Faire Asylverfahren statt strengerer Abschiebepolitik nach Ellwangen!

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Als sie in das Zimmer gekommen sind, haben sie angefangen die Leute zu schlagen, die Leute auf den Boden zu werfen und Handschellen anzulegen. Ich habe ihnen gesagt: Wo auch immer ihr mich hinbringt, ich komme mit. Bitte schlagt mich nicht, weil ich keine Kraft mehr habe! Ich hatte eine schlimme Operation.“

Hier beschreibt ein Geflüchteter den Polizeieinsatz nach der geplanten Abschiebung in der Ellwanger Landeserstaufnahmeeinrichtung.
Montag Nacht (30.04.2018) versuchen vier Polizeibeamte einen Mann aus Togo nach Italien abzuschieben. 30 - 40 Bewohner der Unterkunft (hier stand vorher 150, das ist laut Angaben der Bewohner*innen aber falsch) solidarisieren sich mit dem Mann, sie äußern laut Polizei  „drohendes Verhalten“. Es kommt nicht zur Gewalt, die Polizei beschließt, den Mann aus Togo vorerst freizulassen.
Am Donnerstag dringt die Polizei mit Spezialeinheiten in die Unterkunft ein, kontrolliert die Bewohner (ohne logische Erklärung) auf Waffen und nimmt einige fest. Elf Bewohner werden dabei verletzt. Auch das Geld, das die Geflüchteten bei sich haben wird überprüft. Es wird als verwerflich angesehen, wenn bei einigen mehr als die 350 Euro Selbsterhaltsgrenze gefunden wird. Waffen werden nicht gefunden. Ein Polizist verletzt sich ohne Fremdeinwirkung.

Dennoch stellen Medien und PolitikerInnen die Geflüchteten als gewalttätige Aggressoren dar. Die Zeitung Die Welt spricht von „15 mutmaßliche[n] Rädelsführer[n] der gewalttätigen Übergriffe vom Montag“.

Es ist sehr wichtig, sich die Frage zu stellen, wo hier Gewalt stattgefunden hat und wer welche Handlungsmöglichkeiten hat!

Die geflüchteten Menschen haben unvorstellbare Schwierigkeiten auf sich genommen und sich in Lebensgefahr gebracht in der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben.

Deportationen sind dagegen immer gewaltsam! Sie erfolgen gegen den Willen der Betroffenen!
Die Solidarisierung erfolgte ohne Gewalt!

„Es war eine Demonstration der Stärke: Hunderte Polizisten und bewaffnete Spezialkräfte stürmten am Donnerstag eine Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen.“
Hier bewundert man die Stärke, im Falle der Geflüchteten spricht man von Gewalt.

Welche Möglichkeiten, Rechte, Privilegien haben Polizei, Politik und die deutsche Bevölkerung, die nach diesen Vorfällen „Angst hat“? Inwieweit kann man hier von Angst sprechen, wenn es bei den Geflüchteten um das Überleben und ein menschenwürdiges Leben geht. Der Mann aus Togo sitzt jetzt in Abschiebehaft und soll nach dem sogenannten Dublin-Verfahren nach Italien gebracht werden, da er hier zuerst die EU betreten hat. Geflüchtete in Italien leben auf der Straße. Lebt man auf der Straße, hat man kein Recht eine Arbeit aufzunehmen. Frauen und Familien mit Kindern werden nicht nach Italien abgeschoben, weil die dortigen Lebensbedingungen auch durch die Gerichte als unzumutbar betrachtet werden.

Welche Möglichkeiten haben die Geflüchteten auf ein gutes Leben, welche Möglichkeiten haben sie ihrem Freund in dieser Lage zu helfen?

Nun diskutiert die Politik schnellere Asylerfahren und eine härtere Abschiebepolitik. Doch das Asylsystem ist bereits streng genug!
Die Personen, die Solidarität mit dem Togoer gezeigt haben, können Freiheitsstrafen bekommen und sofort abgeschoben werden.

Die jetzt durch die Koalition geplanten „Ankerzentren“ pferchen Menschen in großer Zahl ein und erhöhen so die Ängste der Menschen, die sich dort aufhalten müssen. Das widerspricht auch dem Recht auf Bewegungsfreiheit! Wir sollten nicht die Geschichte vergessen und keine Lager für Menschen erschaffen!

Wir fordern einen Perspektivenwechsel auf den Vorfall in Ellwangen und ein gerechtes Asylverfahren für alle Menschen!

 

 

„When they came to the room, they started to hit people, throw them to the ground, tie people. I told the police: Where you want to take me, I will go, but don´t beat me because I don´t have more strength. I had a major operation.“

Here one person currently living in the preliminary reception center for refugees in Ellwangen is telling about the police operation following a planned deportation.
Monday night (30.04.2018) four police officers try to deport a man who is from Togo to Italy.
30 - 40 residents (before we wrote 150 here, but this is wrong according to information from the residents) of the reception center show solidarity with the person, it is said by the police they articulate “threatening behavior”. No violence occurs, the police decides to let the man from Togo free for the moment.
On Thursday the police infiltrates the center with special units, searches the residents (without logical explanation) for weapons and arrests some people. Eleven residents receive an injury. Also the money that the refugee residents have with them is checked. It is seen as reprehensible when some people have more than the 350 Euros of self-preservation-limit. Weapons are not found by the police. One policeman hurts himself without external influence.

Nevertheless media and politicians present the refugee residents as violent aggressors. The newspaper Die Welt is talking about “15 suspected ringleaders of the violent assaults of Monday”.

It is very important to ask oneself, which/ through whom violence occurred in that situation and also who had which possibilities for action!

The refugee residents took unbelievable risks of hardship, endangered their lives in the hope of a humane life.

Deportations are always violent! They are carried out against the will of the person concerned!
The solidarisation happened without violence!

„It was a demonstration of strength: Hundreds of police officers and armed special units stormed a refugee accommodation in Ellwangen.“
Here strength is admired, in the case of the refugees they talk about violence.

Which possibilities, rights, privileges do the police, politicians and the German population have, which now is „afraid“ after this event. To what extent it is possible to talk about fear here, when in the case of the refugees it can be a matter of surviving and having a humane life. The man from Togo is in detention and it is planned to deport him to Italy under the Dublin procedure, as he came to the EU through Italy first. Refugees in Italy live on the streets. When you live on the street you have no right to take a job. Women and families with children are not deported to Italy, as the living conditions there are seen as unacceptable by courts.

Which possibilities do refugees have to live a good life, which possibilities do they have to help a friend in this situation?

Now the politicians discuss faster asylum procedures and a a harsher deportation policy. But the asylum system is strict enough!

The people who showed solidarity with the man from Togo can get prison sentences and then be deported immediately.

The „Ankerzentren“ (Transit Centers) planned now by the coalition pen up people in large numbers and in doing so, fears of the people who have to stay there increase. That is contradictory to the freedom of movement! We should not forget the past and should not build camps for people!

We call for a change of perspective on what happened in Ellwangen and a fair asylum procedure for every person!

 



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