Nein zum Deutschen Nationalpreis für Rüdiger Safranski

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Ich bin Mitglied des Fördervereins der Deutschen Nationalstiftung e.V. Die Deutsche Nationalstiftung wurde einst von Helmut Schmidt gegründet. Mitglieder ihres Senats sind unter anderem Bundespräsident a.D. Horst Köhler, Bundestagspräsident a.D. Prof. Norbert Lammert, der FDP-Vorsitzende Christian Lindner und Bundesfinanzminister a.D. Peer Steinbrück. Die Stiftung erhebt den Anspruch, die moralische, rechtliche, wirtschaftliche und soziale Einheit, die kulturelle Einheit insgesamt und die Identität der Deutschen bewusst zu machen und zu unterstützen.
 
Der von ihr jährlich verliehene Deutsche Nationalpreis ehrt Menschen und Institutionen, die sich um die Ziele der Stiftung beispielhaft verdient gemacht haben. Er kommt mit einem Preisgeld von 50.000 Euro.
 
Der diesjährige Preisträger heißt Rüdiger Safranski. Ihm wird der Preis am 19. Juni 2018 in Berlin offiziell verliehen.

Zur Begründung der Verleihung schreibt der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Nationalstiftung, Prof. Eckart Stratenschulte, unter anderem: „Rüdiger Safranski hat es in den vergangenen Jahrzehnten in seinen Werken geschafft, einem breiten Publikum herausragende Literaten und Philosophen der deutschen Geistesgeschichte auf eine besondere, kluge und zugleich anschauliche Weise nahezubringen und verständlich zu machen. Die deutsche Kultur in ihrer intellektuellen Weite, Offenheit und Vielfalt zu kennen, ist der beste Schutz gegen sich deutsch gebende Borniertheit und Engstirnigkeit. Gerade in Zeiten der Verunsicherung und der Suche nach Heimat und Herkunft ist es von unschätzbarem Wert, einen solch einzigarten Vermittler wie Rüdiger Safranski zu haben.“
 
Richtig daran ist nur, dass Rüdiger Safranski schöne und kluge Bücher geschrieben hat. Den Deutschen Nationalpreis hat er jedoch nicht verdient.
 
Wer Rüdiger Safranski heute den Deutschen Nationalpreis verleiht, hat entweder nicht wahrgenommen, in welcher Weise er sich in den vergangenen Jahren und Monaten zu politischen Fragen geäußert hat. Oder er hat es wahrgenommen und will mit der Verleihung des Preises ein besonderes Zeichen setzen und Partei ergreifen für die von ihm geäußerten Ansichten, die durch die Verleihung des Deutschen Nationalpreises quasi geadelt werden. Ich fürchte, wer auch immer bei der Deutschen Nationalstiftung für die Auswahl der Preisträger zuständig ist, ist nicht ahnungslos, sondern die Verleihung des Preises an Rüdiger Safranski soll – obwohl das so natürlich nicht gesagt wird – gerade ein solches Zeichen setzen.
 
Das aber ist ein Skandal.
 
Rüdiger Safranksi begann bereits in 2015 von einem „Fluten Deutschlands“ zu sprechen. „Wenn die Kanzlerin sagt, „Deutschland wird sich verändern“, da möchte ich doch bitte gefragt werden.“. Die Kanzlerin hat ihn offenbar nicht gefragt und das hat er ihr und dem Rest der Welt ziemlich übel genommen. Er äußert sich in letzter Zeit in etwa nach folgendem Muster: Ich bin ein freier Geist und sage Wahrheiten, die nicht in das Weltbild von Gutmenschen, Sozialdemokraten und Feiglingen passen. Journalisten leben nach seiner Einschätzung hingegen mit einem verinnerlichtem normativen Druck. Das führe zu einer Konformität der Darstellung. Konservative Positionen seien in Deutschland gegenwärtig fast nicht denkbar. Gleichsetzungsdelirien würden genuin konservative Positionen als rechtsradikal verteufeln. Die Welt bestehe nun einmal aus Kampf, angesichts dessen sie es naiv, von „Durchmischung“ zu träumen. Rüdiger Safranski plädiert dagegen für die Renaissance eines ethnisch aufgeladenen Volksbegriffs. Angesichts der Bedrohung der westlichen Zivilisation durch den politischen Islam sollten wir endlich wieder unsere Außengrenzen schützen und wenn nötig Mauern bauen. Es gebe keine Pflicht zur Fremdenfreundlichkeit.
 
Rüdiger Safranski redet einem Erwachen des konservativen Bewusstseins das Wort und hält es für einen Fehler, die AfD zu einer rechtsradikalen Partei zu machen. Es gebe keinen Grund, die Partei mit Hetze zu überziehen nach dem Motto: konservativ gleich rechtsextrem gleich Nazi. Alexander Gauland ist für ihn eine satisfaktionsfähige Figur des Konservativen.
 
Rüdiger Safranski soll all das gerne sagen. Niemand verbietet ihm den Mund. Genauso wenig, wie man Alexander Gauland den Mund verbieten sollte. Im Gegenteil, man sollte die Thesen von Rüdiger Safranski und die geistesverwandten Äußerungen von Alexander Gauland diskutieren und sich mit ihnen auseinandersetzen. Meine Position dazu ist klar. Das Gerede von Sprechverboten und mangelnder Diskussion vermeintlich konservativer Thesen ist Unsinn. Es ist nur der untaugliche Versuch, sich vor Kritik zu immunisieren. Solche Kritik ist aber verdient. Die Stellungnahmen Rüdiger Safranskis in letzter Zeit sind geprägt von verdrucksten Ängsten vor einer sich ändernden Welt. Diesen versucht er, durch einen Appell für den offensiven Schutz einer völkisch-geprägten Kulturgemeinschaft zu begegnen. Er setzt auf Ausgrenzung, statt auf Toleranz und Inklusion. Sein Denken ist rückwärtsgewandt. Er schürt Ängste, statt sie zu überwinden.
 
Es ist Aufgabe der Deutschen Nationalstiftung, sich der Bedeutung des Begriffes „Nation“ angesichts von Europa, Fluchtbewegungen, Zuwanderung, Integrationsanstrengungen und weitergehenden Herausforderungen der Globalisierung zu stellen. In diesem Kontext kann die Deutsche Nationalstiftung gerne auch mit und  über Rüdiger Safranski sprechen und seine Ängste diskutieren und damit auch Positionen ein Forum geben, die meiner Auffassung nicht entsprechen.
 
Die Verleihung des Deutschen Nationalpreises an Rüdiger Safranski hat jedoch eine andere Wirkung. Damit bezieht die Deutsche Nationalstiftung Stellung für seine verschwurbelt völkisch-islamophobe Position. Ehrlicher wäre es gewesen, den Preis gleich Alexander Gauland zu verleihen.


 



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