Seriöse Züchter und Hundesportler für eine Umsetzung der TierSchHuV zum Wohle ALLER Hunde

Seriöse Züchter und Hundesportler für eine Umsetzung der TierSchHuV zum Wohle ALLER Hunde

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OFFENER BRIEF                                                               Duisburg, 28.04.2022


Herrn
Cem Özdemir
Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft


Sehr geehrter Herr Minister Özdemir,

als leidenschaftliche Tierfreundin bin ich hocherfreut über jede politische Maßnahme, die das Tierwohl verbessert.
Ihre Vorgängerin im Amt, Frau Julia Klöckner, brachte eine Novellierung der Tierschutz-Hundeverordnung auf den Weg, die zu Beginn dieses Jahres in Kraft trat.
Schon im Vorfeld wurde diese Novellierung nach Bekanntgabe erster Details in den Medien als "Gassi-Gesetz" verspottet, es drängte sich der Eindruck auf, Frau Klöckner wolle mit dieser populistischen Aktion Nebelkerzen zünden, um von ihrer Untätigkeit in den wesentlichen Tierschutzfragen (Lebendtransporte, Kastenstandhaltung etc.) abzulenken. Frau Klöckner hat zudem wohl kein Problem mit einem Zwei-Klassentierschutz - während es ihr akzeptabel zu sein scheint, Kälber auf mehrtägige Höllenfahrten ihrer vermutlich tierschutzwidrigen Schlachtung entgegenzuschicken, sieht sie massiv das Wohl eines Hundes mit Luxusleben gefährdet, der nach dem Spaziergang einmal ein Stündchen im schattigen Auto auf seiner Kuscheldecke schlummert. Um in den Augen der Wächter des Tierwohls als Hundequäler zu gelten, reicht es schon dem Pudel ein Schnurrhaar zu krümmen, dies ist im Wortsinn zu verstehen. Da würde man sich doch wünschen, die Amtsveterinäre würden mit den selben Argusaugen über die Verhältnisse in deutschen Schlachtbetrieben wachen. Nebenbei bemerkt, Herr Özdemir, hat Ihre Partei durch die Zustimmung im Bundesrat maßgeblichen Anteil daran, dass die armen Säue, pardon, Sauen weitere 10 bis 15 Jahre in der gleichermaßen grausamen wie gesetzwidrigen Kastenstandhaltung gequält werden dürfen.
Hundefreunde versuchten, einen gewissen Optimismus und die Hoffnung, dass die Umsetzung dieses Gesetzes vielleicht doch etwas Positives für das Wohl der Hunde bewirken könnte, zu bewahren. Leider wurde diese Hoffnung nicht erfüllt.
Die beschlossenen Maßnahmen tragen nicht nur in keiner Weise dazu bei, die wirklich schwerwiegenden Probleme wie Qualzucht und illegalen Welpenhandel zu lösen, im Gegenteil, sie werden wesentlich zu einer Verschärfung der Problematik beitragen.
Wenn seriöse Hundezüchter und Hundesportler derart mit meist völlig sinnfreien, immer wechselnden und von Behörde zu Behörde unterschiedlichen Auflagen der Veterinärämter gegängelt werden, dass sie die Zucht irgendwann frustriert aufgeben, werden sich die Welpenschmuggler und Hinterhofvermehrer die Hände reiben, die entstandene Lücke füllen und freudig noch mehr ungeimpfte Welpen aus dem Kofferraum verkaufen.
Seriöse Rassehundezucht verhindern, heißt illegalen Welpenhandel wollen.
Ich möchte keinesfalls abstreiten, dass es Probleme in der Rassehundezucht gibt, die einer Lösung bedürfen, besonders gravierend beispielsweise das brachycephale Syndrom der kurznasigen Hunde. In seriösen Zuchtvereinen wie unter dem Dach des VDH werden intensive Bestrebungen wie verbindliche Röntgenuntersuchungen und tierärztliche Fitnesstests vor Zuchteinsatz getroffen, um die Gesundheit der Hunde zu verbessern. Solche Tests wird man für die gequälten Gebärmaschinen in ihren verdreckten Kellerverschlägen in Ungarn oder Tschechien vergeblich suchen; reicht es doch dort oft nicht einmal für eine Wurmkur oder Impfung.
Nicht einmal 20 % der in Deutschland lebenden Französischen Bulldoggen stammen aus VDH-Zucht, wie hoch deren Anteil an den Hunden, die mit verengten Atemwegen oder verkürztem Gaumensegel auf den OP-Tischen der Tierarztpraxen landen ist, darüber gibt es keine Zahlen.
Möglicherweise reichen die Bestrebungen der organisierten Züchter und der Zuchtverbände auch noch nicht aus, um die bestmögliche Gesundheit der Hunde zu gewährleisten - vielleicht müssen die Bemühungen noch verstärkt werden. Das funktioniert jedoch nur durch kontrollierte, planvoll durchdachte, wissenschaftlich betreute und fundierte Zuchtstrategien. Die Verbesserung der Gesundheit von Hunde(rasse)n erreicht man nicht durch willkürlich angeordnete und im Gießkannenverfahren verteilte Untersuchungen, Tests, sowie Ausschlüsse von Hunden mit kleinen, das Wohlbefinden nicht tangierenden Makeln von Veranstaltungen und Prüfungen. Die Gesundheit einer jeden Hunderasse ist zudem von einem großen Genpool abhängig, je kleiner der Genpool, umso größer die „unbeabsichtigte Inzucht“ mit ihren negativen Folgeerscheinungen. Daher hat ein Zuchtausschluss von Hunden mit Bedacht zu erfolgen. (Heterozygote) Anlageträger autosomal rezessiver Erkrankungen sind phänotypisch gesunde Hunde, die bei entsprechender Zuchtsteuerung, die die Entstehung homozygoter Merkmalsträger zuverlässig verhindert, aus Gründen der Erhaltung des Gennpools in der Zucht verbleiben sollten. Auch der Zuchtausschluss wegen des klinisch unbedeutenden Fehlens einzelner Zähne (Prämolaren 1 oder Molar 3) bei funktionsfähigem Gebiss sollte nicht pauschal für alle Rassen erfolgen, sondern mit Augenmaß unter individueller Betrachtung der jeweiligen Rasse und Schaden-Nutzenabwägung. Angeborene Zahnverluste werden auch bei Wildcaniden in freier Natur festgestellt, es handelt sich um ein „natürliches, entwicklungsgeschichte Phänomen“ (Uhde, 2009).
Wenn sich ein völlig gesunder, symptomfreier Hund, der niemals in der Zucht eingesetzt werden wird, vor der Teilnahme an einer Ausstellung, Prüfung oder einem Begleithundelehrgang einer CT-Untersuchung in Vollnarkose zwecks Ausschluss eines Lebershunts zu unterziehen hat, ist das gleichermaßen grotesk wie tierschutzwidrig. Wenn ein gesunder, symptomloser Hund ohne Zuchtverwendung vor der Meldung zu einer Veranstaltung einer fachtierärztlich-kardiologischen Untersuchung zum Ausschluss eines Ductus Arteriosus unterzogen werden muss und der Besitzer eidesstattlich versichern [sic] muss, dass in der Verwandtschaft seines Vierbeiners kein "Ductus Arteriosus" aufgetreten sei, Herr Özdemir, Sie werden mir doch Recht geben, diese Anordnungen schießen deutlich über das gewünschte Ziel hinaus?
Ist es denn nicht gesellschaftlich erwünscht, wenn Hundebesitzer sich verantwortungsbewusst zeigen und den Gehorsam und die Sozialverträglichkeit ihres Hundes im Rahmen eines Begleithundelehrgangs trainieren und prüfen lassen?
Ist es im Sinne der Gesellschaft, wenn beispielsweise Rettungshunde oder Blindenhunde von Prüfungen ausgeschlossen werden, nur weil sie vielleicht heterozygote Anlageträger eines Farbgens (Merle oder Dilution) sind, das im heterozygoten Zustand keinerlei negative Auswirkungen auf das Wohl des Hundes hat oder weil im ansonsten korrekten und voll funktionsfähigen Scherengebiss ein weiterer Zahn fehlt als ein Prämolar 1?
Wäre es denn nicht viel sinnvoller, sein Augenmerk auf Zuchthunde zu richten und in Zusammenarbeit mit den Zuchtvereinen und Dachverbänden mögliche Gesundheitsprobleme der jeweiligen Rasse zu analysieren und gemeinsam Strategien zum Erhalt und zur Verbesserung des Hundewohls zu erarbeiten?
Hundezucht ist mehr als ein Hobby, Rassehundezucht bedeutet die Bewahrung eines Jahrhunderte alten Kulturguts; Hunde erfüllen vielfältige wichtige und unersetzbare Aufgaben in der Gesellschaft: sei es als Sozialpartner oder unverzichtbarer Helfer bei der Assistenz beeinträchtigter oder kranker Menschen, als Therapiehund oder Diabetikerwarnhund; Spürhunde oder Mantrailer helfen bei der Suche vermisster Personen, Lawinenschutz-, Trümmersuch- und Wasserrettungshunde retten Menschenleben. Rauschgift- oder Sprengstoffspürhunde leisten wertvolle Hilfe beim Zoll oder der Polizei, wir brauchen Jagdhunde, Schutz- und Wachhunde. Hütehunde und Herdenschutzhunde sind nötig, damit Schafe ihre Aufgabe bei der Pflege der Deiche ausüben können, sie dienen dem Schutz vor Hochwasser.
Diese vielfältigen Aufgaben können nur von spezialisierten Hunderassen übernommen werden, die für ihre Arbeit gezüchtet, ausgebildet und geprüft, zudem im Welpenalter fachgerecht aufgezogen, sowie sorgfältig sozialisiert und geprägt werden.
Der Mensch begann vor Jahrtausenden, Hunde so zu züchten, Rassen derart zu formen, dass sie diese verschiedenartigen Aufgaben für den Menschen gut und gerne erfüllen können.
Richtig gelesen, „gerne“. Besonders Hunde aus „Gebrauchsrassen“ benötigen physische und psychische Auslastung für ihr Wohlbefinden. Unter den vielen Hundesportarten wie beispielsweise Agility, Mantrailing, Rettungshundesport oder (Ralley) Obedience können für Workoholocis unterschiedlichster Rassen passende Aktivitäten zur Auslastung gefunden werden, all das unter fachkundiger Anleitung – und wenn dann noch die Besitzer Spaß am gemeinsamen Trainieren und Wettkämpfen haben, ist das verwerflich? Verwerflich im Sinne von tierschutzrelevant ist es eher, gesunden Hunde diese Form der Auslastung zu nehmen. Das betrifft dann möglicherweise nicht nur den Rassehund mit „falscher Farbe“ oder fehlendem Zahn, auch der Hund aus dem Auslandstierschutz, dem im Geburtsland Rute oder Ohren kupiert wurden, wird gleich noch einmal gestraft, weil möglicherweise plötzlich (das entscheiden die zuständigen Veterinäbehörden nach Gusto) von allen Veranstaltungen ausgeschlossen.
Ein ausgelasteter Hund ist nicht nur glücklich, die gemeinsame Beschäftigung schweißt Hund und Halter zusammen, so dass Alltagssituationen gelassen gemeistert und unangenehme oder gefährliche Zwischenfälle vermieden werden können.
Die verschiedenen Hunderassen mit ihren ganz speziellen, über viele Jahrhunderte gezielter Zucht entwickelten und im Erbgut gefestigten Anlagen, werden von den Menschen erhalten, die mit Sachkenntnis, großem Idealismus und Enthusiasmus ihrem Hobby Hundezucht nachgehen.
Die Rassehundezucht, die Bewertung, Ausbildung und Prüfung von Hunden zu verhindern, bedeutet, dass es bald keine Hunde mehr geben wird, die die vielfältigen, für die Gesellschaft so bedeutsamen Aufgaben erfüllen können.
Im Namen vieler Hundefreunde, verantwortungsvoller Züchter und Hundesportler bitte ich Sie, Herr Özdemir, stoppen Sie das Chaos und die Willkür der Veterinärämter. Setzen Sie sich für eine Umsetzung der Verordnung ein, die nicht von Ideologie und Unwissenheit, sondern von Sachverstand und Weitsicht geprägt, dazu beiträgt, unser gemeinsames Ziel zu erreichen: das Wohl und die Gesundheit der Hunde zu verbessern, sowie den Erhalt unserer Rassehunde und des Hundesports.

Mit freundlichen Grüßen
Stefanie Mahlberg

 

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