Petition update

Prof. Niemitz: "Die Zunahme der menschlichen Bevölkerung stoppen!"

Achim Wolf
Germany

Feb 6, 2020 — 

*** Gastbeitrag von Professor Dr. Carsten Niemitz (* 29. September 1945 in Dessau) 

Petition an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Franziska Giffey:
Die Zunahme der menschlichen Bevölkerung stoppen!
Setzen Sie das Grundgesetz, Artikel 20 a im Sinne dieser Petition wirksam und schnell um! Fördern Sie mit allen Ihren Möglichkeiten die Senkung der Geburtenzahlen.

Auszug aus Carsten Niemitz: DIE MENSCHHEIT RETTEN? PACKEN WIR’S AN! (Nähere Informationen zum Buch am Ende der Petition)

"Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen  die natürlichen Lebensgrundlagen ..." - Grundgesetz, Artikel 20a

Eine Forderung aus dem Jahr 1990 lautet: „Es wird überall davon gesprochen, dass sich die Zunahme der Erdbevölkerung verlangsamen   müsse. Das ist zu wenig: Die Erdbevölkerung muss langfristig abnehmen.“ Heute beanspruchen fast zweieinhalb Milliarden Menschen mehr als damals die Ressourcen der Welt. Das Thema wird in der Öffentlichkeit gelegentlich statistisch behandelt, in der Politik jedoch wird es weitgehend tabuisiert. Wenn wir die jetzigen Probleme wachen Auges sehen, wird die Bereitschaft zu Konflikten und Kriegen wahrscheinlicher, wenn wir drei oder vier oder fünf Milliarden Menschen mehr sind als jetzt. Eine Verlangsamung der Entwicklung allein könnte den Kollaps der Menschheit wahrscheinlich nicht aufhalten. Sie würde nämlich kaum verhindern, dass wir elf oder zwölf Milliarden Menschen würden. Die UNO hat optimistische, mittlere und pessimistische Prognosen erstellt, wobei elf Milliarden zu den relativ   optimistischen Vorhersagen gehören. So kann es also nicht weitergehen.

Aldous Huxley wird mit einer Sentenz von zirka 1960 zitiert, wonach er gesagt hat: „Wenn wir das Problem der Überbevölkerung der Erde nicht lösen, werden alle anderen Probleme unlösbar“. In den letzten rund fünfzig Jahren haben sich alle jenen besorgniserregenden Themen annähernd parallel zum Wachstum der Menschheit entwickelt. Ansätze zu ihrer Bekämpfung werden immer schwieriger. Die Anstrengungen – beispielsweise zur Steigerung landwirtschaftlicher Erträge – sind an enge Grenzen gestossen, weil die Gefahren zunahmen, die Umwelt durch Dünger zu vergiften oder die Biodiversität zu schädigen. Da aber die Landwirtschaft vorrangig den Zweck hat, Menschen zu ernähren, ist die Gefahr, die von Mineraldünger und speziell von Nitraten ausgeht, nicht unmittelbar. Sie ist mittelbar, denn die ultimative Ursache für die Entgleisung des planetaren Stickstoffhaushalts ist eben die Anzahl der zu ernährenden Menschen. Um unser Hauptproblem zu lösen, könnten wir Menschen jetzt und sofort, eine ‘Ein-Kind-pro-Frau-Regel‘ durchsetzen. Dann müssten wir aber abwarten, bis über drei Milliarden Menschen mehr weggestorben wären als die Anzahl der zwischenzeitlich erfolgten Geburten. Denn erst dann würden wir das Niveau der Nachhaltigkeit wieder erreichen. Bei einer ganz groben Schätzrechnung gehen wir davon aus, dass die Frauen im fertilen Alter wegen des grossen Anteils recht junger Frauen etwas weniger als ein Viertel der Weltbevölkerung ausmachen. Hier ergibt sich eine Wartefrist von gut einem halben Jahrhundert. Alle bedrohlichen Prozesse wie jene der Klimafolgen etc. würden sich aber für diese Zeit auf ähnlich hohem Niveau fortsetzen. Das Ausmass der Gefahr würde in dieser Zeit also weiter steigern. Demzufolge stellt eine globale Ein-Kind-Politik das immer noch mit enormen Risiken behaftete Minimum von Massnahmen dar. Viele Menschen sind definitiv der Ansicht, dass   die Forderung einer solchen globalen Übereinkunft grenzenlos naiv ist.

Aber wir müssen nüchtern abwägen: Auf der einen Seite erscheint mir die Wahrscheinlichkeit einer globalen Übereinkunft zu einer drastischen Reduktion von Geburten in der Tat äusserst gering.  Auf der anderen Seite besteht sowohl durch viele tausend wissenschaftliche Befunde als auch durch die steigende Anzahl von Menschen die absolute Gewissheit, dass die Existenzgrundlagen der Menschheit binnen weniger Jahrzehnte oder sogar eher kollabieren werden.
Es ist keine Frage, dass dies mit kriegerischen Auseinandersetzungen einher ginge, deren Ausmass hier nicht vertieft zu werden braucht. Deshalb wäre es unverantwortlich, die einzige Lösungsmöglichkeit nicht zu versuchen. Massnahmen der Ressourcenschonung und technische Innovationen sind davon unberührt, denn diese müssen wir während der geschilderten Wartefrist ohnehin zusätzlich mit aller Konsequenz betreiben. Die sofortige, globale Durchsetzung einer absoluten Null-Kind-Politik ist natürlich aussichtslos, sie wäre schlichtweg nicht durchsetzbar. Er muss aber ein bald erreichtes Ziel sein, wie die nachstehende Überlegung zeigt. Zur Ermittlung der Dringlichkeit für ein schnelles Handeln kann die rein theoretische Erwägung eines Nullwachstums aber durchaus dienen. Nimmt man die Bevölkerungspyramide der Welt und schiebt sie zwanzig Jahre nach oben in den Bereich der natürlichen Absterbezone, kann man ablesen, wie viele Menschen bis dahin ungefähr verstorben sein werden. Dann würden durch die natürliche Alterung fast genau dreissig Prozent weniger Menschen leben als heute. Gleichzeitig kommen nach unserem gedachten Modell in dieser Zeitspanne keine weiteren Menschen mehr hinzu. Wir könnten damit einen Rückgang der Weltbevölkerung auf 5,4 Milliarden Menschen erreichen. Das scheint enorm viel.

So viele Menschen waren wir 1994. Aber schon seit zirka 1985 wird die Biokapazität der Erde von uns Menschen überfordert. Selbst durch die nur theoretisch erwogene Einführung einer weltweiten Null-Kind-Gesetzgebung für 20 Jahre würden wir also nicht einmal den Minimalwert erreichen, der zu einem nachhaltigen Überleben der Menschheit notwendig wäre. Da eine solche Pause menschlicher Fruchtbarkeit aber nicht einmal ausreicht, muss sie umso mehr gefordert und gefördert werden, wenn wir uns für ein Überleben der Menschheit als Ganzes einsetzen.
Alle Menschen der Welt sind Reisende auf einem sinkenden Schiff, weil wir Passagiere es selbst leck geschlagen haben. Ein anderes Schiff – ein anderer Planet – kommt uns nicht zu Hilfe. Nur wenn wir nach diesen Herleitungen die Zahl der Passagiere um mindestens ein Drittel absenken würden, könnten die Pumpen das Schiff – vielleicht, denn dies ist keineswegs sicher – über Wasser halten. Alle, die sich einer solchen Hilfe verweigern, werden aber keinen Vorteil haben, sondern in den Strudel dieses Untergangs mit hineingerissen. Also müssen wir diesen Schritt wagen. Oft hört man den Vorwurf, der Lösungsvorschlag einer weltweiten Beschränkung auf nur ein Kind pro Frau sei naiv. Vielleicht handelt es sich hier aber um ein reflexartig aus den Tiefen unseres Unterbewusstseins gezücktes Totschlagargument. Unsere Gene verlangen von uns mit evolutiver Urkraft, sie mit der nächsten Generation weiterleben zu lassen und nach Möglichkeit zu vermehren. Aber es gibt auch andere Lernprozesse. Seit der Erfindung und Einführung hormoneller Massnahmen zur Planung der eigenen Nachkommenschaft haben viele Frauen für sich entschieden, nur zwei oder ein oder auch gar kein Kind zubekommen. In vielen Kulturen gibt es Formen der Enthaltsamkeit.

Grundlage eines denkbaren Abkommens ist das Einsehen aller Vertragspartner in die Notwendig, jeweils einen angemessenen und wesentlichen Beitrag zu leisten. Wir können von keinem anderen Staat oder keiner anderen Kultur die Bereitschaft zum Verzicht auf Kinder verlangen, wenn wir selbst nicht dazu bereit sind. Viele   Eltern   werden   sich   in   den   kommenden   Jahren   zunehmend   Sorgen machen, wie es ihren Kindern in Zukunft ergehen wird oder tun dies bereits. Frauen oder Paare können sich entschliessen, beispielsweise nur ein oder kein Kind zu bekommen. Mir scheint es eines der grössten Hindernisse bei unseren aktuellen Bemühungen um eine gesunde Umwelt zu sein, dass Nachhaltigkeit im menschlichen Verhaltensrepertoire grundsätzlich ‚nicht vorgesehen‘ ist. Eine der Umwelt gegenüber nachhaltige Attitüde muss mühevoll erlernt werden, obwohl sie in unserer Zeit offensichtlich zum eigenen Nutzen ist. Man könnte sich überlegen, die Verantwortung   einer Familienplanung den einzelnen Menschen abzunehmen und sie auf den Staat zu übertragen. Dieser müsste dann entsprechend nachhaltige, also den Fortbestand der Menschheit sichernde Gesetze erlassen und durchsetzen. Die demokratische Gesetzgebung hat nun aber den Vor- und Nachteil, dass die Verfahren wegen vieler einfliessender Vorschläge und Bedenken, auch in den einzelnen Entscheidungsinstanzen, oftmals lange oder sehr lange dauern. Beim Klima, um das wir uns immer mehr und mit zunehmender Ungeduld sorgen, haben die vergangenen vierzig Jahre nicht gereicht, unsere Befürchtungen überflüssig zu machen. Es ist nach jenen Erfahrungen mit der Klimaentwicklung also durchaus nachvollziehbar, wenn man bezüglich einer Bevölkerungspolitik an dem möglichen Erfolg demokratischer Gesetzgebungsverfahren zweifelt.

Es ist andererseits in der Geschichte der Menschheit keine einzige Diktatur bekannt, deren friedvoller Herrscher sich neben der wirtschaftlichen Blüte seines Landes auch konsequent um das menschliche Wohl seiner einzelnen Bürgerinnen und Bürger bemüht hätte. Im Gegensatz dazu hat es aber eine beachtliche Anzahl abschreckender Beispiele zentraler Macht gegeben. Wer mit dieser Einsicht keine Diktatur will, dem demokratischen System aber pragmatische, zeitgerechte Implementierung nicht zutraut, hat nur eine dritte Wahl. Es ist die absolut basisdemokratische, individuelle   Entscheidung   der/des Einzelnen, die Familienplanung selbst in die Hand zu nehmen.

Wichtige Neuerscheinung! Lesen und weiter-sagen!
Carsten Niemitz "Die Menschheit retten? Packen wir's an!"
248 Seiten, Erscheinungstermin: 01.10.2019
Klimakrise, Artensterben, Vermüllung der Meere – die drängenden Umweltprobleme sind endlich in Politik und Öffentlichkeit angekommen.
Doch die Themen sind komplex, die Zusammenhänge kaum durchschaubar. Hier setzt Carsten Niemitz an: Klar, übersichtlich und verständlich informiert er auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft über alle wichtigen ökologischen Fragen, sei es Ernährung, Bevölkerungswachstum, Klima, Plastik oder Biodiversität.
Packen wir’s an! Denn es ist spät.

Mehr: https://www.oekom.de/buch/die-menschheit-retten-packen-wir-s-an-9783962381653?p=1


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