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Petition richtet sich an Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für die Bischofssynode 2015 in Rom

Anerkennender und nicht-diskriminierender Umgang mit homosexuellen Menschen

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Brief an die Delegierten der XIV. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode vom 4. bis 25. Oktober 2015 in Rom

Verehrter Herr Kardinal Reinhard Marx, verehrter Herr Bischof Dr. Heiner Koch und verehrter Herr Bischof Dr. Franz-Josef Bode,

Wir sind eine Gruppe von Stipendiaten_Innen und ehemaligen Stipendiaten_Innen des Cusanuswerkes, die sich in den letzten Wochen und Monaten intensiv mit den Lineamenta und ganz besonders mit dem Punkt 55 im Abschnitt „Die pastorale Aufmerksamkeit gegenüber Personen mit homosexueller Orientierung” auseinandergesetzt haben. Dabei mussten wir leider feststellen, dass der dort verwendete Wortlaut von einer ablehnenden und diskriminierenden Haltung gegenüber homosexuellen Menschen zeugt. Da wir uns als Teil der katholischen Kirche sehen, fühlen wir uns dazu verpflichtet, den Verfassern des o.g. Dokumentes auf diesem Wege Rückmeldung zu geben. Wir bitten Sie daher, unser Anliegen mit in die Bischofssynode nach Rom zu tragen und dort an entsprechender Stelle kundzutun.

Die in den Lineamenta gebrauchte Formulierung „Einige Familien machen die Erfahrung,...” impliziert, dass homosexuelle Menschen nur von bestimmten Familien oder Personen wahrgenommen werden und gleichsam deren (homosexuelle) Existenz in Zweifel gezogen wird. Wir fordern daher im Umgang mit homosexuellen Menschen, sowie allgemein mit lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen und intersexuellen (LGBTI = lesbian, gay, bi-, trans- and intersexual) Menschen, eine eindeutige Formulierung, die diese Menschen in ihrer Existenz anerkennt und wertschätzt. Die Verantwortung im Sinne einer „pastoralen Aufmerksamkeit”, wird zwar in diesem Absatz beschrieben, allerdings an gleicher Stelle nicht ernst genommen, da homosexuelle Menschen schlicht nicht die Subjekte dieses mit „Homosexualität” überschriebenen Abschnittes sind, sondern deren Angehörige. Damit werden homosexuelle Menschen als aktiv wirkende Mitglieder (Subjekte) in der katholischen Kirche verleugnet und nur noch als Objekte pastoraler Aufmerksamkeit betrachtet. Dass explizit und ausschließlich der Umgang mit diesen Menschen thematisiert wird, setzt zudem die Unterstellung von potentiellen Schwierigkeiten im Umgang mit homosexuellen Menschen (im Gegensatz zu heterosexuellen Menschen) voraus. Die Angehörigen erscheinen hier als Leidtragende, die in ihrem Umgang mit der Homosexualität ihrer Familienmitglieder durch die katholische Kirche unterstützt werden müssten. Dieses ist eine nicht hinnehmbare Stigmatisierung und eine Exklusion aller gläubigen homosexuellen Menschen.
Desweiteren legen Formulierungen wie „homosexuelle Orientierung” oder „homosexuelle Tendenzen” (ebd.) nahe, dass homosexuelle Menschen sich anders “orientieren” könnten (wenn sie nur wollten). Die hier verwendeten Formulierungen fallen sogar hinter den in KKK 2358 verwendeten Begriff der „Veranlagung“ zurück, welcher der Homosexualität immerhin noch eine gewisse intrinsische Bedeutung zuschreibt. Die Begriffe „Orientierung“ und „Tendenz“ entziehen dahingegen Homosexualität gänzlich dem Innersten des Menschen und setzen sie auf eine Ebene des Äußerlichen. Wir fordern eine Formulierung, die Homosexualität als Faktum und Teil des Menschseins anerkennt und nicht als zeitlich terminierte und überwindbare Orientierung oder „Äußerlichkeit“ im Leben eines Menschen.

Der Vergleich zwischen „Ehe und Familie” und „homosexueller Lebensgemeinschaft” (ebd.) drückt die Meinung aus, dass eine „homosexuelle Lebensgemeinschaft” nicht dem „Plan Gottes” entspreche. Leider heißt es bereits an anderer Stelle, dass „die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ und „gegen das natürliche Gesetz verstoßen“ (vgl. KKK 2357 bzw. „Persona humana“). Auch hier diskriminiert die katholische Kirche offen homosexuelle Menschen und wendet sich von diesen ab. Wir wünschen uns eine versöhnlichere, nicht diskriminierende und wertschätzende Wortwahl in der Haltung gegenüber und im Umgang mit homosexuellen Menschen. Es ist eine Verkehrung der Frohbotschaft, wenn Menschen aufgrund ihrer „homosexuellen Handlungen“ ausgeschlossen, diskriminiert und ungerecht behandelt werden, obgleich diese „Handlungen“ ein untrennbarer Teil ihres menschlichen Selbstausdrucks sind und in direktem Zusammenhang mit ihrer sexuellen Identität stehen. Die personal integrierte Sexualität ist eine Ausdrucksebene der Persönlichkeit und der Kommunikation zwischen den Menschen, die aus heutiger Sicht nicht mehr dem alleinigen Zweck der Fortpflanzung zugeschrieben werden kann. Durch den Blick auf die Welt als „Schöpfung Gottes“ und die nicht zu leugnende Existenz homosexueller Handlungen unter den Geschöpfen, werden eben diese Handlungen legitimiert. Darüberhinaus darf der vielschichtige Begriff der Sexualität nicht auf so arbiträre Weise aufgespalten werden, wie es getan wird, wenn im Diskurs zwischen „homosexuellen Menschen“ und „homosexuellen Handlungen“ unterschieden wird. Sexuelle Handlungen, welche die Menschenrechte unangetastet lassen und dem Gegenüber kein Leid zufügen, sollten durch die kirchliche Sexualmoral nicht als moralisch sündhaft dargestellt werden, da sie Ausdruck der Liebe der Menschen und damit Ausdruck der Liebe Gottes sind. Wie jeder Mensch sind homosexuelle Menschen Söhne und Töchter dieses Vaters, also des Urhebers der Schöpfung, die in ihrer Vielschichtigkeit immer wieder neu von den Menschen erkannt werden muss.
Gerade die christliche Botschaft „Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz” beinhaltet doch die Hinwendung zu Minderheiten und die Überwindung von Vorurteilen. An vielen Orten auf unserer Welt werden Menschen aufgrund ihrer Homosexualität mit dem Tode bedroht. Eine Kirche, die sich in die Nachfolge Christi stellt, sollte Tabus brechen und sich radikal auf die Seite der Menschen stellen, so wie Gott sich gerade in Jesus kompromisslos auf die Seite der Menschen stellt. Ein Bekenntnis Gottes zum Menschen mit all seinen Besonderheiten – das ist es, was die Evangelien verkünden.

Zwar wird zum Ende des Punktes 55 der Lineamenta gesagt, man solle homosexuelle Menschen „mit Achtung und Feingefühl” behandeln und sie „nicht ungerecht zurücksetzen”, doch genau diese Achtung lassen die vorangegangenen Sätze vermissen. Sie zeugen in keiner Weise von Feingefühl, sondern stellen eine Zurücksetzung und ungerechte Behandlung dar, denn selbst mit dieser abschließenden Formulierung wird Homosexualität stigmatisiert als etwas Fremdes, das einer besonderen Behandlung bedürfe. Dabei geht es uns nicht um die besondere Behandlung, sondern vielmehr um eine gleiche Behandlung aller Menschen unabhängig von der sexuellen Identität.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie unser Anliegen mit in die Bischofssynode in Rom einbringen und sich für einen respektvollen Umgang mit homosexuellen Menschen einsetzen, die ebenso Teil dieser unser aller Kirche sind.

Freundliche Grüße,

die Unterzeichner_Innen des Briefes

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