Konzepte statt Ausweitung der Notbetreuung von Kindern

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Sehr geehrter Herr Spahn, sehr geehrte Frau Giffey, sehr geehrter Herr Heil, sehr geehrter Herr Scholz,

zwischen dem 16. und dem 17. März wurden in (fast?) allen Bundesländern Kitas und Schulen geschlossen.
Diese Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung der Corona Pandemie stellte Millionen von Eltern vor enorme Herausforderungen.

Für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung und Aufrechterhaltung der systemrelevanten Infrastruktur wurde eine Regelung eingeführt, die eine Notbetreuung vorsah für Kinder alleinerziehender systemrelevanter Personen oder Familien, bei denen BEIDE Elternteile in systemrelevanten Berufen arbeiten.

Seit vergangenem Wochenende wurden diese Regelungen in sämtlichen (oder allen?) Bundesländern „aufgeweicht“ und die Notbetreuung auch für Kinder aus Familien mit nur EINER systemrelevanten Person erweitert.

Dadurch ist die Anfrage gestiegen und mit einer weiteren Steigerung ist zu rechnen. (Beispiel: rp-online.de)

Maßnahmen für die Erweiterung der Notbetreuung wurden ergriffen, um finanzielle Engpässe bei Familien von systemrelevanten Personen zu vermeiden. Verständlich, aber epidemiologisch betrachtet aus meiner Sicht fatal.

Wir sprechen von Gruppen von Kindern, alle aus systemrelevanten Familien, die einer enormen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind (s. tagesspiegel.de).

Kinder, die in Einrichtungen betreut werden, die weder vorbereitet noch gerüstet sind, mit einer solchen Situation adäquat umzugehen. Ich höre von Trägern, die nicht mal eine „Risikogruppe“ berücksichtigen. Ja, da draußen herrscht das Chaos. Aber bei Ihnen wahrscheinlich auch.

Wir, Pädagog*innen und Träger, IMPROVISIEREN. Zum Wohle des Kindes und für die Aufrechterhaltung der notwendigen Versorgung. Die Folgen werden wir wahrscheinlich in den nächsten Wochen erfassen können.

Sinnvoll wäre jedoch, das Risiko JETZT SCHON auf das absolut Notwendigste zu reduzieren.

Finden Sie nicht auch?

In den letzten Tagen wurde ein Paket verabschiedet, um Eltern zu unterstützen (tagesschau.de). Begrüßenswert. Inwieweit die Maßnahmen den aktuellen Anforderungen genügen, sollte vielleicht noch geprüft werden (dgb.de).

Was mich allerdings extrem irritiert ist, dass aus einem Verdienstausgleich ausgerechnet die Eltern ausgeschlossen werden, die eine Notbetreuung beanspruchen können. Somit werden die nichtsystemrelevanten Partner von systemrelevanten Personen in die Lage versetzt, ihre Kinder in Kita und Schule bringen zu müssen.

Das kann doch nicht im Sinne des Erfinders sein, oder?

Deshalb: Zum Wohle der Kinder, der Eltern und der systemrelevanten Personen (zu denen wir auch gehören) fordere ich:

Erstens: Die SOFORTIGE Einschränkung der Notbetreuung auf das Notwendigste. Bundesweit!
(für alleinerziehende systemrelevante Personen oder Elternpaare, wenn beide systemrelevant sind)

Zweitens: Die SOFORTIGE Gründung eines Expert*innenengremiums, das die Notbetreuung im engen Austausch mit Trägern, Trägerverbänden und Mitarbeiter*innenvertretungen begleitet und konzeptualisiert.

Ich sehe ein riesiges Problem auf uns zukommen und ich halte ein schnelles Handeln für mehr als Notwendig. Wenn die Notbetreuung kollabiert und Ärzt*innen und Pflegepersonal bei ihren Kindern bleiben müssen, dann nützen alle Bettkapazitäten, die jetzt aufgebaut werden, herzlich wenig, oder?

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Sollten sich Fehler in meine Argumentation eingeschlichen haben, bitte ich um Nachsicht. Als Erzieher bin ich zwar gewohnt, jeden Tag Krisen bewältigen zu müssen. Die aktuelle sprengt aber meinen Rahmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Bruno Capra