Bleiberecht statt Trennung für Familie Kotorri

Mit diesem offenen Brief setzen wir uns mit aller Entschlossenheit für unsere Freunde, Nachbarn und Mitbochumer Florinda und Ervin Kotorri sowie ihre kleine Tochter Flavia ein.

Die Familie Kotorri ist vor genau zwei Jahren aus Albanien nach Deutschland gekommen, wo die kleine Flavia kurz nach der Einreise ihrer Eltern geboren wurde. Flavia hat eine angeborene Erkrankung, die in ihrem Heimatland vor ihrer Geburt nicht diagnostiziert werden konnte. Die Ärzte in Deutschland haben diese Erkrankung kurz vor ihrer Geburt erkannt und die notwendigen Schritte eingeleitet. In wenigen Wochen wird Flavia zwei Jahre alt. Dank des Durchhaltevermögens ihrer Eltern ist sie zu einem strahlenden Kind herangewachsen.

Seit April 2015 wohnt die dreiköpfige Familie in Bochum. Nach fast zwei Jahren in Asylbewerber-Übergangsheimen durfte die Familie vor wenigen Wochen endlich eine eigene Wohnung beziehen. In der Zwischenzeit haben beide Eltern ein beeindruckendes Deutsch gelernt. Sie sind jung, engagiert, aktiv und eine Bereicherung für dieses Land.

Florinda und Ervin Kotorri haben sich innerhalb kürzester Zeit einen großen Freundeskreis aufgebaut. In verschiedenen Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfenetzwerken sind sie sehr engagiert, wie zum Beispiel im „Netzwerk Wohlfahrtstraße“, in dem sie unter anderem in die Organisation des regelmäßigen Begegnungs-Cafés „Café lysA“ eingebunden sind. Ferner ist Ervin in dem Sportverein DJK Teutonia Ehrenfeld 1913 e.V. aktiv. Bei Festen und sonstigen Veranstaltungen im Übergangsheim waren und sind die jungen Eltern immer aktiv an der Organisation beteiligt. Auch nach ihrem Umzug haben sie den Kontakt in dieses Netzwerk nicht aufgegeben. Sie sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Integration in unserem Land funktionieren kann.

Die kleine Flavia besucht im Rahmen der „Musikwichtel“ der Musikschule Bochum Kurse zur musikalischen Früherziehung. Nachmittags geht sie mit ihrer Mutter in eine Kindergartengruppe für Flüchtlingskinder.

Der junge Familienvater Ervin hat vor einigen Monaten eine Ausbildung begonnen. Der langen Zeit und den schwierigen Verhältnissen im Übergangsheim zum Trotz gehört er zu den besten Auszubildenden. Für seine Mitschüler ist er ein Vorbild. Er hilft den anderen gerne und leitet sie - besonders beim praktischen Teil - auch an. Mehrere Betriebe haben ihm jetzt schon zugesagt, ihn später einstellen zu wollen. Denn: Ervin ist einfach gut und die Ausbildung mehr eine Formalität als alles andere, weil er in seinem Heimatland schon zehn Jahre lang in diesem Sektor gearbeitet hat. Er kann gut arbeiten, er will gut arbeiten, er wird gut arbeiten. Ervin ist auf dem besten Weg dahin, eine wertvolle Fachkraft zu werden und seine Familie auch finanziell völlig selbstständig versorgen zu können.

Auch Florinda hat Pläne für eine berufliche Ausbildung. Wenn für ihre Tochter ein Platz in einer Kindertagesstätte gefunden werden kann, möchte sie im kommenden August so gerne eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen - ein Beruf, der hier in Deutschland dringend benötigt wird.

Vor wenigen Tagen hat die zuständige Behörde jedoch entschieden, dass die restlichen Operationen der kleinen Flavia im Heimatland erledigt werden könnten. Zur Erinnerung: Die Ärzte im Heimatland waren noch nicht einmal in der Lage, die Erkrankung vor der Geburt zu diagnostizieren.

Die Entscheidung der Behörde hat dramatische Auswirkungen auf das Leben der jungen Familie: Vater Ervin darf in Deutschland bleiben, da er mitten in einer Ausbildung ist. Aber Mutter und Kind sollen innerhalb der nächsten Wochen freiwillig zurückreisen. Sonst droht die Abschiebung, weil ihr Heimatland zu den sogenannten "sicheren Herkunftsstaaten" gehört.

Was uns ziemlich absurd erscheint, meint die Behörde aber ernst: Eine Trennung der Familie für die Zeit der Ausbildung des Vaters sei zumutbar. Dabei hat die Familie vor wenigen Wochen erst ihre neue Wohnung bezogen. Wir alle erinnern uns noch sehr gut daran, wie sehr sich vor allem Ervin darauf gefreut hat, sich endlich ungestört und ohne die ständige Angst vor einer Abschiebung auf seine Ausbildung konzentrieren zu können. Ferner ergibt es für uns überhaupt keinen Sinn, eine Familie, die ein derart gutes Beispiel für eine gelungene Integration in unserem Land ist, solchen Strapazen auszusetzen. Was müssen junge, engagierte Einwanderer noch tun, um hier akzeptiert zu werden? Und was für ein fatales Zeichen würden wir damit setzen, derart engagierte neue Mitbürger des Landes zu verweisen?

Es heißt doch immer, Integration sei keine Einbahnstraße.
Richtig: Familie Kotorri hat ihren Teil zu einer gelungenen Integration in diesem Land geleistet und ist auch zukünftig dazu bereit, noch mehr für das gesellschaftliche Miteinander in Deutschland zu geben. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Gesellschaft ihren Teil leistet.

Wir wissen, dass dies ein Einzelfall ist.
Wir wissen auch, dass die Angelegenheit eine sehr persönliche ist.

Aber in diesem Land machen wir uns viel zu selten bewusst, dass es in der Asylpolitik eben genau um solche Einzelfälle und genau um solche persönlichen Schicksale geht.

Es geht um Menschen.
Es geht um Menschlichkeit.

Es geht um Familien, die getrennt werden.

Es geht um junge, engagierte Einwanderer, die eine Bereicherung für diese Gesellschaft werden wollen, aber viel zu oft nicht dürfen.

Und es geht nicht zuletzt auch um unsere guten Freunde und Nachbarn Flavia, Florinda und Ervin Kotorri, die diese Unmenschlichkeit nicht verdient haben.

Deswegen fordern wir:

Zerreißen Sie diese junge Familie nicht!

Schicken Sie unsere Freunde, Nachbarn und Mitbochumer nicht in ein Land zurück, in dem sie keine Zukunftsperspektive haben!

Erlauben Sie der Familie Kotorri, auch zukünftig ein Beispiel für gelungene Integration in Deutschland zu sein!

 

Netzwerk Wohlfahrtstrasse

Bochum

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  • Oberbürgermeister Thomas Eiskirch
  • Rechtsstelle
    Ausländerbehörde Stadt Bochum
  • Ministerium für Inneres und Kommunales NRW

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