Corona-Krise: Solidarische Umverteilung erzielter Mehrgewinne durch Lebensmittel&Drogerie

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Zusammenfassung:

  • Corona-Krise als Chance, um Solidarität unter Unternehmer*innen herzustellen. Wirtschaftliche Krisenbewältigungsstrategie durch soziale Verantwortung.
  • Exemplarisch: Einen Anteil der Mehrgewinne im stationären Lebensmitteleinzelhandel und Drogerie (Business-to-Consumer), die durch ein verändertes Kaufverhalten in der Zivilgesellschaft im Zusammenahng mit den politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus entstanden sind/entstehen, nutzen, um existentiell bedrohte Gastronomiebetriebe zu unterstützen.
    Solidaritätsbeiträge von Unternehmen in einem Fond sammeln und auf Basis von Umverteilungskriterien (u. a. Insolvenzgefahr) Geldbeiträge gerecht an Antragssteller*innen verteilen.
  • Für Details zu den Auswirkungen des veränderten Konsumverhaltens und einer Beispielrechnung (mit Quellen untermauert), laden wir Sie herzlich ein unseren Petitionstext zu lesen.
  • Wir freuen uns sehr über Unterstützer*innen

 

Sehr geehrte Entscheidungsträger*innen der größten Unternehmen in Deutschland im stationären Lebensmitteleinzelhandel und Drogerie,

wir richten unser Anliegen an Sie, die einen Jahresumsatz von mehr als 5 Milliarden Euro erzielen [1] (absteigend nach Umsatzvolumen gelistet):

  • Edeka-Gruppe (Edeka, Netto)
  • Rewe-Gruppe (Rewe, Penny)
  • Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
  • Aldi-Gruppe (Aldi Süd, Aldi Nord)
  • Metro-Gruppe (Real)
  • dm-Drogeriemarkt
  • Rossmann
  • Globus

Die Corona-Pandemie betrifft uns alle und ist in den vergangenen Wochen zu einem großen Teil unseres täglichen Lebens geworden. Die von Bund und Ländern erlassenen notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Krise beinhalten, dass wir zu Hause bleiben, wenn möglich von zu Hause arbeiten und soziale Kontakte reduzieren. Gastronomiebetriebe (Restaurants und Cafés) mussten flächendeckend schließen, dürfen vorerst keine Gäste mehr empfangen und das Geschäft durch Lieferungen und Außerhausgeschäft ist für viele unrentabel [2].

Diese Veränderungen in unserem Alltag verlangsamen die Verbreitung des Virus – was unerlässlich ist, um die Kapazitäten in den Krankenhäusern nicht zu überlasten –  aber hat auch einen deutlich sicht- und spürbaren Einfluss auf unser Konsum- sowie Einkaufsverhalten. Insgesamt ist die Nachfrage nach Produkten des täglichen Bedarfs (v. a. Lebensmittel und Getränke) stark gestiegen [3]. Dieser Bedarf wird vor allem durch Ihre und die Anstrengungen Ihrer Mitarbeiter/innen eindrucksvoll gedeckt. Für diese Leistung und die damit verbundene Sicherstellung der Versorgung in Deutschland sind wir sehr dankbar!

Wir laden Sie ein, soziale Verantwortung mit zu übernehmen.

Menschen gehen nicht mehr auswärts essen, sondern kochen daheim, sie arbeiten von zuhause und versorgen sich in ihrer Mittagspause selbst. Dementsprechend basiert ein erheblicher Anteil Ihres derzeitigen Umsatzgewinns auf der Substitution der Einnahmen, die sonst durch Gastronomiebetriebe erwirtschaftet worden wären [4]. Durch diese temporären Einschränkungen des Alltags und Schließung einer Vielzahl von Gastronomiebetrieben entsteht also ein erheblicher Mehrgewinn in Ihren Unternehmen. Sie sind wirtschaftliche Gewinner der Corona-Krise, erfahren zur Zeit Umsatzwachstumsraten, die so aus eigener Anstrengung nicht möglich gewesen wären. Eine solidarische Umverteilung Ihres erzielten Mehrgewinns an die betroffenen Unternehmer*innen in Gastronomiebetrieben, die sich aufgrund der Krise hoch verschulden oder sogar dauerhaft schließen müssen, ist der Beitrag den Sie leisten können.

Aus diesem Grund laden wir Sie - die 8 größten Unternehmen in Deutschland im Lebensmitteleinzelhandel und Drogerie - dazu ein 30% ihres Mehrreingewinns* zur Verfügung zu stellen. Konkret für den Zeitraum, seitdem das erste Bundesland im Rahmen der Bekämpfung der Corona-Virus-Ausbereitung restriktive Maßnahmen für Gastronomiebetriebe erlassen hat bis zur Aufhebung dieser Auflagen.

Was bedeutet dieser Mehrreingewinn in konkreten Zahlen? Ein Rechenbeispiel zur Veranschaulichung:

Die 8 größten Unternehmen in Lebensmitteleinzelhandel und Drogerie erwirtschafteten 2018 in einer Woche durchschnittlich ca. 4 Milliarden Euro Umsatz [1]. Durch die Auswirkungen der Corona-Krise hat der Lebensmitteleinzelhandel in den letzten Wochen 14% mehr Umsatz erzielt [3]. Dadurch entsteht pro Woche ein Umsatzplus von ca. 555 Millionen Euro über alle 8 Unternehmen hinweg. Nach Abzug aller fixen und variablen Kosten, erzielen die Unternehmen demnach ca. 28 Millionen Euro Mehrreingewinn in der Woche durch die Corona-Krise. Diese Summe entspricht einem Näherungswert bei einem durchschnittlichen Deckungsgrad II von 5% des Umsatzes [5]**.

Wenn 30% des Mehrreingewinns der 8 Unternehmen – anteilig nach Umsatzvolumen – zur Verfügung gestellt wird, kommen so über 8 Millionen Euro pro Woche zusammen.

Rechenweg:

    4,4 Milliarden €  Wochenumsatz durch Corona-Krise
-  3,9 Milliarden  €  Wochenumsatz ohne Corona-Krise
=  555 Millionen €  wöchentliches Umsatzplus durch Corona-Krise

28 Millionen       €   Mehrreingewinn/Woche nach Abzug von Kosten
* 0,3                        Anteil der zur Verfügung gestellt wird (30%)
= 8,3 Millionen  €  Umverteilungsbeitrag pro Woche

Hierbei handelt es sich um ein konservatives Rechenbeispiel zur Veranschaulichung. Die tatsächlichen Werte sind nur von den Unternehmen zu bestimmen und uns nicht bekannt.

Dieses Geld könnte den Besitzer*innen und Betreiber*innen von Gastronomie-unternehmen zur Verfügung gestellt werden, die durch die Corona-Krise in ihrer Existenz bedroht sind. Denn in dieser Krise geht es um so viel mehr als um den eigenen Profit: Es geht um den Erhalt der Diversität von Gastronomiebetrieben, die Existenz des familienbetriebenen Lieblingsrestaurants oder des kleinen Cafés bei dem man morgens seinen Kaffee auf dem Weg zur Arbeit kauft. Ein Anteil Ihres erzielten Mehrreingewinns wird durch Umverteilung den Erhalt der Lebensgrundlage vieler Menschen unterstützen.

Handeln Sie solidarisch. Um es mit den Worten unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sagen: „[…] seit dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung an unser Land mehr, bei der es so sehr auf unser gemeinsames solidarisches Handeln ankommt.“ [6].

Quellen:

[1] https://lebensmittelpraxis.de/top-30-unternehmen-im-leh.html
[2] https://www.tagesschau.de/inland/corona-lebensmittel-hamsterkauefe-101.html
[3] https://de.statista.com/infografik/21167/umsatzveraenderung-ausgewaehlter-lebensmittel-waehrend-des-coronavirus/
[4] https://www.handelsblatt.com/dpa/wirtschaft-handel-und-finanzen-virus-roundup-corona-krise-fuehrt-zu-starken-verschiebungen-im-lebensmittelmarkt/25666726.html?ticket=ST-1920888-epckEkDlpvKItwsypnYO-ap6 
[5] Schmidt, A. (2008). Kostenrechnung: Grundlagen der Vollkosten-, Deckungsbeitrags-und Plankostenrechnung sowie des Kostenmanagements. W. Kohlhammer Verlag.
[6] https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuelles/fernsehansprache-von-bundeskanzlerin-angela-merkel-1732134

*Mehrreingewinn definieren wir als Gewinn, der durch den erhöhten Bedarf der letzten Wochen zusätzlich zu dem Plangewinn generiert wurde, abzgl. durchschnittlicher Wachstumsraten und sämtlicher Kosten.
**Näherungswert für Deckungsgrad II bezieht sich auf Fallbeispiele und Übungen aus dem Lehrbuch von A. Schmidt (2008) [5].