Deine Unterschrift für die Aussetzung der Phosphite

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Geschätzte Bio- Bäuerinnen und  Bauern,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mit der Pflanzenschutzsaison 2019 beginnen für uns auch wieder die Sorgen bezüglich Abdrift und Rückstände von konventionellen Pflanzenschutzmitteln.

Verschiedene Phosphite (oder Phosphonate), ob als Blattdünger oder Pflanzenschutzmittel eingesetzt, haben sich in den letzten Jahren zunehmend als sehr problematisch erwiesen. Sie haben systemische Wirkung; gehen in Holz, Wurzeln und Früchte über und sind über viele Jahre vor allem auch in den Früchten nachweisbar. Begründet wird ihr Einsatz vor allem mit ihrer Wirkung gegen Alternaria, weil sie aber ganz allgemein die Wirkung der Fungizide verstärken,  kommen mehr und mehr Fungizide auf dem Markt in denen  auch Phosphonate enthalten sind.

Es gibt eine Arbeitsgruppe, in der Vertreter der Bioverbände und Bio- Obstvermarktung  gemeinsam mit Vertretern aus dem Versuchswesen, von Beratungsring, Agrios und den Vermarktungsorganisationen ViP und VOG nach einer Lösung dieses Problems suchen.

Es ist wichtig unseren Vertretern in diesen Verhandlungen den Rücken zu stärken, weil wir der Meinung sind, dass sich dieses Problem zu einer Existenzbedrohung für uns Biobauern entwickeln kann.

Die Bio – Vermarktungsgenossenschaften haben in den letzten Jahren immer mehr Phosphonate auf Früchten der Randreihen und auch aus dem Inneren von Anlagen gefunden.

2018 waren von den beprobten Äpfeln der Randreihen bei Biosüdtirol bloß 8% unter dem gesetzlichen Wert von 0,01 mg/kg und immerhin 30% noch über 0,1 mg/kg. Bei Biovinschgau waren 2018 nur 36% der beprobten Randreihe rückstandsfrei, 2017 waren es noch 56 % der beprobten Reihen. Leider gibt es nur wenige Analysen auf den zweiten Reihen. Diese zeigen allerding, dass auch Innenreihen z.T. belastet sind.

Nach Erhebungen des Versuchszentrums Laimburg wurden 2018 auf 5 Feldern mit hohen Belastungen der Randreihen auch Reihen in Inneren der Anlagen analysiert. Im  abnehmenden Konzentrationen konnten Phosphonate auch in großen Abständen zu behandelten Nachbarreihen in Konzentrationen über 0,01 mg/kg nachgewiesen werden.

Eine der Folgen dieser Rückstände ist der Verlust von wichtigen Marktanteilen. Seit der Registrierung der Phosphite als Pflanzenschutzmittel hat die Baby – Nahrungsindustrie ihre Anforderungen zunehmend verschärft und akzeptiert seit Ernte 2018 nur mehr eine Belastung  unter 0,01 mg/kg. Dies kann die Südtiroler Bio – Obstwirtschaft nicht einhalten. Bioäpfel für die Babynahrung werden in Südtirol seit diesem Jahr nicht mehr geladen und dies führt zu hohen Verlusten im Verkauf von Verarbeitungsware. Konkurrierende Anbaugebiete, wie zB das Piemont, wo auch im kontrollierten Anbau seit jeher auf Phosphite verzichtet wird, haben hier einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil. Auch was die Tafelware anbelangt, verlangt der Handel zunehmend rückstandsfreie Ware.

In dieser an sich schon schwierigen Situation droht von Seiten des Staates eine zusätzliche Verschärfung: Bekanntlich müssen in Italien bei Bioware die Rückstände konventioneller Pflanzenschutzmittel unter 0,01 mg/kg liegen, ansonsten drohen eine Beschlagnahmung der Ware, Geldstrafen und Sanktionen. Bisher wurde diese Regelung nicht angewandt, weil nicht klar war, ob die Rückstände auf die Anwendung von Phosphonaten  oder auf  Aluminiumphosethyl  zurückzuführen sei  (sog. „falso positivo“). Seit November  2018 hat sich diese Situation geändert und Accredia, die nationale Körperschaft für die Akkreditierung von Labors und Kontrollstellen hat die Kontrollbehörde (das Landwirtschaftsassessorat) darauf hingewiesen, dass die Kontrollstellen verpflichtet sind, Analysen bezüglich Phosphonat durchzuführen.

Federbio (Dachverband des ökologischen Anbaus in Italien) hat dem Landwirtschaftsministerium vorgeschlagen, diesen Wert für 2019 geerntete Ware auf 0,1 mg/kg zu erhöhen. Sollte dies akzeptiert werden,  müssen auch noch Sanitäts- und Umweltministerium zustimmen. Ein Wettlauf, zumindest gegen die Zeit. Und darüber hinaus ist noch zu bedenken, dass zahlreiche Proben aus Südtiroler Bioobstanlagen auch über diesem Wert liegen.

In dieser Situation ist es sicher gut und nötig über abdriftmindernde Maßnahmen durch technische Veränderungen am Sprühgerät und durch Vergrößerung der Sicherheitsabstände zu reden und zu testen, ob diese zum gewünschten Erfolg führen. Wir sind aber der Meinung, dass die Situation derart ist, dass in Südtirols Integrierter Produktion vorläufig die Empfehlung zum Einsatz phosphithaltiger Pflanzenschutzmittel ausgesetzt werden soll bis erwiesen ist, dass durch diese Maßnahmen der Eintrag von im Bioanbau nicht zugelassenen Mitteln verhindert werden kann.

Wir rufen alle Südtiroler Bioobstbauern dazu auf, diesen Appell an den Südtiroler Beratungsring für Obst und Weinbau, an die Agrios und die Vermarktungsorganisationen VOG und ViP, an den Südtiroler Bauernbund und an Landesrat Schuler zu unterzeichnen.

 

Erstunterzeichner:

Franz Egger, Kuno Christoph und Hans Lösch