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Nehmen Sie den Beschluss zurück, den Biologieunterricht in der Orientierungsstufe des Gymnasiums aufzulösen!

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Der vbio protestiert:  Schafft die grün-rote Landesregierung die Biologie ab?

Der vbio-Landesverband Baden-Württemberg fordert die Landesregierung auf, den Beschluss zurückzunehmen, den Biologieunterricht in der Orientierungsstufe des Gymnasiums aufzulösen.

 

Unsere Argumente:

Schon bei der Einführung des Bildungsplans 2004 mussten die Naturwissenschaften und insbesondere die Biologie Kürzungen hinnehmen. So wurden damals beispielsweise etliche Grundlagen, die zum Verständnis der Biotechnologie notwendig sind, aus dem Bildungsplan der Biologie gestrichen. Da in Baden-Württemberg die Biotechnologie eine wichtige wirtschaftliche Rolle spielt und zunehmend Firmen im Bereich Biotechnik und Medizintechnik entstehen, sollten entsprechende Inhalte im Biologieunterricht wieder berücksichtigt werden. Dazu benötigt die Biologie allerdings mehr Zeit. Einzelne Teile der Biotechnologie konnten in Naturwissenschaft und Technik (NWT) einfließen. Allerdings wählen dieses Fach ja nicht alle Schülerinnen und Schüler. Zudem ist noch nicht gesichert, dass diese biologischen Inhalte im neuen Bildungsplan in NWT erhalten bleiben. Es wäre fatal, wenn in Baden-Württemberg am Gymnasium keine Biotechnologie vermittelt würde.

Mit dem neuen Bildungsplan werden fünf Leitprinzipien eingeführt, die in allen Fächern zu berücksichtigen sind. Der Biologie kommt bei vielen Leitprinzipien eine zentrale Rolle zu. Beispielsweise ist das Leitprinzip „Prävention“ eng mit der Biologie verknüpft, weil hier die biologischen Grundlagen für die Gesundheitserziehung vermittelt werden. Allerdings erfolgten auch hier schon 2004 gravierende Kürzungen, die mit dem neuen Bildungsplan noch verstärkt werden könnten. So sind seit 2004 die Themenfelder Skelett, Gelenke, Muskulatur und Ohr nicht mehr im Biologieunterricht vorgesehen. Dabei handelt es sich aber um Bereiche, die für Jugendliche sehr wichtig sind. Viele Jugendliche haben zu wenig Bewegung und gefährden ihr Gehör durch zu laute Musik. Zwar können manche Inhalte in NWT angesprochen werden. Doch, wie oben erwähnt, werden damit nicht alle Schülerinnen und Schüler erreicht. Diese Inhalte gehören in den Biologieunterricht. Dazu benötigt die Biologie aber mehr Zeit. Selbst bei der Überarbeitung des Lehrplanes des Faches NWT werden diese Inhalte als biologische Themen angesehen und werden daher nicht mehr unterrichtet werden. Hier drohen uns amerikanische Verhältnisse.

Ein weiteres wichtiges Leitprinzip des neuen Bildungsplans ist „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“. Hier gilt der alte Satz, dass man nur schützen und bewahren kann, was man auch kennt. Umweltbehörden und Universitäten finden inzwischen kaum mehr Fachleute, die für bestimmte Gutachten oder Forschungsbereiche über die nötige Artenkenntnis verfügen. Wenn in der Schule in Zukunft wirtschaftliche Aspekte immer mehr betont werden und ökologische Zusammenhänge noch weiter gekürzt werden, muss man sich später nicht wundern, wenn viele Bürgerinnen und Bürger Argumente für den Naturschutz nicht mehr nachvollziehen können und wirtschaftlichen Interessen unterordnen. Gerade in den Klassen 5 und 6 werden bisher im Biologieunterricht wichtige Tier- und Pflanzengruppen vorgestellt und deren Ansprüche kennen gelernt. Dies sind wichtige Vorarbeiten für das Verständnis von Wechselwirkungen zwischen Lebewesen, die in der Mittelstufe verstärkt betrachtet werden. Ein vertieftes Verständnis von Ökosystemen ist ohne fundierte Grundlagen nicht möglich. Auch hier muss nochmals betont werden, dass die Ökologie im Bildungsplan 2004 schon gekürzt wurde. Eine weitere Kürzung ist nicht hinnehmbar. Schon jetzt werden die Einheitlichen Prüfungsanforderungen im Abitur (EPA) im Bereich Ökologie in Baden-Württemberg nicht erfüllt.

Im kompetenzorientierten Biologieunterricht werden seit Jahren wichtige biologische Basiskonzepte genutzt, um eine bessere Strukturierung des Wissens zu erzielen. Dieser kompetenzorientierte Biologieunterricht mit Niveau ist nicht möglich in einem Fächerverbund Naturphänomene und Technik (NpT), der womöglich fachfremd unterrichtet wird. Der Biologieunterricht in Klasse 5 und 6 zeigt den Kindern die Basiskonzepte der Variabilität, der Angepasstheit, der Reproduktion, der Struktur und Funktion, der Kommunikation und der Wechselwirkung zwischen den Lebewesen. Nur wenn sich die Kinder fachlich gut unterstützt und ausreichend vernetzt mit den Organismen auseinandergesetzt haben, kann der weitere Unterricht darauf aufbauen und evolutionäre und ökologische Erkenntnisse daraus ableiten. Insbesondere die Evolution sollte im Biologieunterricht genügend Raum und Zeit bekommen, um kreationistische Strömungen einzudämmen.

Biologie gilt als Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts. Viele Nobelpreise für Chemie und Medizin basieren heutzutage auf biologischer Forschung. Manche Verfahren und Möglichkeiten der Biotechnologie und modernen Medizin werden politisch heftig diskutiert. Ein Staatsbürger unseres Jahrhunderts muss ein fundiertes biologisches Grundlagenwissen haben, wenn er diesen Diskussionen folgen will. Dazu ist eine Stärkung des Biologieunterrichts erforderlich.

Wir begrüßen die Intention der neuen Bildungsplanreform, die Fachlichkeit zu stärken. Doch durch die Streichung des Biologieunterrichts in den Klassen 5 und 6 und die Schaffung des Fächerverbundes NpT wird das fachliche Niveau sinken. Die bisherigen Erfahrungen mit Fächerverbunden sind nicht gut, da oft nur ein oberflächliches Verständnis erzeugt wird. Zu Recht werden mit dem neuen Bildungsplan viele Fächerverbunde in anderen Schularten wieder abgeschafft. Fächerverbindende Aspekte sind zwar wichtig und sollten gestärkt werden. Allerdings ergibt fächerverbindender Unterricht erst dann Sinn, wenn er auf sichere Grundlagen aus den einzelnen Fächern aufbaut. Am Gymnasium wurden daher in der Mittelstufe gute Erfahrungen mit dem Fach NWT zusätzlich zu den Fächern Physik, Chemie, Geographie und Biologie gemacht. Ebenso ergab das Fach Naturphänomene neben Biologie Sinn. Dieses Modell sollte beibehalten werden.

Eine große Gefahr bei der Einführung von Fächerverbunden ist, dass fachfremd unterrichtetet wird. Mit der Einführung von NpT besteht also die Gefahr, dass die Lehrkräfte keine Lehrbefähigung für Biologie besitzen. Die Basiskonzepte, die mit dem Bildungsplan 2004 eingeführt wurden, drohen in einem Fächerverbund unterzugehen, da insbesondere fachfremde Lehrkräfte den Zusammenhang mit späteren Themen nicht sehen. Dies würde zu einem dramatischen Niveauverlust führen. Ein kompetenzorientierter Biologieunterricht wäre an dieser Stelle nicht mehr möglich.

Der Biologieunterricht stellt für die Umsetzung vieler sinnvoller Leitprinzipien eine zentrale Schnittstelle dar. Insbesondere die Leitprinzipien BNE und Prävention werden durch einen fundierten Biologieunterricht getragen. Dazu ist eine Stärkung von Themen wie Ökologie und Gesundheitserziehung und folglich mehr Biologieunterricht nötig.

Die Einführung des Faches NpT soll die Durchlässigkeit zwischen den Schularten erhöhen. Dabei stellt sich die Frage, ob bisher bei einem Schulartwechsel das Fach Biologie überhaupt ein Problem dargestellt hat. Hauptproblem bereitete bisher doch eher die Sprachenfolge. Es ist nicht einsehbar, warum das Fach Biologie am Gymnasium die Durchlässigkeit zwischen den Schularten blockieren sollte. Und wenn das Kultusministerium auf gleiche Fächer Wert legen mag, wäre es viel nahe liegender, in allen Schularten das Fach Biologie in Klasse 5 und 6 einzuführen, da ja jeweils biologische Inhalte vorgesehen sind und nur so das notwendige fachliche Niveau gesichert ist. Warum ohne Not eines der beliebtesten Fächer in Klasse 5 und 6 abschaffen?

Momentan stellt NpT nur ein gemeinsames Etikett dar, hinter dem sich in den verschiedenen Schularten unterschiedliche Inhalte verbergen. So soll in den Werkrealschulen zwei Stunden Technik unterrichtet werden, in der Gemeinschaftsschule nur eine Stunde Technik und im Gymnasium soll der Technikanteil lediglich in den Physik- und Chemieanteilen mitberücksichtigt werden. Wir möchten diesen unterschiedlichen Anteil an Technik nicht kritisieren. In den verschiedenen Schularten muss die Technik durchaus unterschiedlich berücksichtigt werden. Nur bleibt der Eindruck, dass im neuen Bildungsplan die Biologie am Gymnasium geopfert wird, um einen Fächerverbund NpT zu schaffen, der ohnehin nur ein gemeinsames Etikett darstellt.

Außerhalb von NpT sind im Moment nur noch fünf Wochenstunden Biologie in der Sekundarstufe I vorgesehen. Wie oben ausgeführt sind die biologischen Inhalte in NpT kein Ersatz für den bisherigen Biologieunterricht. Zudem besteht die Gefahr, dass selbst die vier Stunden, die für Biologie in NpT vorgesehen waren, nicht mehr bleiben werden und teilweise für fächerverbindende Module verwendet werden. Es ist sehr fraglich, ob mit dem derzeitigen Stundenkontingent für die Biologie die KMK-Standards und die Einheitlichen Prüfungsanforderungen für das Abitur (EPA) umsetzbar sind. Wir bezweifeln das.

Wir fordern deshalb: Der Fächerverbund NpT muss abgeschafft und stattdessen das Fach Biologie am Gymnasium erhalten werden. Wünschenswert wäre es die Biologie in Klasse 5 und 6 an allen Schularten wieder einzuführen. Fachfremden Unterricht lehnen wir ab, weil dadurch eine kompetenzorientierte und strukturierte Vernetzung von Inhalten der Biologie nicht möglich ist.

Die Biologie als Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts und als relevante Schnittstelle für wichtige Leitprinzipien des Bildungsplans (Nachhaltigkeit und Gesundheitserziehung) darf nicht gekürzt, sondern muss gestärkt werden!

 



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