Keine Ehrung von Kolonialverbrechern - Das Robert Koch-Institut muss umbenannt werden!

Keine Ehrung von Kolonialverbrechern - Das Robert Koch-Institut muss umbenannt werden!

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Salome Marte hat diese Petition an Karl Lauterbach (Bundesminister für Gesundheit) und gestartet.

[engl. version below]

Robert Koch führte in deutschen und britischen Kolonien teils tödliche Menschenversuche durch. Jetzt ist das nach ihm benannte Institut fast täglich in den Medien. Deutsche Kolonialverbrechen müssen jedoch konsequent aufgearbeitet werden! Die Täter*innen dürfen nicht durch nach ihnen benannte Institute, Organisationen, Straßen, Plätze, Schulen und weiteres geehrt werden.  Die Namensgebung des Robert Koch-Instituts steht dem entgegen, das Institut muss umbenannt werden.

Koch verursachte bewusst viel Leid und Tod. Er steht für ein rassistisches Weltbild und die systematische Diskriminierung und Ausbeutung einer brutal unterdrückten Nation. Seine Person ist mit unseren heutigen Werten unvereinbar.

Daher fordere ich vom Bundesminister für Gesundheit Prof. Dr. Karl Lauterbach und vom Präsidenten des Robert Koch-Instituts Herrn Prof. Dr. Lothar Wieler:

Distanzieren Sie sich eindeutig von den Gräueltaten der Kolonialzeit und somit auch von Robert Koch!

Geben Sie dem Robert Koch-Institut einen neuen Namen!

Der für seine Tuberkulose Forschungen bekannte Arzt Robert Koch reiste ins heutige Tansania und Uganda um ein Gegenmittel für die damals kursierende Schlafkrankheit zu finden. Seine unfreiwilligen „Behandlungen“ waren hauptsächlich darauf ausgerichtet, die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen und so die Arbeitskraft der Bevölkerung zu erhalten - nicht darauf, seine Patient*innen zu heilen.

Seine ersten Versuche die Krankheit mit Atoxyl, einem arsenhaltigen Mittel, zu bekämpfen zeigten keine langfristigen Wirkungen, daraufhin erhöhte er die Dosis. Obwohl es zur damaligen Zeit schon bekannt war, missachtete er, dass Arsen in höherer Dosierung stark giftig ist und z.B. Erblindung verursachen kann. So nahm Robert Koch die auftretenden Nebenwirkungen, unter anderem starke Schmerzen, Erblindungen und den Tod seiner Patient*innen bewusst in Kauf.

Viele der Versuche, die Robert Koch an Menschen durchführte, wurden in Deutschland auch schon zu seiner Zeit nicht toleriert. Neben der Behandlung mit hoch dosiertem Atoxyl probierte Koch auch den Farbstoff Trypanrot an der afrikanischen Bevölkerung aus, obwohl man diesen in Deutschland aufgrund der Nebenwirkungen nicht anwendete.

Ich bin davon überzeugt, dass sich der Umgang mit unserer Geschichte auf unser heutiges Verhalten auswirkt. Um eine rassismusfreie Gesellschaft aufbauen zu können müssen wir unsere rassistische Vergangenheit kritisch aufarbeiten. Besonders bei der Aufarbeitung der Kolonialzeit haben wir noch viel zu tun. Die Umbenennung des RKIs ist mir daher besonders wichtig weil so ein symbolischer Schritt die leider noch immer vorhandenen rassistischen gesellschaftlichen Strukturen und Verhaltensweisen hinterfragen und verbessern kann.

Eine Anmerkung in Anbetracht der aktuellen politischen Situation: Diese Petition kritisiert keinesfalls die Arbeit des Instituts. Ich will hiermit keinen Schulterschluss mit Querdenker*innen, Rechtsextremen und Coronaleugner*innen begehen, sondern lediglich den Namensgeber des Instituts anprangern.

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engl. version:

We don’t honour colonial criminals - The Robert Koch Institute must be renamed!

[additional Information: The Robert Koch Institute (RKI) is a German institute for infectious diseases. It is part of the Federal Ministry of Health. During the Corona Pandemic the RKI has advised the German government on coronavirus measures and collects the number of cases as well as the daily infections. Therefore the institute is more visible than ever.]

Robert Koch conducted human experiments, some of them fatal, in German and British colonies. Now the institute named after him is in the media almost every day. However, German colonial crimes must be dealt with! The perpetrators must not be honored by institutes, organizations, streets, squares, schools and more named after them.  The naming of the Robert Koch Institute runs counter to this, and so the institute must be renamed.

Koch deliberately caused much suffering and death. He represents a racist worldview and the systematic discrimination and exploitation of a brutally oppressed nation. His person is incompatible with our values today.

I make the following demand of the Federal Minister of Health Prof. Dr. Karl Lauterbach and from the President of the Robert Koch Institute Prof. Dr. Lothar Wieler:

Distance yourself clearly from the atrocities of the colonial era - thus also from Robert Koch!

Give the Robert Koch Institute a new name!

The physician Robert Koch, known for his tuberculosis research, traveled to what is now Tanzania and Uganda to find an antidote for the sleeping sickness that was circulating at the time. His non-consensual "treatments" were mainly aimed at stopping the spread of the disease to preserve the labor force of the population - not at curing his patients.

His first attempts to combat the disease with Atoxyl, a drug containing arsenic, showed no long-term effects, so he increased the dose. Although it was known at the time that arsenic is very toxic in higher doses and can result in blindness or other conditions, he disregarded this fact. Thus, Robert Koch consciously accepted the side effects that occurred, including severe pain, blindness and death of his patients.

Many of the experiments Robert Koch conducted on humans were not tolerated in Germany even in his time. In addition to the treatment with high doses of Atoxyl, Koch also tried out the dye trypan red on the African population, although it was not used in Germany because of the side effects.

I am convinced that how we deal with our history affects our behavior today. In order to build a society free of racism, we must critically reappraise our racist past. Especially with respect to coming to terms with the colonial era, we still have a lot to do. The renaming of the RKI is therefore particularly important to me because symbolic step like this can question and improve the unfortunately still existing racist social structures and behaviours.

A note, in light of the current political situation: this petition in no way criticizes the work of the institute. I do not want to join forces with Querdenker*innen (literally “lateral thinkers” - a right wing group opposed to coronavirus restrictions), right-wing extremists or corona deniers. I merely seek to denounce the institute's namesake.

Quellen/sources:

Deutsch:

1)      https://www.spiegel.de/geschichte/robert-koch-der-beruehmte-forscher-und-die-menschenexperimente-in-afrika-a-769a5772-5d02-4367-8de0-928320063b0a

2)      https://www.deutschlandfunkkultur.de/historiker-juergen-zimmerer-ueber-robert-koch-man-muss-das.1008.de.html?dram:article_id=477452

3)     https://www.welt.de/geschichte/article207078959/Seuchen-Robert-Koch-nahm-schwerste-Nebenwirkungen-hin.html

4)      https://www.freiburg-postkolonial.de/Seiten/robertkoch.htm

English:

1)    https://www.aljazeera.com/opinions/2020/10/6/when-africa-was-a-german-laboratory

 

Bild/picture © Peter Kuley https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wedding_Nordufer_Robert_Koch_Institut-1.jpg unter CC SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

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