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Tieren sollen Bürgerrechte verliehen werden

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Tiere haben dasselbe Recht auf Leben und Freiheit wie wir Menschen auch: Eine neue Generation von Biologen, Philosophen, Historikern und Soziologen entdeckt die facettenreiche Gedanken-, Sozial- und Bedeutungswelt nichtmenschlicher Lebewesen.

Die Frage nach dem Tier betrifft unsere Essgewohnheiten wie unseren Kleidungsstil, unsere Landwirtschaft und in Gestalt von Haustieren auch unser familiäres Zusammenleben.

„Tiere haben dasselbe Recht auf Leben und Freiheit wie wir Menschen, denn auch für sie ist ihr Leben kostbar, so wie unser Leben für uns kostbar ist. Tiere wollen leben und gedeihen. Für sie selbst macht es einen Unterschied, wie sich ihr Leben gestaltet. Genau darin liegt ja auch letztlich der Grund für die Menschenrechte", so begründet es auch der Philosophen Will Kymlicka im Gespräch mit der Zeit.

Unsere Forderung begründen wir wie folgt :

1.Jedem Individuum ist dasselbe Lebensrecht wie Menschen einzuräumen, weil alle Lebewsen dasselbe   Schicksal teilen: Sie sind sterbliche Wesen, die an ihrem kurzen Leben auf diesem Planeten hängen. In dieser Hinsicht sind Tiere Lebewesen wie wir, sie sind ebenfalls verletzlich und bedürfen desselben grundlegenden Schutzes.

2. Domestizierte Tiere sollen als volle Mitglieder unserer Gesellschaft angesehen werden müssen. Menschen haben eine große Anzahl von Tiere in unsere Gesellschaft gebracht und so gezüchtet, dass sie von uns abhängig geworden sind; also können wir moralisch nicht anders, als sie als vollwertige Mitglieder einer Gemeinschaft anzuerkennen, die eben eine aus Menschen und Tieren gemischte Gesellschaft ist.

3. Das gilt sowohl für Haustiere wie Hunde und Katzen als auch für sogenannte Nutztiere wie Schafe und Kühe. Und die beste Art, Gesellschaftsmitglieder zu schützen sind Bürgerrechte. Bürgerrechte für Tiere stellen klar: Sie gehören in unsere Gesellschaft, sie sind vollwertige Mitglieder, und die Strukturen politischer Entscheidungsfindung müssen ihren Interessen und Bedürfnissen Rechnung tragen.

Überdies sind jedoch Einschränkungen zu treffen:

Einer der vielen Mechanismen, mit denen eine Gesellschaft sicherstellt, dass die Interessen aller berücksichtigt werden ist die Wahl. Im Falle von Tieren kämen unter anderem Ombudsleute oder juristische Vertreter in Betracht.

Ganz generell umfassen Bürgerrechte für Tiere das Recht auf eine angemessene Unterkunft, auf Nahrungsmittel und medizinische Versorgung. Tiere können auch ihrerseits zur Gesellschaft beitragen, indem sie nicht belastende Arbeiten verrichten, uns Gesellschaft leisten oder indem wir ihre Produkte wie Eier, Wolle und Dung nutzen. Selbstverständlich dürften wir solche Leistungen erst unter gerechten Bedingungen einfordern, eben im Rahmen einer Mitbürgerschaft.

Je mehr Raum die Menschen besiedeln, desto stärker zwingen Menschen die Tiere , sich entweder mit uns zu arrangieren oder zu sterben. Viele dieser Tiere haben sich enorm gut an uns angepasst. Gleichwohl behalten die meisten Grenzgänger-Tiere eine gewisse Scheu vor dem Menschen; sie leben zwar unter uns, entwickeln aber keine vertrauensvollen Beziehungen mit uns, sie sind keine Mitglieder unserer Gesellschaft. Wir können sie mit ausländischen Gesellschaftmitgliedern vergleichen, die zwar einen Aufenthaltsstatus besitzen, aber keine Staatsbürger werden wollen.

Auch Mäuse und Ratten haben, wie alle anderen Menschen und Tiere, ein grundlegendes Recht auf Leben. Außer in Notwehr dürfen wir sie nicht töten. Tatsächlich schaffen wir Menschen viele Probleme selbst: Wir füttern Tauben in der Stadt und lassen Reste von Tierfutter achtlos herumliegen, sodass sich Ratten daran bedienen. Zum Glück sind viele Gemeinden inzwischen aber kreativ geworden und haben erste Strategien für eine Koexistenz entwickelt. In Basel hat man Tauben an bestimmte Übernachtungs- und Fütterungsplätze gewöhnt, wo man ihnen dann die Eier entwenden kann. Wenn wir erst einmal aufhören, diese Tiere als Wildtiere anzusehen, die einfach nur »fehl am Platz« sind, und wenn wir stattdessen anfangen, uns Wege der Koexistenz zu überlegen, können wir die Schönheit dieser Tiere und ihren Beitrag zum städtischen Leben auch viel besser würdigen.

Vielfalt ist immer eine Herausforderung, aber sie ist eben auch die Grundlage des Lebens. Isolierte Genpools sterben aus. Isolierte Kulturen stagnieren und verkrusten.

Die Moderne hat eine starke Grenze zwischen »Natur« und »Kultur« gezogen – demnach bewohnen die Menschen die Kulturzone, die Tiere gehören irgendwoanders hin, in die Natur. Aber das ist eine verzerrte Sicht auf die Dinge. Tiere waren schon immer in unserer Nähe, wir haben nur gelernt, sie zu ignorieren.

Weiterhin sorgen sich viele Gegner um die Umsetzbarkeit, Sie schwanken zwischen Faszination und Skepsis. Sie halten es für utopisch. Keiner kann den Erfolg gerantieren, aber sich für eine Kulturzone einsetzen. Man kann aufhören, Tiere zu essen. Man kann aufhören, ihre Felle und Häute als Kleidung zu tragen. Man kann seine Haustiere als Freunde und Gleichgestellte betrachten anstatt als Zubehör. Man kann die Grenzgänger-Tiere in der Nachbarschaft kennenlernen und überlegen, wie ihr Leben ein wenig sicherer werden könnte. Man kann aufhören, Häuser zu bauen, für die neue Straßen errichtet und Lebensräume platt gewalzt werden müssen.

Theodore Parker, der große Kämpfer für die Abschaffung der Sklaverei, sagte einmal: »Der Bogen des Universums ist lang, aber er neigt sich der Gerechtigkeit zu.« Und der Bogen zur Gerechtigkeit verläuft alles andere als harmonisch – denken wir nur an die Rückschläge innerhalb der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aber ich glaube, dass die Menschheit eine Menge darüber gelernt hat, wie man kooperative, gerechte, friedliche und produktive Gesellschaften errichten kann. Vorwärtsentwicklungen sind enervierend langsam, und es dauert Generationen, bis sie in den kulturellen Strukturen fest verankert sind. Ständig drohen Rückschläge. Aber wir habe keinen Zweifel, dass menschliche Gesellschaften sich eines Tages gerechter gegenüber Tieren verhalten werden.

 



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