Petition update

Herbst 2019 - trotz Klimawandel weiter Durchforstung in alten Laubwäldern!

BundesBürgerInitiative Waldschutz (BBIWS)

Oct 7, 2019 — 

Foto: aktueller  Bucheneinschlag in den Altbestand durch die Landesforsten in Rheinland-Pfalz

Trotz Klimawandel und massivem Trockenstress in unseren Laubwäldern startet aktuell bundesweit die Durchforstung der Staats- und Kommunalwälder mit hohen Einschlägen wie in allen Jahren zuvor. Entnommen werden vielerorts die ca. 120 - 140 Jahre alten Buchen, die jetzt noch das Kronendach des Waldes geschlossen halten und im naturnahen Wald das Waldinnenklima vor Erwärmung und gesteigerter Verdunstung schützen. 

Zeitgleich ist der Markt mit Fichtenholz übersättigt und die Preise sind  eingebrochen.  Wir fragen uns deshalb ganz einfach: was für einen Sinn machen kontrovers diskutierte, teure und aufwendige Aufforstungsstrategien (mit dem Hinweis auf die lange Zeitspanne, die Bäume zum Wachsen brauchen), wenn doch zugleich der noch intakte Bestand alter Laubwälder weiter eingeschlagen wird? Denn immer wieder wird von Fachleuten bezweifelt, dass sich auf den weitgehend von Altbäumen freigestellten Flächen der Nachwuchs problemlos weiter entwickelt?

Jungbuchen brauchen für ein stabiles und gesundes Wachstum offenbar gerade die Präsenz der Altbäume, von denen man mittlerweile weiß, dass sie die Jungbäume lange beschatten und über ihr Wurzelsystem mit Wasser und Nährstoffen mitversorgen. 

Die nach dem Einschlag freigestellten Buchen vergrößern ihre Krone, haben mehr Blattwerk und verdunsten somit auch mehr Wasser, das in heißen Sommern knapp wird. Auf dem durch die Auflichtung sonnenbestrahlten Boden noch in besonderem Maße. Folglich kann diese Bewirtschaftung und der Einschlag der Altbäume - die übrigens mit 140 Jahren noch lange nicht ihr mögliches hohes Alter von bis zu 300 Jahren erreicht haben - im Klimawandel doch nicht "zukunftstauglich" sein? Gerade wenn bundesweit zum Bäumepflanzen aufgerufen wird? 

Logisch lässt sich dieses zwiespältige Vorgehen bei ein und derselben Institution Forstverwaltung nicht erklären - eher schon durch weitreichende (Export-)Verträge, die dem Bürger nicht bekannt sind und die weiter erfüllt werden sollen, obwohl im Staatswald die Gemeinwohlfunktion gesetzlich vorrangig und die Vermarktung von Holzerzeugnissen nachrangig ist.

Frage also: Geht ein Liefervertrag dem durch den Klimawandel dringend notwendigen, ambitionierten Schutz unserer noch bestehenden Laubwälder vor? Können wir uns das noch leisten? Gerade jetzt, wo "Waldnotstand" und "Waldsterben 2.0" Schlagwörter sind und die Forstwirtschaft von Buchensterben, Ratlosigkeit und klimatauglichem Waldumbau spricht? Warum können wir im Staatswald nicht viel mehr alte Buchenwälder schonend bewirtschaften und sie damit so lange wie möglich als Bollwerk gegen Austrocknung und Artensterben erhalten?

Die Erträge aus der Buchenernte jedenfalls sind insgesamt so gering, dass sie den Verlust der Baumgiganten nicht wert sind. Und noch immer warten wir darauf, dass die Forsten uns zum sparsamen Umgang mit dem "wertvollen Rohstoff Holz" auffordern. 

Fazit: Je drastischer die Klimafolgen, desto wichtiger die "Vorsorge" anstelle einer fragwürdigen "Nachsorge".


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