Petition update

Trotz Waldsterben - der Ausverkauf der Wälder geht weiter! Teil 9 - Bayern

BundesBürgerInitiative Waldschutz (BBIWS)

Mar 7, 2020 — 

Massiver Bucheneinschlag ins erste bayerische "Nationale Naturmonument"

Das Naturjuwel "Weltenburger Enge" mit seinen Buchen-Mischwäldern wurde kurz nach offizieller Ausweisung als erstes "Nationales Naturmonument" - ein seltenes Prädikat! - durch Holzeinschlag wohlgemerkt IM NATURSCHUTZGEBIET alter Buchen beraubt, darunter viele Biotopbäume, die die Bayerischen Staatsforsten nach ihren eigenen Naturschutzkriterien niemals hätten antasten dürfen! Auch von den Fällaktionen betroffen sind die Naturschutzgebiete Hirschberg und Altmühlleiten.

Dabei, so Ministerpräsident Markus Söder, sollte gerade hier die Sensibilität für die Bewahrung der Schöpfung und die Ökologie geweckt werden. Geweckt wurde aber wohl vor allem das Proftinteresse der Forsten, die bundesweit ein LEGALES Eingriffsrecht in Naturschutzgebiete und FFH Gebiete haben. Die Gebiete werden von den Forsten "gepflegt"!

Kritik kommt von vielen Seiten, aber leider keine Einsicht bei den zuständigen Bayerischen Staatsforsten und dem zuständigen Ministerium! Mit dem vorgebrachten Argument der "Förderung eines klimastabilen Mischwalds" sollen nun, wie vielen Waldschutzbürgern in diesem Winter hinreichend auch anderenorts bekannt,  offensichtlich alle Maßnahmen abgedeckt werden, die man durchaus als Ausverkauf der alten Wälder bezeichnen darf. Hier der ausführliche Bericht in der SZ und im BR Fernsehen!

SZ vom 1. März 2020, 19:21 Uhr

Weltenburger Enge: "Naturfrevel sondergleichen": Naturschützter beklagen Fällaktion vieler alter Buchen

BR Fernsehen 05.03.2020, 20:15 Uhr, 6 Min : Symbolpolitik im Buchenwald Ein Naturmonument als Luftnummer?

Auch informativ: ein Förster aus Nordeutschland zur Waldwirtschaft! Ist der Wald noch zu retten? Sendung: Nordmagazin | 02.12.2019

Genau solche Aktionen sind es, die das Vertrauen der Bürger in die sogenannte "Ordnungsgemäße Forstwirtschaft" tief erschüttern. Warum sollten die Bürger eigentlich "verstehen", dass es in Zeiten von Klimawandel und Waldsterben am wichtigsten sein soll, aus alten Buchen billigen Export, Brennholz, Pellets oder Papier zu machen und dafür den Wald zu einer Stängellandschaft auszudünnen? Noch dazu "erwirtschaftet" im Naturschutzgebiet?

Auf diesen seltenen und flächenmäßig kleinen Gebieten, die gesetzlich verbrieft den Artenschutz zum Ziel haben? Wann endlich hören diese sinnlosen und zerstörerischen Eingriffe in Schutzgebiete auf? Die Natur braucht hier keinen die Tatsachen verbrämenden, forstlich ambitionierten Waldumbau. Wälder statt Forste!

Der Wald ein Holzacker?

fragt deshalb mit Recht eine Bürgerin aus Oberbayern und sendet uns Bericht und Bildmaterial (siehe oben: Winter 2019/20, Einschlag im Haunstettener Forst):

"Als ich in den vergangenen Tagen durch den Haunstettener Forst (Oberbayern) ging, bot sich mir auf einer Fläche von etwa 30 ha ein Bild der Verwüstung: abgesägte Bäume, Rückewege, auf denen schwere Maschinen tiefe Spuren hinterließen und unzählige Festmeter Holz an den Wegrändern. Der Wald – ein Holzacker?!

Neben den ökologischen Gesichtspunkten wie starke Bodenverdichtung, Entnahme von großen schattenspenden Buchen, beschäftigte mich die Frage, was den Menschen, das jüngste Glied in einer Jahrmillionen langen Evolution, zu solchem Handeln ermächtigte. Seit dem Ende des 17.Jh. kam es zu einer immer stärkeren Anthropozentrik: der Mensch im Mittelpunkt, der nicht mehr Teil, sondern Beherrscher der Natur wurde. Damit ist der postmoderne Mensch der Gefahr ausgesetzt, dass ihm die Einbettung in den sinn-und wertestiftenden Zusammenhang des Lebendigen verloren geht.

Der Wald wird nicht mehr als eigenständige Größe gesehen, weder in seiner Schönheit noch in seiner Bedeutung für Tiere, Insekten und Menschen. Stattdessen findet eine Verdinglichung statt, die ihn degradiert zu dem, was sich messen und möglichst gewinnbringend verkaufen lässt.

Wenn der Mensch diese Entfremdung überwindet und mit Albert Schweitzer die Erfahrung macht, er sei Leben inmitten von Leben, das leben will, dann hat er Zukunft."

Ausführlicher Bericht mit Bildern auf der Homepage der BBIWS!


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