die das kaum glauben. Durch den starken Notendruck werden gute Noten “entwertet” und ich hatte mit einer 1,9 das Gefühl, schlecht zu sein."

Paula (23): „Während des Studiums herrschte bereits großer Notendruck; die Angst keinen Masterplatz zu bekommen war allgegenwärtig. Ich habe meinen Bachelor 2019 mit einem Schnitt von 2,4 in Aachen abgeschlossen und mich im Anschluss direkt für den Master beworben. Ich habe keine einzige Zusage erhalten. Zum Sommersemester 2020 dann der nächste Versuch, ebenfalls ohne Erfolg. Die Zeit versuchte ich sinnvoll zu überbrücken, doch leider wurde ich von Praktikumsstellen immer abgewiesen, da ich keine immatrikulierte Studentin war. Ich hatte überhaupt keine Planungssicherheit und habe schließlich in Teilzeit in einem psychologiefremden Job gearbeitet. Ich habe begonnen mich für meinen Schnitt zu schämen, obwohl ich wusste, dass ein Bachelorabschluss von 2,4 nichts Schlechtes ist. Die Selbstzweifel ließen sich nicht dauerhaft abstellen und ohne den Zuspruch meiner Familie und Freunde wäre mein Selbstbewusstsein völlig zerbrochen. Zum Wintersemester 20/21 (nun also mit 2 Wartesemestern) habe ich dann versucht so viele Bewerbungen wie möglich rauszuschicken. Zunächst habe ich 35 Absagen in der Post gehabt, bis ich dann Anfang Oktober im Nachrückverfahren an der Uni Trier angenommen wurde.” 

Mara (29): “Die ständige Angst, keinen Masterplatz zu bekommen, ließ mich immer mehr Lernen und Lernen. Ich vernachlässigte meine Partnerschaft, meine Freunde und meine Familie. Ich lernte fast schon zwanghaft. Meine Partnerschaft ging in die Brüche und auch viele Freundschaften. Ich entwickelte auch in anderen Bereichen meines Lebens zwanghafte Verhaltensweisen. Ich bekam Zukunfts- und Existenzängste, letztendlich sogar Depressionen. Für den Master musste ich ans andere Ende Deutschlands ziehen. Nun habe ich nicht nur Zwänge und Depressionen. Ich habe auch noch mein soziales Umfeld, dass mich mit meinen Problemen aufgefangen hat, zurücklassen müssen. Manchmal bereue ich mein Psychologiestudium und überlege in die Pflege zurück zu gehen. Die Arbeitsbedingungen sind dort zwar sehr schlecht, aber ich wäre wieder bei meinem Partner und meiner Familie, anstatt mit meinen Depressionen alleine am anderen Ende Deutschlands zu hocken.

Melanie (31): „Seit 2016 bewerbe ich mich erfolglos um einen Masterplatz für Psychologie. Ich habe ein Kind und kann mich deshalb nicht in ganz Deutschland bewerben. Eine eigene Familie zu gründen, sollte für mich dabei nicht an zweiter Stelle stehen. Glücklicherweise fand ich in kurzer Zeit eine Anstellung im Psychologischen Dienst eines Bildungsträgers, als alle Absagen eingegangen waren. Die Grenzen meines Bachelor-Abschlusses machen sich bemerkbar, denn Alternativen zu meiner jetzigen Stelle gibt es wenige und Aufstiegschancen bestehen keine. In diesem Jahr habe ich mich wegen meines Kindes nur noch an meiner Heimat-Uni beworben. Die Wohnortnähe würde mir die Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf ermöglichen. Meine Hoffnung war, dass ich mit 7 Wartesemestern endlich zugelassen werden würde. Leider hat die Uni die Auswahlkriterien in diesem Jahr verändert und das Kriterium „Wartesemester“ gestrichen. Jetzt suche ich nach einer Alternative, mit der ich trotz meiner Familie den Master beginnen kann.

Diese Erfahrungsberichte sollen die Ungerechtigkeit in der Masterplatz-Bewerbung bespielhaft illustrieren. Es gibt unzählige persönlichen Erfahrungen von Psychologie-Studierenden, die unter der derzeitigen Situation leiden.

Deshalb fordern wir die Wissenschaftsminister:innen und die Universitäten dazu auf: Stoppen Sie den Stress und die psychischen Probleme! Stoppen Sie die #Platzangst! Beenden Sie die Bildungsungerechtigkeit!

Bitte teilt und unterschreibt unsere Petition!
Mehr Informationen zum Thema findet ihr hier: https://www.bdp-verband.de/platzangst/

Danke für die Unterstützung!
Ishita, Paula, Maike, Tim-Can & die Studierenden im BDP


Ishita (Uni Hamburg, B.Sc.; KU Eichstätt-Ingolstadt, M.Sc.)
Paula (RWTH Aachen, B.Sc.; Uni Trier, M.Sc.)
Maike (RWTH Aachen, B.Sc.; HHU Düsseldorf, M.Sc.)
Tim-Can (FernUni Hagen, B.Sc.)