Confirmed victory
Petitioning Ausländerbehörde im Landkreis Hildesheim and 5 others

Innenminister Boris Pistorius: Bitte erlauben Sie die Rückkehr meines Bruders (@SPDNDS)

UPDATE: Ihr Lieben, es sieht gut aus!!! Es kann sein, dass Anuar und mein Vater schon diese Woche nach Deutschland rückkehren dürfen. Wir sind unglaublich froh und vor allem: dankbar für Eure Unterstützung. Ohne die tolle Unterstützung von Euch auf Change.org und durch den Flüchtlingsrat hätten wir das nie geschafft. In Dankbarkeit, Schanas

Nach über 10 Jahren in Deutschland hat die Ausländerbehörde des Landkreises Hildesheim meinen 17-jährigen Bruder Anuar Naso und meinen Vater am 1. Februar 2011 von unserer Familie getrennt und nach Syrien abgeschoben. Dort wurde Anuar eingesperrt und gefoltert. Trotz dieser Leidensgeschichte und eines brutalen Bürgerkriegs in Syrien verweigerte der ehemalige Innenminister Uwe Schünemann die Rückkehr meines Bruders. Ich bin wütend und traurig und werde mich so lange für Anuar einsetzen, bis er wieder sicher in Deutschland ist.

Am Freitag vor der Wahl (17.1.) haben wir David McAllister getroffen, unsere Petition übergeben und mit dem Ministerpräsidenten über unseren Fall gesprochen - leider ist nichts passiert. Seit heute, den 19.2., ist ein neuer Innenminister im Amt - Boris Pistorius. Herr Pistorius ließ schon vor Amtsantritt verkünden "...das schlechte Image Niedersachsens im Umgang mit Flüchtlingen verbessern zu wollen." Ich setze große Hoffnung in diese Aussage. Danke, dass Ihr mich weiter unterstützt.

Die Geschichte meines Bruders ist unglaublich. Vor 24 Monaten begann das Martyrium für Anuar und meinem Vater Badir. In der Nacht kam die Polizei mit Hunden. Sie wurden von zu Hause fortgerissen und mit Polizeigewalt zum Flugzeug mit dem Zielort Syrien gebracht. Es ist das Heimatland meiner Eltern, das sie vor zehn Jahren verließen.

Nach der Ankunft in Syrien kam mein Bruder einen Monat und drei Tage in syrische Haft. Er wurde in einen dunklen Raum geführt, in dem nichts außer einem Eimer kaltes Wasser, Knüppel und ein paar Polizisten warteten. „Als ich da reinkam, dachte ich wirklich, das war's jetzt. Hier komme ich nie mehr raus", erzählt er mir. Die Polizisten stießen ihn herum und rissen ihm die Unterhose vom Leib. Er musste in die Knie gehen und wurde geschlagen. Können Sie sich vorstellen, dass das einem deutschen Jungen passiert wäre?

Als der Bürgerkrieg in Syrien losbrach, mussten sie wieder aus Syrien fliehen. Zu zweit zogen sie quer durch die Türkei und strandeten schließlich in Bulgarien, wo sie wegen „illegaler Grenzüberquerung“ lange inhaftiert wurden. Sie wollen zurück zu unserer Familie, doch die Ausländerbehörde Hildesheim in Niedersachsen bleibt hart und verweigert ihnen die Rückkehrerlaubnis.

Mit dieser Petition bitte ich Sie um Ihre Unterstützung.

Ich wünsche mir von meiner Landesregierung, dass sie eine Rückkehr meines Vaters und meines Bruders zu unserer Familie endlich ermöglicht und dafür sorgt, dass die verantwortlichen Behörden sich entschuldigen für das Leid, das Anuar und meinem Vater angetan wurde.

Immer noch herrscht in Syrien ein brutaler Bürgerkrieg - auf keinen Fall kann mein Bruder dorthin zurück kehren.

Die Familie von Gazale Salame hat nach einem langjährigen Protest vor kurzem die Zusage erhalten, dass die Familie wieder vereint wird - das wünsche ich mir für meine Familie auch.

Bitte erheben Sie ihre Stimme. Mein Bruder gehört nach Deutschland und nicht in ein Kriegsland, das er nicht kennt.

*Ich habe einige Textbausteine aus dem Bericht des NDR übernommen. Quelle: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/hannover/fluechtlinge215.html

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Der Flüchrlingsrat Niedersachsen bittet um Spenden zur Unterstützung der Familie auf folgendes Konto:

Flüchtlingsrat Niedersachsen

Konto 4030 460 700, GLS Gemeinschaftsbank eG, BLZ 430 609 67

Zweck: Anuar Naso

[IBAN: DE28 4306 0967 4030 4607 00

BIC: GENODEM1GLS

Steuer-Nr. 30/212/41346

Letter to
Ausländerbehörde im Landkreis Hildesheim
Neuer Innenminister Niedersachsen Boris Pistorius (SPD)
Paul Middelbeck, Innenministerium, Referatsleiter Ausländerrrecht
and 3 others
Viktoria Lieser, Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Leiterin Rechts- und Konsularreferat
Manfred Hartmann, Landkreis Hildesheim, Ansprechpartner im Dezernat 2 – Sicherheit und Ordnung –
Reiner Wegner, Landrat
Sehr geehrter Innenminister Pistorius,

sehr geehrter Herr Hartmann, sehr geehrter Herr Middelbeck, sehr geehrte Frau Lieser, sehr geehrter Herr Wegner,

mit Erschrecken habe ich von folgendem Fall erfahren, der sich in dem von Ihnen geführten Bundesland vor circa zwei Jahren ereignete:

Giesen in Niedersachsen, 1. Februar 2011: In aller Herrgottsfrühe wird das Haus der Familie Naso/Hasso von einer Polizeistaffel mit 17 Beamten und Hunden umstellt. Die Abschiebung nach mehr als zehnjährigem Aufenthalt in Deutschland erfolgt überfallartig und – auf ausdrückliche Anweisung des Ordnungsamtsleiters – ohne Mitteilung des Abschiebungstermins. Der damals 15-jährige Anuar und seine Eltern werden aus dem Schlaf gerissen und festgenommen, nur die 18-jährige Tochter Schanas darf bleiben. Die Ausländerbehörde sieht für sie eine positive Integrationsprognose und will ihr deshalb eine Aufenthaltserlaubnis erteilen.

Während der Abschiebung erleidet die Mutter Bashe Hasso, die den ganzen Tag über nichts zu essen und trinken bekommt, aufgrund ihrer Diabetes einen Schwächeanfall und muss in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Anstatt die Abschiebung daraufhin abzubrechen, werden Anuar und sein Vater ohne die Ehefrau und Mutter nach Syrien abgeschoben. Bashe Hasso bleibt mit ihrer Tochter Schanas in Deutschland zurück. Ihr wird später wegen bestehender Gefahr der Folter und menschenrechtswidriger Behandlung in Syrien ein Aufenthaltsrecht zugesprochen.

Anuar und sein Vater Bedir Naso jedoch landen in Damaskus und werden nach ihrer Ankunft in Syrien unverzüglich in ein Gefängnis gesperrt. Das niedersächsische Innenministerium behauptet in unerträglicher Verharmlosung des syrischen Folterregimes, die Inhaftierung diene „nur“ der Identitätsklärung. Später stellt sich heraus, dass beide vom syrischen Gemeindienst verhört und misshandelt werden. Der 15-jährige Anuar verbüßt insgesamt mehr als einen Monat, seit Vater 13 Tage in Haft. Schließlich werden sie unter Auflagen frei gelassen.

Aus Angst vor weiterer Verfolgung nutzen Vater und Sohn nach ihrer Entlassung die erste sich bietende Gelegenheit, um erneut aus Syrien zu fliehen. Nach einer Odyssee durch verschiedene Länder werden sie schließlich in Bulgarien festgenommen und auch dort vier Monate lang eingesperrt. Als sie dann versuchen, die Landesgrenze Richtung Deutschland zu verlassen, werden sie erneut festgenommen. Anuars Vater wird im Spätsommer 2011 zu einer langen Haftstrafe aufgrund versuchten illegalen Grenzübertritts verurteilt und bis zum 20. Oktober 2012 im Zentralgefängnis in Sofia eingesperrt. Anuar, der als Minderjähriger nicht inhaftiert werden darf, lebt für viele Monate auf sich allein gestellt in Sofia.

Der Aufforderung, jetzt schnell zu handeln, zum Wohle des Jungen alles zu tun und Anuar zu seiner Mutter nach Niedersachsen zu bringen, entziehen sich der Landkreis Hildesheim sowie das niedersächsische Innenministerium mit Hinweis auf die formale Rechtsposition, für die Erteilung einer Wiedereinreiseerlaubnis sei die deutsche Botschaft zuständig. Doch auch die mauert und fordert zunächst die Erstattung der Abschiebungskosten. Auch nachdem diese bezahlt sind, bewegt sich in der Angelegenheit nichts. Obwohl mittlerweile syrische Dokumente vorliegen, die das Alter von Anuar bestätigen, besteht die Botschaft auf einer medizinischen Altersfeststellung. Mittlerweile liegt ein radiologisches Gutachten vor, das die Altersangaben von Anuar Naso bestätigt, dennoch verweigern die deutschen Behörden eine Familienzusammenführung. Der inzwischen 16-jährige Junge sitzt derzeit weiter mit seinem Vater in Sofia fest.

Wie kann es sein, dass die Landesregierung zwar für die Durchführung der Abschiebung, nicht aber für deren Folgen zuständig und verantwortlich sein will?

Angesichts der steigenden Verzweiflung der Familie Naso fordern wir eine sofortige Aufnahmezusage für Anuar und Bedir Naso.

Leider verbleibt das Gefühl, dass der Fall bisher nicht gelöst wird, sondern Verantwortlichkeiten hin und her geschoben werden. Die Familie hat großes Leid durchgemacht.

Seit zwei Jahren kann Anuar nicht mehr zur Schule gehen. UNHCR hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die Familie einen Anspruch darauf hat, in Deutschland zusammenzuleben, weil eine Familienzusammenführung weder in Syrien noch in Bulgarien möglich ist. Deshalb erwarten wir, dass Sie eine Entscheidung über den Visumsantrag vom 27.07.2012 treffen und der Familie ein Zusammenleben in Deutschland ermöglichen.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie sich zum dem Fall mit dem zuständigen Flüchtlingsrat Niedersachsen (Ansprechpartner Kai Weber) in Verbindung setzen könnten, um eine schnelle Lösung zu finden.