FAIRES Abitur 2021

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Unsere Situation:  
- Schulschließungen für mindestens 14 Wochen, somit 14 Wochen Online-Unterricht 
- Selbsterschließung abiturrelevanter Themen, demzufolge unzureichende Qualität und Quantität des Unterrichts 


Wir fordern: 
-erneute formelle Anpassungen in Bezug auf Klausuren, dem Vor- Abitur und Anzahl der Noten des Kurshalbjahres 12/2 
-mehr Wahlmöglichkeiten in den Abiturprüfungen 
-Zweitkorrektur schulintern 
-Verschiebung der Abiturprüfungen auf einen späteren Zeitpunkt 

 

Sehr geehrtes Kultusministerium, 
Sehr geehrte Schüler und Schülerinnen, 
Sehr geehrte Bürger und Bürgerinnen,  
 
Das Corona-Virus hat alles aus den Fugen gebracht. Nicht nur sahen sich Menschen eingeschränkt und bangten um ihre Existenz, auch Schulen und Kitas mussten geschlossen werden. In Sachsen waren die Schulen für Schüler der 11. Klasse acht Wochen geschlossen. Danach ging es im Wechselunterricht weiter. Im Schuljahr 2019/20 waren alle Schüler somit gezwungen, sich zwölf Wochen lang Lehrplaninhalte selbst anzueignen. 
Dies war nur bedingt möglich. Da die Vorbereitung auf eine solche Situation in vielen Bereichen fehlte, war ein Lerndefizit nicht zu verhindern. Lehrer und Schüler fanden sich in einer neuen Situation mit neuen Herausforderungen wieder. Explizit möchten wir betonen, dass sowohl die Schulleitungen als auch die Lehrer im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten ihr Bestes gegeben haben. Sowohl Quantität als auch Qualität des Onlineunterrichts kann man keinesfalls mit denen des Präsenzunterrichtes vergleichen. Durch die unzureichende Digitalisierung war die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer gravierend beeinträchtigt. Zoom-Meetings konnten nicht stattfinden, denn Schüler, aber auch Lehrer hatten dafür nicht die nötigen Mittel. Demzufolge fand mehr eine Aufgabenübermittlung, als ein Onlineunterricht statt. Diese Art von Lehrstoffübermittlung dem Präsenzunterricht gleichzusetzen ist nicht möglich. Einer internationalen Studie zufolge, gab es selbst in unserem Nachbarland, den Niederlanden, welches die kürzesten Schulschließungen hatte und über die beste Breitbandabdeckung weltweit verfügt, einen signifikanten Verlust an Wissenszuwachs. Dieser war zusätzlich um 50% höher, wenn es sich um Kinder aus sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen handelte. ( https://osf.io/preprints/socarxiv/ve4z7/ ) Da Deutschland in Bezug auf Digitalisierung sowohl an Schulen, als auch in Haushalten weit hinter den Möglichkeiten der Niederlande liegt, kann man von einem immens größeren Lernverlust deutscher Schüler ausgehen. Es ist davon auszugehen, dass in den Fremdsprachen aufgrund von fehlender verbaler Interaktion, die sprachlichen Fertigkeiten im Zeitraum des Lockdowns rapide abgenommen haben. Der Aussage unserer Fachlehrer zufolge hängen Kurse bis zu sechs Wochen im Lehrplan zurück. Wie man den verlorenen Stoff aufholen soll weiß keiner. Der Ausfall von zwölf Wochen Präsenzunterricht macht die Aufarbeitung unmöglich.  
Die zweite Welle traf Sachsen besonders stark, was zur Folge hatte, dass die Schulen erneut für mindestens zweieinhalb Wochen geschlossen bleiben werden. Hinzu kommt zusätzlicher quarantäne- bzw. krankheitsbedingter Unterrichtsausfall einer Vielzahl von Schülern aufgrund der Pandemie. Die Plattform LernSax, die die Vereinfachung des Homeschoolings bieten sollte, funktionierte in den ersten Tagen nicht wie erwartet, sodass die Inhalte oft nicht angezeigt wurden. Dies wurde nach ungefähr drei Tagen behoben, ein regulärer Tagesablauf war dennoch damit für Schüler nicht geboten. 
Von uns Schülern wird erwartet, ein Abitur zu schreiben, welches denen vorangegangener Jahrgänge entspricht, jedoch sind für uns die Grundvoraussetzungen komplett andere. In der Regel wird einem Schüler, welcher zwölf Wochen in einem regulären Schuljahr der Sekundarstufe zwei gefehlt hat, empfohlen das Jahr zu wiederholen. Von dem Abiturjahrgang 2021 wird erwartet ein reguläres Abitur zu schreiben, denn die Lerninhalte, welche im Sommer gestrichen wurden, hatten in den von uns einsehbaren Abiturprüfungen der letzten sieben Jahre keine große Relevanz. 
Um ein faires Abitur zu gewährleisten, fordern wir generell erneute formelle Anpassungen in Bezug auf Klausuren, dem Vor- Abitur und Anzahl der Noten des Kurshalbjahres 12/2. Auch eine Verschiebung der Abiturprüfungen auf einen späteren Zeitpunkt sollte in Erwägung gezogen werden. Zusätzlich fordern wir eine erneute Anpassung der schriftlichen Abiturprüfungen 2021. Dies könnte zum Beispiel mit mehr Wahlmöglichkeiten in den Abiturprüfungen umgesetzt werden, wobei hier zu beachten ist, dass dies eine längere Einlesezeit erforderlich macht. So können Schüler in ganz Sachsen die Themen wählen, welche sie intensiv behandelt haben und ihre Leistung zeigen. Außerdem wäre es nur fair auch in diesem Jahr die Zweitkorrektur schulintern machen zu lassen, denn so können die Lehrer miteinander kommunizieren und in Erfahrung bringen, welche Themen nicht behandelt wurden.  
Der Abiturjahrgang 2021 war sowohl in Klasse 11 als auch in Klasse 12 von der Pandemie betroffen und jedem Schüler fehlen jetzt schon mindestens 14 Wochen Präsenzunterricht. Zu erwarten, dass die Schüler in der Lage sind ein reguläres Abitur zu schreiben, wäre nicht angemessen. Machen Sie uns nicht zu den Verlierern dieser Pandemie, nur weil Verlust an Wissenszuwachs nicht in Euro bilanzierbar ist und vergessen Sie bitte nicht, dass dieser Abschluss die Weichen für unser berufliches Leben stellen wird.