Menschenrechtspreis für den Retter der Manuskripte aus Timbuktu, Abdel Kader Haïdara

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Dr. Abdel Kader Haïdara wurde 1964 in Timbuktu/Mali als Sohn des Kadis, Islamgelehrten und Büchersammlers Mamma Haïdara (ca. 1895-1981) geboren und wuchs mit den bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Manuskriptschätzen seines Vaters auf, die er bei dessen Tod 1981 erbte. Er entwickelte sich selber zu einem kompetenten Islam- und Bibliothekswissenschaftler. Für „Erhaltung und Auswertung der Manuskripte zum Schutz der islamischen Kultur“ gründete er 1996 in Timbuktu die Nichtregierungsorganisation SAVAMA-DCI („sauvegarde et la valorisation des manuscrits pour la défense de la culture islamique“) und 1999 die erste öffentliche Bibliothek in Timbuktu, die er in Erinnerung an seinen Vater „Bibliothèque commémorative Mamma Haidara“ nannte, und die er in vier Bänden katalogisierte.


Drohende Vernichtung der Bibliotheken Timbuktus

Nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes im Oktober 2011 waren hunderte malischer Tuaregs, die in der lybischen Armee als Söldner gedient hatten, schwerbewaffnet in den Norden Malis zurückgekehrt. Dort verbündeten sie sich mit Rebellen, die seit Beginn der Unabhängigkeit Malis 1960 immer wieder versucht hatten, einen autonomen Tuaregstaat zu erzwingen. Mit Hilfe der Terroristengruppe „al-Qaida im islamischen Maghreb“ und zusätzlich begünstigt von einem Putsch gegen die malische Regierung in Bamako am 22. März 2012 konnten sie den gesamten malischen Norden besetzen. Die salafistischen Gruppen nutzten dies, die dortige Bevölkerung mit ihrer radikalen Schariajustiz zu terrorisieren. Spätestens die Zerstörung von neun zum Weltkulturerbe zählenden Mausoleen und der Tür der Sidi-Yahia-Moschee in Timbuktu 2012 machte deutlich, daß auch den rund 80 dortigen Bibliotheken mit hunderttausenden von bis ins 12. Jahrhundert zurückreichenden Handschriften die Verwüstung drohte. Dies bewahrheitete sich, als die islamistischen Fanatiker bei der Flucht vor der französischen Armee am 28. Januar 2013 noch 4.200 der insgesamt ca. 30.000 Manuskripte des Ahmed-Baba-Instituts verbrannten.

Rettung der Manuskripte aus Timbuktu vor der Zerstörung

Dr. Abdel Kader Haïdara und vielen Helfern unter seiner Leitung ist es zu verdanken, daß in einer neunmonatigen gefährlichen Geheimaktion ca. 95 % der Bibliotheksbestände, insgesamt 377.491 Manuskripte aus etwa 45 Bibliotheken Timbuktus, in die malische Hauptstadt Bamako transportiert und so vor dem dschihadistischen Autodafé gerettet werden konnten. Um keinen Verdacht zu erregen, wurden dabei immer nur jeweils zwei bis vier Blechkoffer mit Manuskripten aus Timbuktu herausgeschmuggelt. Welcher Gefahr Haïdaras Helfer während dieser Transporte ausgesetzt waren, wird daran deutlich, daß der 25jährige Neffe Haïdaras und Bibliotheksmitarbeiter Mohammed Touré eines Nachts mit einem Koffer voller Manuskripte von Oumar Ould Hamaha (1963-2014), einem der fanatischsten Anführer der Terroristen in Nordmali, angehalten und beschuldigt wurde, sie gestohlen zu haben. Nach fundamentalistischer Schariaauslegung drohte Touré für Diebstahl die Amputation einer Hand und eines Fußes. Nur weil Haïdara von Bamako aus telephonisch Imame, Bibliothekare und Sprecher der verschiedenen Stadtviertel Timbuktus mobilisieren konnte und diese mit Dokumenten beweisen konnten, daß Touré rechtmäßiger Eigentümer der Manuskripte war, wurde er nach 24stündiger Haft wieder freigelassen.
Zur Vorbereitung der aufwendigen, komplizierten und heimlich durchzuführenden Evakuierung hatte Haïdara zunächst Geld auftreiben müssen, um Metallkoffer und Mobiltelefone kaufen, Fahrzeuge mieten, die Bestechung unterwegs und in Bamako kontrollierender Gendarmen und Polizisten ermöglichen, in Bamako Häuser anmieten und mit Luftentfeuchtern und Klimaanlagen zur Lagerung der empfindlichen, vielfach von Insekten und Staub geschädigten Manuskripte ausstatten sowie auch deren Konservierung, Restaurierung, Digitalisierung und Erschließung finanzieren zu können.

Die Verleihung des Internationalen Menschrechtspreises 2019 an Herrn Haïdara – auch stellvertretend für seine zahlreichen mutigen Helfer und Mitarbeiter – würde seinen heroischen Einsatz für den Erhalt des schriftlichen Weltkulturerbes in Afrika, für dessen wissenschaftliche Erschließung und für die Verbreitung der Kenntnis dieses Erbes gebührend würdigen und dazu beitragen, stereotype Vorstellungen von Afrika als eines unterentwickelten Kontinents zu überwinden.

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