Mehr Personal in Pflegeheimen

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Als Leiter einer stationären Pflegeeinrichtung für Senioren erlebe ich seit Jahren, wie der Bedarf der bei uns gepflegten Menschen ständig steigt. Trotz allem Bemühen steht dem keine nennenswerte Erhöhung der durchschnittlichen Pflegestufen bzw. Pflegegrade und damit des Personalstandes gegenüber. Die zuletzt angekündigte Personalerhöhung im Rahmen der Umstellung auf Pflegegrade war nur ein Strohfeuer, die günstige Umstellung der Pflegestufen hat sich mit den schlechteren Einstufungen im Jahr 2017 wieder auf das alte Niveau korrigiert.

Selbst wenn Stellen frei sind, können diese nicht zeitnah besetzt werden, insbesondere nicht von Pflegefachkräften, es gibt keine mehr auf dem Markt. 

Die Anwerbung von Pflegefachkräften aus dem Ausland wird von Anerkennungsverfahren behindert, die sich je nach Bundesland ewig hinziehen.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister,
sehr geehrte Staatssekretärinnen und Staatssekretäre,

es ist schön zu sehen, dass das Thema Pflege in den Koalitionsverhandlungen einen prominenten Platz eingenommen hat. Es steht jedoch zu befürchten, dass in den kommenden 3,5 Jahren wieder ein gewisser Aktionismus folgt, der bei den pflegebedürftigen Menschen nicht in Form von Verbesserungen ankommt oder ausschließlich die Situation im ambulanten Bereich verbessert. Die oft zitierten 8.000 zusätzlichen Pflegekräfte werden die Situation der stationären Altenpflege nicht merklich verändern, abgesehen davon, dass diese 8.000 Menschen gar nicht existieren.

Die Situation in unseren Heimen ist dramatisch - bitte handeln Sie.

1. Der Pflegeberuf muss attraktiver werden. Der wichtigste Hebel hierfür ist ein attraktives Gehalt, das auch von privaten Anbietern nicht unterschritten werden darf, die seit Jahren Dumpinglöhne zahlen. Der pflegerische Mindestlohn muss auf mehr als bisher tarifliches Niveau angehoben und nach Qualifikationen unterschieden werden. Alleine das Gehalt wird darüber entscheiden, ob sich zukünftig mehr Menschen dafür entscheiden, dauerhaft im Schichtdienst, unter Zeitdruck und mehr als jedes zweite Wochenende/jeden zweiten Feiertag zu arbeiten, denn die Zuschläge dafür sind leider kein Magnet.

2. Um Pflegekräfte zu gewinnen, wäre eine große Werbekampagne des BMG hilfreich, um die attraktiven Seiten des Berufs (und das zukünftig angemessene Gehalt) herauszustellen.

3. Die Bemühungen um eine generalisierte Pflegeausbildung können positiv und negativ gesehen werden. Aktuell haben wir allerdings dringendere Probleme und die völlig unausgegorenen Pläne dafür ohne angemessene Beteiligung von Berufsverbänden sollten verschoben werden. Statt dessen sollte die Finanzierung der Altenpflegeschulen deutlich verbessert werden, da viele davon vor dem Aus stehen. Eine Finanzierung auf dem Niveau der Krankenpflegeschulen wäre angemessen. 

4. Es wird ca. 25% mehr Pflegepersonal in stationären Pflegeeinrichtungen benötigt. Dies sollte mit einem bundesweit einheitlichen Personalschlüssel geregelt sein.

5. Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in der Pflege soll weiterhin präzise geprüft werden. Allerdings sollte ein Anerkennungsverfahren zeitnah abgeschlossen werden und nicht erst nach 6-18 Monaten. Angesichts des Notstands wäre ein Monat sicher angemessen und ausreichend.

6. Die Umsatzrenditen privater Pflegeheimbetreiber liegen häufig weit oberhalb von 10% und werden ausschließlich mit Dumpinglöhnen der Beschäftigten finanziert. Finanziert werden diese Gewinne mit Leistungen der Pflegekassen, Renten der Bewohner und Steuergeldern, was kaum angemessen sein kann. Die Renditen sollten auf ein angemessenes Maximum von 5% beschränkt und in die Pflegesatzverhandlungen eingebaut werden.

Zur Inspiration schlage ich einen Blick ins europäische Ausland vor, z. B. nach Dänemark. Die dortigen Ausgaben für die Pflege von Senioren in % des BIP lassen die BRD aussehen wie ein Entwicklungsland. Im Bereich Pflege sind wir das leider auch.

Was kostet 25% mehr Personal in Pflegeheimen?

durchschnittlich 2.500 Euro mtl. Pflegekosten x 25% = 625 Euro

625 Euro x ca. 950.000 Pflegebedürftige in Heimen = 593.750.000 Euro

593.750.000 Euro durch 44.000.000 Arbeitnehmer*innen = 13,49 Euro

Mit der Anpassung der Gehälter im Privatsektor und einer üppig ausgestatteten Werbekampagne lassen sich die dann ca. 20 Euro je Arbeitnehmer sicher gut paritätisch mit Arbeitgeberbeteiligung über die Pflegeversicherung finanzieren. 



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