Keine sinnlose Unterrichtspflicht für Abiturientinnen und Abiturienten in der Coronakrise!

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Offener Brief an NRW Bildungsministerin Yvonne Gebauer und Ministerpräsident Armin Laschet bezüglich des geplanten Unterrichts nach den Osterferien für Abiturientinnen und Abiturienten in NRW

 

Sehr geehrte Frau Gebauer, sehr geehrter Herr Laschet,

aufgrund der aktuellen Situation bezüglich des Coronavirus unterstützen wir die Entscheidung der BildungsministerInnen der Länder, die Abiturprüfungen um drei Wochen zu verschieben.

Eine völlige Fehlentscheidung ist dem gegenüber der Beschluss, den Unterricht für die Abiturientinnen und Abiturienten nach den Osterferien fortzusetzen. Ihrer Entscheidung nach soll unser letzter Schultag auf den 8. Mai fallen, die Abiturklausuren sollen ab dem 12. März geschrieben werden.

Wir fordern Sie auf: Machen Sie diese unverantwortliche Entscheidung rückgängig. In den drei Wochen vor den Abiturprüfungen darf in NRW kein Unterricht für uns Abiturientinnen und Abiturienten stattfinden!

Unsere Forderung begründet sich wie folgt:

 

1. Sinnlosigkeit des geplanten Unterrichts

Die von Ihnen offenbar vertretene Ansicht, drei Wochen Unterricht direkt vor den Abiturprüfungen unterstützen uns bei der Vorbereitung, ist schlichtweg falsch!

Von durchschnittlich 38 Wochenstunden (Kurse und Mittagspausen), die ein/e SchülerIn in der Schule verbringt fallen lediglich 16 Stunden auf den Unterricht der vier Abiturfächer. Damit verbringen wir SchülerInnen rund 42 Prozent unserer Schulzeit mit der Abiturvorbereitung. Die restlichen 58 Prozent der Zeit, die wir in der Schule anwesend sein müssen, sitzen wir dementsprechend in irrelevanten Fächern ab. Hochgerechnet beschäftigen wir uns in diesen drei Wochen direkt vor unseren Abiturprüfungen also rund 50 Zeitstunden mit Themen, die für unser Abitur überhaupt nicht von Bedeutung sind (38 Wochenstunden x drei Wochen x 45 Minuten / 60 Minuten = 85,5 Zeitstunden; 85,5 Zeitstunden x 58 Prozent = 49,59 Zeitstunden)!

Mit Ihrer offensichtlich nicht durchdachten Planung verantworten Sie, dass jede einzelne Abiturientin und jeder einzelne Abiturient auf etwa 50 Stunden Vorbereitungszeit verzichten muss und das in den drei Wochen vor unseren Abiturprüfungen!

Wir Abiturientinnen und Abiturienten, wollen in den Wochen vor unseren Prüfungen keine Statisten sein, die ihre wertvolle Vorbereitungszeit in völlig sinnlosen Unterrichtstunden absitzen müssen!

Um es Ihnen zu sagen, wie es ist: Man kann sich in der finalen Phase besser selbstständig auf die Abiturprüfungen vorbereiten. Unterricht ist in diesem Zeitraum eine reine Zeitverschwendung!

 

2. Verlorene Zeit zur selbstständigen Abiturvorbereitung

Die Zeit die Sie uns durch Ihre Regelung rauben (rund 50 Zeitstunden!!), fehlt uns für die Vorbereitung auf die wirklich wichtigen Klausuren. Nach einem bis zu neunstündigen Schultag, hat man weder Zeit noch Nerven, sich mit der tatsächlichen Abiturvorbereitung zu beschäftigen.

Des Weiteren ist auch der Zeitpunkt entscheidend: Die Wochen direkt vor den Abiturprüfungen sind seit Jahren stets unterrichtsfrei, aufgrund der Osterferien. Ganz besonders diese Wochen, direkt vor den Prüfungen, sind die wichtigste Zeit zur selbstständigen Abiturvorbereitung!

Aktuell besteht in den meisten Fällen, ein sehr guter Kontakt zur den LehrerInnen in unseren Abiturfächern. Wir können uns selbstständig, in unserem eigenen Tempo, mit unseren eigenen Methoden auf die Prüfungen vorbereiten.

 

3. Kein ausreichender Infektionsschutz

Wie können Sie es rechtfertigen, mit Verweis auf den Infektionsschutz, Abiturprüfungen ausfallen zu lassen, aber im selben Zeitraum Unterricht anzuordnen? Zweifeln Sie nicht selber an diesen völlig absurden und gegensätzlichen Entscheidungen? Wir wissen nicht, wie Sie zu diesen Entscheidungen gekommen sind, stellen aber fest: Offenbar fehlt es Ihnen an der Fähigkeit die Lage richtig einzuschätzen!

Vier Abiturprüfungen pro SchülerIn bedeuten vier Tage an denen man, unter besonderen Hygienebedingungen, in der Schule erscheinen muss. Drei Wochen Unterricht für uns Abiturientinnen und Abiturienten bedeuten drei Wochen engen persönlichen Kontakt mit hunderten Mitmenschen. Es wäre unmöglich in diesen drei Wochen die Schutzvorgaben einzuhalten und Infektionen zu vermeiden.

Das gesamte öffentliche Leben ist auf eine Minimum beschränkt, wir müssen zu Hause bleiben. Wir dürfen keine FreundInnen treffen und nur mit großer Vorsicht einen Supermarkt betreten. In dieser Krisensituation wollen Sie uns erklären, wir sollen uns mit teilweise über 100 Personen in einem Gebäude treffen? Drei Wochen in Folge?

Wir denken nicht, dass wir Ihnen die aktuelle Lage weiter erklären müssen. Wir appellieren allerdings an Sie: Nehmen Sie die Situation ernst!

 

Fazit

Ihrer aktuellen Entscheidung nach zu urteilen, sehen die drei Wochen nach den Osterferien für uns Abiturientinnen und Abiturienten katastrophal aus: bezüglich unserer Abiturvorbereitung und bezüglich unserer Gesundheit!

Wir sehen nicht ein, die drei Wochen vor unseren Abiturprüfungen, mit sinnlosem Unterricht in überfüllten Klassenräumen zu verschwenden, während unsere Großeltern und weitere Risikopatienten an dem Virus sterben könnten, dass wir in unsere Familien einschleppen!

Der von Ihnen beschlossene Unterricht dient nicht dem Zweck einer zielorientierten Abiturvorbereitung! Legen Sie uns keine Steine in den Weg!

Wir appellieren an Sie, Frau Gebauer und Herrn Laschet, schaffen Sie endlich Tatsachen. Nach den Osterferien darf für uns Abiturientinnen und Abiturienten in NRW kein Unterricht stattfinden!

Mit freundlichen Grüßen!

Ihre Abiturientinnen und Abiturienten 2020