Krank Kränker Krankenhaus – MENSCHENwürdige Arbeitsbedingungen für Pfleger*innen, jetzt!

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Die Coronakrise zeigt uns tagtäglich, wie sehr wir im Gesundheitssystem an den Grenzen des Möglichen arbeiten – und darüber hinaus. Spätestens jetzt sollte jedem Menschen klargeworden sein, dass wir Pfleger*innen mehr verdienen als gut gemeintes Applaudieren. Kliniken werden zunehmend auf Profit getrimmt. Die jahrelange "Kaputt"-Sparpolitik der Bundesregierung hat neben zahlreichen Insolvenzen vor allem Krankenhäuser geschaffen, in denen kaum noch jemand arbeiten, geschweige denn als Patient*in behandelt werden möchte. So kann es nicht weitergehen!

Wir fordern MENSCHENwürdige Arbeitsbedingungen sowie eine flächendeckende einheitliche und deutliche Gehaltserhöhung für Pfleger*innen!  

Wir, das sind Joanne, Annika, Peter und Michael. Seit Jahren sind wir in der Pflege tätig. Für uns ist es normal geworden, keine Pause und massenhaft Überstunden zu machen, den Ausfall unserer Kolleg*innen zu kompensieren sowie gering entlohnt und wertgeschätzt zu werden. Wir haben prekäre Verhältnisse in den Kliniken! In diesem Jahr gibt es endlich eine Chance für Veränderung: Im September diesen Jahres werden Tarifverhandlungen für die Pflegeberufe stattfinden! Daher appellieren wir eindringlich an die Verhandlungskommission der Ver.Di, im September 2021 im Interesse aller Beteiligten (auch der Patient*innen) MENSCHENwürdige Arbeitsbedingungen und eine unserer Leistung entsprechende Entlohnung auszuhandeln!

Die letzten Tarifverhandlungen (zum TVöD und TV-L) haben gezeigt, dass die Verantwortlichen der Bundesregierung sowie der Länder noch immer nicht verstanden haben, dass ein Systemwechsel im Gesundheitswesen - angelehnt an das Konzept der öffentlichen Daseinsvorsorge () - unumgänglich ist. Da sich die Bundesregierung, insbesondere Gesundheitsminister Jens Spahn, als Meister darin erweist, ressorteigene Probleme diplomatisch zu zerreden, wenden wir uns direkt an unsere gewerkschaftliche Arbeitnehmer-Vertretung, die Ver.Di, unsere Forderungen bei den kommenden Tarifverhandlungen konsequent zu vertreten.

Unsere konkreten Forderungen für die kommenden Tarifverhandlungen (Sept. 2021) für den TV-L (Tarifvertrag Länder) sind…

  • Flächendeckend signifikante Gehaltserhöhung für Krankenpflege und Altenpflege um 33%  (*↘)
  • Entsprechende Nachverhandlung aller Tarifverträge wie des TVöD (öffentlicher Dienst)
  • Entlastung der Krankenhäuser: Sämtliche (auch bestehende) Personalkosten müssen über das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz zu 100% von Bund/ Ländern refinanziert werden  (*↘)
  • Aufstocken des Pflegepersonals gemessen am tatsächlichen Bedarf, mindestens im Verhältnis 1:5  (*↘)
  • Erhöhen des Zuschlags für Nachtdienste auf 50%
  • Tarifverträge über maximal 2 Jahre
  • 100%iger Angleich Ostlöhne an Westlöhne
  • Ratifizierung der Ergebnisse der Verhandlungen über Befragung der Basis

(*↘ Details zu den Forderungen findet ihr weiter unten in der Petition)

Laut Gesundheitssystemforscher Prof. Dr. Michael Simon fehlen in deutschen Allgemeinkrankenhäusern aktuell gut 100.000 Vollzeitstellen für Pfleger*innen () – ein Trend, der sich ungebremst fortsetzt, wenn jetzt nicht gehandelt wird! ().  

Rahmenbedingungen wie chronische Unterbesetzung und zunehmende Arbeitsdichte führen zu wachsender Unzufriedenheit und psychischer/ physischer Dauerbelastung bis hin zum Burnout. Immer mehr Pfleger*innen kehren ihrem Beruf den Rücken zu. Durch die anhaltende Corona-Pandemie habe sich die bestehenden Probleme noch massiv verschärft!

Es muss deutlich spürbare Veränderungen geben. Und zwar jetzt!

Wir bitten euch, unsere Petition mit allen Freund*innen und Bekannten zu teilen – insbesondere mit allen, die ihr aus der Pflege kennt. Helft uns bei der Verbreitung über sämtliche Social-Media-Kanäle wie WhatsApp↗, Facebook↗, E-Mail↗, Instagram, Twitter↗...  (#KrankKraenkerKrankenhaus #Pflege #Gesundheit #Pflegepetition)  

Joanne, Annika, Peter & Michael

 

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Was hat zur chronischen Unterbesetzung und Pflegenotstand geführt?

Seit 2003 erfolgt die Abrechnung der Krankenhauskosten über an Diagnosen geknüpfte Fallpauschalen. Ziel des Ganzen: Begrenzung und Kontrolle der Gesamtausgaben für Krankenhausbehandlungen (). Kliniken wurden zunehmend auf Rentabilität und Profit getrimmt. Um Kosten einzusparen, wurden bis 2018 massiv Pflegestellen abgebaut. Eine tiefgreifende Gesundheitsreform basierend auf dem Konzept der öffentlichen Daseinsvorsorge () muss her.

 

Wieso reichen der Pflege bisherige Lohnerhöhungen nicht annähernd?

Bei der letzten Tarifverhandlung zum TV-L (2019) hat die Ver.Di Gehaltserhöhungen um die 3% ausverhandelt (). Wenn jedoch die jeweilige Inflationsrate sowie die erhöhte Steuerabgabe () berücksichtigt werden, bleibt einer Pflegekraft von der Gehaltserhöhung real so gut wie nichts übrig.

 

Warum fordern wir 33% mehr Gehalt?

  1. Über einen hohen Verhandlungs-Anker wollen wir direkt klarmachen, dass Ergebnisse wie die aus vergangenen Tarifverhandlungen längst nicht mehr zeitgemäß sind. Die professionelle Pflege heutzutage erfolgt evidenzbasiert, aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung fließen kontinuierlich in die pflegerische Praxis ein. Dies ermöglicht eine ganzheitliche auf das Individuum abgestimmte ressourcenfördernde Pflege. Die Pflege interagiert mittlerweile auf Augenhöhe mit den anderen Professionen des Gesundheitssystems wie der Medizin.
  2. "4000€ Einstiegsgehalt für Pflegekräfte" fordern Organisationen wie der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (). Das derzeitige Einstiegsgehalt für eine Pflegekraft im öffentlichen Dienst beträgt ca. 2600-2900€ (, ). Unsere Forderung von 33% mehr Gehalt liegt somit knapp unter der des DBfK.
  3. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung (, ) hat die Lohneinkommensentwicklung aller Branchen bis 2025 untersucht. Laut Studie profitieren kapitalintensive Branchen mit hoher Produktivitätsdynamik auch zukünftig von überdurchschnittlichem Lohnzuwachs, während Berufe im Gesundheitswesen wegen geringen Produktivitätssteigerungspotentials auch weiterhin deutlich unterdurchschnittlich bezahlt würden. Wir sind der Ansicht, dass für Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen nicht dieselben marktwirtschaftlichen Maßstäbe gesetzt werden dürfen wie für Brachen aus der freien Wirtschaft. Des Weiteren entspricht die aktuelle Entlohnung schon lange nicht mehr dem derzeitig erreichten Leistungsniveau in der Pflege. Die Pflege wird deutlich unterbezahlt – und das schon seit Jahren. Daher fordern wir jetzt eine deutliche der Leistung und Verantwortung entsprechende Entlohnung von 33% mehr Gehalt.
  4. Was sollte eine examinierte Pflegekraft eigentlich verdienen (). In der Schweiz beispielsweise liegt der Bruttojahresverdienst um 33% höher als in Deutschland. Die beiden Länder scheinen auf den ersten Blick nicht vergleichbar. Jedoch: Den in der Schweiz vorliegenden hohen Lebenshaltungskosten steht eine erheblich geringere Belastung über Steuern und Sozialabgaben () entgegen. Zudem betreut eine Pfleger*in in der Schweiz mit 7.9 etwa halb so viele Patient*innen wie eine Pfleger*in in Deutschland (). Unsere Forderung nach 33% mehr Gehalt wäre somit angemessen.
  5. In der Vergangenheit ausverhandelte Lohnsteigerungen werden durch die Inflationsrate und den erhöhten Steuersatz so gut wie geschluckt (). Daher fordern wir für die kommenden Tarifverhandlungen eine signifikante und nachhaltig wirksame Lohnsteigerung von 33%.

 

Pflegeschlüssel entsprechend tatsächlichem Bedarf

In einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung (, ) zeigen die Wissenschaftler*innen Prof. Dr. Michael Simon und Sandra Mehmecke, dass gesetzlich festgelegte Mindestschlüssel die Qualität der Arbeitsbedingungen sowie die Pflegequalität und Patientengesundheit positiv beeinflussen. Während Deutschland über eine Nurse-to-Patient-Ratio (NtPR, Pflegeschlüssel) von 1:13 (13 Patient*innen pro Pflegekraft) für dauerhaft belastende Arbeitsbedingungen sorgt, zeigen Vorbilder wie die USA mit einer NtPR von 1:5.3, wie es optimalerweise in der Pflege aussehen sollte. Wir fordern daher eine NtPR von 1:5, angelehnt an das Vorbild USA.

 

Stereotypes La­men­tie­ren: Bund und Länder haben kein Geld!

Sämtliche (auch bestehende) Personalkosten würden über das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz () vom Bund refinanziert. Das dürfte trotz Coronakrise absolut kein Problem sein. Während der Bund die letzten Jahre massiv beim Gesundheitshaushalt gespart () hat, schmeißt er das Geld an anderer Stelle mit vollen Händen aus dem Fenster: Über Steueroasen, Minderbesteuerung von lobbystarken Großkonzernen, Schwarzarbeit, die Bankenkrise sowie hausgemachte Misswirtschaft (Maut, Berliner Flughafen…) entgehen dem Bund jährlich Milliarden (, ). Würde die Bundesregierung ihre Hausarbeiten machen und das Hauptaugenmerk einmal auf ihre eigentliche Klientel, die Bundesbürger*in, richten, würde die feststellen, dass ausreichend Geld da ist!

 

 

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Foto: drobotdean - de.freepik.com



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