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Mein Name ist Andreas Dorsch und ich lebe seit über 40 Jahren in München.

München hatte für mich immer ein eher gemütliches, eben nicht so großstädtisches Flair. Trotzdem, oder gerade deswegen, war die Stadt bei Künstlern sehr beliebt und konnte auch eine lebendige subkulturelle Szene vorweisen. Eine Szene wie sie gerade in der Fraunhoferstraße noch präsent ist.

Seit 20 Jahren aber, stark beschleunigt seit 5 Jahren, wird München an den Meistbietenden verkauft, ja regelrecht verhökert. Die enorme Zunahme an Baustellen zeigt dies überdeutlich.

Eine Stadt entwickelt sich immer. Sie sollte dies aber mit einer halbwegs verträglichen Geschwindigkeit und nicht völlig ungesteuert tun. Aufgrund der momentanen Finanzkrise versuchen alle Anleger ihr Geld mittels Immobilien in Sicherheit zu bringen. Diese Flucht ins Betongold führt dazu dass mit rasanter Geschwindigkeit immer mehr Identität stiftende und die Stadtgestalt prägende Gebäude und Bäume zugunsten einer rein profitoptimierten Überbauung aus München verschwinden.

Der Abriss der ehemaligen Osteria Santini samt Biergarten an der Ecke Fraunhoferstraße/Isar ist ein neuer, trauriger Höhepunkt dieser Entwicklung. An ihre Stelle sollen bis zu acht Stockwerke mit Eigentumswohnungen im Luxussegment (ab 7600€ / m²) entstehen. Dadurch wird das Entrée zur Fraunhoferstraße und dem Glockenbachviertel schwerst geschädigt! Hier wird das allgemeine Interesse dem Interesse eines Einzelnen (Geldbeutels) unterworfen.

Mit meiner Unterschrift fordere ich, dass dieses und vergleichbare Ensemble mittels einer Erhaltungssatzung (BauGB §172) für die Münchner bewahrt werden. BauGB §172 (3): „…darf die Genehmigung versagt werden, wenn die bauliche Anlage … das Ortsbild, die Stadtgestalt oder das Landschaftsbild prägt oder sonst von … städtebaulicher Bedeutung ist.“

Unterschreiben Sie jetzt gegen den Luxustempel in der Fraunhoferstraße und für ein lebenswertes München!

Letter to
Stadtbaurätin Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk
Leiter Stadtentwicklungsplanung Stephan Reiß-Schmidt
Leiter Lokalbaukommission Cornelius Mager
Die Fraunhoferstraße bildet an der Reichenbachbrücke das Entreé zum Glockenbachviertel. Von der Brücke kommend bietet der Platz trotz des hohen Verkehrsaufkommens einen gewachsenen innerstädtischen Eindruck. Der Biergarten war noch nie bebaut, ist also keine Kriegslücke, sondern war von den Stadtplanern als freizuhaltende Grünfläche geplant worden. So wie auch zahlreiche Innenhöfe Münchens als grüne Rückzugsmöglichkeiten in der Innenstadt geplant wurden, und nun der Nachverdichtung zum Opfer fallen sollen. Der mit der Gaststätte bebaute Teil wurde im Krieg zerstört und danach einstöckig wiederhergestellt.

Insgesamt kann man hier noch von einem intakten, gewachsenen Stadtbild sprechen. Ein solches ist vor allem an Platzsituationen besonders schützenswert, zumal der Erhalt einer solchen städtebaulichen Struktur im allgemeinen Interesse, vor allem der ansässigen Münchner Bürger, liegt. Für sensible Bereiche muss ein anderer, eben der Platzwirkung Rechnung tragender, Maßstab herangezogen werden. Der undifferenzierte Ansatz des sich Einfügens nach §34 führt zu einer Verwässerung der jeweils ortstypischen Stadtgestalt und gewachsenen Strukturen, und so auf Dauer zu einem urbanen Einheitsbrei, der den Bedürfnissen der Bürger zuwider läuft.
Die Fraunhoferstraße ist damit zwischen den Luxusburgen „Seven“ und „Glockenbachsuiten“ regelrecht eingekesselt. Die Schließung der Schoppenstube wegen Sanierung zeigt deutlich wo die Reise hingeht. Die zum Teil noch vorhandene subkulturelle Atmosphäre wird zugunsten eines Hochpreisslums geopfert.
Vermutlich werden die Käufer der Wohnungen als erstes dem Kiosk zu Leibe rücken, weil:
„…sowas ja gar nicht geht! Wofür zahl ich denn Millionen von Euro, wenn da unten das Münchner Gschwerl sich amüsiert, da will ich doch meine Ruhe haben!“ Die CONCEPT BAU jedenfalls wird der wegen Sanierung geschlossenen, bei den Nachtschwärmern äußerst beliebten, Schoppenstube (direkt nebenan) sicher keine Träne nachweinen. Ganz im Gegenteil...
Eigentlich sollte man meinen dass eine Münchner Firma mehr Fingerspitzengefühl besitzt wenn es um München geht.

Die Lebensqualität eines Viertels wird maßgeblich durch das Stadtbild, bestehend aus gewachsenen baulichen wie natürlichen Strukturen, beeinflusst. Um das Stadtbild zu schützen gibt es im Baugesetzbuch ausdrücklich den §172: „…darf die Genehmigung versagt werden, wenn die bauliche Anlage … das Ortsbild, die Stadtgestalt oder das Landschaftsbild prägt oder sonst von … städtebaulicher Bedeutung ist.“

Die Stadt könnte diesen Paragraphen ohne weiteres anwenden. In der Folge wäre zwar der Eigentümer nach §173 berechtigt die Übernahme des Objekts durch die Stadt zu fordern, aber durch den Gewinn, den die Stadt durch das „Seven“ erzielt hat, wäre sie durchaus in der Lage dies zu tun. Denkbar wäre den Nachkriegsbehelfsbau wieder auf 4+D aufzustocken, in einer der Umgebung angepassten Architektur natürlich. Und es sollten günstige Wohnungen mit etwa 50-80m² entstehen, und kein Penthouse. Zudem würde sich die Möglichkeit ergeben das Grundstück, vor allem den Biergartenbereich, in ein zukünftiges Konzept eines möglichen Isarboulevards einzubringen. Das wäre vorausschauende Stadtentwicklungspolitik.

Ich bitte Sie daher das Stadtbild Ecke Fraunhoferstraße / Isar, mittels Erhaltungssatzung §172 Abs. 1 Nr. 1 für München und seine Bewohner auch in Zukunft zu bewahren.

Unterstützt durch:
Bündnis Bezahlbares Wohnen
Bündnis Gartenstadt München
Green City e.V.
Glockenbachwerkstatt e.V.
Bund Naturschutz in Bayern e.V.
u.v.m.