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Chancengleichheit für alle Studierenden/Änderung der Prüfungsordnung und Lerninhalte/Abschaffung der Drittversuchsregelung

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Liebe Studierende,Liebe Dozenten, Liebe Mitarbeiter der Universitäten,

nun starte ich eine Petition in der ich fordere, dass meine Exmatrikulation zurückgenommen wird und die Drittversuchsregelung abgeschafft wird, damit das gleiche Schicksal nicht auch anderen Studierenden droht. Die Drittversuchsregelung (Exmatrikulation beim dritten Mal nicht Bestehen) ist höchst ungerecht, da sie keine Rücksicht auf die Lebensumstände der Studierenden nimmt, der psychische Druck durch die Angst vor der Exmatrikulation enorm wächst und eine objektive Leistungskontrolle unmöglich wird. Nicht mehr der fachliche Stoff und die Auseinandersetzung mit diesem durch Forschung und Entwicklung stehen im Vordergrund, sondern das Auswendiglernen und stupide Wiederholen wird so zum Inhalt des Studiums. Eignung, Talent, Intelligenz und fachliches Interesse der Studierenden werden auf diese Weise völlig missachtet, wenn nicht sogar bewusst durch gezielte Chancenungleichheit und „Aussieben“ zerstört. Das erlernte Wissen hat nur noch für diese eine Prüfungssituation Relevanz aber nicht für die spätere berufliche Ausübung. Da dies dem Grundsatz eines freien, wissenschaftsorientierten Studiums und des mündigen Bürgers widerspricht bitte ich Euch, diese Petition zu unterschreiben und danke schon mal im Voraus.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich studiere Lehramt Mittelschule an der Otto - Friedrich - Universität in Bamberg. Für das Lehramtsstudium habe ich mich deswegen entschieden, da es eine der wichtigsten Aufgaben, wenn nicht sogar die Hauptaufgabe von Schule ist, Schüler in ihrem Wissen, ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihrer persönlichen und sozialen Entwicklung zu fördern. Eng damit verbunden ist mein Ziel, meine Schüler größtmöglich bei diesem Entwicklungs- und Lernfortschritt zu unterstützen. Ich habe leider am 17.02.2014 die Modulprüfung des Modul Schulpädagogik I nicht bestanden. Mit Schreiben vom 02.05.2014 beantragte ich beim Vorsitzenden des Prüfungsausschusses die Gestattung eines weiteren Versuchs im Rahmen einer Härtefallregelung. Diesen Antrag lehnte der Prüfungsausschuss ab. Da ich seit Anfang des letzten Wintersemesters unter gesundheitlichen Problemen gelitten habe, die sich während des Semesters verstärkt bemerkbar gemacht haben, musste ich sehr viel Zeit für meine Genesung investieren. Häufige Arztbesuche und Erholungsphasen machten es mir unmöglich, eine reguläre Vorbereitung durchzuführen. Bedauerlicherweise lief dies alles parallel zur Prüfungsphase ab, was zu einer enormen Anspannung führte. Dieser dauerhaften Stresssituation ausgeliefert stellten sich auch schnell psychische Symptome ein. Massive Schlafstörungen, Konzentrationsbeschwerden und geringe Belastbarkeit verschlechterten nicht nur meine Leistung sondern führten auch zu depressiven Symptomen.

Bereits vor der Klausur suchte ich das Gespräch mit dem zuständigen Dozenten, bei dem die Prüfung stattfand und schilderte ihm meine Situation. Es handelte sich hierbei um eine unvorhersehbare Ausnahmesituation, die so jedem anderen hätte passieren können.

Da ich ansonsten bisher in all meinen Prüfungen gute Leistungen erbracht habe und mich dem Ende meines Studiums nähere, bin ich zuversichtlich, dass ich die vorausgesetzten Leistungen zum Bestehen des Grundstudiums unter den entsprechenden Bedingungen zielstrebig erfüllen kann. Würde diese Regelung aber bestehen bleiben, würde das für mich und viele weitere Studenten bedeuten, dass unvorhersehbare Umstände, Krankheit oder Behinderung, sowie psychische Probleme ein Ausschlusskriterium für den erfolgreichen Abschluss eines Studiums wären. Dies kann nicht rechtens sein, da es im höchsten Maße diskriminierend ist. Ferner ist es ein enormer Verlust, der durch die Menschen entsteht, die das Studium wegen dieser Regelung abbrechen müssen, obwohl sie für ihr Fach motiviert sind. Diesen Menschen keine neue Chance zu geben in ihrem Wunschberuf zu arbeiten erzeugt auch einen enormen wirtschaftlichen, sowie gesellschaftlichen Schaden, da diese sich als wertlos betrachten, unter Umständen krank und arbeitsunfähig werden oder sogar ihr Leben beenden.

Wir haben jetzt schon einen enormen Anstieg an psychischen Erkrankungen unter Studierenden sowie massiven Missbrauch von Aufputschmitteln und Psychopharmaka, an denen diese Regelung maßgeblich Schuld ist. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass sich die Anzahl an sozialen Einrichtungen und Hilfsorganisationen für Studierende in den letzten 7 Jahren (also seit Einführung dieser Regelung) fast vervierfacht hat.

Deswegen fordere ich mich dieser Petition einerseits eine weitere Chance für mich, da mein Nichtbestehen dieser Prüfung wegen besonderer Umstände nicht meine Schuld war und mir eine echte, gerechte Chance mein Wissen zu beweisen zusteht. Weiterhin fordere ich allgemein ein Abschaffen der Drittversuchsregelung, weil dadurch aus den hier genannten Gründen eine objektive Beurteilung der Studierenden völlig unmöglich wird und eine dauerhafte Stresssituation entsteht, die nicht nur die Motivation, das Interesse und die Entfaltungsmöglichkeiten der Studierenden zerstört, sondern sie durch anhaltenden psychischen Druck auch noch krank macht.

Das Studium sollte endlich wieder frei sein und nicht das Grab der eigenen Hoffnungen und Vorstellungen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Tolga Akyol

 



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