Sostieni la campagna per l'uscita dell'Italia dalla NATO - per un’Italia neutrale.

Reasons for signing

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Katiuscia Marchetti
3 weeks ago
Perché sono una marxista leninista

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Irene Messina
3 weeks ago
No agli armamenti, no alle guerre no alla morte e distruzione.

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sabrina zocco
1 month ago
Non voglio essere complice dei crimini contro l'umanità pepetrati dal governo italiano filocapitalista e imperialista dentro l'organizzazione a delinquere di stampo criminale "NATO".

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Alessandro Ricci
Sep 11, 2021
Nato é il braccio armato degli stati uniti: il bullo del pianeta.
Non avremmo mai dovuto entrarci, ma di sicuro é ora di uscirne.

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Valentina Yan
Sep 9, 2021
Desidero vivere in un Paese che abbia la Pace e la Non-violenza come principi primi.

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Elisabetta Lago
Aug 27, 2021
Basta guerra.

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Anita Kanitz
Aug 27, 2021
"Wer die Unfähigkeit und Schwäche unserer Regierung, unserer westlichen Verbündeten bis jetzt noch nicht begriffen hat, begreift sie jetzt an der dramatischen Lage der Menschen in Afghanistan. Diese Unfähigkeit und Schwäche wird wieder einmal wie in vielen weltweiten Beispielen zu einer dauerhaften islamistischen Diktatur führen, mit verheerenden Folgen für die Menschen in diesem Lande, vor allem für die Frauen und Mädchen, Menschenrechtler, Frauen- und Mädchenrechtler, der humanitären und sozialen Nichtregierungsorganisationen. Es heißt für diese Menschen zurück ins Mittelalter und das ist alleine die Schuld des Westens. Mit Mördern und Islamisten kann man nicht verhandeln, das ist dem Dümmsten klar, aber nicht unserer Regierung und der sogenannten westlichen Welt, auch Großmächten wie der USA nicht. Diese Unfähigkeit und Schwäche wird zu einer unglaublichen Flüchtlingswelle führen, zu vielen Toten. Massakern, Hinrichtungen und Menschenrechtsverletzungen in diesem Land und zu vielen neuen Terroranschlägen. Denn die Taliban sind vernetzt, z.B. mit Islamisten aus Pakistan oder dem Iran, das ist schon lange bekannt. Zu sagen, Islamisten hätten sich geändert, d.h. sich von Schlafliedern aggressiver Hyänen tödlich einlullen zu lassen.
Auch der Regierungschef Ghani von Afghanistan hat sich diese Schwäche und Unfähigkeit des Westens zunutze gemacht und ist mit 144 Millionen Euro, die für den Aufbau des Landes gedacht waren, aus dem Land verschwunden.
Und inzwischen haben die Menschen in Afghanistan, vor allem die Frauen und Mädchen, die Wahl zwischen Pest und Cholera, denn auch ISIS hat sich im Land eingenistet und von diesen Dämonen können wir weiterhin Enthauptungen mit dem Schwert, das massenhafte Lebendigverbrennen in Käfigen, weit verbreitete Sexsklaverei, Steinigungen von Frauen, Mädchen und Homosexuellen sowie viele Sprengstoff- und Selbstmordattentate erwarten.
Sollte der Westen sich weiter so unfähig und schwach zeigen, wird ein Dritter Weltkrieg die Folge sein! Nach Afghanistan wird Gott nur noch zum Weinen kommen und die Mädchen und Frauen dort werden im Namen aller geschundenen Menschen von Afghanistan das verstümmelte Gesicht von Bibi Aisha tragen, einem minderjährigen zwangsverheirateten Mädchen, das von den Taliban 2010 schwer misshandelt und verstümmelt wurde, weil es seinem Elend weglaufen wollte. Dieses verstümmelte Gesicht wird nun Afghanistan durch die Schuld des Westens sehr lange Zeit tragen. Das zweite Gesicht Afghanistans wird das grausam entstellte blutüberströmte Gesicht von Mohammed Nadschibullah sein, dem letzten Präsidenten vor der Talibandiktatur vor 28 Jahren, der 1996 aus einem UN-Gebäude gezerrt wurde, nachdem er den Taliban drei Jahre lang standgehalten hatte und bestialisch gefoltert, verstümmelt, kastriert und zusammen mit vielen anderen, die in Kabul geblieben waren, um dem Volk beizustehen, blutüberströmt und geschändet neben seinem zu Tode gequälten Bruder aufgehängt wurde. Das ist das wahre Gesicht der Krieger Satans und wird uns für viele Jahre begleiten, auch das ist die Schuld des Westens."
Anita Kanitz

Setara Omed (40) ist Frauenaktivistin und lebt in Deutschland. Geboren wurde sie in Afghanistan. Als sie ein Kind war, ist ihre Familie mit ihr vor dem Krieg geflohen. Seit zwölf Jahren hilft sie Frauen in Afghanistan, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. In diesen Tagen erhält Setara erschütternde Hilferufe von den Frauen aus Kabul. Sie appelliert an die deutsche Regierung, die Frauen und Mädchen aus Afghanistan zu retten. Die Grausamkeiten der Taliban gegen sie haben bereits begonnen. Ihnen steht ein Genozid nach Geschlecht bevor.
Wie sieht es nun in Kabul aus?

" Ich höre Hilferufe von Frauen, die um ihr Leben fürchten! Meine Freundinnen aus Kabul gehen nur noch mit einem Messer raus, wenn sie überhaupt vor die Tür gehen. Sie sagen: ‚Bevor mich die Taliban holen, steche ich mir das Messer in den Hals‘. Die Frauen sind bereits von den Straßen verschwunden. Das sehen wir auf den aktuellen Bildern aus Kabul. Die Frauen verstecken sich in den Häusern. Sie haben panische Angst um ihr Leben und das Leben ihrer Töchter."
"Die Grausamkeiten haben längst angefangen. Die Taliban gehen von Haus zu Haus, verschleppen Mädchen. Sie sagen den Menschen, sie sollen rote Kreuze an die Häuser machen, wenn es Mädchen in den Familien gibt. Was machen diese Familien? Machen sie ein Kreuz, werden ihre Töchter verschleppt und ihnen drohen unvorstellbare Grausamkeiten. Machen die Familien kein Kreuz, kommen die Taliban erst recht in die Häuser und metzeln alle nieder. Die Töchter werden sterben, die Mütter sterben innerlich. Ich habe gerade Videos mit diesen Verschleppungen erhalten. Die Schreie der Mädchen und ihrer Mütter gehen mir nicht mehr aus dem Kopf."
"Sie wollen Menschen emotional brechen. Jeder Gedanke an Widerstand wird im Keim erstickt. Sie setzen damit deutliche Zeichen ihrer Herrschaft. Frauen sind für sie keine Menschen. Selbst Tiere haben einen höheren Stellenwert für sie, die haben noch einen Nutzwert. Aber der Westen versteht gar nichts."
"Zu welchen Grausamkeiten die Taliban fähig sind. Sie haben nur eine Woche gebraucht, um 20 Jahre Militärherrschaft in Luft aufzulösen. Sie haben im ganzen Land die Gefängnisse geöffnet und all ihre Komplizen freigelassen. Die sind zu allem bereit. Und dann liegen noch überall die Waffen der Amerikaner rum. Aber zuerst machen sie ihren Landsleuten klar, was Sache ist, und das machen sie mit dem Terror gegen die Frauen. Dort beginnt ein Völkermord nach Geschlecht."
"Die Taliban werden sich niemals ändern. Das erste, was ich als kleines Mädchen in Kabul gelernt habe, war, gebückt zu gehen und den Blick zu senken. Wer das nicht macht, wird ausgepeitscht. Die jungen Mädchen, die sieben oder acht Jahre alt sind und die Schreckensherrschaft nicht kennen, haben gelernt, aufrecht durchs Leben zu gehen. Und jetzt…"
"Männer haben eine Chance. Frauen nicht. Die jungen Mädchen, Witwen, Frauen, die sich nicht umgehend den Regeln der Scharia unterwerfen, sie alle werden grausam sterben. Es geht gerade ums nackte Überleben. Ich flehe die Bundesregierung an: Holen Sie die Frauen und Mädchen, holen sie Mütter und ihre Kinder, auch die Jungen! Die Weltgemeinschaft darf nicht wegschauen! In Afghanistan passiert ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit!."
Setara Omed, Frauenaktivistin

„Das Scheitern der deutschen Afghanistan-Politik ist nunmehr mit Händen zu greifen. Die Bundesregierung muss wie andere Länder umgehend das diplomatische Personal in Sicherheit bringen. Es ist zynisch, wenn jetzt ausgerechnet US-Präsident Joe Biden die afghanische Armee zum Kampf gegen die Taliban aufruft, während die islamistische Terrorgruppe bei ihrer Militäroffensive gleichzeitig vom US-Partner Pakistan massiv unterstützt wird", erklärt Sevim Dagdelen, Obfrau der Fraktion DIE LINKE im Auswärtigen Ausschuss, anlässlich der heutigen Kapitulation der afghanischen Sicherheitskräfte am Flughafen in Kundus und des raschen Vorrückens der Taliban auf Mazar-i-Sharif im Norden Afghanistans. Dagdelen weiter:
„Die USA und die NATO hinterlassen nach 20 Jahren Krieg in Afghanistan ein einziges großes Chaos. Es scheint nur noch eine Frage weniger Wochen und Monate, bis auch die Hauptstadt Kabul fällt. Die raschen militärischen Erfolge der islamistischen Taliban offenbaren das totale Scheitern der Bundeswehr und der NATO bei der Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte. Es ist ein schlimmes Zeugnis für die verantwortungslose Ausrüstungsstrategie der Bundesregierung, dass jetzt mit der Kapitulation der afghanischen Sicherheitskräfte in großen Teilen des Landes den Taliban auch noch zahlreiche deutsche Waffen in die Hände fallen."
Sevim Dagdelen, DIE LINKE im Bundestag

„Die Übernahme Afghanistans durch die Taliban nach 20 Jahren NATO-Krieg und die Bilder aus Kabul zeigen auf dramatische Weise das Scheitern der westlichen Interventionspolitik unter US-Führung. Die Logik von Krieg und Regime-Change ist krachend gescheitert. Die politisch Verantwortlichen für das Kriegsdesaster sollten Verantwortung übernehmen und sich nicht davonstehlen können", erklärt Sevim Dagdelen, Obfrau der Fraktion DIE LINKE im Auswärtigen Ausschuss. Dagdelen weiter:
"Die Bundesregierung hat in der Afghanistan-Krise komplett versagt und in Verkennung der realen Lage offensichtlich keinerlei Notfallpläne für Evakuierungen gemacht. DIE LINKE hat zuletzt im Juni vergeblich in einem Antrag die dringende Evakuierung der Ortskräfte gefordert. Es ist eine Schande, dass nach wochenlanger Untätigkeit und Blockade jetzt tausende Helferinnen und Helfer in dem von den Taliban kontrollierten Afghanistan im Stich gelassen werden und um ihr Leben bangen müssen.

"Nicht der militärische Abzug aus Afghanistan war falsch, sondern der Krieg, in dem zehntausende Afghanen und auch tausende Soldaten aus den NATO-Staaten sinnlos gestorben sind, darunter 59 aus Deutschland. Der Afghanistan-Einsatz zeigt nachdrücklich: Demokratie und Freiheit können nicht mit Panzern und Bomben oktroyiert werden. Nach der Kapitulation der von der NATO ausgebildeten und aufgerüsteten afghanischen Armee und Flucht der vom Westen unterstützten afghanischen Regierung ins Ausland ist die islamistische Terrorgruppe der Taliban eine hochgerüstete Streitmacht mit modernstem Kriegsgerät."
Pressemitteilung von Sevim Dagdelen, DIE LINKE

„Die Bilder vom raschen Vorrücken der islamistischen Taliban belegen nachdrücklich das klägliche Scheitern der Bundeswehr-Intervention im 20 Jahre dauernden NATO-Krieg in Afghanistan. Die einzig sinnvolle Konsequenz ist die Beendigung aller Auslandseinsätze der Bundeswehr, allen voran in Mali. Wer dagegen jetzt nach einer erneuten Entsendung deutscher Soldaten an den Hindukusch ruft, handelt in hohem Maße verantwortungslos“, erklärt Sevim Dagdelen, Obfrau der Fraktion DIE LINKE im Auswärtigen Ausschuss. Dagdelen weiter:

„Der Krieg in Afghanistan war von Anfang an falsch. Nicht der späte Abzug der Bundeswehr und der anderen NATO-Truppen, sondern der US-geführte Krieg in Afghanistan, in dem zehntausende afghanische Zivilisten und auch 59 Bundeswehrsoldaten sinnlos gestorben sind, war abenteuerlich und verbrecherisch. Nicht zu vergessen, dass die westlichen Kriegsverbrechen ungesühnt bleiben.

Statt jetzt auch noch mit der islamistischen Terrortruppe der Taliban über die Sicherheit der ehemaligen Ortskräfte zu verhandeln, bedarf es ihrer raschen Evakuierung mitsamt der Angehörigen. Es ist absehbar, dass hierfür nur noch wenig Zeit bleibt, da der Vormarsch der Taliban jetzt auch die größeren Städte erreicht und diese von Pakistan, einem Empfängerland deutscher Waffen, unterstützt werden.

Der sogenannte Krieg gegen den Terror hat zur Stärkung islamistischer Terrorgruppen geführt. Das deutsche ,State Building' in Afghanistan ist nicht nur krachend gescheitert. Der weitere Vormarsch der Taliban wird nach der Eroberung von Kundus und weiter Teile des afghanischen Nordens jetzt ausgerechnet noch mit militärischer Ausrüstung aus Deutschland möglich gemacht, die für die afghanische Polizei und Armee bestimmt war."
Pressemitteilung von Sevim Dagdelen, DIE LINKE

"Die Nachrichten aus Afghanistan sind erschütternd. Wo bleibt der Plan der Bundesregierung? Mehr Menschen werden aus Afghanistan flüchten. UNHCR und Nachbarländer brauchen deshalb unsere Unterstützung. Es ist Zeit für einen Gipfel aller Länder, die am Einsatz beteiligt waren."
"In Afghanistan werden Frauenrechte, Pressefreiheit und Bildungschancen zerstört. Fluchtbewegungen sind zu erwarten. Die Bundesregierung sollte einen Sondergipfel der EU vorschlagen... Es muss jetzt so schnell wie möglich Hilfe organisiert werden."
„Der Fall Afghanistan zeigt erneut, dass Deutschland und der Westen ihre Rolle in einer veränderten globalen Macht- und Sicherheitsarchitektur noch nicht eingenommen und auch noch nicht gefunden haben.“
Christian Lindner, FDP-Fraktionschef

Weiter: Christian Lindner fordert Aufklärung, warum die Bundesregierung erst so spät mit der Evakuierung aus Afghanistan begonnen hat.
Erschütternde Bilder aus Afghanistan: Wenige Wochen nach dem Abzug der Bundeswehr haben die Taliban das Land unter ihre Kontrolle gebracht. Tausende Menschen versuchen aus dem Land zu fliehen, suchen Schutz. In einem dringenden Appell fordert die FDP die Bundesregierung auf, schnellstmöglich alle deutschen Staatsangehörigen sowie die afghanischen Ortskräfte in Sicherheit zu bringen. „Die Bundesregierung trägt die Verantwortung für die Evakuierung sowie für die möglichen Verzögerungen und die sich daraus ergebenden Gefahren für das Leben deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger“, so FDP-Chef Christian Lindner.

Warum die Bundesregierung erst so spät mit der Evakuierung begonnen habe, dazu gebe es viele Fragen. „Diese müssen jetzt umfassend beantwortet werden“, mahnt Lindner. Es sei zu befürchten, dass durch das verspätete Handeln der Bundesregierung nicht alle afghanischen Ortskräfte ausgeflogen werden könnten. Dies gelte vor allem für diejenigen aus den ehemaligen Bundeswehrstandorten, die durch den Vormarsch der Taliban keine Möglichkeit mehr hätten, Kabul noch rechtzeitig zu erreichen. „Das muss ausgewertet werden“, fordert Lindner.
FDP verlangt Aufklärung

„Die Staats- und Regierungschefs der EU müssen deshalb ihre finanziellen Zusagen für das UNHCR erhöhen und gleichzeitig bei den internationalen Partnern für eine neue Geberrunde werben. Hierbei sollten wir insbesondere die USA in die Pflicht nehmen.“
„Es ist beschämend, dass die Bundesregierung ganz offensichtlich unfähig war, den afghanischen Ortskräften beispielsweise in Mazar-i-Sharif und deren Angehörigen eine rechtzeitige Ausreise zu ermöglichen. Bundesaußenminister Heiko Maas, Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesinnenminister Horst Seehoferhaben haben da auf ganzer Linie versagt."
„Deutschland sollte die Initiative für eine internationale Konferenz ergreifen, die all jene Menschen aus Afghanistan umsiedelt, die aus Afghanistan geflohen und unter den Taliban besonders gefährdet sind. Daran sollten sich alle Länder beteiligen, die am Hindukusch militärisch engagiert waren.“
"Es zeigt sich jetzt, wie wichtig es ist, eine Strategie zu haben, denn jetzt wirkt die Bundesregierung geradezu planlos. Es ist deshalb umso wichtiger, aus Afghanistan zu lernen und bereits heute mit den Planungen für die Evaluierung unseres Engagements in Mali zu beginnen: Setzen wir uns realistische politische Ziele? Wie verhalten sich die politischen Ziele zum militärischen Auftrag?“
Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Außenpolitiker und stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion

Weiter:Kritik an Afghanistan-Evakuierung: "Regierung gibt kein gutes Bild ab"

Die Taliban haben Kabul eingenommen, die Bundeswehr soll Deutsche aus Afghanistan zurück bringen. Der FDP-Außenpolitikexperte Alexander Graf Lambsdorff spricht von einer sehr gefährlichen Situation und kritisiert eine mangelnde Vorbereitung durch die Bundesregierung.

An der Evakuierungsaktion der Bundesregierung in Afghanistan gibt es massive Kritik aus der Opposition. FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff sagte, die Bundesregierung habe zu spät mit den Vorbereitungen begonnen. Damit riskiere sie Menschenleben.

Einsatz in letzter Minute:
In der letzten Minute müssten Bundeswehrsoldaten auf den Flughafen in Kabul einfliegen - trotz chaotischer Zustände. Er hoffe, dass dass es gelingen werde so schnell wie möglich Landleute und afghanische Ortskräfte außer Landes zu bringen, so Graf Lambsdorff.

"Kein gutes Bild der Bundesregierung"

"Die Bundesregierung gibt hier leider wirklich gar kein gutes Bild ab", sagte der FDP-Politiker. Er sei froh, dass die USA bereits 40 Angehörige der deutschen Botschaft evakuieren konnten. Lambsdorff machte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mitverantwortlich für "dieses Desaster". "Das Innenministerium hat ja dafür gesorgt, dass es nicht gelungen ist, in der Bundesregierung rechtzeitig eine Exit-Strategie, einen Evakuierungsplan, einen Plan für die Aufnahme der Ortskräfte zu entwickeln."

Die Taliban kontrollieren inzwischen auch die afghanische Hauptstadt Kabul. Am späten Sonntagabend drangen die radikal-islamischen Kämpfer in den Präsidentenpalast ein. Präsident Aschraf Ghani war nur Stunden zuvor ins Ausland geflüchtet.

Der Westen hinterlässt verbrannte Erde. Wieder einmal. Und die Islamisten übernehmen die Macht. Was können wir tun? Alice Schwarzer fordert: Jetzt nur Frauen als Flüchtlinge in Deutschland aufnehmen!
"Afghanistan ist wieder in der Faust der Taliban. Nach dem überstürzten Abzug der Amerikaner und der Deutschen aus Afghanistan haben die Taliban das Land im Handstreich zurückerobert. Die angeblich 300.000 vom Westen ausgebildeten Soldaten der Ex-Regierung sind in Scharen zu den anfangs 75.000 Taliban übergelaufen. Weil sie sympathisieren; weil ihnen der örtliche Warlord immer schon näher war als der ferne Präsident; weil es ihnen als Söldner egal ist, wessen Brot sie essen; oder weil sie ganz einfach Angst hatten.

Damit erleidet Afghanistan zwanzig Jahre später das Schicksal des Irak. In beiden Ländern wurden die gleichen Fehler begangen – oder sollte man sagen, wurden die Menschen Opfer des westlichen Hochmuts? Die Einheimischen wie die fremden Soldaten. Den Irak besetzte der Westen 2003 unter dem Vorwand einer von Anbeginn an durchsichtigen Lüge: Saddam Hussein horte Massenvernichtungswaffen. In Afghanistan lautete der Vorwand, man wolle die Menschenrechte und vor allem die Frauenrechte schützen (O-Ton Hillary Clinton).
Die wahren Motive für die Besetzung: geopolitische Erwägungen des Westens!
In beiden Fällen waren die wahren Motive Eigeninteressen: geopolitische Erwägung (die Nähe zu Russland und China) oder materielle Interessen (Öl). Und in beiden Fällen versuchte der Westen, seine Auffassung von Demokratie überzustülpen – was in dem nach Stämmen organisierten Afghanistan absurd ist.
Alle, die nicht auf den Knien liegen, Frauen wie Männer, werden jetzt ihr Leben oder zumindest ihre Freiheit verlieren. Als erstes aber werden die Frauen und Mädchen aus der Öffentlichkeit verjagt; von den Schulen und Universitäten, aus den Büros und von der Straße. Aus Kabul ist zu hören, dass die Burkas ausverkauft sind.
Das verbrannte Land, das der Westen hinterlässt, ist – ganz wie in Irak oder Libyen – jetzt Islamisten-Land.
Die fatale weltweite Interventionspolitik des selbstgerechten Westens ist endgültig gescheitert. Auch die tausende von getöteten oder traumatisierten Soldatinnen und Soldaten, die wir an den Hindukusch geschickt haben, um „Deutschland zu verteidigen“, waren umsonst. Das ist bitter, sehr bitter.

Jetzt nur Frauen und Kinder aus Afghanistan aufnehmen! Denn die sind in höchster Not

Die Nachbarländer, wie Tadschikistan, haben schon aufgerüstet. Denn auch sie sind in Gefahr. Und die Großmächte Russland und China versuchen gerade, sich mit den Taliban zu arrangieren. Der Westen ist raus.

Afghanische Terroristen werden sehr bald auch bei uns sein. Sie werden sich, gezielter denn je zuvor, unter die zu erwartenden Flüchtenden mischen. Ein Grund mehr, jetzt nur Frauen und Kinder aus Afghanistan aufzunehmen! Da Deutschland eh nicht allen Menschen aus der nächsten Flüchtlingswelle Schutz geben kann, sollte es sich auf die Afghaninnen beschränken. Denn die sind in der höchsten Not.
Das könnte nicht die Ehefrau auf dem Land retten, die ohne männliche Begleitung schon gar nicht mehr das Haus verlassen darf. Aber es könnte den vielen Frauen nutzen, die sich in den Städten an die Öffentlichkeit gewagt haben. Die Lehrerinnen, Journalistinnen, Politikerinnen und Frauenrechtlerinnen; kurzum alle, die sich, ermutigt vom Westen, emanzipiert haben. Ihnen müsste ein Weg angeboten werden, zu uns zu kommen – und vielleicht eines Tages sogar zurückkehren zu können."
ALICE SCHWARZER, Herausgeberin der EMMA

Rettet Richterin Shalima!

Sie kauert in einem Keller in Kabul, 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Und sie wartet. Auf uns - oder auf die Taliban. Shalima war Richterin am afghanischen Supreme Court - auf sie zielt der besondere Hass der neuen Herrscher.

"Shalima ist eine mutige Frau, aber was bedeutet das in diesen Tagen? Vor zwei Wochen wurde ihre beste Freundin, die als Kanzleikraft an ihrem Gericht arbeitete, tot aufgefunden.

Shalima ist 42 Jahre alt und Richterin am Supreme Court in Kabul. Seit Tagen lebt sie in einem Keller irgendwo in der molochartig gewachsenen Hauptstadt des Landes, in einem aufgelassenen Lager, das schon lange niemand mehr benutzt hat. Ein blasses, müdes Gesicht erscheint auf dem Handy. Unter den Augen tiefe Schatten. Im Hintergrund Stellagen mit Dingen, die man im Alltag braucht. Überall Tücher, Decken, Polster. Ein junges Mädchen huscht durch das Bild wie ein Geist, das Gesicht abgewandt - die kleine Schwester, die an der Universität von Kabul studiert hat. Eine andere Frau faltet die Decken der vergangenen Nacht. Sie ist Ärztin. Die dritte Schwester hat bis vor wenigen Tagen noch an einer Schule unterrichtet. Der einzige Mann in diesem Versteck, ihr Bruder, ist halb blind. Er verlor 2009 bei einem Anschlag der Taliban ein Auge und seine Zuversicht.

Der Vater der Familie, einst eine anerkannte Autorität im afghanischen Justizministerium, war damals im Fonds seines Dienstwagens mit vier Schüssen exekutiert worden. Die Mutter, die Dame des Hauses, gebildet, eine Frauenrechtlerin, war mit Leidenschaft Lehrerin gewesen. Sie ist heute eine gebrechliche Greisin, 81 Jahre alt. Mit der Geschichte und dem Wissen dieser Familie könnte ein Staatswesen gebaut werden. Aber das ist gerade wie ein Kartenhaus zusammengefallen.

„Ich habe Angst. Ich kann nicht schlafen. Ich vermisse - alles“, sagt die Richterin. Ihre Stimme klingt müde und monoton. Das Reden fällt ihr schwer.

Die Frauen haben einen Plan. Sie werden im Keller einen Schlupfwinkel mauern oder einen Holzverschlag bauen, in den sie hineinkriechen können, wenn es draußen laut wird.

Alle Richterinnen sind versteckt.
Sie kommunizieren über WhatsApp.

Die verlassenen Räume hat lang keiner mehr betreten. Kommt jemand, bedeutet das nichts Gutes. Ihre Zuflucht wirke von außen wie ein Abbruchgebäude, sagt Shalima. Irgendwann werden die Lebensmittel ausgehen und früher schon wird das Handy-Guthaben aufgebraucht sein. Dann wird sich die Mutter allein auf die Straße wagen, weil eine alte Frau, die schwer geht, nicht auffällt. Und sie werden beten, dass niemand der alten Frau folgt. Und sie werden erst wieder aus ihrem geheimsten Versteck hervorkommen, wenn die Mutter nach der Rückkehr ein Zeichen gibt, dass keine Gefahr droht. Größere Pläne gibt es nicht. Alles darüber hinaus sind Träume. Albträume.

Frauen des öffentlichen Lebens sind in Afghanistan in diesen Tagen in Lebensgefahr. Auf Richterinnen zielt der besondere Hass der neuen Herrscher. Dafür gibt es Hinweise.

Im Januar 2021 waren zwei Richterinnen, Kolleginnen von Shalima, in Kabul auf offener Straße erschossen worden.

Von Anfang Februar 2021 datiert ein Schreiben aus dem Gerichtstand Herat: eine Gruppe des Islamischen Staats (IS) plane, dreißig Richterinnen in Kabul, sechs in Herat, sechs in Mazar-I-Sharif zu exekutieren. Kaum vier Wochen später gab die Justizbehörde eine weitere Warnung heraus: Richterinnen mögen sich nicht allein auf der Straße zeigen, sie sollten dem Gericht Uhrzeit und Ort melden, wenn ihnen etwas auffalle.

Am 3. Juni 2021 die Meldung: neun Männer eines Kommandos seien unterwegs. Sie würden die Autos der Richterinnen ausspähen, Farbe, Kennzeichen und Zeitpunkt ihres Kommens und Gehens notieren. Es werde dringend empfohlen: Das Telefon nicht abheben, wenn man die Nummer nicht kennt. Nie allein auf die Straße gehen.

Und: ein bekannter Taliban sei aus dem Gefängnis entlassen worden. Dessen Leute wüssten, „wo unsere Richterinnen wohnen“. Sie sollten nachts in ihren Häusern wachsam sein. Auch Familienmitglieder seien in Gefahr. „Wir schützen unsere Richterinnen“ wird in dem Rundmail versichert.

„Ich habe vier Schwestern, einen Bruder und meine Mutter im Keller“, sagt Omar K. mit gepresster Stimme, übernächtigt, in seiner kleinen Wohnung in Salzburg. Gemeinsam starren wir auf das Handy. „Wenn eine von uns rausgeht, sind alle anderen dran“, sagt Shalima und senkt den Blick. Auch der Bruder tut sich schwer, seiner Schwester in die Augen zu schauen. Er fühlt sich hilflos. Er kann nichts tun. Als sie vergangene Woche miteinander telefonierten, hatte Shalima eine Giftkapsel in der Hand und meinte, wenn die Taliban uns entdecken, ist es sowieso aus.

Whatsapp ist ihr einziges Fenster zur Welt draußen. Das ist derzeit Österreich, der Bruder in Salzburg, weit entfernte afghanische Verwandte in Wien.

Omar K. quält sich mit sinnlosen Überlegungen. Hätte es ihn nicht schon vor Jahren aus privaten Gründen nach Österreich verschlagen, könnte er heute seine Familie retten. Vielleicht wären sie schon in Sicherheit, wären Teil des Menschengewimmels im Bauch der US-Transportmaschine gewesen. Bis 2013 hatte Omar K. für Befehlshaber der US-Kräfte, der Nato und der afghanischen Regierung gedolmetscht, er war bei Kampfeinsätzen dabei, er wurde verwundet. Jetzt muss er auf das Herz der Österreicher hoffen.

Die Taliban jagen seit Jahren
gezielt Richterinnen.

An jenem Sonntag, als Kabul in die Hände der Taliban fiel, um 10.30 vormittags Ortszeit, stürzten Männer des Sicherheitsdiensts in das Hochhaus, in dem der Supreme Court untergebracht ist, und schrien: Frauen raus, sofort. Präsident Aschraf Ghani sei nicht mehr in seinen Amtsräumen. Shalima entledigte sich ihres Talars, packte ihre Handtasche und schlich stundenlang, auf Umwegen zu ihrem Versteck, das sie schon eine Woche zuvor eingerichtet hatten.

Zwei Stunden später waren die Taliban im Gericht. Und am selben Tag vor dem Haus der bekannten Familie der Richterin. Vor dem fünfstöckigen Wohnhaus im Villenviertel von Kabul, mit seinen 21 Zimmern und kostbarem Interieur. Nach Angaben der Nachbarn, so Omar K., schütteten die Männer Benzin rund ums Haus und zündeten es an. Heute soll dort eine ausgeräucherte Ruine stehen. Sagen die Nachbarn, sagt Omar K.

Die afghanische Familie, gebildet, religiös und polyglott hat keine Kontakte zu europäischen oder amerikanischen Militärdienststellen, Politikern oder Diplomaten.

Shalima spricht manchmal über Whatsapp mit ihren Kolleginnen. Sie haben eine Gruppe eingerichtet. Alle halten sich versteckt. Jede Familie versucht auf eigenen Wegen der Todesgefahr zu begegnen.

Shalima war am Supreme Court für die Bereiche Familie - Scheidungen, Sorgerecht -und wirtschaftsrechtliche Fälle zuständig. Sie leitete eine Abteilung. Sie hat Recht gesprochen und so manchen Taliban oder Talibansympathisanten ins Gefängnis gebracht. Einige von ihnen wurden in den vergangenen Wochen entlassen. Sie kennen das Gesicht der Richterin. Sie hat Urteile unterschrieben.

300 Richterinnen gibt es in Afghanistan. Es ist eines der angesehensten Ämter, das Frauen in der islamischen Republik bekleiden konnten. Dass eine Frau Richterin ist, widerspricht der Scharia, wie sie von den Taliban ausgelegt und durchgesetzt wird. Aber auch für andere Berufsgruppen wird es eng. In nationalen TV-Sendern dürfen einige Journalistinnen nicht mehr arbeiten. Vielleicht bald keine mehr, befürchtet Shalima.

Für die Frauen im Keller und ihren Bruder in Österreich ist die Rettung so nah und doch so fern. Das Versteck ist gerade einmal 15 Minuten vom Flughafen in Kabul entfernt."
Christa Zöchling, Autorin

Luftbrücke für Frauen und Mädchen!

Der Westen hat die Frauen zu der Emanzipation ermutigt, die jetzt zur tödlichen Falle wird. Auch darum sind wir in der Pflicht, ihnen zu helfen.

"Sind das nicht mehr die Taliban, die zwischen 1996 und 2001 das Land in Angst und Schrecken versetzt haben? Die die Männer an Laternenpfählen aufgeknüpft und die Frauen unter den Burkas zur Volksbelustigung im Stadion ausgepeitscht und gesteinigt haben? Sie tun zumindest so, als seien sie milder geworden. Klar. Sie brauchen jetzt Unterstützung vom Ausland. China und Russland, die das Überschwappen der Islamisten in ihre Länder verhindern wollen, stehen zu Kompromissen parat. Amerika hatte schon vor Monaten mit den Taliban über die Zukunft Afghanistans verhandelt – unter Ausschluss der Kabuler Regierung. Und Deutschland wird die zu späte Rettung seiner afghanischen Helfer wohl ebenfalls teuer bezahlen.

Also verkünden die Taliban: Keine Sorge. Auch Mädchen dürfen in Zukunft zur Schule gehen und Frauen berufstätig sein – soweit sie die Scharia respektieren. Was das bedeutet, wissen selbst wir inzwischen.

In den Madrasen Pakistans sind diese jungen Männer zu „Gotteskriegern“ verhetzt worden. Sie schultern jetzt nicht nur in Kabuls Straßen ihre Kalaschnikow und gehen auf Menschen- und Frauenjagd. Für sie steht das Gottesgesetz über allem. Er zwingt Männer wie Frauen auf die Knie. Frauen jedoch noch tiefer. Die sind schon rein rechtlich Unmündige, werden unter der Burka unsichtbar und dürfen nicht ohne männliche Begleitung auf die Straße. Ein männlicher Arzt darf sie selbst bei Lebensgefahr nicht berühren.

Die Frauen, die jetzt in den Städten in ihren Wohnungen kauern und kaum noch einen Blick nach draußen wagen, auf die patrouillierenden Taliban, wissen das nur zu gut. Sie gehören zu der Sorte Mensch, die jetzt in Afghanistan in der allergrößten Gefahr ist: die emanzipierten Frauen. Sie sind diejenigen, die dem Westen vertraut und gewagt haben, Lehrerinnen, Journalistinnen, Sängerinnen, Politikerinnen, Fußballspielerinnen oder gar Frauenrechtlerinnen zu werden. Sie sind viele, wenn auch nur eine Minderheit.

Deutschland muss mit Taliban über
Luftbrücke für Frauen verhandeln!

80 Prozent der Bevölkerung lebt auf dem Land. Dort hatten die Frauen in der zutiefst patriarchalen und stammesrechtlich organisierten afghanischen Gesellschaft auch vorher kaum Gelegenheit, sich auch nur aus der Burka, diesem Stoffgefängnis, zu befreien. Schon das konnte das Leben kosten. Frauen haben Kinder zu bekommen, nicht selten über einem Dutzend, und den Männern zu dienen. Ihr Leben ist weniger wert als das eines Tieres.

Auf dem Land wird man sich also nicht wirklich über den Blitzsieg der Islamisten gewundert haben (Die von einem realitätsfernen ZDF gerade schon beflissen gegendert wurden: in Islamist*innen). Denn die vom Westen ausgebildeten 300.000 afghanischen Soldaten waren entweder immer schon heimliche Sympathisanten der Taliban, vertrauten dem örtlichen Warlord mehr als dem fernen Präsidenten, waren froh, nicht zu verhungern – oder hatten einfach nur Angst.

Das eigentlich Erstaunliche ist die Überraschung des Westens. Die ist in der anhaltenden Arroganz des Westens begründet. Offenbar hat sich kaum einer je die Mühe gemacht, die Kultur und die Traditionen des Landes zu verstehen, in das man eingedrungen ist. Einfach so unsere Vorstellungen von Demokratie überstülpen – das musste ja schiefgehen.

Das Drama Afghanistan wiederholt sich fast zwanzig Jahre nach dem Drama Irak. Gerade auch für die Frauen. Im Irak des autokratischen Herrschers Saddam Hussein gab es zwar eine politische und ethnische Repression, aber immerhin waren die Hälfte der Studenten Frauen, gingen Mädchen wie Jungen zur Schule und standen den Frauen alle Berufe offen, bis hin zur Ingenieurin. Was mit der Machtübernahme der Islamisten nach dem Einmarsch der Amerikaner – unter dem durchsichtigen Vorwand, Saddam Hussein horte Massenvernichtungswaffen - schlagartig vorbei war.

Auch in Afghanistan konnten die Mädchen vor der Terrorherrschaft der Taliban in den 80er und 90er Jahren in die Schule gehen, trugen die Frauen Miniröcke und waren berufstätig. Zumindest in den Großstädten. Und für Libyen galt während der Herrschaft des nach der westlichen Einmischung (zum Glück ohne Deutschland!) getöteten Muammar al-Gaddafi dasselbe.

Der „Weltpolizist“ ist ein
Wegbereiter der Islamisten

Die Interventionspolitik des Westens ist dramatisch gescheitert. Der „Weltpolizist“ ist zum Weltchaosmacher und Wegbereiter der Islamisten geworden. Die Intervenisten hinterlassen Niemandsland, das die Islamisten (ohne *) besetzen. Die wahren Gründe für die Interventionen waren ja auch geopolitische Interessen (die Nähe zu Russland und China) oder wirtschaftliche. Das Zynische ist, dass sie im Namen der Menschen- und Frauenrechte geführt wurden. „Wir werden euch nicht im Stich lassen!“ (O-Ton Hillary Clinton).

Nun ist Afghanistan wieder in der Faust der Taliban. Nach dem überstürzten Abzug der westlichen Truppen sind die Afghanen, die auf Freiheit oder auch nur das Recht zum aufrechten Gang gehofft hatten, wieder allein. Und verzweifelt. Das gilt ebenso für die fortschrittlichen, nicht Scharia-gläubigen Männer. Aber sie gehören immerhin zum herrschenden Geschlecht. Sie könnten versuchen, zu überleben und vielleicht sogar gegenzuhalten – in der Hoffnung, eines Tages die Taliban zu überwinden.

Inzwischen leben in Deutschland rund eine Viertelmillion geflüchtete AfghanInnen, rund zwei Drittel sind Männer, 80 Prozent von ihnen junge Männer. Deren Integration ist besonders beschwerlich, da sie häufig Analphabeten sind und aus einem Land kommen, das keine Gleichberechtigung der Geschlechter kennt und wo Gewalt gegen Frauen und Kinder Gewohnheitsrecht ist.

Hinzu kommt: In einen Flüchtlingsstrom aus Afghanistan werden sich im jetzigen Stadium vermutlich mehr Radikale, also potenzielle Attentäter mischen, denn je zuvor. Wer will das bei der Dramatik der Ereignisse erfassen? Ein Grund mehr, Frauen und Kindern den Vorrang zu geben. Schon im Namen einer ausgleichenden Gerechtigkeit.

Die Frauen und Mädchen, die in den Großstädten im Vertrauen auf westliche Werte und Schutz relativ freier gelebt haben, sind in akuter Lebensgefahr. Deshalb sollte Deutschland jetzt eine klare Entscheidung treffen: nämlich nur Frauen und Kinder bzw. ihre Kernfamilien aufnehmen! Mehr noch: Wir sollten aktiv versuchen, den Frauen einen Weg zu uns zu bahnen. Eine Luftbrücke für diese Frauen sollte Teil unserer diplomatischen Verhandlungen mit den Taliban sein."
ALICE SCHWARZER, Herausgeberin der EMMA

"Die alten Taliban haben ein Terrorregime ausgeübt und waren extrem frauenfeindlich. Was von den neuen Versprechungen zu halten ist, wissen wir noch nicht. Sicher haben die neuen Taliban auch in Sachen PR dazugelernt und können mit sozialen Medien umgehen. Aber von unseren Kolleginnen vor Ort hören wir, dass sie zu schreckliche Erfahrungen gemacht haben, um ihnen auch nur ein Wort glauben zu können. Die Taliban sagen, sie würden niemandem etwas antun, der nach der Scharia lebt. Aber das ist eine Sache der Auslegung. Und die alte Auslegung der Taliban war für Frauen tödlich. "
"Es gab schon vor den Taliban genügend frauenfeindliche Männer in der afghanischen Gesellschaft. Unsere Kolleginnen haben gegen so viele Widerstände ankämpfen müssen, um Frauen zu ihrem Recht zu verhelfen. Auch im Parlament und in der Regierung gab es so viel fundamentalistisches Gedankengut, dass unsere Arbeit schon bislang schmerzhaft und gefährlich war. Und dennoch ist etwas herangewachsen, das man in Deutschland vielleicht nicht genügend verstanden hat. Und das ist auch durch eine falsche Politik gefährdet worden. "
"Wir kritisieren, dass die internationale Gemeinschaft einen gesellschaftlichen Friedensprozess von Anfang nicht ausreichend in den Blick genommen hat und den Fokus auf militärische Sicherheit und einen militärisch zu erreichenden Frieden gelegt hat. Die Menschenrechte zu stärken, die Rechtstaatlichkeit zu stärken, das Land zusammen mit der Bevölkerung wieder aufzubauen - darum hätte es gehen müssen. Natürlich gab es vor allem auf dem Land ein archaisches Stammesdenken. Aber die Frauen und die Mädchen wussten alle, wofür sie kämpfen. Sie wollen in die Schule gehen. Sie wollen nicht mit zwölf Jahren zwangsverheiratet werden. Sie wollen ein viel selbstbestimmteres Leben mit eigener Entwicklung führen. Und das haben auch viele junge Männer begriffen. "
"Jetzt zu sagen, der Job sei erledigt, wie es der US-Prasident Biden getan hat, ist perfide. Es braucht Generationen, um dafür ein Bewusstsein zu schaffen. Das wissen wir aus unserer eigenen Geschichte. Noch in den 1960er-Jahren konnten Frauen ohne die Unterschrift des Ehemannes keinen Job annehmen. Das Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe ist in Deutschland erst 1997 eingeführt worden. Wir brauchen nicht arrogant auf Afghanistan zu zeigen. "
"Wenn es darum geht, dass Menschen um ihr Leben fürchten müssen, weil sie mit ausländischen Stellen kooperiert haben, ist nachvollziehbar, dass sie nun Schutz brauchen und fliehen können. Aber es gibt Bereiche der Entwicklungszusammenarbeit, die weitergehen müssen. Die Menschen brauchen ja weiter Unterstützung. Ich bin überzeugt, dass die Taliban die Anerkennung und westliches Geld brauchen. Und das muss an Bedingungen geknüpft werden, die mit Menschenrechten und vor allem auch Frauenrechten zu tun haben."
Monika Hauser, Hilfsorganisation medica mondiale, die bis heute mit Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten arbeitet, insbesondere mit Opfern sexualisierter Gewalt

TERRE DES FEMMES:
Afghanistan: Frauenrechtlerinnen schützen und weiter für die Bildung von Mädchen kämpfen.

"In rasantem Tempo haben die Taliban nach dem NATO-Truppenrückzug nicht nur weitere ländliche Gebiete in Afghanistan, sondern auch Großstädte und zuletzt die Hauptstadt Kabul erobert. Mit der Machtübernahme der Taliban stehen elementare menschenrechtliche Errungenschaften, die das Land in den letzten zwei Jahrzehnten eingeführt hat, auf dem Spiel. Insbesondere afghanische Menschenrechtsverteidigerinnen, die sich für die Rechte von Mädchen und Frauen eingesetzt haben, schweben nun in Todesgefahr.
Für unsere TDF-Partnerorganisation im Westen des Landes bedeutet die Rückkehr der Taliban, dass sie ihren Einsatz für die Bildung und Stärkung der Rechte von Mädchen und Frauen aussetzen muss. Noch drängender und alarmierender ist aber die akute Gefährdung der Mitarbeitenden: In der großen Mehrzahl Frauen und Angehörige der Hazara-Minderheit. Während der Schreckensherrschaft der Taliban von 1996 bis 2001 wurden sie besonders brutal verfolgt.
Seit mehreren Tagen sind wir in intensivem Kontakt mit dem Auswärtigen Amt, um das mutige Team unserer Partnerorganisation in Sicherheit zu bringen. Wir werden alles daran setzen, um sie so umfassend wie möglich zu unterstützen."
TERRES DES FEMMES, Statement zu Afghanistan

„Nach dem offenen Versagen „des Westens“ in Afghanistan muss für die Sicherheit aller NGO-MitarbeiterInnen und zivilen AkteurInnen gesorgt werden - Und das nicht nur mit Luftbrücken aus Kabul, sondern mit sicheren Fluchtwegen von überall im Land.“, so Inge Bell, stellvertretende Vorsitzende von TERRE DES FEMMES e.V. „Schon jetzt rächen sich die Taliban an Frauen, die sich für ihre Rechte einsetzen oder eingesetzt haben. Insbesondere Frauenrechtlerinnen, die für ein freies und gleichberechtigtes Leben aller Afghaninnen gekämpft und gearbeitet haben, müssen von der Bundesregierung in Sicherheit gebracht werden.“
TERRE DES FEMMES

"Afghanistan ist nicht sicher. Vor allem nicht für Frauenrechtsaktivistinnen. Die Taliban haben die Kontrolle über das Land zurückgewonnen. Frauenrechtsaktivistinnen, Journalistinnen, Politikerinnen und Künstlerinnen befinden sich in akuter Lebensgefahr. Viele versuchen verzweifelt, aus Afghanistan zu fliehen. Jede Frau, die nicht unter Taliban-Herrschaft leben möchte und sich dadurch deren Unterdrückung und Gewalt widersetzt, wird in Afghanistan somit gerade zur Frauenrechtsverteidigerin."
Wir fordern, dass die Frauenrechtsverteidigerinnen und ihre Familien sicher zum Flughafen geleitet werden. So schnell wie möglich. Diese Aufgabe muss von EU- und NATO-Staaten übernommen werden.
1. Wir fordern eine verbindliche Zusage, dass Frauenrechtsverteidigerinnen ein Platz auf einer der Evakuierungslisten und damit in einem Evakuierungsflug garantiert wird.
2. Wir fordern internationale Verhandlungen, mit dem Ziel, den Flughafen über Ende August hinaus zu sichern, so dass Frauenrechtsverteidigerinnen auch danach noch evakuiert werden.
3. Wir fordern eine unbürokratische Aufnahme der bedrohten Frauenrechtsverteidigerinnen in Deutschland.
4. Wir fordern eine sofortige, langfristige finanzielle Unterstützung von afghanischen und internationalen Frauenorganisationen, die sich für die Rechte von Frauen in Afghanistan einsetzen.
5. Wir fordern die Einberufung einer sogenannten Fact-Finding Mission, die unter dem Mandat des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen, die Menschenrechtsverletzungen der letzten Tage in Afghanistan dokumentiert. Dafür ist ein vorgezogenes Treffen des Menschenrechtsrats nötig. Auch fordern wir die Ernennung eines/r Sonderberichterstatters/Sonderberichterstatterin für Afghanistan
6. Wir fordern die Einführung von Sonderkontingenten für besonders gefährdete Personengruppen wie etwa für Journalistinnen, Zivilgesellschaftsmitarbeiterinnen, Politikerinnen und generell alle Frauenrechtsverteidigerinnen, die es ihnen ermöglicht, in Krisensituation schnell Asyl zu bekommen.
7. Zu guter Letzt fordern wir eine Außenpolitik die sich immer an den Bedürfnissen und Forderungen von feministischen, zivilgesellschaftlichen Akteur:innen orientiert. Damit sich eine Katastrophe wie in Afghanistan nie wieder wiederholt. Wir fordern eine feministische Außenpolitik.
8 .AKTUELLE LAGE:
Die Lage in Afghanistan ist ernst: Die Taliban haben die Hauptstadt Kabul eingenommen und kontrollieren das Land. Seit sich die US-Truppen, die Bundeswehr und andere NATO-Partner:innen zurückziehen, ist klar: Tausende Menschen, die sich für ein demokratisches und friedliches Afghanistan einsetzen, in dem alle Menschen gleichberechtigt leben können, sind in akuter Lebensgefahr. Viele von ihnen versuchen zu fliehen. Laut Informationen von vor Ort durchsuchen die Taliban Kabul und andere Städte nach Frauen, die sich für Gleichberechtigung eingesetzt haben, die politische Ämter inne hatten, die journalistisch gearbeitet haben – die von Regierungen wie Deutschland in der Vergangenheit unterstützt wurden. Gleichzeitig machen sie es afghanischen Staatsangehörigen fast unmöglich, Checkpoints zum Flughafen zu passieren und das Land zu verlassen. Zusammen mit vielen anderen Partnerorganisationen versuchen wir seit Tagen so viele Frauenrechtsverteidigerinnen wie möglich dabei zu unterstützen, einen Platz auf den Evakuierungsflugzeugen der NATO-Partner:innen zu bekommen. Und ihre Forderungen an politische Entscheidungsträger:innen in Berlin, London, Washington D.C. zu tragen – ihnen damit Mut zu machen, in einer fast ausweglosen Lage.
Wir rasen. Wir rasen, da die Situation alle Schnelligkeit aufgrund der lebensgefährlichen Bedrohung für zu viele Frauenrechtsverteidigerinnen erfordert. Daher wird nach Start der Initiative das Netzwerk um die Initiative erst noch vergrößert. Bitte wendet Euch unbedingt an uns, wenn Ihr in einer Frauenrechtsorganisation aktiv seid, die zu diesem Thema arbeitet, oder Journalistinnen, Künstlerinnen, Politikerinnen usw. seid, damit wir Euch unterstützen können.
Wir danken Euch. Lasst uns laut sein und anpacken. Defend Afghan Women’s Rights. Jetzt.
DAFÜR BRAUCHEN WIR EUCH!"
DEFEND AFGHAN WOMEN'S RIGHTS!
HÁWAR.help g.e.V

"Wir sollten schon auch dafür sorgen, dass Menschen, die nicht alle in der Türkei, in Pakistan und im Iran aufgenommen werden können, auch zu uns kommen können."
Reinhard Bütikofer, außenpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament

„Was mich wirklich richtig ärgert, ist, dass das mit Ansage war. Es war klar, dass wenn Nato-Truppen abgezogen werden, dass dann Menschen wirklich bedroht sind.“
„In diesen Minuten geht es darum, Menschenleben zu retten. Jetzt ist kein Wahlkampf, jetzt sind keine Fragen von: Wer muss zurücktreten? Sondern jetzt müssen wir alles dafür tun, die Menschen, die unsere Soldaten geschützt haben, in Sicherheit zu bringen.“
Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der GRÜNEN

"Verzweifelte Menschen, die sich auf dem Rollfeld des Kabuler Flughafens an ein amerikanisches Transportflugzeug klammern. Fassungslose Ortskräfte der Bundeswehr, die per Handy-Video aus ihrem Versteck Hilferufe schicken, jubelnde „Gotteskrieger“ der Taliban, die im verwaisten Präsidentenpalast ihre Herrschaft über Afghanistan zelebrieren. Die Bilder, die wir jetzt sehen und noch sehen werden, zeigen die menschlichen Tragödien in diesem Land.

Und es ist eine große Schande, dass es den westlichen Verbündeten nicht möglich war, einen sinnvoll koordinierten Rückzug zu organisieren und jeder ihrer afghanischen Helferinnen und jedem Helfer und deren Familienangehörigen eine sichere Ausreise zu ermöglichen.

Niemand konnte ernsthaft überrascht sein, dass der amerikanische Präsident Joe Biden den von seinem Vorgänger Donald Trump beschlossenen vollständigen Rückzug aus Afghanistan in die Tat umsetzen würde. Zu groß ist die innenpolitische Zustimmung, nach 20 Jahren den längsten Kriegseinsatz in der Geschichte der USA zu beenden. Zu sehr ist Bidens Agenda innenpolitisch geprägt. Und außenpolitisch konzentriert er sich und die militärischen Mittel seines Landes völlig auf die Auseinandersetzung mit China.

Vermutlich werden auch die Bilder der jubelnden Taliban und ihrer erwartbaren Gewalt gegen all jene, die sich ihnen nicht bedingungslos unterordnen, daran nichts Grundlegendes ändern. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ scheint das zynische Motto dieser Tage zu sein.
Und doch ist der eigentliche Skandal, dass dieser Abzug offenbar völlig unkoordiniert und planlos erfolgte und sich in den vergangenen Monaten anscheinend niemand Gedanken über die Frage machte, was wohl die Folge des Abzugs der internationalen Militärverbände für die Menschen in Afghanistan bedeuten würde. Ausgerechnet der in der Außenpolitik besonders erfahrenen US-Regierung war eine Koordinierung und gemeinsame Planung des Abzugs mit den Verbündeten offenbar völlig gleichgültig. Sie wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Und mehr noch: Die USA haben auch eine Gelegenheit verpasst, mit China und auch Russland zusammenzuarbeiten. Denn keines dieser Länder hat ein Interesse daran, dass Afghanistan wieder ein „failed state“ wird, der erneut zur Brutstätte des internationalen Terrorismus wird. Möglicherweise hätte China sogar der Entsendung von Friedenstruppen zugestimmt, die gemeinsam mit den Luftstreitkräften der USA und der Nato die völlige Übernahme Afghanistans durch die Taliban hätten aufhalten können.
Die europäischen Nato-Staaten sind jetzt gefragt

Und wenn schon die USA nicht mit den Nachbarn Afghanistans sprechen, so wäre das auch eine Aufgabe für die europäischen Partner in der Nato – insbesondere für uns Deutsche gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien. Sie könnten eine Luftbrücke nach Europa organisieren oder eine gemeinsame diplomatische Mission zu anderen Staaten, die dauerhafte Instabilität und die Rückkehr des Terrorismus vermeiden wollen.

Dazu zählen auch Indien, Iran, die Türkei und schwierige Nachbarn wie Pakistan. Und natürlich sollte es sobald wie möglich eine internationale Konferenz geben, die eine humanitäre, wirtschaftliche und politische Stabilisierung zum Ziel hat. Gelingt das nicht, kann sich Europa schon einmal auf die nächste Flüchtlingswelle vorbereiten.
Keine der dringend erforderlichen Initiativen scheint nach der Ankündigung zum Truppenabzug im April durch die USA vorbereitet worden zu sein. Stattdessen stolpern die Europäer wieder einmal hilflos durch die Kulissen. Alle tun so, als ob sie von der Entwicklung überrascht wären.

Wenn das stimmen sollte, dann können wir die Nachrichtendienste der USA und auch Europas getrost auflösen. Denn die waren offenbar der Überzeugung, dass die Hauptstadt Kabul gegen die Taliban zwei bis drei Jahre lang verteidigt werden könnte. Auch dem deutschen Bundesaußenminister Heiko Maas scheint diese Einschätzung vorgelegen zu haben, als er sich im Juni im Bundestag optimistisch über die Verteidigungsfähigkeit von 350.000 afghanischen Soldaten gegenüber 85.000 Kämpfern der Taliban äußerte.
Die Seifenblase europäischer „Autonomie“ ist geplatzt

Tatsächlich waren es gerade mal zwei bis drei Tage vom Marsch der Taliban auf Kabul bis zum Fall der Hauptstadt. Nach 20 Jahren militärischer und geheimdienstlicher Präsenz in Afghanistan und rund 100 Milliarden Dollar Ausgaben für die afghanische Armee gab es weder bei den USA noch bei der Nato offenbar auch nur im Ansatz ein Verständnis für Moral und Kampffähigkeit der - von ihnen selbst ausgebildeten - afghanischen Truppen. Oder noch schlimmer: Alle kannten deren Zustand, verschwiegen ihn aber, um den Abzug aus Afghanistan möglichst rasch durchzuziehen.

Das derzeitige folgenlose Lamento über die Entwicklungen in Afghanistan ist stattdessen ein hörbares Zeugnis der europäischen Bedeutungs- und Hilflosigkeit. Die seit Monaten immer größer werdende Seifenblase europäischer „Autonomie“ ist geplatzt. Und nicht zuletzt sind wir Zeugen für das Versagen der Nato, in deren Verantwortung der Militäreinsatz in Afghanistan ja stand und die ihn geordnet hätte zu Ende bringen müssen. In Wahrheit dachte jeder nur an sich selbst. Gesiegt haben nicht nur die Taliban, sondern auch der nationale Egoismus.
Und so fiel den neuen radikalislamischen Machthabern, die das Land auf Motorrädern und Pick-ups einnahmen, gleich das teure Waffenarsenal der untergegangenen afghanischen Armee in die Hände: Humvee-Geländewagen, Black-Hawk-Kampfhubschrauber, Kampfjets, Artillerie-Geschütze sowie Sturmgewehre, Handgranaten und Munition.

So ist Afghanistan in jeder Hinsicht eine katastrophale Niederlage. Sicher ist nicht einmal, dass die islamistischen Terroristen nicht zurückkehren. Selbst wenn die Taliban die Rückkehr der Terroristen nicht begrüßen würden, so dürften sie nicht in der Lage sein, ihr Territorium zu kontrollieren.
Das Projekt des „Nationbuildings“ ist gescheitert

Destabilisierte Staaten und Regionen entwickeln eine große Anziehungskraft für Dschihadisten aus der ganzen Welt. Und noch stärker als am Beispiel des Iraks zeigt sich, dass das idealistische Projekt des „Nationbuildings“ scheitert, wenn es nicht in der betroffenen Bevölkerung und ihren politischen und wirtschaftlichen Eliten den Willen gibt, einen funktionierenden Staat mit gesellschaftlicher Teilhabe aufzubauen. Da hilft auch ein noch so umfangreicher Militäreinsatz nicht.

Die entscheidende Frage lautet nun: War das Scheitern vorhersehbar und deshalb vermeidbar? Vermutlich ja, denn in der jüngeren Geschichte gab es nur zwei Beispiele, in denen bewaffnete Interventionen auch Ausgangspunkt einer gesellschaftlichen Modernisierung und Demokratisierung waren: Japan und (West-)Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Aber die damaligen wirtschaftlichen, politischen, kulturellen und staatlichen Ausgangsvoraussetzungen waren vollständig anders als die in Afghanistan.

Dass dieses Land, geprägt durch seine Stammeskulturen, nicht durch Europäer zu erobern oder zu beherrschen ist, wusste schon Friedrich Engels. Er schildert 1857, wie gegen die kurze britische Herrschaft 1841 in Afghanistan „ein Aufstand dem anderen“ folgte und schließlich der Versuch der Besatzer 1842 endgültig scheiterte, „in Afghanistan eine ihrer Kreaturen auf den Thron zu setzen“.

Der demokratische Westen ist gut beraten, sich in Zukunft weniger anspruchsvolle Ziele zu setzen. So schön sich eine idealistische und werteorientierte Außenpolitik auch im Inland anhören und auf Zustimmung treffen mag: In der wirklichen Welt ist es gut, sich auf die eigenen Interessen zu begrenzen. Das nennt man Realpolitik."
Sigmar Gabriel ist Publizist und Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank und bei Siemens Energy. Er war von 2009 bis 2017 Vorsitzender der SPD und von 2013 bis 2018 Vizekanzler.

"Gewissheit, dass jemand seines Lebens bedroht wird, hat man tragischwerweise erst, wenn der betroffenen Person etwas zugestoßen ist."
"Die jetzige Situation vor Ort hat die Bundesregierung deshalb mitzuverantworten."
Luise Amtsberg, Grüne

Weiter:
Am 23. Juni hält die grüne Bundestagsabgeordnete Luise Amtsberg eine prophetische Rede im Deutschen Bundestag. Es ist schon nach 21 Uhr, Deutschland spielt bei der Fußball-EM gerade gegen Ungarn, als sie vor der Gefahr warnt für "Menschen, die durch ihre Tätigkeit für die Bundeswehr ins Visier der Taliban geraten sind". Dolmetscher zum Beispiel, die als "Kollarobateure des Westens" von der Taliban entführt, erpresst, getötet würden.

Die Grünen beantragen an diesem Mittwoch im Juni, afghanische Helfer der Bundeswehr in Sicherheit zu bringen. Unbürokratisch. Schnell. Ohne allzu lange Verfahren, in denen die Betroffenen erst einmal beweisen müssen, dass sie auch wirklich in Gefahr sind.

Doch Union, SPD und AfD sehen das anders. Sie lehnen den Antrag der Grünen ab. Unions-Fraktionsvize Thorsten Frei (CDU) begründet das unter anderem damit, dass die Sicherheitslage in Afghanistan "höchst unterschiedlich" sei. "Wenn man beispielsweise auf das Vordringen der Taliban schaut, dann betrifft das vielleicht zehn Distrikte - von 400 Distrikten in Afghanistan", sagt er.

Frei verteidigt diese Aussage nun: "Meine Ausführungen entsprachen dem damals allgemein geteilten Erkenntnisstand", sagt er ZDFheute. "Niemand hat Ende Juni erwartet, dass Afghanistan unmittelbar nach dem Abzug der internationalen Streitkräfte zusammenbrechen würde." Noch Mitte Juli habe das Auswärtige Amt die Lage nicht grundlegend anders eingeschätzt. Frei sagt: "Im Rückblick war das eine Fehleinschätzung."

Die Frage nach Versäumnissen in der Afghanistan-Politik ist im Bundestagswahlkampf angekommen - auch Äußerungen von Außenminister Heiko Maas stehen in der Kritik. So sagt Maas etwa am 30. April im ZDF: "Mit Blick auf die Zukunft setzen wir darauf, dass die Taliban verstanden haben, dass die Konflikte in Afghanistan politisch gelöst werden müssen und es nie eine militärische Lösung geben wird."

Und Anfang Juni sagt Maas, er gehe nicht davon aus, dass die Taliban in Afghanistan in wenigen Wochen "das Zepter in der Hand" hätten. Dabei soll die deutsche Botschaft das Auswärtige Amt bereits seit Wochen vor einer Gefährdung ihres Personals gewarnt haben, berichtet die ARD.

Jetzt jedenfalls soll alles ganz schnell gehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Montag bereits angekündigt, 10.000 Menschen aus Afghanistan evakuieren zu wollen - also afghanische Helfer der Bundeswehr und ihre Familien. Das erinnert an den Antrag der Grünen am 23. Juni im Bundestag.

Grünen-Abgeordnete Luise Amtsberg kritisiert, das komme viel zu spät. Die dramatische Bedrohung der afghanischen Helfer habe die Bundesregierung schon vor Monaten gekannt. Sie habe sich aber bewusst gegen eine Aufnahme der Helfer entscheiden.

Der entmachtete afghanische Präsident Ghani sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, er habe bei seiner Flucht ins Exil staatliche Gelder in Millionenhöhe entwendet. Der afghanische Botschafter in Tadschikistan, Aghbar, sprach bei einer Pressekonferenz von umgerechnet 144 Millionen Euro.
Er werde bei Interpol die Festnahme Ghanis beantragen. Nach Angaben der russischen Botschaft in Kabul soll Ghani mit vier Wagen und einem Hubschrauber voller Bargeld aus Afghanistan geflohen sein.

Es ist auch unverschämt von unserer Regierung zu behaupten, sie seien über die Lage nicht informiert worden. Das Gegenteil ist der Fall.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat die Bundesregierung einem Bericht zufolge seit vielen Jahren vor dem Zusammenbruch des afghanischen Staates gewarnt. Der Auslandsgeheimdienst habe immer wieder Analysen vorgelegt, wonach weder das Militär Afghanistans noch die Politik so aufgestellt seien, dass sie dauerhaft funktionieren könnten, meldete der „Spiegel“ am Donnerstag. Allerdings seien die Beamten in den zuständigen Ministerien kaum auf Gehör gestoßen, berichtete das Magazin unter Berufung auf Angaben aus Sicherheitskreisen.

Mehrere mit den Vorgängen vertraute Mitarbeiter berichteten dem „Spiegel“ von „teilweise frustrierenden Momenten“. Ihre bis dahin negativste Einschätzung gaben die Beamten des Dienstes demnach im Dezember 2020 ab, als sie unter dem Schlagwort „Emirat 2.0“ die Rückkehr der Taliban an die Macht prognostizierten.

Das US-Militär hat seine Stützpunkte, darunter auch das Drehkreuz Bagram nördlich der Hauptstadt Kabul, beim Abzug an die Afghanen übergeben. Das US-Militär flog jedoch vorher einen großen Teil seiner Ausrüstung und Waffen außer Landes. Viele Einheiten des afghanischen Militärs ergaben sich im August weitgehend kampflos den Taliban.

In Afghanistan kann eine bekannte Fernsehmoderatorin nach eigenen Angaben nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban nicht mehr arbeiten. „Mir wurde gesagt, ich könne meine Arbeit nicht fortsetzen, weil sich das System geändert habe“, sagte Schabnam Dauran am Donnerstag in einer Videobotschaft. „Wer das hier sieht und wenn die Welt mich hört: Bitte helfen Sie uns, unsere Leben sind in Gefahr.“

„Nach dem Machtwechsel habe ich nicht aufgegeben und wollte ins Büro“, sagte Dauran, die nach eigenen Angaben seit sechs Jahren als Journalistin arbeitet, zuletzt beim Fernsehsender RTA. Anders als ihre männlichen Kollegen sei ihr aber selbst bei Vorzeigen ihres Dienstausweises kein Zutritt zum Büro des Senders gewährt worden.

Die Bundeswehr hat nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums bei ihrem Abzug aus Afghanistan keine Waffen für die afghanischen Sicherheitskräfte zurückgelassen.
Was allerdings mit den Rüstungsgütern geschehen ist, die die Bundesregierung laut Rüstungsexportberichten zwischen 2015 und 2020 für Afghanistan genehmigt hatte – darunter „Geländewagen mit Sonderschutz“, „Kommunikationsausrüstung“ oder „Flugkörperabwehrsysteme für Luftfahrzeuge“ – ist noch ungewiss. „Dazu liegen dem BMVg zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Erkenntnisse vor“, hieß es auf Anfrage !
China und Tadschikistan als Nachbarländer Afghanistans befürchten, dass sich nach dem Siegeszug der militant-islamistischen Taliban die Sicherheitslage in der Region destabilisieren und Terroristen sich ausbreiten könnten. Die Grenzen beider Länder liegen teilweise im Hochgebirge.

Angesichts der Entwicklungen in Afghanistan fordert der außenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Armin-Paul Hampel, den sofortigen Rücktritt von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). Auch der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Bruno Kahl, müsse aufgrund der „völligen Fehleinschätzungen“ seiner Behörde sein Amt sofort niederlegen, sagte Hampel am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Jetzt müssten „politisch Köpfe rollen“, das Handeln der Bundesregierung sei ein „völliges Desaster“. Auch bei der Einrichtung der Luftbrücke habe das Außenministerium auf ganzer Linie versagt. „Man kriegt es nicht mal hin, die Leute zu erfassen, denen wir helfen wollen“, sagte der AfD-Politiker weiter, der in den 90ern als ARD-Korrespondent aus Afghanistan berichtet hatte. Andere Minister seien in Deutschland schon „aus ganz anderen Gründen“ zurückgetreten. Die Federführung für die Afghanistan-Politik habe nun mal beim Auswärtigen Amt gelegen, sagte Hampel.

Aus seiner Sicht kommt die Krise in Afghanistan alles andere als überraschend. Die Staatengemeinschaft habe jahrelang mit den Taliban „gemeinsame Sache“ gemacht, sagte Hampel. „Es muss eine politische Verantwortung für die größte Niederlage eines Nato-Landes in der Geschichte geben.“

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, André Wüstner, hat den politisch Verantwortlichen in der Afghanistan-Krise Versagen vorgeworfen. „Das ist ein politisches Desaster. Es ist eine Tragödie. Und ich kann dem Bundespräsidenten nur beipflichten: Es ist beschämend, was wir da sehen“, sagte Wüstner am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, habe schon vor Monaten Evakuierungspläne ausarbeiten lassen. „Aber es ist immer eine Frage der politischen Lagebewertung, der politischen Entscheidung. Und die ist sehr spät gefallen.“

Soviel zur Politik des Westens, unfähiger und beschämender geht es wirklich nicht mehr!

Thanks for adding your voice.

Bartolo Totaro
Aug 24, 2021
Ripudio che il nostro paese sia servo degli Yankees.
Ripudio le loro guerre..

Thanks for adding your voice.

Luca Delli Carri
Aug 22, 2021
Chi impugna un'arma ha la testa simile ad un barattolo vuoto

Thanks for adding your voice.

gaia marescotti
Aug 21, 2021
la guerra non può essere migliorata, può solo essere abolita