Kein Präsenzunterricht in Niedersachsen, solange Covid-19 nicht unter Kontrolle ist

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 15.000.


Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Weil, sehr geehrter Herr Kultusminister Tonne,

mit Entsetzen haben wir zur Kenntnis genommen, wie Sie die Lockdown- Beschlüsse vom 5. Januar an den niedersächsischen Schulen umzusetzen gedenken. Abschlussklassen sollen bereits ab dem 11. Januar im Wechselunterricht wieder an den Schulen präsent sein, Grundschulkinder ab der Folgewoche. Die Konsequenz: Eine Unzahl vermeidbarer Kontakte auf dem Schulweg und in der Schule.

Auch dem Beschluß vom 19. Januar setzen Sie nicht konsequent um. Die Grundschulen sind geöffnet, auch wenn in geteilten Klassen. Eine Eindämmung der Pandemie ist so nicht möglich.

Wir fordern Sie auf, die weitreichenden Öffnungen unverzüglich rückgängig zu machen. Die von Ihnen getroffenen Entscheidungen ignorieren wesentliche epidemiologische und virologische Erkenntnisse. Sie zwingen Menschen dazu, sich unverantwortlichen Risiken auszusetzen, und konterkarieren das Ziel des bundesweiten Lockdowns.

  • Immer mehr Einzelfallstudien und international vergleichende Analysen widerlegen die gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung, an Schulen gebe es kein wesentliches Infektionsgeschehen.
  • Durch die Virusvariante B1.1.7, die sich in vielen europäischen Staaten bereits durchsetzt, besteht die Gefahr eines massiv gesteigerten Infektionsrisikos – mit allen Konsequenzen. Ihr Beschluss ignoriert derartige Entwicklungen schlicht. Stattdessen sollen es die bereits im Herbst versendeten Hygienekonzepte richten. Das ist grob fahrlässig.
  • Für die Betroffenen (Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, weiteres Personal) bedeutet all dies: Sie – und damit auch ihre Angehörigen – werden in der derzeitigen Coronalage unkalkulierbaren Risiken ausgesetzt.
  • Ihre Entscheidung widerspricht klar dem Geist des Lockdownbeschlusses. Wie soll so das bundesweite Ziel einer drastischen Reduktion der Fallzahlen erreicht werden, um die Ausbreitung von B.1.1.7 zu verlangsamen, eine völlige Überlastung unseres Gesundheitssystems zu verhindern und die katastrophale Zahl der Erkrankten und Verstorbenen zu reduzieren?

Unsere Forderung steht in keinerlei Widerspruch zu dem Ziel, Schülerinnen und Schülern eine baldige Rückkehr zu möglichst umfassendem Präsenzunterricht zu ermöglichen. Im Gegenteil: Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer konsequenten Eindämmungsstrategie. Mit ihrem Vorgehen rückt es in immer weitere Ferne.

Bodo Ramelow, der Ministerpräsident Thüringens, hat jüngst ein Zeichen politischer Größe gesetzt. Er hat öffentlich eingestanden, die Schwere der Situation unterschätzt zu haben.

Bitte revidieren Sie ihre Entscheidung und schließen Sie die niedersächsischen Schulen umgehend.