Notfallplan: Gerechtigkeit für Abiturientinnen und Abiturienten in der Coronakrise

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Petition: Forderung eines gerechten Abiturs


In dem getroffenen Entschluss der KultusMinisterKonferenz, vom 25.03.2020, die Abiturprüfungen wie geplant durchzuführen, wurde davon gesprochen faire und gleiche Bedingungen für alle Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Die angesprochene Gerechtigkeit ist unseres Erachtens aus nachfolgenden Gründen nicht gewährleistet.

Einige Schulen bieten, als alternative Möglichkeit, den direkten Kontakt zu den Lehrerinnen und Lehrern. Über Online-Telefonkonferenzen erhalten diese Schülerinnen und Schüler eine Chance auf direktem Weg eine Beantwortung ihrer Fragen bei der Prüfungsvorbereitung zu erhalten. Ebenfalls sind unmittelbare Rückfragen möglich.

Andere Schulen stellen diesen Service nicht zur Verfügung, wodurch es zum ersten Nachteil für diejenigen kommt, denen die intensive Betreuung fehlt. 

Die soziale Ungerechtigkeit ist bereits jetzt immens, da manche Schülerinnen und Schüler beispielsweise nicht im ausreichenden Maße über einen Computer oder Drucker verfügen. Somit sind die benötigten Informationen und Materialien für diejenigen nicht zugänglich. 

Desweiteren sind alle Schülerinnen und Schüler dadurch benachteiligt, dass, auch wenn es eine Online-Betreuung gibt, diese doch begrenzter ist als im Normalfall (regulärer Unterricht). Hinzu kommt, dass der reguläre Unterricht und die in diesem stattfindende Vorbereitung entfällt, trotz existierender Notfallpläne. 

Unabhängig davon ist es für uns Schülerinnen und Schüler schwierig noch nicht vermittelte, abiturrelevante Lerninhalte, sowie eventuell auftretende Fragen explizit und detailliert zu klären. 

Da die Regierung die Regelungen zum Schutz der Bevölkerung so strickt gesetzt hat, reicht es für einen Großteil der Schülerinnen und Schüler nicht aus, Informationen des Lehrers auf schriftlichem Weg zu erhalten. Zudem ist das Kontaktverbot eine so große Einschränkung, dass es nicht möglich ist einen intensiven Austausch, in welchem unter anderem Fragen geklärt werden könnten, mit anderen zu pflegen. Lerngruppen werden so gesehen unterbunden. Sie führen sogar zu einem Nachteil der Abiturientinnen und Abiturienten, die eine Strafe zahlen müssten, würden sie sich in Lerngruppen treffen. Selbst ein zum Teil dezentrales Abitur scheint zu spät, um die gewünschte Chancengleichheit zu erzielen.

Hinzu kommt ein Unverständnis dafür, dass die allgemeinen Beschlüsse, wie z.B. das Kontaktverbot für die Prüfungstage, ausgesetzt werden sollen. Die Verbreitung des Virus wäre nicht nur im Schulkomplex mit einer erhöhten Gefahr zu betrachten, sondern auch auf dem zurück zu legenden Schulweg, welcher das Risiko der Infektion erhöht. Auch ist ungewiss was passiert, wenn sich Schülerinnen oder Schüler, aufgrund der Teilnahme an den Abiturprüfungen, infizieren und dadurch den Infektionsradius vergrößern. Das Kultusministerium spricht von einer Garantie auf Chancengleichheit zu den vorherigen Abiturjahrgängen, beziehungsweise davon, dass wir keinen Nachteil aus den aktuellen Ereignissen ziehen sollen, doch genau das ist der Fall, sollte es zu Abiturprüfungen ohne Veränderungen kommen.


Unsere Forderung lautet deshalb, aufgrund der jetzigen Ungleichheit in der Prüfungsvorbereitung, den regulären Unterricht wieder in abgewandelter Form stattfinden zu lassen. Wir fordern die Öffnung der Schulen ausschließlich für Abiturientinnen und Abiturienten, die ihr Abitur 2020 anstreben. Selbstverständlich nicht im gewohnten Klassenverband, da dort die Ansteckungsgefahr zu groß wäre, sondern in kleinen Gruppen von bis zu 5 Schülerinnen und Schülern in einem Raum, sowie einem Fachlehrer. In diesem Fall wäre eine fairere Abiturprüfung, die für alle die gleichen Bedingungen mit sich bringt, gewährleistet. Um die bereits ausgefallene Unterrichtszeit auszugleichen, fordern wir, diese Betreuung von jetzt an bis zum Prüfungsbeginn an allen verbleibenden Tagen (ausgenommen Karfreitag bis Ostermontag). Laut der Notfallverordnung des Bundes ist eine Gruppengröße der genannten Menge bereits für alle Schulen gestattet und findet für Schülerinnen und Schüler, die zu Hause nicht betreut werden können, bereits statt. Hinzu kommt, dass dieser beschriebene Schulbesuch identisch zu den geplanten Tagen der Abiturprüfungen ist. Sollte der Schulbesuch zu den Prüfungen gestattet sein, so muss er auch jetzt für alle Abiturientinnen und Abiturienten gestattet werden. Sollten diese Maßnahmen nicht zu gewährleisten sein, halten wir die Abiturprüfungen für nicht gerecht. Es würde nicht jeder unter den gleichen Voraussetzungen das Abitur antreten können. In diesem Fall halten wir es für notwendig auf einen alternativen Plan, wie zum Beispiel auf das bereits angesprochene “Durchschnittsabitur” zurückzugreifen oder eine andere Lösung zu wählen, um Chancengleichheit zu garantieren. Man kann nur dann von Gerechtigkeit sprechen, wenn niemand durch unzureichende Förderung vor den Prüfungen benachteiligt wird.

 

Verfasst am 25.03.2020


Hugo van Vlorop, Monique Kirchner

 

Erste Stellungnahme von Hugo van Vlorop im Tagesgespräch mit Ralph Erdenberger WDR 5

zu hören auf der Internetseite des WDR 5 (um ca. 12:45) https://www.wdr.de/programmvorschau/wdr5/uebersicht/2020-03-26/