Makaton lernen ab Besuch des Kindergarten

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Guten Tag,

wenn man mich draußen sieht, ist klar: diese Frau ist blind. Stimmt fast. Ich habe noch einen kleinen Sehrest. Was keiner sieht, ist de Tatsache, dass es viele Situationen gibt, die für mich überlastend bzw. Überfordernd sind oder mir Angst machen. In diesen Situationen bin ich wortwörtlich „sprachlos“, d. h. ich kann nicht sprechen, meine Stimme gehorcht mir nicht mehr. – Trotzdem habe ich mein Abitur und bin berufstätig.

Was tun, wenn ich nicht sprechen kann? Kein Mensch hat die Zeit und Geduld, bis ich mühsam geschrieben habe, was ich sagen möchte.

Deutsche Gebärdensprache lernen? Ich habe sehr oft gehört, dass hierzu sehr viel Mimik benötigt wird. Diese habe ich nicht im ausreichenden Maße und kann sie schon gar nicht lesen!

Durch Zall bin ich auf Makaton gestoßen. Makaton ist eine Sprachunterstützung, sprachbegleitende Gebärdensprache. Die Makaton–Gebärden sind denen der Deutschen Gebärdensprache (DGS) entnommen und evtl. leicht vereinfacht. Im Gegensatz zur DGS, die als eigenständige Sprache mit eigener Grammatik gilt, folgt Makaton unserer Grammatik. Da die Gebärden normalerweise die Lautsprache unterstützen, ist keine Mimik erforderlich.

Abgesehen davon, dass ich Makaton selbst leicht lernen kann, profitieren auch andere von der Einführung von Makaton in den (Kindergarten bzw. Schüler–) Alltag.

Kinder mit Sprachproblemen, z. B. Down Syndrom, Autismus, „Sprachentwicklungsverzögerung“, aber auch Kinder mit Migationshintergrund und keinen oder kaum Deutschkenntnissen können mit Unterstützung von Makaton spielerisch (deutsch) sprechen lernen.

Durch das spielerische Lernen fällt das Sprechen mit und evtl. später ohne Makaton–Gebärden wesentlich leichter. Und die Chancen, dass die Gebärden langfristig im Gedächtnis bleiben, ist recht hoch. Zumal es sinnvoll und möglich ist, Makaton in der (Grund–)Schule fortzusetzen, da es neben den Makaton–Gebärden ach Symbole gibt, die das Lesen–lernen erleichtern ken.

Wenn zukünftige Generationen diese Sprache beherrschen, profitieren alle Menschen, die evtl. ohne unterstützte Kommunikation durch Makaton kaum oder nicht verständlich wären (hierzu können z. B. auch Schlaganfallpatienten mit „verwaschener Sprache“). Auch Menschen mit anderen sprachlichen Handicaps können so in unsere Gesellschaft integriert werden, egal wie hoch der IQ ist.

Ein weiterer Vorteil wäre, dass eine basale Kommunikation mit Gehörlosen ohne Dolmetscher möglich ist. Somit kann eine, wie ich finde, nicht in die Gesellschaft integrierte Gruppe in unsere Gesellschaft includiert werden.

Wer z. B. kurzzeitig nicht sprechen kann, hat für den Notfall immer noch seine Hände frei.

ich hoffe, dass mein Vorschlag zur Verbesserung der Kommunikation bzw. Kommunikationsförderung Ihre Zustimmung findet – und somit verschiedene Gruppen von Menschen miteinander interagieren können, egal, welcher Herkunft oder verbalen Ausdrucksmöglichkeiten.

Makaton soll Lautsprache fördern, nicht ersetzen! Und Menschen wie ich, die zeitweise nicht oder nicht deutlich sprechen können sowie andere Personengruppen profitieren mit.

Mit freundlichen Grüßen 

N. Reiche