Grundfinanzierung statt Profite mit Bildung!

Grundfinanzierung statt Profite mit Bildung!

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 200.
Bei 200 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Empfehlungen gelistet!

Revolte gegen die Vermarktlichung des Bildungswesens - ReVerBi hat diese Petition an Angela Dorn (Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst) gestartet.

Wir, Angehörige des Fachbereichs 03 der Philipps-Universität Marburg und das Bündnis ReVerBi (Revolte gegen die Vermarktlichung des Bildungswesens), sprechen uns gegen die laufenden und anstehenden Sparmaßnahmen am Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften und Philosophie der Philipps-Universität Marburg aus. Diese sehen vor, dass angefangen werden soll, das angesparte Defizit von 1 Mio. Euro nun mitten in der Krise in kürzester Zeit abzubauen. Die Finanzierungslage sieht allerdings momentan so aus, dass wir erst ab einer Auslastung von 130 % keine Defizite am Fachbereich mehr einfahren. Eine noch höhere Auslastung ist für Angehörigen der Universität nicht mehr zumutbar, wird durch die Kürzungen aber anvisiert!
In Besprechungen mit Präsidium und Land ist herausgestellt worden, dass Drittmittel als Hauptlösung der Defizitstilgung vorgesehen werden. Allerdings sind bei der Drittmittel-Förderung, neben den ökonomischen Abhängigkeiten von Forschung gegenüber den Geldgebenden, meistens keine Mittel für Lehre vorgesehen.
Das widerspricht jeder Logik und ist untragbar für alle Mitglieder der Universität - ganz besonders neben den zusätzlichen Belastungen während der Pandemie.


1. Schilderung der Lage und Situation am Fachbereich 03

Überfüllte Seminare, sowie eine unzureichende Betreuung durch die Lehrenden sind schon in den letzten Jahren ein unübersehbares Problem gewesen. Seminare mit bis zu 100 Teilnehmenden können nicht mehr diesen Titel tragen. Wie sollen da Lehre und Informationsfluss gut funktionieren?
Außerdem soll die Anzahl der Tutorien am Fachbereich fast halbiert werden, obwohl diese essentiell zur Einarbeitung in ein Thema sind, da dort ungezwungener über Inhalte diskutiert werden kann. Außerdem ist es für Studierende die beste Möglichkeit erste Erfahrungen in der Lehre zu sammeln.
Aber die Institute stehen vor der Frage: Wie Stellen von 16 und mehr Semesterwochenstellen ersetzen, ohne eklatante Leerstellen in der angebotenen Lehre zu schaffen.
Durch die vakanten Stellen beim Mittelbau und die durch den Wegfall der Tutorien zusätzlich anfallende Betreuung der Studierenden wird die Lage des Mittelbaus noch verschärfen und es ist klar, dass das Betreuungsdefizit nicht aufgefangen werden wird. wird der Mittelbau noch mehr belastet sein und noch weniger auffangen können, als es jetzt schon der Fall ist.
Durch Corona und die daraus resultierende Umstellung auf Online-Lehre haben sich viele der genannten Problematiken nochmals verschärft. Jetzt, in der Zeit der Online-Lehre, die ohnehin nach mehr Betreuung verlangt, greifen die geplanten Sparmaßnahmen schon zum Sommer Semester 2021. Es sollen nicht nur Stellen studentischer Hilfskräfte unbesetzt bleiben, sondern sogar eine generelle Vertragssperre für Neubesetzung von Professuren und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innenstellen von 1 1/2 Jahren (Stand Mai 2021) angesetzt werden. Wo Stellen vakant bleiben, ist der Schritt zur kompletten Streichung nicht weit.


2. Die "unternehmerische" Hochschule als falsches Finanzierungs-, Lehr- und Forschungskonzept


Das Defizit von ca. 1 Millionen Euro, welches der Fachbereich 03 über die Jahre angehäuft hat, konnte nur entstehen, weil sowohl der Aufbau der Lehre als auch deren Finanzierung im Generellen strukturell völlig falsch angegangen/gehandhabt wird. Durch die Kopplung an stark schwankende Studierendenzahlen, also einer pro Kopf-berechnung, wobei Studierende außerhalb der Regelstudienzeit und im Zweitstudium nicht dazu zählen, kommt es rechnerich zu Unter- und Überbesetzung der Stellen, obwohl sich diese selbst nicht verändern. 
Die Finanzierung ist also nicht an Inhalte, Betreuungsschlüssln oder gar Bedarf gekoppelt. (Vergleichbar wäre es, wenn bei einem schwachen Geburtenjahrgang gesagt werden würde, die Grundschulen seien überbesetzt und deshalb müsse leider auf den Mathematikunterricht verzichtet werden.)
Durch die Kompetenzaufteilung von Mittelzuweisung an die Uni (Land) zum Fachbereich (Senat/Präsidium) und Geldzuteilung an die Institute (Dekanat), verweisen alle zuständigen Stellen gegenseitig aufeinander ohne selbst die eigene Verantwortung anzunehmen. (Und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.)
Der Beschluss, die sowieso schon knappen Gelder weiterhin zu kürzen, suggeriert, dass wir dieses Defizit als Fachbereich, selbst zu verantworten hätten. Das ist ein fataler Fehlschluss, dem wir, die ReVerBi, laut und deutlich und mit aller Vehemenz entgegentreten wollen.


3. Unsere Forderungen


Als Sofortprogramm von Bund, Land und Universität:


- Sofortiger Stopp der Einsparmaßnahmen im Fachbereich 03. Der Fachbereich leistet einen wertvollen Beitrag zur Krisenlösung! Daher gehört der Fachbereich ausgebaut und bedarfsorientiert ausfinanziert statt eingedämmt!
- massive Reduktion der Prüfungslast, damit Prüfungen zur Rückmeldung im Lernprozess statt zur Selektion für die Verwertung werden
- universitätsweite Themensemester, welche durch Zusammenarbeit unter einer gemeinsamen Fragestellung zur Lösung der drängenden gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit – ökologisch nachhaltiges Wirtschaften, Fluchtursachenbekämpfung, zivile Konfliktlösungen und soziale Ungleichheit – beitragen
- Sofortige Öffnung des Bafögs für alle als Vollzuschuss statt Studienkredite und hochbürokratische "Überbrückungshilfen".
- zurück zu 3 + 3 Jahresverträge für wissenschaftliche Mitarbeiter*nnen, um eine gute Betreuung der Studierenden zu garantieren
-  Anpassung des CN-Wertes! Nicht 60 sondern maximal 30 Teilnehmende als Norm!


vom Präsidium der Universität:


- die Rücknahme der Sparmaßnahmen (Stellensperren)
- Erhalt von Tutoriums- und Hilfkraftsstellen!
- die Erarbeitung realistischer Finanzierungsmöglichkeiten im Interesse des FB 03, die nicht auf Kosten von Lehre und Forschung gehen!
- keine Delegierung der Verantwortung für die Finanzierung allein an den Fachbereich, damit nicht die einzelnen Fächer gehalten sind, um die knappen Mittel zu konkurrieren!
- Einsetzung für angemessene Seminargrößen: UNTER 30 Leute

vom Fachbereich 03:


- wir fordern, dass der Fachbereich bzgl. der Neuverteilung der Gelder keine Konkurrenzsituation zwischen einzelnen Instituten schafft und sich stattdessen aktiv gegen die Sparmaßnahmen stellt
- Ausbau von Projektstudien, in denen über einen längeren Zeitraum kooperativ und in forschendem Lernen und lernendem Forschen eine Fragestellung mit gesellschaftlicher Bedeutung vertieft werden kann
- Stärkung der Orientierungseinheiten als integraler Bestandteil des Studiums
- kritsche Lehre zu Hochschule, Demokratie und der Hochschule als Unternehmen


vom Land Hessen/Bund:


- Anpassung der CN-Werte (für eine bedarfsgerechte Uni-finanzierung)
- Abkehr von temporärer und wettbewerbsförmiger Mittelzuweisung (u. a. Drittmittel und Exzellenzstrategie) hin zu Dauermitteln (Grundfinanzierung der Fachbereiche)
- demokratische Mittelvergabe anhand gesellschaftlicher Herausforderungen statt leistungsbezogene und damit konkurrenzschürende Mittelvergabe, denn  Drittmittel dürfen und können nicht fehlende Grundbudgets ersetzen. 
- Recht auf Wohnen durch die Ausfinanzierung und Demokratisierung der Studierendenwerke
- Tarifverträge für alle studentischen Beschäftigten und unbefristete Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau
- Novellierung des Hessischen Hochschulgesetzes:  Viertelparität in allen Gremien
- barrierefreier Ausbau der Universitätsgebäude und der (Online-)Lehre!Wir fordern nachdrücklich einen Stopp der Einsparmaßnahmen und rufen dazu auf, sich der Vermarktlichung des Bildungswesens entgegenzustellen und im Bündnis mitzumachen!

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 200.
Bei 200 Unterschriften wird die Petition mit höherer Wahrscheinlichkeit in den Empfehlungen gelistet!