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Tariftreue und faire Bezahlung für Filmschaffende und Einhaltung des Arbeitszeitgesetztes

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Sender und Filmförderung zum Tarifvertrag verpflichten!

Jeder kennt den Tatort oder schaut sich andere Filme oder Sendungen in ARD und ZDF an.
Und jeder finanziert diese Programme mit seiner Haushaltsabgabe. Man sollte also davon ausgehen
können, dass diese öffentlichen Mitteln verantwortungsbewusst und rechtlich einwandfei eingesetzt
werden.
Bei der Produktion von Filmen, Serien und anderen Programmbeiträgen ist das nicht unbedingt so.

Nachtarbeit ohne Zuschläge? Dreharbeiten an Feiertagen ohne Ausgleich? Unbezahlte
Überstunden? Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall? Das ist oft Alltag in der Film- und
Fernsehbranche.
Wer sich darüber beschwert und auf seine tariflichen oder oft Arbeitsrechte besteht, gefährdet ganz
konkret seine berufliche Zukunft. Solche unliebsamen Mitarbeiter werden gemieden, nicht wieder
beschäftigt.

Mehr Arbeit für weniger Geld? Kein Inflationsausgleich und keine Verbesserung der
Reallöhne in Jahrzehnten?
In den letzten zehn Jahren haben die Gagen der Film- und Fernsehschaffenden kaum zugenommen,
wenn überhaupt die Inflation ausgeglichen. Parallel dazu haben sich die Drehzeiten für Filme
reduziert. Wurde ein Fernsehfilm (90 Minuten Lauflänge) 2000 noch in 26 Tagen und mehr gedreht,
wird das gleiche Pensum heute in 23 Tagen und weniger gemacht. Auch dadurch haben sich die
Einkommen reduziert. Gleichzeitig sind die Anforderungen gestiegen, es werden mehr
Einstellungen gedreht, es wird aufwändiger produziert – mehr Arbeit für weniger Geld.

Neue Vermarktungswege für Produzenten, dennoch beklagen sich Produzenten, an der
Machbarkeitsgrenze zu produzieren.
Die Verbreitung der Programminhalte über die Mediatheken und andere Online Angebote (Video on
demand) haben den Produzenten neue Absatz Möglichketen und Verwertungsrechte gebracht.
Entsprechende Abkommen zwischen auftraggebenden Sendern und Produzentten gibt es.
Standpunkt der Produzentenallianz zu einem Tarifabschluss an dessen Vorgänger sich nur
Ausnahmefälle gehalten haben:
»Schmerzhaft, aber vertretbar« nennt die
Produzentenallianz den neuen Tarifvertrag, auf den sie sich mit der Vereinten
Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) am 1. März geeinigt hat....
Die Zugeständnisse von Verdi bei den Arbeitszeiten haben wohl die Produzenten bewogen, »an die
finanzielle Grenze des Möglichen« zu gehen, ließen ihre Verhandlungsführer durchblicken.

Das Gespött ihrer Internationalen Kollegen ist deutschen Filmschaffenden sicher - das
geflügelte Wort „white mexicans“.Im Zuge der Filmförderung werden Internationale Filmproduktionen mit finanziellen Anreizen nach
Deutschland gelockt. Amerikanische Kollegen bezeichnen deutsche Filmschaffende dann gern als
„white mexicans“, da diese für soviel weniger Geld den gleichen Job machen. Der Begriff ist unter
Filmschaffenden verbreitet.

Im internationalen Vergleich ist die Situation bemerkenswert schlecht, in den USA ist es ab einer
gewissen Grössenordnung von Filmproduktion fast unmöglich Verträge „an der Gewerkschaft
vorbei“ zu schliessen, Filmschaffende sind dort in Unions organisiert, diese Unions haben grosse
Macht und haben in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt, wenn sie aktiv wurden.
Im europäischen Ausland ist die Situation ebenfalls besser.

Erst der Tarifvertrag legalisiert die langen Arbeitszeiten bei Filmproduktionen.
Der geltende Tarifvetrag ermöglicht es den Filmproduzenten die Wöchentliche Arbeitszeit auf 50
Stunden und mehr zu verlängern und unabhängig vom Arbeitszeitgesetz zu produzieren. Vorgesehen
ist, dass geleistete Arbeitszeit über 40 Wochenstunden hinaus in Arbeitszeitkonten fliessen, welche
dann im Anschluss an die Produktionsphase als bezahlte Sozialversicherungstage angehangen
werden. Somit haben die Angestellten die Möglichkeit Anwartschaftszeiten für Arbeitslosengeld zu
erfüllen und sich sozial abzusichern.
Wie hoch die Summe dessen ist, was den Sozialversicherungen an Beiträgen entgeht, weil nicht
tariflich abgerechnet wird, kann man nur vermuten. Hier wird möglicherweise auch auf Kosten der
Allgemeinheit gespart.

Filme, Serien, Dokumentationen werden seit geraumer Zeit nicht mehr, oder nur in Ausnahmefällen
von den Sendern selbst produziert. Sie werden durch freie Auftragsproduktionen hergestellt, die
sich wiederum aus einem Pool von freien Mitarbeitern bedienen, welche projektweise angestellt
oder beauftragt werden. Die Kamerafrau / der Kameramann, Beleuchter(in), Ton, Requisite etc. ,
selbst die Regie sind alle bestenfalls auf Basis von Tages-, oder Wochengagen angestellt. In vielen
Bereichen sind sozialversicherte Jobs bereits Selbstständigen gewichen. Für die Film- und
Fernsehschaffenden, die Teils gesellschaftlich relevante Arbeit leisten, bedeutet das eine zunehmend
prekäre soziale Lage.
Um dem zu begegnen und auch um die teils extremen Arbeitszeiten in der Branche zu legalisieren
gibt es einen Tarifvertrag, zwischen verdi und den freien Produzenten geschlossen. Zwar werden
Personalkosten in Budgets auf Basis dieses Tarifvertrags berechnet, jedoch werden vielerorts
tarifliche Leistungen wie Zuschläge für Arbeit an Sonn- und Feiertagen, Nachtarbeit, für Mehrarbeit
und Arbeitszeitkonten Regelung den Mitarbeitern vorenthalten. Bei der Vergabe von Aufträgen von
ARD und ZDF und auch von öffentlichen Mitteln durch die Filmförderungs Anstalten spielt die
Umsetzung des tarifvertrags immer noch keine Rolle. Versuche dies umzusetzen schlugen in der
Vergangenheit immer fehl.

So bleibt es immer dem Einzelnen überlassen sich für seine Rechte einzusetzen, was oft dazu führt,dass diese Mitarbeiter keine weiteren Aufträge von der jeweiligen Produktion erhalten, man wird
aussortiert. Das Prinzip des Betriebsrats greift in diesen kurzfristigen Beschäftigungen natürlich
nicht. Die Gewerkschaft kann immer nur auf Zuruf agieren und hat auch kaum Möglichkeiten
Verstösse wirkiungsvoll zu sanktionieren.

Rundfunk ist ein Produkt kreativer Arbeit von Menschen.
Entscheidend für gute Ergebnisse sind deshalb die Produk -
tionsbedingungen und eine faire Bezahlung, vor allem bei
ineinandergreifenden Produktionsketten. Eine Abwärts -
spirale hat hier in den letzten Jahren jedoch in vielen Fällen
zu einem unerträglichen Kosten- und Arbeitsdruck geführt,
der Qualität sichtbar leiden lässt. Kostendruck und harter
Wettbewerb der vielen Produktions firmen um die teilweise
auch mit preissenkender Absicht ausgeschriebenen Produk -
tionen führen zu hohem Druck auf Honorare und Ein -
kommen der Film-und Fernsehschaffenden.
Als öffentliche Unternehmen tragen ARD und ZDF jedoch
eine besondere soziale Verantwortung für alle Beschäftigten
im Produktionsprozess. Honorare, Gehälter und Arbeits -
bedin gungen müssen sich mindestens an den existierenden
Tarifverträgen orientieren. Produktionsbudgets müssen so
bemessen werden, dass nicht nur inhaltliche und künstleri-
sche Kriterien erfüllt werden, sondern auch die Qualität der
Arbeits bedingungen gewährleistet ist. Urheberrechte müs-
sen geschützt und die Nutzung der Werke muss so honoriert
werden, dass Festangestellte, auf Produktionsdauer Be -
schäftigte und freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von
ihrer Arbeit leben können. Um Qualität zu erreichen, bedarf
es bei Dokumentar-, Spielfilm- und Kino-Koproduktionen
einer ausreichenden Zahl von Produktions- und Drehtagen
und einer finanziellen Ausstattung jenseits von Low-Budget-
Produktionen.
Film- und Fernsehschaffende, die für öffentlich-rechtliche
Sender als Freie, als Subunternehmer, als Leiharbeitnehmer
oder über beauftragte Produktionsfirmen tätig werden, sind
mindestens gleichwertig zu bezahlen wie die bei den
Sendern festangestellten Kolleginnen und Kollegen („equal
pay“). Tarifstandards müssen in der Kette der Auftrags -
produktionen eingehalten werden, auch in den Tochter -
unternehmen der öffentlich-rechtlichen Sende anstalten.
Auftragsvergaben an Produktionsfirmen oder andereAuftrag nehmer müssen eine Verpflichtung zur Tariftreue ver-
bindlich vorsehen. Die Sender sollen Aufträge nur an Unter -
nehmen vergeben, die sich bei Bezahlung und Arbeits bedin -
gungen an die Branchentarifverträge halten. Die Einhaltung
der Tarifstandards ist regelmäßig zu überwachen. Grund -
sätzlich gilt: Prekäre Beschäftigung wie Leiharbeit, Werk -
verträge oder befristete Arbeitsverhältnisse dürfen reguläre
Arbeitsverhältnisse nicht weiter verdrängen.
Geltende Tarifvertäge fungieren zwar als Kalkulations Grundlage für die Herstellung und Vergabe
öffentlich rechlicher Produktionen, werden in der Realität aber nur sehr selten umgesetzt. Gehälter
und Gagen der Film- und Fernsehschaffenden stagnieren schon seit Jahren, de facto fand in den
letzten zehn Jahren vielfach nicht mal ein Inflationsausgleich statt.
Die öffentlich rechtlichen Sender und die Filmförderung in der BRD sollte verpflichtet
werden Tarifverträge umzusetzen, da es sich bei den verwendeten Mitteln um öffentliche
Gelder handelt, die Produktionen Steuer- oder Gebührenfinanziert sind und im
Umkehrschluss Lohndumping mit öffentlichen Mitteln betrieben wird.



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