Stoppt die Lohnkürzungen in der Diakonie

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Stoppt die Lohnkürzungen in der Diakonie

Die Diakonie Stetten möchte den Lohn der Mitarbeitenden in Werkstätten auf 141 Euro im Monat kürzen.

Bereits im Juli beschloss das Deutsche Rote Kreuz in seinen Werkstätten für behinderte Menschen (WfBM) nur noch einen Grundlohn von 140 € zu zahlen.  Ab September 2020 soll dies auch in den Werkstätten der Diakonie Stetten, in Baden-Württemberg, der Fall sein. Konkret bedeutet dies für Beschäftigte in den Werkstätten der Diakonie einen Grundlohn von 141€. Diese 141 Euro stellen den Lohn der Mitarbeitenden für 5 Tage Arbeit in der Woche mit jeweils 8 Stunden Arbeitszeit dar. Der Lohn eines/einer Mitarbeiter*In einer WfBM setzt sich aus Grundlohn 89 € und Arbeitsförderungsgeld 52 € sowie dem Lohnsteigerungsbetrag zusammen, wobei der Betrag der Lohnsteigerung individuell verschieden ist, dies können aber zusätzlich nochmals bis zu 230€ sein. Der Lohnsteigerungsbetrag wird nun entfallen. Für manche Mitarbeitenden bedeutet dies mehr als 50% weniger Lohn! Diese Lohnkürzungen gelten im Zeitraum September 2020 bis Ende August 2021.  Begründet werden die Lohnkürzungen mit der 4-monatigen Schließung der Werkstätten, in welcher dennoch Lohn gezahlt wurde. Der Grundlohn sowie das Arbeitsförderungsgeld werden überwiegend von Geldern des Landes gezahlt und nicht von den Werkstätten selbst.

Was nicht verständlich ist: Zum Ausgleich von Ertragsschwankungen und in deren Folge zur Vermeidung von Lohnschwankungen, dürfen Werkstätten Rücklagen bilden. Diese sollen die Fortzahlung des Arbeitsentgeltes für sechs Monate sicherstellen (Kramer, Sieben 2010:18).                                                                                  

Weiter hat die Bundesregierung 70 Millionen Euro in Form von Ausgleichsabgaben zur Verfügung gestellt, zur Kompensation der Corona-bedingt sinkenden Arbeitsentgelte. Dieses Geld wurde den Ländern sowie den jeweiligen Integrationsämtern zur Verfügung gestellt und ist zweckgebunden (Rollingplanet 2020). Das bedeutet, es darf ausschließlich zur Sicherung der Entgelte verwendet werden. Warum wird dennoch genau an dieser Stelle gekürzt? Denn 141 Euro sind zu wenig!

Es wird bei den Menschen am Lohn gekürzt, welche sich am wenigsten dagegen wehren können, unter anderem da sie keine Tarifverträge haben. Aus diesem Grund ist das weitergehende Ziel die Forderung nach fairen Tarifverträgen.

Das Ziel heißt, dass wenn in Deutschland ca. 300.000 Menschen in Werkstätten Arbeiten und einen Leistungsumsatz von acht Milliarden Euro erbringen, dass diese Menschen nicht nur ein Taschengeld beziehen, sondern, faire Löhne erhalten (Krauthausen 2020)! Ein Lohn, welcher Wertschätzung wiederspiegelt, ein Lohn, von welchem man seine Miete bezahlen kann. Einen Lohn, von welchem man einkaufen und abends ins Kino gehen kann. Ein fairer Lohn, welcher berücksichtigt, dass sich die monatlich verrichtete Arbeit aus 20 Tagen Arbeit und 160 Stunden Arbeitszeit zusammensetzt, das sollte das Ziel sein.

Wir persönlich empfinden diese Lohnkürzungen als eine große Ungerechtigkeit. Weswegen wir mit dieser Petition versuchen wollen auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Hierfür benötigen wir Ihre Hilfe. Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Stimme!

Wir wünschen uns das gemeinsam, solidarisch eine Lösung gefunden werden kann.

 

Im Bezug auf:

KRAMER, Petra: SIEBEN, Ralf (2010): Ermittlung und Verwendung der Arbeitsergebnisse im Arbeitsbereich der Werkstätten für behinderte Menschen, Standards in der Offenlegung, Landschaftsverband Rheinland Dezernat Soziales und Integration https://www.lvr.de/media/wwwlvrde/soziales/menschenmitbehinderung/1_dokumente/arbeitundausbildung/dokumente_229/wfbm/Standards_Ermittlung_und_Verwendung_des_Arbeitsergebnisses_.pdf

KRAUTHAUSEN, Raul (2020): Werkstätten für behinderte Menschen: ein verklärtes System, 25.05.2020, Xing.  https://www.xing.com/news/klartext/werkstatten-fur-behinderte-menschen-ein-verklartes-system-3879

ROLLINPLANET (2020): Beschäftigte mit Behinderung in Werkstätten können auf Verbesserungen hoffen, 02.07.2020, Rollingplanet, Behinderte Menschen und andere Sensationen https://rollingplanet.de/2020/07/02/beschaeftigte-mit-behinderung-in-werkstaetten-koennen-auf-verbesserungen-hoffen/