Keine Kinderkliniken schließen: Mehr Geld für kranke Kinder!

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Ich bin Mutter zweier Kinder im Alter von 8 und 10 Jahren und lebe mit meiner Familie in München.

Beide Kinder hatten eine Influenza A. Bei unserer Tochter sind infolge einer Nebenhöhlenentzündung Bakterien ins Auge gewandert. Wird dies nicht rechtzeitig behandelt, artet dies innerhalb kürzester Zeit in eine Meningitis (Hirnhautentzündung) aus.

Am 20. Januar 2020 hat es zwölf Stunden gedauert, bis unsere Tochter endlich die dringend notwendige Antibiotikainfusion bekam. Der Augenarzt schickte uns zum Kinderarzt, dieser direkt mit dem Verweis in die Notaufnahme einer Kinderklinik. Das Kinderklinikum Schwabing wies uns ab, da keine Betten mehr verfügbar waren. Weiter wurden wir in das Haunersche Kinderspital geschickt. Das Kinderklinikum Harlaching lehnte eine Anfahrt telefonisch gleich direkt ab. Auch hier sei kein Bett mehr verfügbar.

Im Kinderspital dauerte es nochmals drei Stunden bis wir einen Arzt sahen, der die Dringlichkeit einer stationären Behandlung aussprach. Nur leider war auch hier kein Bett mehr frei. Nach langem Telefonieren konnten uns an diesem Tag eines der letzten drei Betten für Kinder in der Kinderklinik des Dritten Ordens in München zugewiesen werden. Andernfalls wäre noch Gauting, Tutzing oder Ebersberg in Frage gekommen.

Es hat insgesamt über zwölf Stunden gedauert bis unsere Tochter die dringend notwendige antibiotische Behandlung endlich erhalten hat.

Schuld an unserer Odyssee war aber nicht das Personal der Kliniken, sondern das Bezahlsystem in unserem Gesundheitssystem, durch das inzwischen immer mehr Kinderkliniken in finanzielle Schwierigkeiten kommen, nicht genügend Personal einstellen können, obwohl Betten zur Verfügung stehen würden, oder gar von der Schließung bedroht sind. 

Leider wird im Bezahlsystem der Kliniken mit den sogenannten Fallpauschalen abgerechnet. Dabei werden die identischen Sätze für die Behandlung von Kindern und Erwachsenen verwendet, die sich am Aufwand der Behandlung erwachsener Menschen orientieren. Es wird aber nicht berücksichtigt, dass die Untersuchung und Behandlung von  Kinder bei gleicher Erkrankung deutlich mehr Zeit und Aufwand wie die von Erwachsenen in Anspruch nimmt. Kinder brauchen mehr Ziet und Vertrauen. Doch dieser häufig sehr große Mehraufwand wird nicht eingerechnet. Als Folge sind viele Kinderkliniken und Kinderstationen meist defizitär. Betten werden abgebaut oder Kinderkliniken oder Kinderabteilung gleich ganz geschlossen.

In München steht die Kinder- und Jugendpsychosomatik im Rechts der Isar vor dem aus, auf der Intensivstation des Haunerschen Kinderspitals können nur 8 von 16 vorhandenen Betten belegt werden, da aufgrund der ungenügend Bezahlung durch das Fallpauschalensystem nicht genügend Mitarbeiter*innen eingestellt werden können. Dies sind nur zwei Münchner Beispiele von vielen aus ganz Deutschland. Bundesweit ist die Zahl der Kinderbetten seit 1919 von ca. 32.000 auf jetzt ca. 18.000 gesunken, während immer mehr kleine Patienten gibt wie unsere Tochter und immer mehr chronisch kranke Kinder. 

Vor 17 Jahren wurde das Fallpauschalengesetz eingeführt. Die vielerorts drohenden Schließungen von Kinderkliniken und Kinderabteilungen in ganz Deutschland zeigen eindringlich, dass die Fallpauschalen in der jetzigen Form nicht geeignet sind, eine ausreichende medizinische Versorgung unserer Kinder sicherzustellen. Ganz im Gegenteil, wie unsere eigene Geschichte leider zeigt.  

Daher fordern wir mit dieser Petition, dass das Gesetz zur Krankenhausfinanzierung überarbeitet wird und die Fallpauschale für Kinderkliniken und Kinderärzte dem tatsächlichen Aufwand  angepasst werden.

Bitte unterstützen Sie uns im Interesse der Gesundheit unserer Kinder.