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Erhalt des Standortes Nietlebener Straße 4, 06126 Halle (Saale) für den 2. Bildungsweg

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Im Zuge der Diskussion um eine mögliche Schließung des Standortes Nietlebener Straße 4, 06126 Halle (Saale), möchten wir die ehemaligen Studierenden des zweiten Bildungsweges, Stellung nehmen, weshalb der Standort als solcher erhalten bleiben und nicht, wie geplant, mit dem Giebichenstein Gymnasium „Thomas Müntzer“ Friedenstraße 33, 06114 Halle (Saale) zusammengelegt werden soll. Nach § 1 Abs. 2 Satz 1 der Verordnung über das Abendgymnasium und das Kolleg (AGymKoll-VO) vom 14. Juli 1999 (zuletzt geändert am 15.August 2016) unterliegen Abendgymnasien und Kollegs den selben Vorschriften wie die gymnasiale Oberstufe an öffentlichen Gymnasien. Nach Satz 2 sind allerdings die Berufs- und Lebenserfahrung der Studierenden angemessen zu berücksichtigen. Diese angemessene Berücksichtigung wird gegenwärtig am Standort Nietlebener Straße gewährleistet. Eine Verlagerung an das Giebichenstein Gymnasium würde nicht nur die jetzige Betreuungssituation dramatisch verschlechtern, sondern auch den zweiten Bildungsweg in seiner jetzigen Form in Halle (Saale) existenziell gefährden.

Das Ziel der Einrichtung ist es, dass Studierende die allgemeine Hochschulreife erwerben. Voraussetzung hierfür ist zunächst die Bewältigung einer einjährigen Einführungsphase, die dann in die zweijährige Qualifikationsphase übergeht. Die Fachschulreife kann daneben nach zwei Semestern der Qualifikationsphase erreicht werden.

Studierende des zweiten Bildungsweges weisen in der Regel eine berufliche Ausbildung bzw. Tätigkeit und/oder Arbeitslosigkeit vor. Dies hat zur Folge, dass die Studierenden das 18. Lebensjahr vollendet haben. Allerdings sind Studierende zwischen 20 und 30 Jahren grundsätzlich am häufigsten vertreten. Daneben sind auch Studierende weit über 30 Jahren keine Seltenheit. Aufgrund dieser Alterspanne befinden sich die Studierenden in verschiedenen Lebensabschnitten mit den jeweiligen typischen Besonderheiten und Hindernissen. Während einige Studierende noch bei ihren Eltern wohnen, gründen andere gerade eine eigene Familie oder haben bereits Kinder, die wiederum selbst im schulpflichtigem Alter sind. Diese Umstände werden insbesondere dadurch Rechnung getragen, dass Studierende grundsätzlich Anspruch auf das sogenannte elternunabhängige Bafög haben (§ 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 BafögG).

Die Herausforderung der Lehrkräfte besteht hierbei, diese verschiedenen sozialen Hintergründe der Studierenden besonders zu berücksichtigen und auf diese gesondert einzugehen. Ein solcher Umgang kann hierbei nur durch ein besonderes Engagement und durch eine gewisse Lebenserfahrung des Lehrköpers gewährleistet werden. Neben den sozioökonomischen Besonderheiten besitzen die Studierenden, wie eingangs erwähnt, in den meisten Fällen eine berufliche Ausbildung und/oder Arbeitserfahrung. Aufgrund dieses Erfahrungsschatzes sind die Studierenden in der Lage diese außerschulischen Erfahrungen positiv in den Schulalltag einfließen zu lassen, sofern hierzu das Lehrpersonal ausreichend geschult und die erforderliche Unterrichtsumgebung gegeben ist.

Allerdings führen diese beruflichen Ausbildungsjahre zu einer zeitlichen Zäsur zwischen dem Verlassen und dem Fortführen der Sekundarstufe II, sodass notwendige Lernmethoden- und inhalte, die der Lernplan voraussetzt, wieder verinnerlicht oder sogar erst erlernt werden müssen. Dies ist insbesondere der Fall bei Studierenden, die zuvor kein Gymnasium besucht haben. Die Studierenden sind somit keine homogene Masse, sondern zeichnen sich durch unterschiedliche Erfahrungen, Lebensumstände und Bildungsgrade aus. Aus diesem Grund sind eine besondere Didaktik sowie eine gesonderte Lernumgebung erforderlich, damit die Studierenden den angestrebten Abschluss erreichen. Bestimmte Lerninhalte müssen daher speziell aufbereitet werden, damit sie für die Studierenden besser verständlich sind. Andere Inhalte, die etwa auf der Berufs- und Lebenserfahrung aufbauen, können dagegen zügiger behandelt werden. Der vorgegebene Lehrplan bedarf somit an diversen Stellen einer individuellen Modifizierung durch den Lehrkörper. Aus diesem Gründen sind Lehrkräfte, die ausschließlich Jugendliche unterrichten, nicht ohne Weiteres in der Lage eine gleichwertige emotionale und fachliche Unterstützung zu gewährleisten, wie sie gegenwärtig am Standort Nietlebener Straße ausgeübt wird. Ferner können Jugendliche und Erwachsene aufgrund ihrer angesprochenen unterschiedlichen Bildungshistorie auch nicht im selben Klassenverbund unterrichtet werden.

Schließlich sprechen auch infrastrukturelle Gründe gegen eine Zusammenlegung. Gegenwärtig befindet sich der Nietlebener Standort in Halle-Neustadt, einem Stadtteil, der zwar Rande von Halle (Saale) liegt, aber dafür eine ideale Anbindung an die Bundesstraße 80 und die Autobahn 143 anbietet, sodass vor allem Studierende außerhalb von Halle (Saale) von dem Standort profitieren können. Ergänzt wird dies durch eine optimale Versorgung mit öffentlichen Parkplätzen. Ferner befinden sich unmittelbar vor dem Standort die Straßenbahnhaltestelle „Schwimmhalle“ sowie unweit davon die S-Bahn Haltestelle „Halle-Neustadt“. Diese Anbindung ist vor allem für die berufstätigen Studierenden des Abendgymnasiums von höchster Bedeutung, da diese unmittelbar nach der beruflichen Arbeit den Weg zum Nietlebener Standort aufnehmen, um pünktlich den Unterricht am Abendgymnasium aufnehmen zu können.

Eine Standortverlagerung an das Giebichenstein Gymnasium kann diese infrastrukturellen Kriterien in keiner Weise auch nur ansatzweise erfüllen. Insbesondere die Anreise mit dem Auto zum Giebichenstein Gymnasium wird dadurch erschwert, da der Standort im Innenstadtbereich liegt. Erschwerend hinzu kommt die bekannte Parkplatzproblematik rund um die Burg Giebichenstein. Gerade für die Studierenden des Abendgymnasiums und für Studierende außerhalb Halle (Saale) wird die Anreise somit erheblich erschwert. Ferner kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine solche Verlagerung in der Konsequenz zu einem endgültigen Ende des Abendgymnasiums führt, da Abendgymnasiasten schlicht den Standort nicht attraktiv finden, um Arbeit und Bildung zu vereinbaren. Das Abendgymnasium ist somit in seiner jetzigen Form gefährdet. Würde dieses zukünftig sogar wegfallen, würde somit auch ein wesentlicher Teil der Erwachsenenbildung in Halle (Saale) und der anliegenden Umgebung vollständig entfallen.

Aus diesen Gründen kann von einer Verlagerung des Standortes nur abgeraten werden, da weder die gegenwärtige Unterrichtsqualität, noch die Anbindung garantiert werden können. Ferner führen diese Faktoren ebenfalls zu einer akuten Gefährdung für Existenz des Abendgymnasiums in Halle (Saale) sowie der angrenzenden Landkreise.



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