Nach 47 Jahren kann ich immer noch nicht aufgeben. #BringMyFatherHome

Sehr geehrter Herr Generalsekretär Ban-Ki-moon:


Mein Name is In-cheol Hwang, und ich repräsentiere die Familien der KAL entführten Passagiere nach Nordkorea.


Ich schreibe Ihnen diesen Brief mit einem gebrochenen Herzen aber trotzdem noch in voller Hoffnung, meinen Vater wiederzusehen. I vermisse ihn so sehr. Ohne jegliche Gründe wurde mein Vater, Won Hwang und weitere zehn unschuldige Personen gegen ihren Willen von dem Nord Koreanischen Regime seit 47 Jahren festgehalten.


Sie können weiterhin nicht nach Hause kommen. Hiermit möchte ich Sie auf diese Situation aufmerksam machen und bitte Sie in ihrem Namen, sie nach Hause zuholen.


Herr Generalsekretär,


ich bin mir sicher, Sie waren in Ihrem Leben auf vielen Flugreisen. Jedesmal, wenn Sie ins Flugzeug gestiegen sind, hatten Sie ein Ziel und eine Aufgabe zu erfüllen.


Herr Generalsekretär,

mit allem meinem Respekt, bitte versuchen Sie sich die Situation meines Vaters vorzustellen. StellenSie sich vor, was Sie tun würden wenn Ihr Flug von einem nordkoreanischen Schläferagenten entfüht würde, gegen Ihren Willen und Sie wären gezwungen worden, ein nordkoreanischer Staatsbürger zu werden ohne jegliche Chance, jemals Ihre eigene Meinung dazu sagen zu können und Sie wären auf ewig von Ihrer liebenden Familie, Mutter, Ehefrau und Kinder getrennt.


Können Sie sich diese schreckliche Situation vorstellen? Dies ist genau das, was meinem Vater in Nordkorea widerfahren ist. Durch diesen unvorstellbar, unmenschlichen und grausamen Akt der Flugpiraterie hat das Nordkoreanische Regime einen geliebten Mann aus seiner ganzen Familie gerissen.


Dieses Foto wurde nur ein paar Monate vor der Entführung gemacht. Der Junge auf dem Bild bin ich und der Mann, der mich trägt, ist mein Vater. Er hatte mich abgöttisch lieb. Sein Name war Won Hwang und er war zu dem Zeitpunkt der Entfürung ein 32 jähriger TV Produzent bei MBC.


Als ich zwei Jahre alt war, ging mein Vater auf eine Dienstreise. Er betrat das Flugzeug um 12.15 Mittags am 11. Dezember 1969. Aber, nur 10 Minuten nach dem Start wurde das Flugzeug von einem nordkoreanischem Schläferagenten gekapert und flug stattdessen weiter nach Nordkorea.


Aufgrund scharfer Kritik durch die Internationale Gemeinschaft, versprach Nordkorea alle 50 Personen, die sich an Bord befanden (46 Passagiere und 4 Crew Mitglieder) am 4. Februar 1970 freizulassen. Aber Nordkorea brach sein Versprechen am 14. Februar 1970 als nur 39 der 50 Personen freigelassen
wurden.


Durch die Bezeugungen der zurückgeführten Passagiere, kam heraus, dass die restlichen 11 Personen in Nordkorea festgehalten wurden. Das Internationale Komitee des Roten Kreuz (ICRC) wirkte stark auf Nordkorea ein, die restlichen 11 Personen so schnell wie möglich frei zulassen, aber Nordkorea erklärte, “sie hätten aus freiem Willen beschlossen, Nordkoreanische Staatsbürger zu werden.”


Das ICRC antwortete auf diese vollkommen falsche Aussage, mit einem Vorschlag, unterbracht von einem Drittland, dass sie diese vermeintliche Erklärung der verbliebenen Personen gerne selbst vor Ort überprüfen und bestätigt wissen wollten. Nordkorea lehnte diesen Vorschlag ab.


Die Internationale Gemeinschaft erklärte den Akt der Piraterie durch Nord Korea. Im Beschluss Absatz A17-8 des 17. ICAO (Internationale Zivile Luftfahrt Organisation) der Ausserordentlichen Versammlung wurde Nord Korea gedrängt sowohl das entführte Flugzeug, die Crew Mitglieder und die Passagiere freizulassen.


Die Resolution 286 des UN Sicherheitsrats trat am 9 September 1970 in Kraft und war ein klarer Appell an alle betroffenen Parteien, für eine unverzügliche Freilassung aller Passagiere und Crew Mitglieder, die bei diversen Flugzeugentführungen festgehalten wurden.

Bei der 25. Sitzung der UN Generalversammlung 1970, entschieden die Mitglieder einstimmig für diesen Beschluss, und verurteilten die illegale Inbeschlagnahme innerhalb der zivilen Luftfahrt.

Nun, selbst nach 47 Jahren wird mein Vater weiterhin gegen seinen Willen in Nord Korea festgehalten.

Die 39 zurückgekehrten Passagiere, die seinerzeit über die Brücke des Friedens nach Hause kamen, haben Beweise über meinen Vater als sie mit ihm zusammen in Nord Korea waren, gebracht.

Wärend sie in Nord Korea festgehalten wurden, drängte mein Vater das Nordkoreanische Regime mit Nachdruck, die Humanitären Prinzipien und Protokolle zu wahren und ihn frei zulassen. Als die Entführten diverse nordkoreanisch ideologisch geprägte Ausbildungsprogramme durchliefen, drückte er seine starke Abneigung gegen die kommunistische Ideologie aus. Dafür wurde er von den Soldaten für ca. 2 Wochen an einen unbekannten Ort gebracht. Am 1. Januar 1970, als er das Lied “Ga-Go-Pa,”dass den Wunsch nach zu Hause und Heimweh ausdrückt, sang, wurde er verschleppt. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen.

Herr Generalsekretär,

Im Jahr 2001, habe ich das dritte Treffen der getrennten Familien im Fernsehen gesehen. Ms. Gyunghee Sung, eine der Flugbegleiterinnen wurde gezeigt, als sie mit grosser Freude ihre Mutter wiedersah. Herr Generalsekretär, in diesem Moment wusste ich, ich musste meinen Vater wiedersehen.

Allerdings fiel ich kurz darauf in einen tiefen Abgrund von Kummer und Hoffnungslosigkeit.

Es gab eine grosse Wand von verletzenden Antworten in der Thematik zwischen mir und meinem Vater. Menschen sagten, “Die Entführung ist so lange her und wir leben jetzt in der Gegenwart. Warum soll uns das so plötzlich bekümmern?” Sie sagten auch, “Dies ist ein sensibles Thema komplexer internationaler Politik. Wie soll eine Person so ein kompliziertes Problem angehen?” – Ihre Worte trafen mich mit Spott.

Ich konnte diese Antworten einfach nicht akzeptieren und bestand darauf, dieses Problem lösen zu
wollen.


Meine Bemühungen schienen sich bezahlt zu machen. Im Juni 2006, sendete Nord Korea mir eine Antwort, “Wir können den Verbleib von Mr. Won Hwang nicht bestätigen, nicht lebendig, nicht tot.”

Eine weitere Mitteilung wurde im Oktober 2011 durch das ICRC an Nord Korea geschickt. “Diejenigen, die noch nicht zurückgeführt wurden, bleiben aus freiem eigenen Willen in Nord Korea und es ist nicht möglich zu bestätigen, ob die Verbliebenen lebendig oder tot sind.”

Im Mai 2012, teilte Nord Korea der UN Arbeitsgruppe für erzwungenes und unfreiwilliges Verschwinden (WGEID) mit: “Diese Menschen sind kein Fall von erzwungenem und unfreiwilligem Verschwinden; daher ist dies kein humanitärer Fall der WGEID betrifft.” Hinzu kommt, dass Nord Korea weiterhin falsche Aussagen sendet, “Jeder der diesbezüglich etwas anderes sagt, ist ein feindlicher Akt gegen Nord Korea, der einen Konflikt zwischen den Inner-Koreanischen Beziehungen hervorrufen wird.”

Herr Generalsekretär, ich bin nicht von diesen Lügen abgeschreckt. Im Gegenteil, ich sehe in diesen Verstrickungen eine Chance. Die trügerische Antwort aus Nord Korea ist der Schlüssel, das Problem anzugehen und diese falschen Erklärungen sind genau der Weg der meinen Vater nach Hause führt.

Wie kann es nicht ein erzwungenes und unfreiwilliges Verschwinden sein, wenn mein Vater bei dem Flug entführt wurde. Und warum kann Nord Korea nicht bestätigen, ob er lebendig oder tot ist?


Wie kann es nicht von humanitären Belangen sein, wenn mein Vater nicht seinen freien Willen sprechen kann? Und warum lässt Nord Korea keinen Kontakt durch ein neutrales Drittland zu um seinen freien Willen zu bestätigen?

Wie kann es ein feindlicher Angriff gegen Nord Korea sein, wenn wir nur nach unseren Familien suchen?

Wenn der Norden in dieser Angelegenheit ehrlich unschuldig ist, sollte das Regime in der Lage sein, sich vor der Welt mit klaren Beweisen selbst zu entlasten.

Herr Generalsekretär,

Bitte helfen Sie uns, diesen Fall zu verfolgen, so dass Nord Korea unbestreitbare Beweise für ihre eigenen Erklärungen liefern kann und üben Sie Druck auf das Regime sich getreu des Akts und gemäss der humanitären Prinzipien und des Protokolls zu handeln, aus.

Der illegale Akt der nichtmilitärischen Flugzeugentführung muss geahndet werden und die entführten Geiseln müssen alle, ohne Ausnahme freigelassen werden. Dies ist die Gerechtigkeit unserer heutigen Zeit.

Aber meine Familie ist zur Ausnahme geworden und wir sind von der Gerechtigkeit unserer heutigen Zeit im Stich gelassen worden. Ich kann nicht verstehen, warum nur bei meiner Familie eine Ausnahme des rechtsmässigen Protokolls, verlangt durch die UN Resolution 286 und der humanitären Prinzipien, gemacht wird.


Ich habe einen Silberstreifen in dem Bericht von der Untersuchungskommission der Menschenrechte in der Demokratischen Volksrepublik von Korea gefunden.

Im Jahr 1983, hat Nord Korea freiwillig die Konvention für die Unterdrückung widerrechtlicher Inbesitznahme von Luftfahrzeugen und das Übereinkommen über strafbare und bestimmte andere an Bord von Luftfahrzeugen begangene Handlungen ratifiziert.

Gemäss dieser entsprechenden Verabredungen, ist die entführte Maschine YS-11, die mein Vater betrat, immer noch im Einsatz und unterwegs.

Gemäss dieser interationalen Vereinbarung, der humanitären Verfahren und Bemühungen, sollten die mittlerweile nur noch 11 KAL Passagiere, inklusive mein Vater, unverzüglich freigelassen werden.

Herr Generalsekretär, bitte helfen Sie, meinen Vater nach Hause zu bringen.

“Papa” Ich habe mein ganzes Leben mit dem Wunsch Dich so zu rufen gelebt. 47 Jahre sind vergangen, das Verlangen, Dich so zu rufen wird immer stärker, da ich nie die Chance hatte es zu sagen.

Jetzt, will ich mutig seinen Namen rufen und in seine Arme geschlossen werden.

Bitte, geben Sie meinen Vater zurück!

Ich habe die Dokumente, die als Beweis dienen sollen, dass mein Vater in dem entführten Flugzeug auf Dienstreise war, beigefügt. Ich vertraue Ihnen ebenfalls meine wertvollsten persönlichen Besitz an- das alte Foto von meinen Vater mit seinem Sohn und seiner Nichte.

Ich drücke Ihnen meine tiefste Dankbarkeit aus. Herr Generalsekretär, vielen Dank.

17. Juni, 2016


Hochachtungsvoll,


In Cheol Hwang


Sohn von Won Hwang, 1969 KAL YS-11 Entführungsopfer


Übersetzung aus dem Englischen: Karin Hanna

This petition will be delivered to:
  • Secretary-General Ban-ki Moon


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