Schützt das Naturschutzgebiet Oetternbach - Was tut sich 2020?

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Petitionsseite aktualisiert 23.06.2020: Das NSG Oetternbach in Detmold (Ostwestfalen-Lippe) ist durch drei neue Gewerbegebiete gefährdet (Foto). Neue Gutachten liegen auf dem Tisch (Lärmgutachten und ein Artenschutzrechtlicher Fachbeitrag), die die Bürger derzeit nicht einsehen dürfen. Einen neuen Plan für das Gewerbegebiet hat die Stadt auch: Das NSG soll in Teilen verkleinert werden. 

Bitte helfen Sie, Ihrer Unterschrift kann viel bewegen!

Das NSG ist als Kaltluftschneise eines der wichtigsten Klima- und immissionsökologischen Einzugsgebiete von Detmold (Bebauungsplan 23-06/I, S. 7). Diese Region zu zerstören, was die Stadt wohl nun in Teilen plant, kann sich negativ auf das Klima der Detmolder Innenstadt auswirken. Von den Bürger seit langem geforderte neue Klimagutachten dazu, liegen bis zum heutigen Zeitpunkt nicht vor.

Der neue Artenschutzrechtliche Fachbeitrag, enthält folgendes Fazit: "... das relevante Gefährdungen (Tötung/Verletzung, Störung, Vernichtung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten gem. § 44 Abs.1 BNatSCHG) für alle vorkommenden oder potenzielle vorkommenden besonders und streng geschützten Arten unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen Vermeidungsmaßnahmen für das Vorhaben ausgeschlossen werden können. Aufgrund der Habitatsausstattung der Vorhabenflächen und der Auswertung vorhandener Daten sind keine weiteren Arten oder Artengruppen von artenschutzrechtlicher Relevanz (z.B. Reptilien, Amphibien, Käfer) im Wirkbereich des Vorhabens zu erwarten."

Zu den Vermeidungsmaßnahmen gehören u.a. ein Schutzwall, der das NSG von dem Gewerbegebiet vor Lärm und Lichtverschmutzung abschirmen soll, sowie ein fledermaus- und insektenfreundliches Lichtkonzept. Die Umsetzung bei 10-12 Meter hohen und bis zu 50 Meter langen geplanten Gewerbehallen wird kaum einfach zu realisieren sein. 

Bis zu den neuen, noch nicht offengelegten Plänen, der Stadt Detmold plante die Stadt einen Abstand von nur 2 Meter zum NSG und verteilte Lärmkontingente, um den Bebauungsplan zu realisieren. Das Oberverwaltungsgericht Münster erklärte im März 2018 eine Klage für rechtens, aufgrund vielfacher Mängel im Bebauungsplan. Die Stadt Detmold startete einen neuen Versuch und zog Experten hinzu. Für die Gutachten waren 70.000 Euro im Haushalt eingeplant. Die zweite Ackerfläche (Peterskamp), die in der ursprünglichen Planung bereits als Gewerbebaustein II vorgesehen war, wurde nun bei den Untersuchungen einbezogen. Auf diesem Flurstück soll eine Verkleinerung des NSG erfolgen, für den Bau einer Erschließungsstraße.

Klimawandel und Flächenversiegelung stehen in engem Zusammenhang. Die Versiegelung von Flächen befeuert den Klimawandel. Das weiß mittlerweile jedes Kind. Damit ist die Nachricht "Wirtschaft wächst jedes Jahr um 14.000 Quadratmeter" (Lippische Landes-Zeitung,10.08.2016), keine gute Nachricht.

Ackerflächen mit bester Bodenqualität, und nun auch noch Anteile vom NSG Oetternbach, sollen zerstört werden. Die Bürger wehren sich dagegen. Mit Blick auf den fortschreitenden Klimawandel sind diese Flächen unbedingt erhaltenswert.

Ihre Unterschrift hilft das NSG und die Ackerflächen zu erhalten!

Umweltgifte, Flächenversiegelung - Artensterben und Erkrankungszunahme
Jede dritte Tierart in Deutschland ist bedroht. Fast 28% der Wirbeltierarten (Süßwasserfische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere) sind in ihrem Bestand gefährdet (Artenschutzreport, Bundesamts für Naturschutz (BfN), Mai 2015). Insekten sind zu 75% ausgerottet (Krefelder Studie, 2018) Agrarvögel wie Kiebitz und Feldlerche geht es seit 20, 30 Jahren kontinuierlich schlechter. Diese und viele andere Vogelarten leben in dem Plangebiet.

Todesfälle und Erkrankungen nehmen zu durch Umweltverschmutzung (Feinstaub, Stickoxide, Lärm). Ausgerechnet in einem "ausgesprochenen jungen Stadtteil", viele Familien mit Kindern, der beständig wächst, plant die Stadt neue Straßen und Gewerbegebiete. Die Situation wird für die Bewohner unerträglich, die Lebensqualität sinkt, die Gesundheitsgefahren steigen. 

"Neues Mestre" als Eingangspforte zur Residenzstadt
Bei der ursprünglichen Planung sollten rund 25 Fußballfelder zu Gewerbegebieten werden:
1. Der "Peterskamp" (Nienhagen) mit 9,6 ha
2. Die "Balbrede" (Jerxen-Orbke) mit 3,58 ha (Vorentwurf B)
3. Die "Oetternbrede" (Jerxen-Orbke) mit ca. 4,5 ha, hat die Stadt Detmold als weitere Gewerbefläche anvisiert. Insgesamt sind das 17,68 ha. Ein Fußballfeld ist 105 mal 68 Meter groß und hat damit eine Fläche von 0,714 Hektar.

Die bestehenden, angrenzenden Gewerbeflächen in Nienhagen mit einem ähnlichen Flächenausmaß und drei Windräder führen beidseits entlang der Lageschen Str. (B239) zu einem riesigen Industriegebiet auf fruchtbarem Ackerland, welches wohlmöglich mit dem Gewerbegebiet der Stadt Lage zusammenwächst. Damit nicht genug: In Jerxen, am Nordríng sollte im Herbst 2019 die Poppenbrede als Gewerbegebiet erschlossen werden (4,1 ha Plangebiet). Diese Pläne zerschlugen sich, weil die Firma keine Zusage erhielt einen Lärmschutzwall bauen zu dürfen.

Engagierten Bürgern und Umweltschutzverbänden ist es zu verdanken, dass die Oetternbachregion und kleinere Flächen in dem Plangebiet an der Lageschen Straße als Naturschutzflächen ausgewiesen wurden. Kommt es zur Bebauung, grenzen die Industrieanlagen an die Naturschutzflächen bzw. umschließen diese. Das ist weder mit dem Arten- noch mit dem (Grund)-Wasserschutz vereinbar. Die neuen Pläne der Stadt aus dem Jahr 2020 verkleinern einfach die NSG-Gebiete und schon ist das Problem gelöst?!

Ganz so einfach ist es nicht - Die Fakten gelten weiterhin

Naturschutzbund (NABU) Gutachten
Zwei Gutachten des NABU Kreisverband Lippe führen aus, dass dieses den Zielen und Grundsätzen der Landes- und Regionalplanung zum Schutz des Freiraums widerspricht (NABU-GUTACHTEN vom 2.04.2013 und 19.06.2016). Die Gutachten fanden kaum Beachtung. Die Entscheidung für das geplante Gewerbegebiet stützt sich hingegen auf ein veraltetes Klimagutachten aus dem Jahr 1999.

Das Oetternbachtal ist geprägt von wertvollem Erlen-Ufergehölz sowie Feuchtweiden- und -wiesen, besonders geeignet als Lebensraum für den Steinkauz. In dem nahegelegenen Dorf Heiden hat er den wohl noch einzigen Brutplatz in Lippe (NABU-GUTACHTEN vom 2.04.2013). Im Plangebiet leben 27 schützenswerte, d.h. vom Aussterben bedrohte Vogelarten (z.B. Feldlerche, Kiebitz, Mäusebussard, Stein- und Waldkauz, Schwarz -und Rotmilan), sechs schützenswerte Fledermausarten, 76 Schmetterlingsarten sowie im NSG Oetternbach schützenswerte Teichmolche und Erdkörten, Ausgerechnet hier werden neue Gewerbeflächen anvisiert. Die Information dazu erhalten die Bürgern scheibchenweise. In der Beschlussvorlage für die Ausschusssitzung vom 20.04.2016 steht auf Seite 2: "… Dieses umfasst gleichzeitig auch die Erschließung der zukünftigen Gewerbeflächenbaustein II und III (Peterskamp/Oetternbrede). …" Das heißt die Bebauung mit Gewerbe wird weiter ausgedehnt, auch auf die "Oetternbrede" und damit direkt in das Wohngebiet von Jerxen-Orbke.

Umweltbundesamt warnt
Straßenlärm tagsüber bei einem Mittelungspegel über 55 dB (A) außerhalb des Hauses das psychische und soziale Wohlbefinden beeinträchtigt. Werte über 65 dB (A) tags und über 55 dB (A) nachts steigern das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden und möglicherweise daran zu versterben.

Emissionsverstärkung - Schäden für Mensch und Tier 
Die Lagesche Str. (B239) gehört zu den verkehrsstärksten Straßen in Lippe. Nach der Lärmkartierung fahren hier im Jahr 7 Mio. Kraftfahrzeuge (Kfz). Das heißt 19.178 Kraftfahrzeuge täglich. Ohne Sonntage gerechnet: 22.364 Kfz täglich. Die Dezibelwerte (dB (A) liegen tags zw. 50-75 dB (A) und nachts zw. 50 und 65 dB (ERGEBNISSE der LÄRMKATIERUNG, 2012). Die Höchstgrenzen der Lärmbelastung werden am Tag und in der Nacht überschritten. Die Lärmkartierung spart die Bereiche des Kindergartens und der Oetternbachschule aus. Mit Blick auf das Kindeswohl wäre hier eine Datenerhebung besonders wichtig.
Auf das geplante Gewerbegebiet Balbrede soll produzierendes Gewerbe (u.a. Industrieanlagen mit bis zu 70 dB Lärmemission) und ein Blockheizkraftwerk der Stadtwerke.
Auswirkungen: Neue Straßenzüge, Wendekreise für Lastwagen, An- und Abtransport von Materialien und Produkte, Ein- und Auspendler führen zu einem verstärkten  Verkehrsaufkommen, vor allem durch Lastwagen. Gebilligt wird, dass die hier lebenden Tiere, vertrieben oder tot gefahren werden und die Gesundheit der Anwohner durch zunehmende Lärm-, Licht- und CO2-Emissionen aufs Spiel gesetzt wird (gesteigertes Herzinfarktrisiko, s.o.). Das hat katastrophale Folgen für das NSG und die gesamte Region. Die geplante Verkleinerung des NSG kann sich wohlmöglich auf andere NSG-Anteile ausweiten. Wer weiß welche Pläne dazu schon in den Schubladen liegen?

Flächenverbrauch ist nicht hinnehmbar
Die Gemarkung Jerxen-Orbke hat eine Gesamtfläche von 303,28 ha. Als Gewerbeflächen sind planungsrechtlich ca. 48,5 ha ausgewiesen. Hinzu kommen sollen drei Gewerbefläche an der Lageschen Straße mit 17,68 ha und die Poppenbrede am Nordring mit 2,52 ha versiegelter Fläche. Damit hat Jerxen-Orbke einen Flächenverbrauch für Gewerbe von 68,07 ha: Ein Viertel der Gesamtfläche von Jerxen-Orbke. Hinzu kommt der Flächenverbrauch für Wohnhäusern, Bürogebäude, Parkmöglichkeiten, öffentliche Gebäude (Kindergarten, Schule), Straßen, Wege und öffentliche Plätze.

Freiflächen zur Erholung von Mensch und Natur sind so gut wie nicht vorhanden. Es entstehen riesige ineinander übergehende Gewerbegebiete, die wohlmöglich mit den Gewerbeflächen der Stadt Lage zusammen wachsen.

Forderungen der anwachsenden Bürgergemeinschaft

Die neuen Pläne, die eine Verkleinerung des NSG Oetternbach beinhalten, sind nicht akzeptierbar auch, wenn die geplante Straßenkreuzung Lagesche Str./Orbker Str. als zweiter großer Straßenknotenpunkt im Wohngebiet wohl nicht mehr Gegenstand der Planung zu sein scheint.

Anwohner, Bürgerinnen und Bürger, die von den geplanten Gewerbegebieten betroffen sind, aus Detmold, Jerxen-Orbke, Nienhagen, Heiden, Niewald, Oettern-Bremke, Lage und Lemgo fordern,

  • dass die Stadt Detmold ein aktuelles Klimagutachten vorlegt.
  • dass das Naturschutzgebiet Oetternbach nicht verkleinert wird und die Acker- und Naturflächen zum Artenschutz erhalten bleiben.
  • Naherholungsmöglichkeiten vor Ort.
  • die Offenlegung der Gutachten und neuen Pläne, damit sie sich ein detailliertes und objektives Bild machen können.
  • klimaschützendes und nachhaltiges Planen und Handeln der politisch Verantwortlichen, zur Förderung von Arbeitsplätzen und zum Umwelterhalt.


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