Aufwertung des Abiturs 2020 aufgrund von COVID-19

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Dürfen die Abiturprüfungen trotz veränderter Umstände normal gewertet werden?

Wir alle befinden uns momentan in einer Situation der Ungewissheit und der Angst. Dies trifft besonders auf die Schüler zu, die in wenigen Wochen Abitur schreiben müssen. Wir setzen uns dafür ein, dass in Zeiten einer globalen Pandemie solche lebensentscheidenden Prüfungen nicht unter den daraus entstehenden Ungerechtigkeiten leiden sollten! Deshalb fordern wir eine Aufwertung des Abiturs, die eine bessere Benotung beinhaltet. 

Allgemein lässt sich sagen, dass diese neuartige Situation nicht nur zu Angst bei den Schülern führt, sondern es werden auch enormer Stress und Zukunftsängste ausgelöst. Dieser wirkt sich negativ auf das Wohlbefinden aus und dementsprechend wird die Vorbereitung für das Abitur erschwert. Die mentale Gesundheit entspricht nicht derer, die unter normalen Umständen vorliegen würde. Die Schüler befinden sich auch psychisch in einem Ausnahmezustand, der Rücksicht und neue Maßnahmen fordert. Es kann nicht erwartet werden, dass in einer neuen vorher noch nie da gewesenen Situation Leistungen zu alten Regelungen erbracht werden müssen. Abiturienten und Abiturientinnen dieses Jahres, bewerben sich teilweise mit welchen der letzten Jahre und haben so einen Nachteil gegenüber dieser. Diesen Nachteil gilt es so gut wie möglich zu minimieren. Wir sehen uns deutlich schlechter auf das Abitur vorbereitet, als die Jahrgänge zuvor

Seit ich in der 10. Klasse war, habe ich auf den Tag gewartet, an dem die Schule vorbei ist und ich um die Welt reisen kann. Zusammen mit Freunden habe ich Pläne und Routen geschmiedet, was wir uns ansehen wollen und wie lange wir wo bleiben möchten. Dieser Gedanke daran, nach dem Abitur auf eine Reise mit meinen besten Freunden zu gehen, hat mich sehr stark motiviert. Ich kenne viele Schülerinnen und Schüler, die schon sehr spezifische Pläne für ihr Jahr nach dem Abitur haben. Sei es ein FSJ in den Favelas von São Paulo, Au Pair in Australien oder Englischunterricht für Kinder in Indonesien. Nun ist jedoch die große Frage, ob das alles überhaupt stattfinden kann. Die Befürchtung, dass die Pläne abgesagt werden müssen, ist nicht von weit hergeholt. So wie es momentan aussieht, wird die Pandemie noch länger anhalten. In der Zeitung “Welt” wird berichtet, dass das Robert-Koch-Institut im extremsten Fall sogar davon ausgeht, dass Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise bis zu zwei Jahre andauern können. Wird man im September, wo viele Schüler und Schülerinnen auf Reise gehen wollen, reisen dürfen? Die Angst und teilweise schon Trauer, dass die großen Pläne, auf die wir uns schon seit Jahren freuen, nicht stattfinden können, ist lähmend. Es muss alles umgeplant werden. Man kann aber auch nicht richtig mit dem Thema abschließen, da immer noch die kleine Hoffnung besteht, dass es bis dahin besser ist. Diese Sorgen können schnell zu Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen, Müdigkeit und leerem Funktionieren ohne Motivation und Begeisterung führen. Und das ist keinesfalls übertrieben! Ich selbst verspüre dies, wenn ich abends im Bett liege und eigentlich schlafen will, um am nächsten Tag früh aufzustehen, um all die Aufgaben der Schule zu erledigen, schießen mir die Gedanken in den Kopf: Was mach ich, wenn meine Reisepläne durchkreuzt werden? Wenn ja, was mache ich in der Zeit nach dem Abitur? Fange ich direkt an zu studieren? Ich habe mich doch so auf die wohlverdiente Pause, nach zwölf Jahren Schule, zwischen Studium und Schule gefreut! Was kann ich sonst in der Zeit dazwischen machen? Kann ich überhaupt was machen oder bin ich gezwungen mit dem Studium anzufangen?. Diese Fragen und andere lassen viele Schüler und Schülerinnen nachts oft wach liegen und verzweifeln. Natürlich führt dies zu Müdigkeit. Es ist jedoch wissenschaftlich bewiesen, dass nicht ausreichender Schlaf zu Kopfschmerzen, Lustlosigkeit, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche führen kann. Konzentrations- und Gedächtnisstärke sind jedoch enorm wichtig, um sich adäquat auf die Abiturprüfungen vorzubereiten.


Die Pläne nach dem Abitur sind allerdings nicht das einzige worauf sich viele Schüler und Schülerinnen freuen oder gefreut haben. Nachdem Events, wie Theaterstücke und die sogenannte Mottowoche, auf die sich zahlreiche Schüler und Schülerinnen gefreut haben, abgesagt werden mussten, ist nun auch die Befürchtung, dass weitere Events, wie der Abiball, eventuell ausfallen müssen. Ein Abitur ohne dies danach richtig feiern zu können? Das ist alles andere als normal. Die Motivation der Schüler und Schülerinnen ist in dieser noch nie da gewesen Situation sehr geschwächt.


Des Weiteren hat die Quarantäne, unter welcher wir alle stehen, negative Auswirkungen auf die Psyche der Betroffenen. Abiturienten und Abiturientinnen stehen ohnehin schon unter einem erhöhten Stresslevel, dadurch dass nun auch noch die Corona-Krise dazukommt, wird das Stresslevel enorm erhöht. Laut J. W. Mason (1968) führen Situationen welche durch Neuheit, Unsicherheit und Unvorhersehbarkeit gekennzeichnet sind zu Stress. Dies beschreibt vollkommen die uns vorliegende Corona-Krise. Dieser erhöhte Stress hat große Auswirkungen auf die Abiturienten und Abiturientinnen, es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Stress schwere negative Folgen auf das menschliche Gedächtnis hat. Möglichkeiten diesen Stress teilweise abzubauen, bestehen normalerweise z.B. daraus sich sportlich zu betätigen oder sich mit Freunden zu treffen. Beides ist momentan nicht normal möglich. Alle Sportstätten haben geschlossen und es ist verboten sich in Gruppen (z.B. mit Freunden) zu treffen. Dazu fallen dann natürlich auch Treffen mit Lerngruppen weg. Aber auch Bibliotheken und andere Lernzentren sind geschlossen und so ist der Zugriff auf Bücher zur Vorbereitung sehr schwer. Das Internet bietet da auch kein entsprechenden Ersatz, denn viele Bücher und Lernmaterialien sind nicht verfügbar oder der Computer/das Tablet muss mit den Eltern oder Geschwistern geteilt werden, da in der jetzigen Zeit der Computer ein unerlässliches Arbeitsmittel ist. Vor allem für Eltern die nun im Homeoffice arbeiten.


An Lernen und Schule ist in Zeiten der Corona-Krise nur schwer zu denken. Denn auch in unserem unmittelbaren Umfeld gibt es Risikopatienten. Krank im Bett liegende Großeltern kann man jetzt aufgrund der Pandemie zum Beispiel auch nicht mehr besuchen. Wird man sie dann überhaupt nochmal sehen? Dazu kommt, dass zahlreiche Familien in Existenznot geraten und wir Abiturienten mit unseren Abiturvorbereitungen mittendrin. Angst und Ungewissheit beherrschen den Alltag. Dieser psychische Zustand wird sich drastisch auf die Abiturprüfungsergebnisse auswirken und verschlechtern. Außerdem können wir in Quarantäne keine gute Lernumgebung auffinden. Viele Schüler und Schülerinnen müssen kleinere Geschwister Zuhause beschäftigen. Ein Rückzug in eine ungestörte Lernumgebung ist für viele schwierig. 


Es nicht so, dass wir viel mehr Zeit haben, denn wir müssen Zuhause unseren Beitrag leisten. Sei es einkaufen gehen, kleinere Geschwister betreuen und beschäftigen, mit den Großeltern videotelefonieren, Dinge organisieren und unsere Eltern unterstützen.

Aus all diesen Gründen wäre es ungerecht, wenn dieses Jahr die Abiturprüfungen genauso bewertet werden, wie in den Jahrgängen zuvor.


Wir fordern eine Aufwertung der Abiturprüfungen!