Petition richtet sich an Die deutschsprachigen Schauspielschulen und an 1 mehr

#SchauspielfürAlle - Gebühren endlich abschaffen

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Es ist wieder soweit. Wie bereits die letzten beiden Jahre bereite ich mich, nun hoffentlich zum letzten Mal, auf eine erneute Tour durch die Deutschen Schauspielschulen vor. Dokumente müssen angefertigt, ausgedruckt und eingeschickt, Atteste geschrieben, Zeugnisse kopiert und Motivationsschreiben verfasst werden. Doch leider bleibt es nicht nur dabei. Auch müssen wieder die Vorprechgebühren gezahlt werden, die sich im letzten Jahr bei einigen Schulen von 30,- € auf 50,- € fast verdoppelt haben.

Wenn ich die letzten beiden Jahre grob überschlage, komme ich auf eine Summe von ca. 800€, die ich in diese Gebühren investiert habe. Dabei nicht inkludiert sind die zusätzlichen Kosten für Anfahrt, Unterkunft und Verpflegung. Nun hat sich die finanzielle Situation bei mir in den letzten Jahren nicht sonderlich entspannt. Meine Eltern, selber Musiker und nicht gut betucht, haben mich in den letzten zwei Jahren finanziell unterstützt, wo sie nur können und inzwischen ist es mir sehr unangenehm geworden, nach Geld zu fragen, da diese Unterstützung beiden einiges abverlangt. Für das nächste Jahr sehe ich zurzeit keinen finanziellen Spielraum, mir die Vorsprechen tatsächlich leisten zu können.

Dabei gibt es weitaus dramatischere Fälle als meinen. Immer wieder höre ich von Kolleginnen und Kollegen, deren Eltern ihren Studienwunsch ausdrücklich nicht unterstützen und ihnen dementsprechend die Förderung versagen. Oder Kolleginnen und Kollegen, deren Eltern finanziell noch schlechter aufgestellt sind als die meinigen und es sich partout einfach nicht leisten können. Diesen Jungschauspielern wird es durch die hohen Gebühren nahezu unmöglich gemacht, sich für ein Schauspielstudium zu bewerben.

Ich fordere Sie hiermit auf, eine Alternative zu diesen Gebühren anzubieten und vielleicht regt dieser Brief ja die Debatte ein wenig an. Wieso sollen Studienanwärter überhaupt dafür Geld bezahlen, dass sie ein Studium aufnehmen möchten? Hier ergibt sich ein eklatantes Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, schließlich sind auch die Universitäten und Hochschulen auf ein breites Angebot an Anwärtern angewiesen. Eine Vorauswahl, nur aufgrund der finanziellen Situation zu treffen, ist nicht nur höchst unfair, es wird auf Dauer auch dem kulturellen Klima in Deutschland schaden und zu einer weiteren Entfremdung von Kunst und Gesellschaft führen.

Immer wenn ich diese Thematik zur Sprache bringe, höre ich immer dasselbe Argument: „Wenn wir die Gebühren nicht einfordern, kommen die Bewerber nicht zum Vorsprechen, was einen enormen Organisationsaufwand und zusätzlichen Stress verursacht.“ Dieses Argument ist nachvollziehbar und ich möchte diese Problematik selbstverständlich nicht unter den Tisch fallen lassen. Das Max-Reinhardt-Seminar in Wien beispielsweise hat mit der Lösung, eine Kaution von zurzeit 55€ zu erheben einen für mich akzeptablen Kompromiss gefunden. Soweit der- oder diejenige zum Vorsprechen erscheint, wird die Gebühr innerhalb weniger Tage auf das Konto des Vorsprechenden zurück überwiesen. Sicherlich ist auch diese Regelung nicht für viele optimal, aber allemal ein vernünftiger Mittelweg. Es macht schließlich einen großen Unterschied, ob man sich Geld leihen oder investieren muss und die Schauspielschulen behalten bei Nichterscheinen eine Gebühr für den Mehraufwand.

Es geht nicht um die einzelnen 50€, die man zahlen muss. Nur die allerwenigsten melden sich schließlich nur bei einer Schauspielschule zum Vorsprechen an. Es ist die Masse, die es letztendlich ausmacht. Nur um den Rahmen noch einmal zu veranschaulichen: um alle staatlich anerkannten Schauspielschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu besuchen, müsste ein Anwärter Gebühren in Höhe von insg. 550,- € zahlen. Die Zielgruppe, die diese Gebühr zu zahlen hat, steht noch am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn und ist dementsprechend fast immer auf fremde Hilfe angewiesen. Somit werden ökonomisch schwache Schauspielinteressenten vom Vorsprechen ausgeschlossen.

Bereits zwei Jahre lang habe ich den Schulen die Gebühren jedes mal fristgerecht überwiesen, um dann teilweise im Fünf-Minuten Galopp über eine Probebühne gescheucht zu werden. Ohne Feedback, ohne Tipps für den weiteren Weg oder auch nur ein kurzes persönliches Gespräch mit einem Dozenten, den ich immerhin dafür bezahlt habe.

Ich bitte Sie, im Namen der Kunstfreiheit, im Namen aller Schauspielerinnen und Schauspieler und solchen, die es werden wollen: bitte überdenken Sie diese Maßnahmen und machen Sie die Schauspielschulen wieder zu einem Ort, an dem jeder, unabhängig von seiner Herkunft, Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung und wirtschaftlicher Situation teilhaben kann.

Mit freundlichen Grüßen

Paul Gäbler



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