Corona - Krise : Aufruf des Rettungsdienstes an Gesundheitsministerium und Krankenkassen

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Stefanie Fiedler
Stefanie Fiedler hat diese Petition unterschrieben.

Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister Spahn,
Sehr geehrte Verantwortliche der Krankenkassen,
Sehr geehrte Minister*innen von Bund und Ländern,

der Rettungsdienst bleibt im Zuge der Corona-Krise im öffentlichen Bewusstsein, in Ansprachen, Stellungnahmen, Planungen und Auswertungen noch immer zu sehr außen vor.

Wir hinken in Deutschland deutlich hinterher, wenn man die Entwicklung in den anderen Staaten beobachtet. Es herrscht Uneinigkeit zwischen den Bundesländern, was dazu führt, dass vereinzelte Maßnahmen nicht bundesweit einheitlich geregelt werden.

Wir im Rettungsdienst sind häufig die Ersten, die mit Infizierten in Kontakt kommen, meist ohne zu wissen, ob ein Patient den Virus in sich trägt!

Die Ressourcen an Schutzmaterialien gehen zur Neige, es ist zu wenig Material da um sich präventiv bei jedem Einsatz ausreichend schützen zu können und es bleibt auch im Notfall oft nicht die Zeit. Auch im Rettungsdienst arbeiten Kolleg*innen der sogenannten Risiko-Gruppen, um anderen Menschen helfen zu können und werden Überträger des gefährlichen Virus!

Außerdem spielt der Personalmangel im Rettungsdienst eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie auch die Belastung durch die stark zunehmenden Einsatzzahlen in 12-Stunden-Diensten bei 45-60 Arbeitsstunden pro Woche, die Angst bzw. Unerfahrenheit der Kolleg*innen im Umgang mit dem Virus und die Frage, was passiert, wenn sich in großer Zahl Kolleg*innen im Rettungsdienst infizieren.

Es muss in Krisenzeiten und im Katastrophenfall auch auf freiwillige und ehrenamtliche Helfer*innen bspw. der Bereitschaften und Feuerwehren zurück gegriffen werden. Diese verfügen oft über eine minimale Grundausbildung und sollen dann in der Notfallversorgung eingesetzt werden. Wir sind froh und stolz, auf diese Kolleg*innen zurückgreifen zu können. Trotzdem wird das System Rettungsdienst immer näher an seine Grenzen kommen und es wird bald nur noch möglich sein, Patient*innen im kritischen Zustand via „Load & Go“ in die Krankenhäuser zu bringen, was zu einer weiteren Belastung und Überfüllung der Notaufnahmen und zur Überlastung der Pflegestationen führen wird!

Die Gesundheitsämter der Städte und Kommunen geben z.T. voneinander abweichende Anweisungen für benachbarte Rettungsdienst-Bereiche raus. Da wünschen wir uns mehr bundesweit einheitlich Regelungen.

Hinzu kommt: Patienten*innen ohne schwere Symptome verstehen oft nicht, warum wir sie zu Hause lassen. Angehörige haben Angst und verlangen Aufklärung von uns. Nachbarn schimpfen, dass wir potenziell „Infizierte nicht wegbringen!“.

Es war lange absehbar, dass die Pandemie unaufhaltbar auch auf Deutschland zu kommt und es entsteht der Eindruck, dass sich die Verantwortlichen nicht ausreichend Gedanken zum Umgang mit den geschilderten Problemen im Rettungsdienst und in den Notaufnahmen gemacht haben. Auch unsere Arbeitgeber*innen können nur aus den vorhanden Ressourcen schöpfen und kommen bald an die Grenze ihrer Möglichkeiten.

Wir sind es leid und möchten nicht länger die Probleme zwischen Bund, Ländern und Kommunen auf unserem Rücken austragen. Wir verlangen mehr Sicherheit für die Beschäftigten im Rettungsdienst und schließen uns daher den Forderungen der Pflegekräfte an.

Es muss JETZT und SCHNELL gehandelt werden, um einen völligen Zusammenbruch des Systems zu verhindern. Wie wir brauchen auch unsere Arbeitgeber*innen jetzt Ihre Unterstützung und sowohl mentale aber auch deutliche finanzielle Hilfe!

Daher fordern wir jetzt konkret von Ihnen:

1. Eine sofortige Beschaffung von wirksamen Infektionsschutz- und Hygienematerialien unter Einbezug aller Möglichkeiten und permanenten Nachschub für die Dauer der Krisensituation. Dazu gehört passendes Material in verschieden Größen mit der entsprechenden Zulassung. Wir arbeiten wie die Pflegekräfte auch an der Front!

2. Eine bessere Unterstützung unserer Arbeitgeber*innen, um Mitarbeiter*innen aus Rettungsdienstschulen, Prüfungsausschüssen und Gremien sowie bspw. Schüler*innen aus Krankenpflegeschulen und Medizinstudent*innen für den Einsatz im Rettungsdienst und in den Notaufnahmen zu mobilisieren!

3. Die Zusage von finanziellen Zulagen für Mitarbeiter*innen im Rettungsdienst, die finanzielle Unterstützung für Kolleg*innen, deren Familien bspw. durch Kurzarbeit in finanzielle Nöte geraten und die finanzielle Unterstützung für Mitarbeiter*innen bei der Betreuung Angehöriger.

4. Die Zusage für künftige und zeitnahe Lohnsteigerungen im Rettungsdienst. Bundesweit verdienen Kollegen*innen im Rettungsdienst vieler Orts nur zwischen 1.700 und 2.600 Euro brutto Einstiegsgehalt im Monat bei einer 100%-Stelle. Das ist deutlich zu wenig für die hohe Verantwortung für Leben und Gesundheit bei permanent steigender Arbeitsbelastung. Die Einstiegsgehälter müssen in Bereiche von 3.200 bis 4.000 Euro brutto angehoben werden, um neues Personal zu gewinnen!

Bricht das System Rettungsdienst zusammen, kann nicht mehr gewährleistet werden, dass alle Patient*innen, die dringend Hilfe benötigen, professionell versorgt werden können!

Keiner will die jetzige Situation ausnutzen, aber es muss jetzt sofort gehandelt werden! Beziehen Sie uns, die wir draußen auf der Straße für unsere Mitmenschen im Einsatz sind, in Ihre Entscheidungen mit ein!