Kita-Schließung in Berlin mit klaren Regeln!

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Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller und die Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Sandra Scheeres

Sehr geehrter Herr Müller, sehr geehrte Frau Scheeres,

ich wende mich an Sie als Partner:in eines Kita-Erziehers. Mein Partner arbeitet im U3-Bereich – aus pädagogischen Gründen ist dort weder das Tragen einer Maske noch das Abstandhalten möglich. In den letzten Wochen gab es mehrere Corona-Fälle in seiner Kita, unter anderem sind zwei Erzieher:innen, eine pädagogische Aushilfskraft und zwei Kinder erkrankt. Die beiden Erzieher:innen sind auch nach vier Wochen noch krank, haben Atemnot und starke Erschöpfung. Ein sehr junges Kind hatte über viele Tage starke Symptome wie Fieber, Durchfall und Erbrechen.

Es gibt zahlreiche Veröffentlichungen zur Infektiosität von Kindern und zu schwerwiegenden Folgen, die auch bei Kindern mit milden Verläufen auftreten können:  

„Laut einer umfangreichen Analyse von Infektionsketten in den indischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Andhra Pradesh könnten Kinder bei der Ausbreitung des Coronavirus eine größere Rolle spielen, als frühere Untersuchungen nahelegten.“ Link

„Forscher vom Helmholtz-Zentrum München können durch breit angelegte Antikörpertests zeigen: Im Frühjahr und Frühsommer hatten deutlich mehr Kinder Antikörper gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 im Blut, als das laut den Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Ernährung und Gesundheit der Fall sein dürften. Wie das Team um Annette-G. Ziegler im Fachblatt Cell berichtet, fanden sie allein im April bei 0,87 Prozent der getesteten Kinder Antikörper gegen Corona. Die Behörden hatten aber nur bei 0,17 Prozent der 0 bis 18-Jährigen eine Infektion registriert. Die Coronaquote war damit bei den Forschern fünf Mal so hoch, wie die der Ämter.“ Link

"Laut einer in der vergangenen Woche in der medizinischen Fachzeitschrift 'Journal of the American Medical Association' veröffentlichten neuen Studie gibt es weitere Hinweise darauf, dass Kinder eine wichtige Rolle bei der Verbreitung des neuartigen Coronavirus spielen könnten — auch ohne Symptome zu zeigen." Link                               

Auch Herr Drosten betont schon seit langem die Infektiosität von Kindern, die der von Erwachsenen in nichts nachsteht: Link

„Der Berliner Virologe Christian Drosten sieht in seiner Studie zur Infektiosität von Kindern keinerlei Hinweise darauf, dass Kinder in Bezug auf Sars-CoV-2 nicht genauso infektiös seien wie Erwachsene. Zu einer Öffnung von Kitas und Schulen heißt es in seiner Studie: `Die uneingeschränkte Öffnung dieser Einrichtungen sollte sorgfältig mit Hilfe von vorbeugenden diagnostischen Tests überwacht werden.‘" Link

„Kinder können sich zwar mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, erkranken aber deutlich seltener an Covid-19 als Erwachsene. Meist verläuft die Infektion bei ihnen symptomlos oder mild, weshalb die Dunkelziffer bei Kindern und Jugendlichen besonders hoch ist. In seltenen Fällen jedoch zieht die Corona-Infektion ein schweres Entzündungssyndrom nach sich, das Fieber, Kreislaufkollaps und Herzschäden verursachen kann.“ Link

Zudem ist die derzeitige Strategie, Kinder quasi nicht zu testen – selbst das Kind mit starken Symptomen wurde erst auf Drängen der Eltern getestet. Das bedeutet eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Kinder das Virus ohne Erkrankung in sich tragen und an andere Kinder in der Kita und an das Personal weitergeben.  

Der Berliner Senat plant trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse von der bundesweiten Vereinbarung einer klar geregelten Kita-Schließung abzuweichen mit dem Argument, es gibt in Berlin sehr viele Alleinerziehende. Stattdessen wird von einer Notversorgung geschrieben und lediglich an Eltern appelliert, ihre Kinder nach Möglichkeit zuhause zu lassen. Nur mit einer offiziellen Kita-Schließung wäre es den Eltern möglich, gegenüber ihren Arbeitgebern zu argumentieren und beispielsweise den in der bundesweiten Regelung angekündigten bezahlten Extra-Urlaub einzufordern. Aber mit einer freiwilligen Regelung und einem Appell wird das nicht gehen – die Eltern müssen ihre Kinder in die Kita bringen, da sie keinerlei offizielle Begründung gegenüber ihren Arbeitgebern haben, warum sie ihre Kinder selbst betreuen müssen.

Wie kann es sein, dass es eine Ausgangssperre in Berlin geben soll, aber Kinder und Erzieher:innen täglich auf engstem Raum zusammenkommen müssen, ohne die Möglichkeit, sich an die AHA-Regeln halten zu können? Wie steht das im Verhältnis zum im Grundgesetz verbrieften Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit?

Natürlich wird es eine Notbetreuung geben müssen, z.B. für alle Kinder jener Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und keine alternative Betreuung gewährleisten können und für Kinder, die in besonders schwierigen häuslichen Situationen leben. Aber diese sollte klar seitens des Senats definiert werden. Die Anzahl der Kontakte auf das absolut Nötigste zu beschränken, sollte jetzt, bei einer 7-Tage-Inzidenz von 192,3 in Berlin, das Gebot der Stunde sein.

Ich bitte Sie eindringlich, den Beschluss der Kita-Öffnung zu überdenken und sich der bundesweiten Regelung verbindlich anzuschließen - mit einer klar definierten Schließung, die es Eltern ermöglicht, gegenüber ihren Arbeitgebern zu argumentieren.

Mit freundlichen Grüßen

Caroline Büchel