Öffnung der Kitas in Berlin – Kontrollierter Testlauf noch vor anderen Lockerungsmaßnahmen

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Das Beispiel anderer Länder bei der Bewältigung der aktuellen Corona-Krise zeigt, dass es kein allgemeingültig richtiges Vorgehen in dieser Krise gibt (1). Welche Maßnahmen ergriffen werden, ist eine Frage politischer Prioritäten. Die Bedürfnisse von Eltern und Kindern spielen bei den aktuellen Lockerungsmaßnahmen eine untergeordnete Rolle. Wir möchten mit dieser Petition den Interessen von berufstätigen Eltern und Kindern Ausdruck verleihen. Für die Wirtschaft bedeutet der Verlust an Arbeitszeit und Produktivität, der durch die private Kinderbetreuung bei gleichzeitigem Home Office entsteht, mindestens ebenso große Einbußen wie die Schließung von Autohäusern und Baumärkten. Vor allem aber bedeutet die Schließung von Kitas und Kindergärten massive Härten im Alltag vieler Familien und eine soziale Benachteiligung der Kleinsten, denen in der Isolation ihr "Recht auf Gegenwart" genommen wird (2). In den öffentlichen Medien wird dies tagtäglich dokumentiert (3). Im politischen Prozess finden die Stimmen von Eltern und Kindern dagegen nach wie vor kaum Gehör.

Konkret fordern wir

·        die Prüfung einer schnellstmöglichen regulären Öffnung von Kitas und Kindergärten in Berlin im Sinne eines kontrollierten Testlaufs über mehrere Wochen

·        bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der allgemeinen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen.

Die Öffnung der Kitas als Testlauf sollte also ergriffen werden, noch bevor weitere Lockerungsmaßnahmen in anderen Bereichen in Kraft treten. Zwar können Kitakinder die von Experten empfohlenen Hygienemaßnahmen nicht strikt einhalten. Aber so lange viele Eltern im Home-Office arbeiten und Ausgangsbeschränkungen in Kraft sind, halten wir das Risiko eines solchen Testlaufs angesichts fast ausschließlich milder Krankheitsverläufe bei Kindern für vertretbar (4). Dazu kommt, dass die Betreuungseinrichtungen für Eltern in systemrelevanten und damit häufig kontaktintensiven Berufen ohnehin bereits geöffnet sind.

Eine reguläre Öffnung würde anders als die angekündigten Maßnahmen einer langsamen und schrittweisen Ausweitung der Kinderbetreuung die Wiederaufnahme des Betreuungsalltags in eingespielten Gruppen ermöglichen. Es wäre dadurch nicht nötig, Kriterien der Systemrelevanz und individueller Härten immer wieder neu auszuhandeln und damit die eine Elterngruppe gegenüber der anderen zu bevorzugen.

Naturgemäß führt jede Lockerungsmaßnahme zu einem Anstieg der Infektionszahlen. Gerade deshalb fürchten wir, dass eine Rückkehr zu einer regulären Öffnung von Kitas und Kindergärten in weite Ferne rückt, wenn andere Bereiche wie Autohäuser und Baumärkte vorgezogen werden und die Infektionszahlen dadurch wieder steigen. Natürlich sollte der Testlauf beendet werden, sofern eine allgemeine Öffnung das Gesundheitssystem zu überlasten droht. Wir sind aber dagegen, dass die Interessen der Familien bei der langfristigen Rückkehr zur Normalität auf der Strecke bleiben.

(1) https://www.tagesschau.de/asland/daenmark-lockerungen-coronavirus-101.html

(2) https://www.spiegel.de/politik/deutschland/corona-krise-und-familien-kinder-haben-ein-recht-auf-gegenwart-a-6864de34-e0fc-47d6-843d-beb3174654f9

(3) https://www.rbb24.de/politik/thema/2020/coronavirus/beitraege_neu/2020/04/eltern-kitas-kinderbetreuung-berlin-lockerungen-corona-covid-19.html

(4) https://www.mdr.de/wissen/kinder-und-corona-ansteckung-risiko-100.html