Stoppt die Strategie der Krankenkassen

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Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Spahn,

wir, die Unterschreibenden, fordern 

  1. den Verbot strategischen bzw. systematischen Hinterfragens verordneter Therapien durch die Krankenkasse
  2. unkomplizierte und sofortige Kostenübernahme verordneter Medikamente und Hilfsmittel sowie generelle Kostenübernahme fachärztlicher Verordnungen
  3. den Verbot des Einsatzes unqualifizierter Gutachter durch den MDK
  4. den Verbot von Gutachten nur nach Aktenlage
  5. den Verbot vom Herauszögern der Therapien durch langfristige Bearbeitungszeiten der Krankenkassen.

 

Kranke Menschen werden scheinbar immer wieder von den Krankenkassen in langatmige, belastende und zeitverzögernde Auseinandersetzungen und Diskussionen mit den zuständigen Krankenkassen und den zuständigen MDKs bei der Beantragung der Kostenübernahme für die medizinische Versorgung gezwungen.

Der Eindruck wird erweckt, dass mit absurden Argumenten, die teils justiziabel sind, Leistungen strategisch abgelehnt werden. Es wirkt, als ob der MDK oft nur als Begründung der angezielten Ablehnung dient. Das Problem des prinzipiellen Umgangs mit den MDK Gutachen und die entsprechende Gutachter-Qualifikationen bei mitunter seltenen Krankheiten sollte einer juristischen Prüfung unterzogen werden. Daher wird unbedingt ein Grundsatzurteil gebraucht.

Die Ablehnungsbescheide verletzten unseres Erachtens die Grundrechte der Menschen aus Artikel 2 Absatz 1 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip und Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes (BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 26. Februar 2013, AZ: 1 BvR 2045/12).

Durch die gezielten Ablehnungen werden Therapieentscheidungen der behandelnden Ärzte und Fachärzte verworfen, dem Kranken weggenommen oder unnötig verzögert.

Es muss jetzt schnell gehandelt werden!

Mit freundlichen Grüßen 

 

P.S. : Ich habe persönliche Gründe für diese Petition und ich schreibe sie in den schwierigsten Zeiten meines Lebens. Hierzu ein paar Worte: Mein Mann ist erneut an adenoidzystischen Karzinomen erkrankt. Adenoidzystische Karzinome sind seltene Tumore mit einer Biologie, die sich in einigen Aspekten signifikant von der Biologie anderer solider Tumore unterscheidet. Es ist eine schwerwiegende Erkrankung, die sehr wahrscheinlich zum Tode führt. Nach 5 Operationen und verschiedenen Therapien empfiehlt der behandelnde Arzt Axitinib im Off-Label-Use. Auf die Beantragung der Kostenübernahme erhielt mein Mann von der Krankenkasse einen Ablehnungsbescheid. Der Medizinische Dienst kam zu dem Ergebnis, dass eine Kostenübernahme nicht empfohlen werden kann. Nach dem erfolglosen Widerspruchsverfahren haben wir vor dem zuständigen Sozialgericht Klage eingereicht.

Die Wirksamkeit von Axitnib bei Adenoidzystischen Karzinomen wurde in einer aus dem ASCO 2020 präsentierten randomisierten Phase II Studie demonstriert. Nun ist aber die fehlende Phase III der Studie und die fehlende Publikation scheinbar der Grund für den Medizinischen Dienst die Kostenübernahme nicht zu empfehlen. Wir haben den koreansichen Autor der Studie gefragt, ob eine Phase III geplant sei. Er antwortete uns, dass man sich erfolglos um die Phase III bemüht habe. Seines Erachtens sei diese Krebsart zu selten, daher  hätte die Pharmaindustrie kein Interesse an einer Phase III. Schaut man sich die Hinweise zur Begutachtung zur internen Verwendung durch die MDK-Gutachter bei Off-Label-Use an, so kommt man auf die drei Fallgestaltungen, auf die sich der Off-Label-Use stützt. Der Medizinische Dienst hält sich an die Ziffer b) fest, um im Ergebnis die Antragsstellung u.a. an der fehlenden Phase III und die fehlende Publikation scheitern zu lassen. Da es offensichtlich aus wirtschafltichen Gründen zu keiner Phase III der Studie kommen wird, gehen wir davon aus, dass die Ziffer a) der Fallgestaltungen greifen müsste: "Es handelt sich um einen so genannten Seltenheitsfall. Eine solche Krankheit ist so selten, dass sich ihre Behandlung der systematischen Erforschung entzieht. Das maßgebliche Urteil wurde vom Bundessozialgericht (BSG) am 19.10.2004, Az.: B 1 KR 27/02 R, zur Photodynamischen Therapie (PDT) beim Aderhaut-Kolobom beim Kind verkündet."

Mit anderen Worten wird niemals ein Medikamt für diese seltene Krebsart entwickelt werden, da ein solches Medikamtent für die Pharmaindustrie nicht lukrativ ist. 

Aktuell sammle ich Spenden, damit mein Mann mit dem empfohlenen Medikament beginnen und bis zum Ergebnis des langwierigen Klageverfahrens durchhalten kann.

Hoffentlich hallen die Worte dieser Petition nach und der starke Wind, der uns entgegen bläst, verschwindet.

Claudia Santos