Öffnen Sie die Mutter-Kind-Kuren!

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Sehr geehrte Frau Huml,

als bayerische Gesundheitsministerin sind Sie in der Eindämmung der Corona-Pandemie gerade gefordert wie nie. Dennoch umfasst ihr Aufgabenfeld auch in diesen Zeiten noch andere Bereiche, vor allem die, die im besonderen Maße durch die Eindämmungsmaßnahmen negativ getroffen wurden.

Gerade junge Familien waren es, die die Hauptlast des Lockdowns getragen haben. Während für viele die Arbeit im Homeoffice weitergehen musste, fielen auf einen Schlag alle Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder aus. Alle Kinder mussten zudem in Isolation gehalten werden. Treffen mit Freunden, Betreuungshilfe durch die Großeltern, all das war plötzlich nicht mehr möglich. Überschattet war die Zeit darüber hinaus in vielen Familien von der große Sorge, wie es nach dem Lockdown beruflich weitergehen soll.

All diese Ursachen führten dazu, dass Jugendämter und Kinderhilfsorganisationen immer mehr Alarm schlagen, was verdeckte häusliche Gewalt und Missbrauch angeht.

Jedoch sind viele Probleme nicht neu entstanden, sie wurden nur durch die Maßnahmen verschärft. Schon vor Corona waren junge Familien und gerade Alleinerziehende sehr großen Belastungen ausgesetzt und wussten oft nicht, wie sie all die Anforderungen, die das Leben an sie stellt, meistern sollten.

Eine wichtige Säule, um diese Schwierigkeiten aufzufangen, sind deshalb Mutter/Väter-Kind Kuren.

Hier können belastete Eltern mit ihren Kindern ankommen, Ruhe finden und fernab des Alltagsstress ihr Leben neu sortieren. Die steigende Zahl der Kuranträge und die immer längeren Wartezeiten auf einen Kurplatz in den letzten Jahren sprechen für sich.

Im Zuge der ersten Maßnahmen der Pandemiebekämpfung wurden im März alle diese Kureinrichtungen bis Ende Mai geschlossen, um das Infektionsgeschehen zu verlangsamen und im Notfall Betten bereitzuhalten. Alle Einrichtungen sahen sich selbst in der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und standen hinter dem Beschluss.

Diese Woche traf uns jedoch ein herber Schlag: Per Allgemeinverfügung wurden alle Kurmaßnahmen weiterhin abgesagt bis zum 31. Juli. Diese Verfügung gilt absolut für alle Einrichtungen in Bayern. Anderen Bundesländern scheinen Kuren wichtiger zu sein, so kann der Kurbetrieb in Schleswig-Holstein bereits Anfang Juni wieder starten.

Die Möglichkeit, Hygienekonzepte oder Ähnliches zu erstellen, wurde uns gar nicht erst gegeben. Wie und ob es danach weitergeht, steht in den Sternen. In allen Einrichtungen laufen nun die Telefone heiß. Mütter rufen verzweifelt an und sehen für sich eine kleine Welt zusammenbrechen, da nach langer Zeit des „Durchhaltens“ die Hoffnung auf die lang ersehnte Insel der Ruhe wie eine Seifenblase zerplatzt. Auch können sie nicht verstehen, warum Wellnesshotels öffnen dürfen, Mutter-Kind-Kuren jedoch nicht.

Zwar wurden Mutter-Kind-Kuren in den Rettungsschirm aufgenommen wodurch das finanzielle Überleben der meisten Kliniken gesichert sein sollte, jedoch zeigt uns diese Maßnahme eines deutlich auf:

Unserer Arbeit wird von Ihnen nicht als wichtig oder gar systemrelevant gesehen!

Während es für fast alle anderen Bereiche Fahrpläne gibt, ihren Betrieb wieder aufzunehmen und während der ganze gesundheitliche Bereich langsam wieder hochgefahren wird, werden wir auf die lange Bank geschoben.

Zeigen Sie also, dass ihre Sorge um Familien kein leeres Gerede bleibt, sondern kommen Sie in die Tat und revidieren Sie den Beschluss, diese gerade jetzt wichtigen Maßnahmen bis zum St. Nimmerleinstag auszusetzen. Uns ist klar, das selbst beim besten Hygienekonzept ein kleines Restrisiko besteht. Das besteht aber auch in allen anderen Bereichen, die jetzt wieder zum Leben erwachen, sei es beim Frisör, im Fahrschulauto oder in der Gastronomie.

Zeigen Sie also, dass Ihnen junge Familien in besonders belasteten Umständen genauso wichtig sind wie fussballspielende Millionäre!