Öffnet sofort alle Schulen in Berlin!

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Bei 500 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Empfehlungen gelistet!
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Der Berliner Senat hat am 6. Januar 2021 angekündigt, die Schulen vom 11. Januar an schrittweise zu öffnen. Ein paar Tage später hat der Senat diese Entscheidung wieder zurückgenommen und die Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Weihnachtsferien um zwei weitere Wochen verschoben. Der Grund war nicht etwa eine neue wissenschaftliche Erkenntnis, evidenzbasierte Analyse bzw. Überlegung oder ein parlamentarisches Verfahren, sondern der öffentliche und politische Druck. Dabei konnten sich diejenigen durchsetzen, die meinen, dass der Schulbetrieb das Leben und die Gesundheit vieler Menschen (Lehrer, Schüler, deren Eltern sowie andere Angehörige) gefährdete.

Nun ist aber das Risiko für die meisten Lehrer, Schüler, deren Eltern und Angehörige äußerst gering, an Corona zu sterben:

- Die meisten (87 %) Corona-Toten in Deutschland (Stand 8. Dezember 2020) waren im Alter +70. Der Anteil der Todesfälle in der Altersspanne von 0 bis 49 Jahren betrug lediglich 1,2 Prozent - wobei diese Zahl deutlich niedriger sein dürfte, wenn man die Dunkelziffer feststellen und berücksichtigen würde. Bei Kindern und Jugendlichen war der Anteil der Todesfälle sogar deutlich unter einem Prozent. Bis zum 8. Dezember 2020 sind in Deutschland insgesamt 10 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren an Corona gestorben.

- Mehr als jede zweite Corona-Tote in Berlin im November war Pflegeheim-Bewohner.

- Für Kinder und Jugendliche ist beispielsweise die Wahrscheinlichkeit höher, bei einem Unfall (v.a. im Haushalt, aber auch im Straßenverkehr oder auf dem Spielplatz) zu versterben, als an Corona. 2017 sind 139 Kinder unter 15 Jahren nach einem Unfall verstorben.

Wenn man also das Leben der Menschen schützen möchte, sollte man geeignete Maßnahmen für die Risikogruppen erarbeiten. Vertritt man dabei die Meinung, dass dies nur durch Einschränkung des Lebens anderer Menschen zu erreichen ist, sollte man nicht vergessen, dass nach der durch Deutschland unterzeichneten UN-Kinderrechtskonvention die Rechte, Bedürfnisse und Anliegen von Kindern vorrangig zu beachten sind. Das heißt beispielsweise: Solange nicht alle, die es könnten, im Home-Office arbeiten müssen, und solange Profi-Sport (wie Bundesliga) stattfinden darf, ist die Schulschließung nicht das Mittel der Wahl. Die Schulschließung dürfte nur dann zur Debatte stehen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft wurden. Dazu gehört übrigens auch, dass die impfwilligen Lehrer und Erzieher vorrangig die Möglichkeit erhalten, sich ab sofort gegen Corona impfen zu lassen.

Obwohl das oft so dargestellt wird, ist es nicht die einhellige Einschätzung der Virologie, dass Kinder, insbesondere im Grundschulalter, das Corona-Virus verbreiten: Der Chefvirologe der Uniklinik Essen, Professor Ulf Dittmer, ist der Meinung, dass Kinder das Corona-Virus kaum verbreiten. Gefährdet seien sie trotzdem, insbesondere die Kinder aus sozial schwachen Familien: "Allerdings nicht wegen der besonderen Gefahr, die von der mutierten Virusvariante aus England ausgehen könnte. Vielmehr würden diese Kinder in der Corona-Pandemie unter dem Lockdown und den geschlossenen Schulen und Kitas leiden."

Das ursprüngliche, nachvollziehbare Ziel aller Bemühungen zur Pandemie-Bekämpfung war es und sollte es bleiben, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden. Solange jedoch Krankenhäuser während der Pandemie ihre Intensivbetten noch abbauen können, und die Notfallreserve bisher nicht aktiviert werden musste, sind wir weit von einer Überlastung des Gesundheitswesens in Deutschland entfernt (siehe die Daten des Intensivregisters für Deutschland und Berlin unter diesem Link - deutlicher Rückgang der Intensivbetten ab August und noch einmal stärker ab Oktober sind zu verzeichnen). Den Pflegenotstand gab es dabei schon lange vor der Pandemie, dagegen hätte die Politik sehr viel unternehmen können und hat bisher zu wenig unternommen. Spätestens und vorrangig jetzt wäre jedoch die Zeit zum Handeln - statt die Schulen zu schließen.

Abgesehen davon ist es nicht belegt, dass Schließungen und sonstige Lockdown-Maßnahmen die Infektions- und Todeszahlen senken bzw. für diesen Zweck überhaupt unverzichtbar sind. Im Gegenteil: Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Univ. München haben in ihrer am 11. Dezember 2020 veröffentlichten Analyse keinen deutlichen Rückgang der Ansteckungem nach dem Inkrafttreten des "Lockdown Light" ab November festgestellt: "Seit der 3. Oktoberwoche gibt es insgesamt einen stabilen Verlauf. (....) Ein deutlicher Rückgang der Zahlen im November ist in keiner der untersuchten räumlichen Ebenen zu erkennen." Auch ein kurzzeitig harter Lockdown scheint keine geeignete Strategie, um die Pandemie nachhaltig einzudämmen und die Verbreitung des Virus zum Stillstand zu bringen, wie der Fall Irland zeigt: Nach einem harten November-Lockdown klettert seit Ende Dezember die Zahl der täglich gemeldeten Ansteckungsfälle von einem Negativrekord zum nächsten. Die WHO hat selber im August die Einschätzung geäußert, dass Europa inzwischen in der Lage sei, die steigenden Corona-Infektionszahlen auch ohne massive Einschnitte für Wirtschaft und Gesellschaft in den Griff zu bekommen.

Kinder haben ein Recht auf Bildung. Sie haben ein Recht auf soziale Kontakte und Interaktionen in der Schule. Wer ihnen diese Rechte entzieht, sollte die Verhältnismäßigkeit nachvollziehbar und evidenzbasiert begründen. Bisher sind die Politik und die Befürworter der Schulschließungen diese Rechtfertigung schuldig geblieben. Daher ist diese Maßnahme nicht hinnehmbar. Die Schulen sollen ab sofort wieder im vollen und gewohnten Umfang in Betrieb genommen werden.

Die Gesellschaft als Ganzes untergräbt ihre Entwicklungschancen mit jedem Tag, an dem der Schulunterricht nicht stattfindet. Denn die Zukunft dieses Landes und die Qualität unseres Lebens hängen maßgeblich davon ab, ob und wie wir gegenwärtig in der Lage sind, unseren Nachwuchs zum selbstständigen Leben zu befähigen - ein Arzt oder Ingenieur zu werden, unsere Pflegekraft auf der Intensivstation oder im Pflegeheim, unsere intellektuelle Elite. Die Bildung ist somit ein unverzichtbares Gut der ganzen Gesellschaft.

Ich fordere den Berliner Senat deshalb auf, zu einer Politik zurückzukehren, die das Kindes- und Jugendwohl zur höchsten Priorität hat. Herr Müller und Frau Scheeres:

- Öffnen Sie die Schulen, zumindest solange andere Mittel zu Pandemiebekämpung noch nicht ausgeschöpft wurden, wie z.B. eine Pflicht zum Home-Office, massive Erhöhung der Gehälter im Pflegebereich, eine kurzfristige Umschulung der Pfleger für die Arbeit auf den Intensivstationen, Beseitigung von Fehlanreizen in der Finanzierung der Krankenhäuser (Fallpauschalsystem). Viele Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung waren in den letzten Monaten in kurzfristigen Verfahren per Verordnung umsetzbar, die Einführung von neuen Maßnahmen dürfte also schnell und unproblematisch sein.

- Erkennen Sie an, dass sich der reguläre Schulstoff nur unter den Bedingungen eines normalen Schulbetriebs vermitteln lässt, insbesondere angesichts der versäumten Digitalisierung des Unterrichts.

- Erkennen Sie an, dass Bildungsgerechtigkeit unter Bedingungen der Pandemie nicht nur möglich, sondern auch absolut notwendig ist.

Herr Müller und Frau Scheeres: Nehmen Sie Ihre dem Kindes- und Jugendwohl schadende Entscheidung über die erneute Verschiebung der Wiederaufnahme des Schulbetriebs nach den Weihnachtsferien zurück und ermöglichen Sie den Kindern und Jugendlichen einen uneingeschränkten Schulbesuch!

(Bild: algri)

 

 

 

 

 

 

 



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