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Petitioning Oberbürgermeister und Stadtkämmerer der Stadt Essen

Transparenz hinsichtlich der Bilanzierung schaffen

Christiane & Lothar Pues
Kufsteiner Strasse 16
10825 Berlin
SALON KUFSTEINER STRASSE
OFFENER BRIEF
Frühjahr 2015
Liebe Freunde unseres Museum Folkwang,
vor 200 Jahren am 15. März 1815 unterzeichnete der Frankfurter Bankier und Mäzen Johann Friedrich Städel sein Testament und errichtete eine Stiftung. Es war die Geburtsstunde eines einzigartigen Kunstinstituts, des Städel Museums – heute eine der international wichtigsten Gemäldegalerien. Am 29. Mai 1922 unterzeichneten die Bürger und Vertreter der Stadt Essen den Vertrag, um den Fortbestand der bedeutenden Kunstsammlung des Hagener Mäzens Karl Ernst Osthaus zu sichern – auch dies die Geburtsstunde eines einzigartigen Museums, des Essener Museum Folkwang.
In Frankfurt hat Johann Friedrich Städel mit seinem Testament und der daraus folgenden Stiftung eine Organisationsform geschaffen, die, wie Max Hollein in einem Interview in der FAZ betont, beispielhaft in die Zukunft weist und somit den Bestand dieser bedeutenden Kunstsammlung dauerhaft sichert. Frau Prof. Grütters hat in ihrer eindrucksvollen Festrede zum 200. Geburtstag des Städel Museums überzeugend die Bedeutung dieses großartigen bürgerschaftlichen Engagements herausgestellt und betont, dass sie schier überwältigt sei von der im Frankfurter Städel Museum erfahrbaren und spürbaren Überzeugung, dass Kunst von unschätzbarem Wert für eine humane Gesellschaft und für eine lebendige Demokratie sei.
Monika Grütters‘ wertvolle Gedanken sind direkt auch auf die Situation in Essen anzuwenden. Sie beleuchten viele, auch für die Stadt Essen sehr relevante und von mir seit Jahren gestellte, grundsätzliche Fragen. Leider gefährdet Essen mit seiner Haushaltspolitik dieses bürgerschaftliche Engagement und den Fortbestand der Sammlung des Museum Folkwang auch für künftige Generationen.
Die Stadt Essen befindet sich seit mehreren Jahren in einer überaus prekären, finanziellen Situation. Ist der Vertrag vom 29.05.1922, genauso wie die Organisationsform der Stiftung in Frankfurt für das Städel Museum, überhaupt noch ein wirksamer Garant für den Fortbestand des Museum Folkwang in Essen? Hat man in der Stadt Essen nicht bereits gegen diesen Vertrag von 1922 verstoßen, als man den – lediglich ideellen und damit faktisch unverkäuflichen – hälftigen Anteil der Stadt Essen an der Sammlung Folkwang mit rund 250 Millionen Euro – anstatt mit lediglich 1 Euro – bilanziert hat? Was viele übersehen: Erst durch diesen Bilanzierungstrick konnte die Stadt Essen ihr Eigenkapital erhöhen und sich so mit weiteren 250 Millionen Euro verschulden.
Ist nicht mittlerweile die gesamte Sammlung gefährdet durch diese, wie ich meine, fehlerhafte Bilanzierung der Stadt Essen? Wichtig erscheint mir aber auch die Frage: Stellen wir uns und der Politik die wichtigen Fragen richtig, wenn wir über Sammlung und Museum reden? Welchen Stellenwert haben Sammlungen und lässt sich dieser sachgerecht durch eine solche buchhalterische, quasi-ökonomische Vorgehensweise abbilden? Gehört nicht der Erhalt von öffentlichen Sammlungen und Museen zum Staatsverständnis einer bürgerlichen Demokratie und zum unveräußerbaren Kernbestand der Gesellschaft, um weiter ästhetische Bildungs- und Diskursmöglichkeiten zu schaffen?
Was ist nun die Schlussforderung?
Wäre es im Angesicht der kulturellen Bedeutung von Sammlungen und Museen und der Bewahrung unseres kulturellen Gedächtnisses und dem Zugang zu diesen lebendigen Erinnerungen für zukünftige Generationen nicht angebracht, wenn wir alle offen, in einem Prozess, der mehr Akteure einschließt als die Kämmerer und Entscheidungsträger der Stadt Essen sowie der beteiligten Banken, darüber diskutieren, was Kunst (uns) heute und in Zukunft wert ist?
Wäre es nicht an der Zeit zu fragen, was mit diesem Geld passiert ist?
Wäre es nicht an der Zeit zu beleuchten, ob dieses Geld – durch Kunstvermögen geschaffen, auch im Sinne der Erweiterung der Möglichkeiten des Zugangs zu ästhetischen Erinnerungen, der Pflege oder sogar der Ausweitung des kulturellen und intellektuellen Kapitals eingesetzt wurde?
Wäre nicht zu klären, ob die Kämmerer und Entscheidungsträger der Stadt Essen eben dieser Motivation entsprochen haben und insoweit, wenn auch nicht sachgerecht und richtig – so doch im Einklang mit einer denkbaren Interpretation des Vermächtnisses gehandelt haben?
Sollten wir uns als Bürger nicht fragen, welche Rolle wir in diesem Zusammenhang übernehmen wollen? Meine Frau und ich freuen uns, wenn Sie zunächst einmal diesen Brief kommentiert oder unkommentiert an Interessierte weiterleiten würden, um hiermit eine für uns alle notwendige Diskussion zu ermöglichen.
Herzliche Grüße
Ihr Lothar Pues

 

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