Reform der Künstlersozialversicherung

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Vorab:
Die Künslersozialversicherung muss nicht abgeschafft werden. Aber sie sollte umgestaltet werden. Es ist nicht zu erklären, warum Kunden von kreativen Selbständigen, die Gewerbesteuer bezahlen müssen und die nicht über die Künstlersozialversicherung versichert werden können, dennoch die Künstlersozialabgabe auf deren Rechnungssummen zu leisten haben.

Sie verstehen nur Bahnhof?
Dann lesen Sie einfach weiter. Der Nebel wird sich lichten. Versprochen.

Künstlersozialabgabe – Abzocke oder Notwendigkeit?
Freischaffende Künstler und Publizisten, wie z.B. Musiker, Autoren, Fotografen oder Artisten, sind WIE ANGESTELLTE versicherungspflichtig in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.
Die versicherungspflichtigen Künstler und Publizisten erhalten hierfür einen Zuschuss in Höhe von 50% von der Künstlersozialkasse (KSK). Finanziert werden die Zuschüsse zu einem großen Teil durch die Künstlersozialabgabe. Die Künstlersozialabgabe müssen Unternehmen leisten, die regelmäßig Aufträge an selbständige Künstler und Publizisten vergeben, um z.B. Eigenwerbung für ihr Unternehmen zu betreiben. Hierbei unterscheidet der Gesetzgeber jedoch NICHT, ob die Unternehmen tatsächlich einen freiberuflich tätigen Künstler oder Publizisten beauftragen ODER eine gewerbesteuerzahlende Werbeagentur(!)

Kurz gesagt
Beauftragt ein Unternehmen eine Werbeagentur, die als Gewerbebetrieb gemeldet ist und für die folgerichtig auch Gewerbesteuer abgeführt wird, MUSS das beauftragende Unternehmen, gemäß Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG), dennoch die Künstlersozialabgabe für die von der Werbeagentur in Rechnung gestellten Leistungen abführen!
Und das, obwohl der Inhaber der Werbeagentur NICHT als Freiberufler anerkannt und NICHT in der gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung versichert ist.
Die Werbeagentur und deren Inhaber profitiert NICHT von der Abgabe! Die Unternehmen profitieren ebenfalls nicht von der Abgabe. Einzig die Künstlersozialkasse und deren Versicherte profitieren hiervon!

Gesetzliche Grundlage
Das Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) aus dem Jahre 1983 bildet die Grundlage für die soziale Absicherung freier Künstler und Publizisten und für die Künstlersozialabgabe. Das Gesetz regelt, wer von den Zuschüssen profitiert und wer von der Versicherungspflicht befreit ist. Das KSVG regelt auch, welche Unternehmen die Abgabe bezahlen müssen und wie sich diese errechnet.
Bei der Künstlersolzialabgabe handelt es sich also NICHT um eine neu eingeführte Abgabe. Bereits seit 1983 sind Unternehmen der Kulturwirtschaft sowie Kultureinrichtungen abgabepflichtig. Im Jahr 1987 wurde eine Erweiterung des Kreises der Abgabepflichtigen vorgenommen. Seitdem sind auch die Eigenwerbung betreibenden Unternehmen, die Aufträge an selbstständige Künstler und Publizisten vergeben, abgabepflichtig.
Bis 2006 waren erst 50.000 Verwerter der KSK erfasst worden. Da aber nach dem KSVG in Deutschland ca. 3,6 Mio. Betriebe evtl. von der Künstlersozialabgabe betroffen sind, hat die Bundesregierung 2006 beschlossen, dass der Deutsche Renten Versicherung Bund (DRV) in die Erfassung der Verwerter einbezogen werden soll. Aus diesem Grund prüft seit Mitte 2007 die Deutsche Rentenversicherung mit ihren rund 3.600 Betriebsprüfern die Entrichtung der Künstlersozialabgabe. Ziel der Prüfung ist es, die Abgabe für die vergangenen 5 Jahre nachzuerheben.

Der §24 des KSVG besagt, dass neben den so genannten „typischen Verwertern“ wie Verlage, Bühnen, Radio, Film, Galerien etc. auch alle „Eigenwerber“ abgabepflichtig sind. Also alle Unternehmen, die Werbe- und PR-Arbeit von Werbe- oder PR-Agenturen erbringen lassen. Aber auch Unternehmen, die regelmäßig mindestens 2–3 Mal pro Jahr selbständige Künstler oder Publizisten beauftragen, müssen die Künstlersozialabgabe lt. KSVG leisten.

Hat die Abgabepflicht auch eine gute Seite?
Das kommt auf die Sichtweise an: Für die Künstlersozialkasse, den Bund und für die bisher die Abgabe zahlenden Unternehmen stellt es natürlich einen großen Vorteil dar, wenn zukünftig noch weitere Unternehmen zu den Abgabezahlungen herangezogen werden. Dadurch sinkt vermutlich zukünftig der Abgabesatz, was natürlich allen Zahlern zugute kommt.
Die Kreativen, die jedoch nicht in der Künstlersozialkasse versichert sind, profitieren hiervon nicht! Das trifft z.B. auf alle Inhaber von Werbeagenturen und Inhaber von Unternehmen der betroffenen Branchen zu, die Gewerbesteuer zahlen und sich selbst (privat) um ihre Krankenversicherung und Altersvorsorge kümmern.

Die Abgabepflicht der Kunden der betroffenen Branchen liegt darin begründet, dass gemäß Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG §24, Abs.1 Satz 2) die Eigenwerber zu den abgabepflichtigen Unternehmen gehören. Auch die Werbeagenturen und Unternehmen der betroffenen Branchen selbst müssen die Künstlersozialabgabe an die KSK leisten, wenn sie Aufträge an freie Mitarbeiter wie z.B. Grafiker, Texter, Fotografen) vergeben.

Der Unterschied zwischen echten Künstlern und gewerbesteuerpflichtigen Selbständigen, die kreativ tätig sind (z. B. Inhaber von Werbeagenturen):

Echte Künstler (z. B. Maler, Bildhauer, Tänzer, Sänger, ...)

  • Künstler sind Kreative.
  • Künstler sind Freiberufler und müssen keine Gewerbesteuer bezahlen.
  • Künstler müssen keine Abgabe an eine Innung oder die IHL bezahlen.
  • Künstler sind über die Künstlersozialkasse Kranken- und Rentenversichert und müssen (wie Angestellte und Arbeitnehmer) nur 50 % der Beiträge selbst bezahlen.
  • Auf die Rechnung von Künstlern müssen nur 7 % Mehrwertsteuer bezahlt werden.

Selbständige mit kreativen Berufen (z. B. Inhaber von Werbeagenturen, Fotografen, ...)

  • Kreative sind  keine Künstler.
  • Kreative müssen Gewerbesteuer bezahlen.
  • Kreative Gewerbetreibende müssen Abgaben an die IHK bezahlen.
  • Kreative Selbständige sind privat versichert und müssen auch privat für das Alter vorsorgen. Sie müssen die Beiträge (100 %) komplett selbst bezahlen.
  • Auf die Rechnung von Kreativen müssen 19 % Mehrwertsteuer bezahlt werden.

Das bedeutet:

  • Künstler bezahlen nur 50% der gesetzlichen Abgaben zur Kranken- und Rentenversicherung – die restlichen 50% trägt der Bund (20%) und die Künstlersozialkasse (30%). Der Anteil der Künstlersozialkasse entspricht der Künstlersozialabgabe (KSA), die von den Verwertern/Auftraggebern an die KSK bezahlt werden muss.
  • Gewerbesteuerpflichtige Kreative werden nicht als Künstler eingestuft und erhalten keine Zuschüsse vom Bund oder der Künstlersozialkasse.
  • Für künstlerische Leistungen müssen Auftraggeber die Künstlersozialabgabe (2019: 4,2% der an Künstler gezahlten Entgelte) bezahlen.
  • Für die Leistungen kreativer, gewerbesteuerpflichtiger Selbständiger, wie z.B. Leistungen zur Eigenwerbung durch Werbeagenturen, müssen Auftraggeber auch die Künstlersozialabgabe in Höhe von 4,2 % (2019) bezahlen, obwohl die kreativen, gewerbesteuerpflichtigen Selbständigen NICHT über die Künstlersozialkasse versichert sind! Das bedeutet: Die Kunden der kreativen, gewerbesteuerpflichtiger Selbständige bezahlen für die Leistung der Kreativen eine Abgabe auf deren Rechnung (2019: 4,2 %), jedoch wird diese Abgabe nicht für die Krankenversicherung oder Rentenversciherung der gewerbestuerpflichtigen Kreativen verwendet, sondern für die "echten Künstler", die über die Künstlersozialkasse versichert sind.

Das muss sich ändern:

  • Wir möchten eine Reform der Künstlersozialversicherung.
  • Wir möchten, dass ein Auftraggeber einer kreativen Leistung nur dann eine Künstlersozialabgabe auf die Rechnungssumme leisten muss, wenn der Absender der Rechnung auch tatsächlich über der Künstlersozialversicherung versichert ist und somit nur 50 % der Abgaben an Kranken- und Rentenversciherung bezahlt.
  • Die Künslersozialversicherung muss nicht abgeschafft werden, aber sie sollte umgestaltet werden! Es ist nicht zu erklären, warum Kunden von Kreativen, die Gewerbesteuer bezahlen müssen und die auch nicht über die Künstlersozialversicherung versichert werden können, dennoch die Künstlersozialabgabe zu leisten haben.

Helfen Sie mit Ihrer Stimme dabei, das zu erreichen!