Recht auf Lebensqualität sichern - Fachkräfte in der Heilerziehungspflege fördern

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Gerade in diesen Zeiten wird in der Öffentlichkeit wieder lautstark über soziale Berufe diskutiert. Dabei fokussieren sich Gesellschaft und Politik jedoch immer nur auf den Kinder-, Kranken- oder Seniorenbereich. Deshalb wollen wir jetzt laut werden.

Denn auch in unserem Fachbereich gibt es die gleichen Probleme wie auch sonst im sozialen Bereich: Es fehlt an Fachpersonal, Löhne sind zu niedrig und es gibt keine Ausbildungsvergütung, was unter anderem erschwert, junge Leute für diesen Beruf zu gewinnen.

Die Heilerziehungspfleger/innen. Wir sind pädagogisches Fachpersonal.

Was tun Heilerziehungspfleger:

Wir arbeiten mit Menschen mit Behinderungen, Hilfebedarf oder Einschränkungen. Von Einrichtungen für psychisch Erkrankte, Wohnheimen für Menschen mit Behinderung über integrative Kindergärten bis hin zu „Systemsprengern“ – wir sind in fast jeder Einrichtung tätig, die mit Menschen zu tun hat. Unsere Aufgabe ist es, sich auf die Stärken der Menschen zu fokussieren, sie zu fördern und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Soweit die Theorie....


Wir lieben unsere Arbeit und nehmen sie ernst. Wir wollen gute Arbeit leisten und für die Menschen da sein! Deshalb fordern wir:

  • Mehr Fachpersonal
  • Bessere Löhne
  • Eine vergütete Ausbildung
  • Besserer Personalschlüssel
  • Anerkennung als Fachpersonal in Kitas 

Begründung
„Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen“ - UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 24.

In der Theorie klingt das gut. Doch in der Praxis herrscht ein massiver Mangel an Fachpersonal, wodurch die Ressourcen fehlen, um dieses Leitbild umzusetzen. Heilerziehungspfleger/innen erarbeiten über Monate hinweg im Schichtbetrieb Überstunden. Pädagogisches Fachpersonal hat keine Möglichkeiten, individuelle Beschäftigungs-/ Förderangebote anzubieten. Ausflüge oder Beschäftigungen kommen immer zu kurz. Das abzulehnende Prinzip „satt und sauber“ steht leider noch immer viel zu oft auf der Tagesordnung. Leitsätze die, durch einen Umbruch in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, 1970 abgeschafft wurden. Die Aussichten auf die späteren Arbeitsbedingungen sind genauso unattraktiv, wie auch die Ausbildung. Schüler werden als zusätzliche Kraft herangezogen und eingeplant, arbeiten Vollzeit in den Einrichtungen mit und bekommen in der Regel nicht mal ein Gehalt. Die Einrichtungen sind sogar darauf angewiesen, dass sie Schüler bekommen, denn ohne diese wäre ein Dienstplan meist gar nicht realistisch umsetzbar.

Gestresste Mitarbeiter, ständiger Personalwechsel, stundenlanges, eintöniges Herumsitzen im Wohnzimmer, an die Wand starren, ständige Langeweile. Kein Freiraum für eigene Entscheidungen oder ein selbstbestimmtes Leben. Ist das wirklich das Leben, das wir Menschen mit Beeinträchtigungen wünschen?

Deswegen brauchen wir Verbesserungen für die Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind und für uns Heilerziehungspfleger*innen. Wir möchten den Angehörigen die Sicherheit geben, ihre Liebsten gut umsorgt und liebevoll beschäftigt zu wissen. Wir möchten uns die Zeit nehmen, mit den Menschen zu sprechen, ihnen zuzuhören oder in schwierigen Momenten einfach still für sie da zu sein. Wir möchten den großartigen Beruf der Heilerziehungspfleger bekannt machen und die Arbeitsbedingungen verbessern. Für die Menschen mit Behinderung sind wir oftmals die einzigen Kontaktpersonen über den ganzen Tag hinweg. Es ist beunruhigend, wenn dann selbst wir aufgrund des Mangels an Mitarbeitern kaum Zeit für sie haben. Darum möchten wir nun unsere Stimme erheben!

Helfen Sie uns diesen Schritt zu gehen, um die Arbeitsbedingungen in der Heilerziehungspflege zu verbessern. Den uns anvertrauten Menschen muss ein würdiges und sinnerfülltes Leben ermöglicht werden.

Vielen Dank für eure Unterstützung

Eure Heilerziehungspfleger/innen

 

Aus aktuellem Anlass fordern wir auch eine Anerkennung als Fachpersonal in Kindergärten. Am 27.01.2020 erschien in der "Frankenpost" ein Artikel "Kita-Personal verzweifelt gesucht". Darin wird geschildert, dass nun auch Quereinsteiger in Kindergärten arbeiten können und das direkt nach einer Bewerbung, auch ohne pädagogische Qualifikation. Diese würde dann berufsbegleitend nachgeholt werden. Während somit Kita Personal "aufgefüllt" wird, zählen wir als HEPs nicht als pädagogische Fachkraft. Wie ist das noch zu rechtfertigen? 

 


--- Schülerinitiative der Fachschule für Heilerziehungspflege/-hilfe Himmelkron