Verpflichtende Belegung von Politik/Wirtschaft in der gesamten gym. Oberstufe in Hessen

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Petition zur verpflichtenden Belegung des Faches Politik und Wirtschaft in der gesamten gymnasialen Oberstufe in Hessen

Sehr geehrte Mitglieder des Petitionsausschusses,

 wir beantragen, dass Politik und Wirtschaft als Unterrichtsfach während der gesamten gymnasialen Oberstufe von den Schülerinnen und Schülern verpflichtend belegt werden muss.

 Oberstes Ziel der Bildung in Hessen ist es, die Schülerinnen und Schüler zur Selbst- und Mitbestimmung zu befähigen.

Die Schule hat den Leitauftrag, die Schülerinnen und Schüler zu demokratisch handelnden, zur politischen Urteilsbildung fähigen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Dem  Kerncurriculum für die gymnasiale Oberstufe ist zu entnehmen, dass die Schülerinnen und Schüler durch den Unterricht dazu befähigt werden sollen, „Fragen nach der Gestaltung des eigenen Lebens und der Zukunft zu stellen und orientierende Antworten zu finden“ (S. 4). Der Lehrperson kommt dabei die Aufgabe zu, „Lernende ...darin zu unterstützen, in einer komplexen Welt mit Herausforderungen wie fortschreitender Technisierung, beschleunigtem globalen Wandel umzugehen zu lernen[…]“(S. 5-6). Als personale Kompetenzen sind im Kerncurriculum verankert: widerstandsfähig und widerständig zu sein, bereit sein für Irritationen und mit ihnen umzugehen, Dissonanzen auszuhalten, divergent zu denken. Ebenso Bestandteil ist die Entwicklung interkultureller Kompetenz und das Lernen in globalen Zusammenhängen (vgl. S. 9-10). Die Schülerinnen und Schüler sollen die Gelegenheit erhalten, sich zu kritisch-reflexiven und engagierten Bürgerinnen und Bürgern zu entwickeln.

Hier setzt unser Antrag auf Änderung der Oberstufenverordnung an:

Die – wie im Kerncurriculum aufgeführt – immer komplexer werdenden politischen, wirtschaftlichen, sozialen Veränderungsprozesse verlangen vom einzelnen Mitglied in der Gesellschaft ein hohes Maß an Wissen und vor allem Kompetenzen, diese Prozesse zu reflektieren und sich persönlich auf der Grundlage von Toleranz und Demokratie zu positionieren, um handeln zu können.

Die Globalisierung mit all ihren Facetten als Unterrichtsgegenstand ist erst in der Q3 und der Q4 verankert. Gerade hier werden die wirtschaftlichen Veränderungen und Verflechtungen Deutschlands in das internationale Handelssystem thematisiert, lernen die Schülerinnen und Schüler internationale Organisationen kennen, erkennen Zusammenhänge zwischen internationalen Konflikten und Auswirkungen auf innerdeutsche Entwicklungen. Auch aktuelle Themen wie Nationalismus (Pegida, NSU, AFD), Islamismus und internationaler Terrorismus oder internationale Konflikte (Krieg in der Ukraine, Syrien) und ihre Folgen (z.B. Migration) sind Themen der Q3. Solange die Schülerinnen und Schüler das Fach Politik und Wirtschaft nach der Q2 abwählen können, verlässt ein Großteil der Abiturientinnen und Abiturienten das Gymnasium ohne sich mit diesen Themen auf dem Niveau der Oberstufe sowohl Wissen aneignend inhaltlich wie auch reflektierend und sich positionierend beschäftigt zu haben.

Die Schülerinnen und Schüler interessieren sich aber für diese Zusammenhänge, wollen sich in einer immer komplexer werdenden Welt persönlich verorten. Andererseits befinden sie sich in einem Dilemma: Wenn sie das Fach Politik und Wirtschaft nach der Q2 abwählen, reduzieren sie ihre Unterrichtszeit, dass sie diese Zeit für die Abiturvorbereitung brauchen. Gerade hier muss eine Verschiebung der Prioritäten erfolgen. Den Schülerinnen und Schülern muss die Zeit zugestanden werden, sich mit aktuellen politischen Themen in ihrer ganzen Komplexität auseinanderzusetzen, wenn der im Kerncurriculum formulierte Anspruch umgesetzt werden soll. Dazu braucht man Zeit. Diese Zeit dient der Persönlichkeitsbildung. Neben dieser individualistischen Sicht kommt der Bildung hier auch eine gesellschaftliche Relevanz zu, denn die aktuellen Schülerinnen und Schüler sind die Zukunft gestaltenden Akteure, die sich ohne entsprechende Kompetenzen in einer sich zunehmend verflechtenden Welt nicht angemessen orientieren können.

Je komplexer die politische Realität ist, umso größer wird offenbar das Bedürfnis einiger Menschen nach vermeintlich einfachen Lösungen, die momentan zum Beispiel von rechtspopulistischen Parteien wie der Alternative für Deutschland angeboten werden. Die aktuellen Wahlergebnisse in Europa und den USA spiegeln diesen besorgniserregenden, die Demokratie bedrohenden Trend wider. Dem PoWi-Unterricht in der Oberstufe kommt, unserer Meinung nach, eine maßgebliche Rolle bei der sachlichen Durchdringung komplexer, politischer und gesellschaftlicher Probleme sowie der Einnahme einer demokratischen Haltung zu. Da speziell die PoWi-Lehrkräfte für die Vermittlung Urteilsbildungskompetenz im politischen Bereich qualifiziert sind, muss ihnen das nötige Maß an Zeit und Raum für diesen demokratischen Auftrag zur Verfügung gestellt werden.

Im Vergleich zu den Fächern Religion/Ethik und Geschichte, die durchgängig in der Oberstufe und auch in der Mittelstufe belegt werden müssen, ist das Fach Politik und Wirtschaft bislang vor allem in der gymnasialen Oberstufe unterrepräsentiert. Damit kommt der politischen Bildung eine geringere Wertigkeit zu. Dieser Zustand ist unserer Einschätzung nach nicht länger haltbar!

 

Fachschaft Politik und Wirtschaft des Schuldorfs Bergstraße im März 2017



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